Articles for the Month of März 2019

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3006

Halbraum-Havarie – von Uwe Anton
Die BJO BREISKOLL ist auf dem Flug zur Wega. Perry Rhodan will sich dort umsehen und je nach Lage dann entscheiden, ob sie weiter ins Solsystem reisen. Beim überlichtschnellen Flug wird ein unbekanntes Phänomen beobachtet. Schlauchartige Energiebündel entstehen in der Nähe und tasten sich zum Kugelraumer vor. Die BJO BREISKOLL wechselt in den Normalraum. Als sie erneut in den überlichtschnellen Flug wechselt, sind die Energiebündel wieder da. Sie nähern sich dem Schiff und hüllen es ein. Der Linearflug kann nicht mehr beendet werden. Die BJO BREISKOLL steckt im Halbraum fest.
Durch die Vakuole, in der das Schiff steckt, dringt ein riesiges wurmartiges Wesen in das Schiff ein. Nichts kann es aufhalten. Rhodan erkennt, dass der Eindringling nach ihm sucht. Er lässt sich einfangen und im Schutze seines SERUNS nimmt er den Siganesen Tenga mit. Zu Rhodans Überraschung wird er an Bord eines Raumvaters der Onryonen gebracht. Der Pilot des „Wurmes“ entpuppt sich als Terraner namens Klingsor Too. Die Onryonen bezeichnen sich als On-Piraten. Rhodan wird inhaftiert. Die Onryonen scheinen zu wissen, wen sie da gefangen haben. Ein Cairaner soll an Bord kommen. Als Belohnung winkt Vitalenergie.
An Bord der BJO BREISKOLL ist die Lage kritisch. Zwei weitere Würmer sind ins Schiff eingedrungen. Auf dem Raumvater hat Perry Rhodan noch einen Triumph in der Tasche. Tenga ist unbemerkt an Bord gelangt. Er verhilft Rhodan zur Flucht und wird dabei schwer verletzt. Rhodan muss nicht nur das Schiff verlassen, was im Linearraum schwierig ist, er darf auch die BJO BREISKOLL nicht gefährden und muss auch Tenga retten.
Uwe Antons erster Beitrag zum neuen Zyklus hat es in sich. Der Autor, dem ich häufig vorwerfen muss, sich in Wiederholungen zu verlieren, hat mit der Halbraum-Havarie einen straffen Roman geschrieben. Trotzdem findet er Gelegenheit, auf ein paar der Fragen einzugehen, die auch mir als Leser bei dem ganzen „Mythos Erde-Szenario“ durch den Kopf gehen. Beispielsweise die, warum die Terraner keine Sonden ins Solsystem schicken, wenn sie befürchten müssen, dass Rhodans ZA geortet werden kann. Der Autor hat darauf eine Antwort. Die Sonden müssen ihre Ergebnisse natürlich zurückliefern. Und auch da besteht die Gefahr einer Entdeckung. Bull zu kontaktieren ist klar der bessere Plan.
Dennoch lässt der Autor seinen Protagonisten Rhodan sein eigenes Verhalten reflektieren. Und geht dabei auf das Zaudern des Helden ein. Nicht zum ersten Mal. Auch andere Autoren beschäftigen sich mit diesem interessanten Verb, das häufig dann verwendet wird, wenn es ausgerechnet um den Titelhelden der Serie geht. Bei anderen Figuren scheint es kein Zögern, kein Zaudern zu geben. Zumindest muss es nicht thematisiert werden. Beim Helden der Serie wird jedoch verstärkt auf ein unentschlossenes und zögerliches Verhalten eingegangen. Hier könnten Leserreaktionen Pate gestanden haben. Zumindest erweckt es den Eindruck, als würden kritische Lesermeinungen zum Helden in den Geschichten aufgegriffen werden. Die innere Auseinandersetzung Rhodans damit, was der richtige Weg sei, beendet der Autor allerdings recht schnell wieder und gibt mit den folgenden Geschehnissen eine passende Antwort. Der Held wirft sich dem Wurm todesmutig und waghalsig entgegen. Na ja, zumindest glaubte Rhodan fest daran, nicht zugleich desintegriert zu werden. Und Tenga konnte er auch überzeugen.
An den Handlungen des Helden, die dann folgten, gibt es kaum etwas zu kritisieren. Ja, die Onryonen nehmen Rhodan, nachdem er flüchtet, nicht so richtig ernst. Dem Terraner und seinem Kompagnon wird einiges recht einfach gemacht. Und das Vertrauen in Klingsor Too kommt mir einen Tick zu schnell. Denn Tenga merkte vorher zu Recht an, dass der Terraner für den Tod mehrerer Besatzungsmitglieder der BJO verantwortlich ist. Auch auf der BJO selbst bleibt es spannend, auch wenn dort der Einsatz Yaraduas zugunsten einer gewissen Dramatik nicht konsequent durchgezogen wurde.
Dem Schwung, den der Autor gleich zu Beginn in seine Geschichte brachte, konnten diese kleineren Ungereimtheiten nichts anhaben. Die Handlung war flott und abwechslungsreich und blieb es bis zum Ende. Linearraum-Phänomen, unbekannte Eindringlinge an Bord, das Auftreten der Onryonen als weitere Partei in diesem undurchsichtigen Zyklus, die Enttarnung eines Agenten, der Raub der Vitalenergie, die seltsamen Würmer und einiges mehr, ließen den Roman nicht langweilig werden.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3005

Wiege der Menschheit – von Andreas Brandhorst
Die BJO BREISKOLL ist auf dem Flug zur Wega. Unterwegs wird ein Funkspruch aufgefangen. Die Shenpadri haben die Heimatwelt der Terraner gefunden, die Wiege der Menschheit. In einem System, das als Rheiasystem bekannt ist. Ruinenhüter Shanlud von den Shenpadri, die sich der Archäologie verschrieben haben, richtet seine Meldung an die LFG. Von dort wird ein Schiff der Explorerflotte angewiesen, Kontakt zu den Archäologen aufzunehmen. Perry Rhodan entscheidet sich, das Rheiasystem anzufliegen und den Kontakt zum Explorer NEY ELIAS zu suchen. Im Jahr 2436 wurde auf Tellus, dem einzigen Planeten des Systems, ein Stützpunkt eingerichtet. Es ist unbekannt, was daraus wurde. Tellus beschreibt eine extreme Bahn, für die er mehr als 3300 Jahre benötigt. Die meiste Zeit ist der Planet unter Eis begraben.
Die Besatzung der NEY ELIAS ist misstrauisch. Sie glaubt nicht, dass der Perry Rhodan, der sich bei ihnen meldet, echt ist. Dennoch lässt Kommandantin Amma Vargas den Unsterblichen mit zwei Begleitern, Donn Yaradua und Tenga, an Bord ihres Schiffes. In Tholia Turan hat der Explorer eine Frau an Bord, die Lüge und Wahrheit dank eines Symbionten unterscheiden kann. Obwohl Tholia Perry Rhodan glaubt, bleibt das Verhältnis angespannt. Man fliegt gemeinsam nach Tellus, wo die Shenpadri mit ihren Schiffen eine riesige Stadt aus dem Eis freigelegt haben. Perry Rhodan erkennt die Reste von Terrania City.
Man landet in der Stadt und entdeckt Statuen, die unzweifelhaft Perry Rhodan zeigen. Allerdings erinnert sich Perry Rhodan nicht an diese Standbilder, die ihn zudem in ein zweifelhaftes Licht rücken. Doch das ist nicht das einzige Mysterium auf Tellus. Denn im Eis erwacht eine fremde Intelligenz und Perry Rhodan trifft auf einen alten Feind aus den Tagen des Solaren Imperiums. Und ein Terraner begeht Verrat.
Andreas Brandhorst ist mir vor allem als Terranauten-Autor bekannt. Aber für die Taschenbuch-Reihen Lemuria und PAN-THAU-RA hat er bereits Beiträge im Perryversum veröffentlicht. In seinem Gastbeitrag widmet sich der Autor verstärkt dem zentralen (?) Thema dieses Zyklus. Dem Thema, dass die Erde nur ein Mythos sein soll. Und gibt den Gerüchten Nahrung, dass die Terraner aus welchen Gründen auch immer, vielleicht selbst diesen Mythos geschaffen haben. Dazu später mehr.
Zunächst fällt mir auf, dass sich Andreas Brandhorst mit seinem Schreibstil fast nahtlos in den Serienkosmos und dem speziellen Erzähl- und Darstellungsstil der Serie einfügt. Das ist einerseits gut, weil man sich an diesem Stil gewohnt hat. Andererseits aber schlecht, denn Gastautoren sollten meiner Ansicht nach auch mal Akzente setzen und den gewohnten (Lese)Fluss aufwühlen. Es sind aber nur wenige Textstellen identifizierbar, in denen es Andreas Brandhorst gelingt, über die bekannten stilistischen Elemente und Charakteristiken eines Perry Rhodan-Romans hinaus, der Geschichte eine eigene Note zu geben.
Mit den Shenpadri lernen wir nun schon das dritte Volk kennen, das vor dem Zeitsprung in der Milchstraße unbekannt war. Dieses Völkchen von Archäologen, deren wurmartiges Aussehen sich in ihren Raumschiffen spiegelt, kann der Autor interessant in Szene setzen. Die Ereignisse auf Tellus folgen dann Schlag auf Schlag. Als Leser hat man kaum Zeit, die zahlreichen Entdeckungen zu würdigen. Trotz des hohen Tempos bleiben dann allerdings einige Szenen etwas blutleer. Dass sich Perry von so mancher Begebenheit nicht aus der Ruhe bringen lässt, kann aufgrund seiner Erfahrung erklärt werden. Mir fehlten aber etwas die emotional auf die Entdeckung reagierenden Figuren. Gleiches dann mit dem Schwingungswächter. Die Szenen wirkten wenig bedrohlich.
Zurück zum „Mythos Erde“ Thema. Ein wesentliches Element zu Beginn dieses Zyklus ist der Mythos, dass Terra gar nicht existiert hat. Damit werden wir Leser wohl noch etliche Romane lang konfrontiert werden. Das Thema schreit förmlich nach Aufklärung. Hier trifft Perry Rhodan nun auf eine ganze Schiffsbesatzung von Terranern. Er könnte die Daten liefern, tut es aber nicht. Ständig kommt etwas dazwischen. Ein Szenario, dass sich nicht ewig dehnen lässt, bevor es unplausibel wird. Ein anderes, damit eng im Zusammenhang stehendes Element ist die Neugierde. Dass die wenigen Menschen, die nicht unbedingt dumm erscheinen, dem Mythos so anhängen, lässt sich nur erklären, wenn wissenschaftliche Neugierde zum Erliegen gekommen ist. Bei tausenden von besiedelten Welten sollten sich genügend Beweise für eine Existenz Terras finden lassen. Wenn man es denn möchte. Mit den Menschen des Explorers hatte ich daher meine Schwierigkeiten. Es „sind“ Wissenschaftler und sie scheinen auch Forschungseifer zu besitzen. Und dennoch hängen sie ebenfalls dem Mythos nach. Kennen kein Terra und kein Solares Imperium. Der Name Perry Rhodan sagt ihnen was. Aber sie sind unsicher. Da sie vom Ephelegon-System entsandt wurden, von Reginald Bull, stellt sich die Frage, warum sie nicht aufgeklärter sind, als ihre Artgenossen im Rest der Milchstraße? Was lernen sie in der Schule? Wenn also Terraner aus dem direkten Umfeld des Residenten ebenfalls so wenig über die Vergangenheit wissen, was sagt uns das über Reginald Bull?
Insgesamt ein sehr unterhaltsamer Roman.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3004

Der Vital-Suppressor – von Christian Montillon
Nach der Befreiungsaktion aus dem Gefangenenlager der Cairaner sind Giuna Linh und ihr Mann Lanko Wor an Bord der TREU & GLAUBEN in Sicherheit. Doch Lanko liegt im Koma und der Bordarzt des Schiffes, der Ara Spand, kann nichts für seinen Patienten tun. Sowohl Linh als auch Spand stellen die Hypothese auf, dass der komatöse Zustand durch den Entzug aus dem Wirkungsbereich des Vital-Suppressors ausgelöst wurde. Sie überzeugen Cyprian Okri und seinen Begleiter Kondayk-A1 in die Ausweglose Straße zurückzukehren. Die beiden Agenten des Nachrichtendienstes Ephelegon wollen dort weitere Informationen sammeln. Denn wenn das Gerät der Cairaner eine solche Auswirkung zeigt, dann würde es schwierig werden, ganze Planeten davon zu befreien.
Andernorts ist auch Perry Rhodan auf die Ausweglose Straße aufmerksam geworden. Der Unsterbliche hat wieder das Gespräch mit Zemina Paath gesucht. Der Paau, jener ominöse Koffer der ebenso geheimnisvollen Frau, zeigt Rhodan eine Darstellung der Milchstraße. Allerdings kein normaloptisches Bild, sondern ein Hypersexta-Diagramm. Es zeigt Regionen mit erhöhter Vitalenergie. Eine der Regionen ist das Afallachsystem. Dort liegt nach Auskunft von Zemina Paath eine Strafanstalt der Cairaner. Eine Ausweglose Straße. Perry Rhodan will mehr erfahren und fliegt mit der BJO BREISKOLL das Ziel an. Aus dem Datenverkehr wird deutlich, dass den Gefangenen Vitalenergie entzogen wird. Als Aktivatorträger wähnt sich Perry Rhodan gewappnet gegen diesen Einfluss. Er will in die Ausweglose Straße eindringen. Dies ist kurz zuvor auch dem Einsatzteam der TREU & GLAUBEN gelungen. Als auch Perry Rhodan eintrifft, geht man gemeinsam daran, mehr über den Vital-Suppressor zu erfahren und wenn möglich die Gefangenen aus diesem grausamen Gefängnis zu befreien.
Der Exposé-Autor verfolgt gleich drei verschiedene Handlungsebenen in seiner Geschichte. Im Einstieg lernen wir den Sliwaner Tsaras kennen, der mit zwei weiteren Gefangenen ums Überleben in der Ausweglosen Straße kämpft. Dann sind da noch die beiden NDE-Agenten und das Gaunerpärchen aus Heft 3000. Und Doktor Spand. Und schließlich Perry Rhodan, den der Autor mal alleine in den Einsatz schickt. Abgesehen von ein paar TARAS. Die Perspektive aus Sicht der Gefangenen war gut geschrieben und der Überlebenskampf packend geschildert. Parallel erhielt man als Leser weitere Informationen. Beispielsweise den Verdacht Rhodans, dass Vitalenergie geerntet würde. Der Unsterbliche geht daraufhin in den Einsatz und trifft dort auf die NDE-Agenten. Bis dahin waren die Abläufe spannend und plausibel. Ich mag diese Art von Geschichten, wenn mehrere Gruppierungen ein- und dasselbe Ziel verfolgen und sich dann im Showdown begegnen. Nur hätte ich gerade dann, als Perry Rhodan darüber nachdenkt, dass Vitalenergie gesammelt würde, zumindest mal den Helden die Überlegung anstellen lassen, welchen Sinn es dann macht, die Gefangenen in Lebensgefahr zu bringen und gar zu töten? Tote kommen als Vitalenergiespender nicht mehr in Betracht.
Rhodan hat seit seiner Ankunft schon eine Menge an Informationen gesammelt und Gerätschaften erbeutet. Die Implantate scheinen eine wichtige Rolle zu spielen. Olubfaner waren damit ausgerüstet. Auch einem Tier in der Ausweglosen Straße konnte ein Implantat, das womöglich gegen die Ausstrahlung des Vital-Suppressors immun macht, entnommen werden. Und schließlich wird auch noch ein spezieller Hyperkristall eingeheimst. Leider vergisst man, auch den paralysierten Cairaner Patphan Dasdoid mitzunehmen. Dennoch, diese „Erfolge“ muten etwas merkwürdig an. Sehr schön eigentlich, dass auch eine weitere Partei, nämlich das Team von der TREU & GLAUBEN beiträgt. Dennoch stellt sich die Frage, warum diese Erfolge erst mit Eintreffen Rhodans erzielt werden. Die NDE-Agenten wissen nur sehr wenig und ihre Erfolge erzielten sie just in dem Moment, als Rhodan nach 500 Jahren wieder auftaucht. Was taten die Terraner bis zum Eintreffen des Heilsbringers Rhodan? Das ist ein Rätsel. Eines, das hoffentlich bald geklärt wird.
Unklar ist nach diesem Roman auch, welche Ortungsmöglichkeiten den Cairanern zur Verfügung stehen. Bislang war von Mentaltastern die Rede, die Perry Rhodan und Atlan aufspüren können. Damit dies nicht zu einfach wird, hat man sich deshalb getrennt. Denn wenn beide zusammen sind, scheint es einfacher zu sein, sie zu entdecken. Nun spricht Christian Montillon in seiner Geschichte davon, dass die Cairaner die Zellaktivatoren orten können. Ich hoffe auch hier auf baldige Aufklärung dieses Rätsels.
Der Roman war flott geschrieben und hat mich gut unterhalten. Störend wirkten auf mich nur die allzu auffälligen platzierten Versuche des Autors, mit den bekannten Mustern die Aufklärung zu verzögern. Damit meine ich umständliche Erklärungen Rhodans, warum er nicht ins Solsystem fliegt oder nicht sofort zu Bull. Und warum Nachrichten des NDE zur Kontaktaufnahme mit Bull solange brauchen und einiges mehr. Hier hätte ich mir gewünscht, dies geschickter in der Story zu verstecken.
Der Ausspruch des Paau „Diese Information steht nicht zur Verfügung“ könnte zu einem geflügelten Wort in diesem Zyklus werden. Natürlich kann man das mit Humor nehmen. Als Spott auf ähnliche Muster, wie sie in jedem Zyklus auftreten und zu einem festen Bestandteil der Hauptstory geworden sind. Es kann aber auch nerven, wenn man es zu häufig einsetzt.