Ansichten zu Ex Machina

Am vergangenen Wochenende habe ich den Film „Ex Machina“ auf Blu-ray gesehen. Der Film bot gute Unterhaltung und beeindruckte mich im Ton und Design. Toll fand ich auch, dass der Film Schlüsselszenen enthielt, die mich überraschten und zum Nachdenken anregten. Warum ich dennoch nur von „guter“ Unterhaltung spreche, liegt daran, dass in dem Film, der mit 108 Minuten nicht zu lange ist, durchaus Platz gewesen wäre, um das Kernelement, nämlich den Test der Künstlichen Intelligenz, länger und detaillierter zu zeigen. Außerdem habe ich mich etwas an den Darstellern gerieben, die wirklich nicht schlecht waren, deren Entwicklung jedoch zu kurz kam.

Wenn mir etwas von diesem Film in Erinnerung bleibt, dann ist das sicherlich der Sound. Der Film verlegt die Handlung weitgehend in eine unterirdisch angelegte Forschungsstätte. Außenaufnahmen sind selten und actionlastige Szenen nicht vorhanden. Entsprechend ist der Sound nicht aufdringlich, er ist fabelhaft subtil. Er ist stets präsent und das Sounddesign ist für jede Szene in diesem Film absolut passend erstellt worden. Der Sound harmoniert einfach wunderbar mit den visuellen Eindrücken. In den entscheidenden Szenen wird der Ton aggressiver, aber die Bässe werden nicht zu dominant. In allen Szenen sind die Dialoge sehr gut verständlich. Der Sound ist für mich das Highlight in diesem Film.

Nicht ganz auf Augenhöhe spielt das Bild. Die Bildschärfe ist keineswegs schlecht, sie könnte in einigen Szenen jedoch besser sein. Wobei sich eh die Frage stellt, ob diese Szenen nicht bewusst weichgezeichnet wurden, als ein stilistisches Element. Der Look des Films und sein visuelles Design setzen zwar keine Highlights, finde ich aber stimmig und überzeugend.

Komme ich nun zu den Figuren, deren Anzahl wie bei einem Kammerspiel begrenzt ist. Ich hatte, wie eingangs erwähnt, so meine Probleme mit den Darstellern des Nathan (Oscar Isaac) und des Caleb (Domhnall Gleeson). Jede Äußerung von Nathan beinhaltet eine Provokation und jede Äußerung von Caleb drückt Unsicherheit aus. Diese Figurenmerkmale ziehen sich als gerade Linie durch den ganzen Film bis hin zu einer Schlüsselszene. In dieser Schlüsselszene berühren sich diese Linien und Caleb kann für einen kurzen Moment seine Unsicherheit besiegen. Nathan hingegen verliert in dieser Szene seine aufreizende Art. Er bekommt jedoch keine Gelegenheit, sich zu ändern. Und Caleb wird wieder wie vorher. Da ist das Potential, das diese Figuren boten, nicht ausgeschöpft worden.

Von den Inhalten und der Handlung selbst bin keineswegs enttäuscht, hätte mir jedoch mehr erwartet. Das Thema „Künstliche Intelligenz“ ist Motiv in vielen Filmen. Meist wird es zugunsten visueller Effekte in den Hintergrund gedrängt oder als Thema gänzlich verfehlt, weil die Autoren nicht zwischen der Übertragung eines menschlichen Bewusstseins auf eine Maschine und der Schaffung eines künstlichen Bewusstseins ausreichend differenzieren. Wobei KI ja nicht notwendigerweise ein Bewusstsein voraussetzt oder zum Ziel hat.

In Ex Machina wird recht schnell zumindest der Aspekt des eigenen Bewusstseins früh in der Handlung geklärt. KI hat ein eigenes Bewusstsein, teilen uns die Protagonisten mit. Punkt. Wie das entsteht, wird nicht thematisiert. Auch nicht, ob es um die Simulation eines Bewusstseins geht oder um ein echtes bewusstes Erleben. Nathan, der Erfinder der KI lässt seine Schöpfung über die von ihm geschaffene Suchmaschine BlueBook auf das Wissen und das Verhalten aller Menschen zugreifen, die die Suchmaschine benutzen. Das erklärt leider gar nichts.

Der Zuschauer nimmt die Rolle des naiven Computerprogrammierers Caleb ein, der von Nathan beauftragt wird, das Maschinenwesen Ava (Alicia Vikander) zu testen. Caleb soll den Turing-Test an Ava durchführen. Der Turing-Test läuft eigentlich anders als im Film dargestellt. Einer KI und einem Mensch werden die gleichen Fragen gestellt. Beide haben mit ihren Antworten nur ein Ziel. Sie sollen den Fragesteller davon überzeugen, dass sie ein Mensch sind. Wenn der Fragesteller nicht mehr unterscheiden kann, wer Mensch und wer Maschine ist, dann ist der Test bestanden, und die KI ist dem Menschen ebenbürtig.

Caleb sitzt jedoch dem Maschinenwesen Ava direkt gegenüber und für den Vergleich dient er selbst. Die sexy gestylte Roboterfrau verdreht Caleb den Kopf, er kommt in eine Identitätskrise und hält sich schließlich selbst für eine KI in einem künstlichen Körper. In der Folge entwickelt sich zwischen den Figuren ein interessantes Katz- und Mausspiel. Wird es Ava gelingen, ihren Schöpfer zu übertrumpfen? Der Film zeigt Stil und ist in vielerlei Hinsicht deutlich besser gelungen als beispielsweise Chappie oder Transcendence. Im Film läuft der Turing-Test über mehrere Tage. Davon kommt beim Zuschauer jedoch wenig an. Wahrscheinlich hat man es gescheut, dem Test zu viel Aufmerksamkeit zu schenken und hat stattdessen das Spiel zwischen Nathan und Caleb stärker betont.

 

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