Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2837

Der Hofnarr und die Kaiserin – von Uwe Anton – Handlung:

Anfang Mai 1518 NGZ wird der Planet Olymp von zwei der wichtigsten Personen der Milchstraße besucht. Vetris-Molaud hat sein Kommen angekündigt und auch Arun Joschannan will die Zentralwelt des Olymp-Komplexes besuchen. Anfang Juni ist auf allen 38 Welten eine Volksabstimmung angesetzt. Wird sich Olymp dem Tamanium anschließen oder in der LFT verbleiben? Zahlreiche Medienvertreter erwarten die Landung der VOHRATA, darunter auch Keykil Fektenór vom Sender Augenklar. Einen Tag früher als angekündigt landet überraschend nach dem Flaggschiff der Tefroder auch die MAURENZI CURTIZ des LFT-Residenten. Die beiden Politiker werden nacheinander vom Kaiserpaar von Olymp begrüßt. Bei der ungewöhnlichen Zeremonie tut sich vor allem der Hofnarr Niemandgram Toposhyn hervor. Der Epsaler ist eigentlich die Person, die Keykil Fektenór gerne als Aufhänger in ihrer Reportage vorgesehen hat. Sein Auftritt für die Gäste erfolgt nach einer längeren Krankheit, über die nichts bekannt ist.

Kaiser Martynas Deborin-Argyris und Kaiserin Indrè Capablanca geben am Abend für die beiden Politiker und weiteren Gästen ein Festessen. Noch während des Essens wird dem Kaiserpaar durch den Tesqiren Yoqord eine ungewöhnliche Botschaft überbracht. Die Ordische Stele in der Nähe des Kaiserpalasts wünscht die beiden zu sprechen. Indrè Capablanca begleitet alleine den Fürsprecher des Tribunals zur Stele. Mit dem Gesicht von Matan Addaru Jabarim wendet sich die Stele mit einer Bitte an die Kaiserin. Für das Konzil der Stelen von GA-yomaad soll sie ins Ardinsystem zum Planeten Yoopsin fliegen und dort eine Raumstation, die Tonne, aufsuchen. Und sie soll in Erfahrung bringen, was aus dem Entdecker der Tonne, einer Person namens Nos Gaimor, geworden ist. Die Stelen haben Anzeichen eines Phänomens entdeckt, die dys-chrone Drift.

Nach Übermittlung aller Fakten an Arun Joschannan bricht die Kaiserin mit der ONTIOCH ANAHEIM, einen Schweren Kampfkreuzer auf. Sie wird von Niemandgram Toposhyn und der Chronotheoretikerin Aichatou Zakara begleitet. Der Abflug des Schiffes bleibt der Journalistin Keykil Fektenór nicht verborgen. Sie hatte eine Spionsonde auf Niemandgram Toposhyn angesetzt, der kurz in seinem privaten Anwesen eine Tasche geholt hatte. Während er weg ist, will sie sich in dem Haus, das der Epsaler sich unmöglich leisten kann, ein wenig umsehen. Sie bricht in das Anwesen ein und stößt unversehens auf einen Kampfroboter, der sie töten will. Nur mit ihrer Sonde kann sie rechtzeitig entkommen. Für einen zweiten Besuch ist sie besser gerüstet. Ihre Spionsonde löst jedoch beim Versuch an Daten zu gelangen eine Explosion aus, die das ganze Haus vernichtet und die Journalistin ins Krankenhaus befördert.

Auf der ONTIOCH ANAHEIM machen sich Indrè und Aichatou mit den historischen Fakten vertraut. Nos Gaimor ist das Resultat eines Experiments der Aras aus dem genetischen Material eines Naats und eines Terraners. Die 3500 Meter lange und 700 Meter durchmessende Tonne unbekannter Baumeister hatte Gaimor entdeckt und deren Machtmittel zur Unterwerfung Yoopsins genutzt. Zur Zeit der Laren hat er sich als Erster Hetran beworben und wurde auf seiner Raumstation, der Tonne, im Zweikampf von Leticron am 6. Juli 3459 getötet. Das Schiff erreicht das Ardinsystem. Die Tonne ist nicht mehr im Orbit um Yoopsin, sondern umkreist einen der äußeren Planeten. Da Yoopsin zur Liga gehört, ist der Besuch der Raumstation, die nur von einem kleinen Forscherteam bemannt ist, kein Problem. Die Forscher haben ihr halbes Leben mit der Untersuchung der Tonne verbracht und sind entsprechend reserviert den Besuchern gegenüber.

Die Kaiserin und Aichatou Zakara gehen an Bord. Kein Raum auf der Tonne gleicht dem anderen. Die Forscher suchen vor allem nach der Gruft mit Nos Gaimor. Indrès Symbiont hilft der Kaiserin, den Raum mit der Gruft zu finden. Als die Suchgruppe den Raum betritt, bemerken alle für einen kurzen Moment die Gestalt von Gaimor auf einem Sockel, bevor sich der Körper plötzlich auflöst. Die Positronik der Tonne gibt zur Auskunft, den Leichnam nach einem Vorfall an Bord unmittelbar nach der Bereinigung desintegriert zu haben. Die Kaiserin bekommt eine Aufzeichnung zu sehen. Nos Gaimor kämpft an der Seite von Leticron gegen Insektenwesen, die als Individualverformer identifiziert werden. Gaimor rettet während des Kampfes Leticrons Leben. Dabei wird er schwer verletzt und von Leticron in die Medostation gebracht. Der Überschwere verlässt daraufhin die Tonne. Zehn Jahre nach dem Vorfall stirbt Gaimor an den Folgen der Verletzungen. Im Jahre 3466 wird sein Leichnam desintegriert.

Damit weicht die Aufzeichnung von den bekannten historischen Daten ab. Auch gelten die IVs, auch Vecorat genannt, als ausgestorben. Laut Bordpositronik haben sich einige Mitglieder dieses Volkes vor dem TevveTrar-Syndrom auf die Tonne geflüchtet. Zakara stellt eine Theorie auf. Die raumzeitliche Realität spiegelt sich auf mikrokosmischer Ebene. Die bekannten Strukturen von Raum und Zeit brechen auf dieser Ebene ein und erzeugen einen Quantenschaum, in dem es kein Gestern und kein Morgen gibt. Infolge einer Manipulation der Zeit könnten auf dieser Ebene Spiegelbilder der eigentlich gelöschten Realität weiterhin vorhanden sein. Diese Spukbilder verschwinden, wenn ein Vertreter der gültigen Zeit das Phänomen beobachtet. Die Forscher haben demnach an Bord der Tonne eine annullierte Realität gesehen, die endgültig verschwand, als sie beobachtet wurde.

Die Kaiserin berichtet nach Olymp und wird von der Stele gebeten, weitere Nachforschungen auf dem Archivplaneten der Galkiden vorzunehmen. Arun Joschannan, der alles mitbekommt, schickt zu einem Rendezvous-Punkt mit der Kaiserin eine weitere Person. Die Stele auf Olymp zeigt sich inzwischen nicht mehr in makellosen Patronit, sondern wie von schwarzen Lohen durchsetzt.

Auf Olymp ist die Journalistin weitgehend genesen. Die Aufzeichnungen, die der Sender Augenklar aus dem Haus retten konnte, zeigen, wie der Hofnarr in seinem Anwesen von einer unbekannten Frau ermordet und sein Körper desintegriert wird. Am vereinbarten Treffpunkt zeigt sich ein Schiff der USO und Lordadmiral Monkey geht an Bord der ONTIOCH ANAHEIM

 

Rezension:

Der aktuelle Roman von Uwe Anton kommt ein bisschen schwer in Gang. Nach einigen Seiten entwickelt sich jedoch eine flotte und zuweilen auch spannende Handlung. Nicht alle Elemente der Handlung konnten mich überzeugen, so manches Detail rief bei mir ein Stirnrunzeln hervor und einiges bleib mir auch ehrlich gesagt unverständlich. Dazu zählen einige der Auftritte des Hofnarren. Die grundsätzliche Bedeutung dieser Figur ist klar. Mit ihr soll der Besucher Vetris-Molaud durch den Narren, der sich unreif, vielleicht dumm und tollpatschig zeigt, auf amüsante Weise vorgeführt werden. Dennoch konnte mich die Anlage dieser Figur nicht so richtig überzeugen. Am Ende zeigt sich, dass der Narr womöglich ausgetauscht wurde. Gegen wen, wird sich noch zeigen. Der Symbiont der Kaiserin scheint nichts bemerkt zu haben.

Die Journalistin, aus deren Sicht der Autor durch die ersten Abschnitte seiner Geschichte führt, sticht aus der Masse ähnlicher Protagonisten nicht eben hervor. Auf der einen Seite ist der Medienzirkus im 51. Jahrhundert ein erstklassiges Instrumentarium, um Begebenheiten in einem anderen Licht darzustellen. Auf der anderen Seite werden diese Möglichkeiten dann doch nur in schwachen Ansätzen genutzt. Setzt man die journalistischen Aktivitäten in einem Zusammenhang mit den Politikerreden dieser Geschichte und der geplanten Volksabstimmung, wird die Schwäche dieser Medienvertreter und der Handlung überdeutlich. Eine kritische Berichterstattung findet nicht statt und Vetris-Molaud wird von Uwe Anton in ein, zwei Sätzen salonfähig geschrieben. Der Auftritt des Hofnarren und seines Ensembles war mir eine Spur zu grotesk geraten, um in diesen Roman zu passen.

Mit dem Wunsch der Stele nimmt die Geschichte dann Fahrt auf. Die ersten Versuche, den Begriff der dys-chronen Drift zu erklären und der Besuch der Tonne mit den ganzen rätselhaften Ereignissen sind dem Autor gut gelungen. Die Theorie der Chronotheoretikerin fand ich ebenfalls ganz gut beschrieben. Man sollte nur nicht zu lange darüber nachdenken. Der verwendete Begriff „mikrokosmisch“ stellt ja eigentlich einen Widerspruch in sich dar. Und der im Roman angestrengte Vergleich mit Schrödingers Katze hinkt auch. Die gleichzeitig tote und lebendige Katze würde erst dann eindeutig auf „lebendig“ oder „tot“ festgelegt, wenn man sie beobachtet, also eine Messung durchführt. In der Geschichte jedoch werden die verschiedenen Zustände eines Systems, das von der Wechselwirkung mit der Umgebung isoliert wird, eben nicht durch die Beobachtung festgelegt. Gemeint sind ja hier die verschiedenen Realitäten. Eine Messung in Form einer Beobachtung kann nicht erfolgen, da sie keine der beiden Realitäten festlegen kann. Die Beobachter hätten also nichts sehen dürfen.

Dennoch bin ich gespannt, wie es weitergeht. Somit hat der Autor seine Pflicht erfüllt.

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