Das Duell – Kai Hirdt
Perry Rhodans Entsetzen über die Stimmenthaltung von Maciej Temmister währt nur kurz. Er befragt den NATHAN-Sprecher nach den Hintergründen zu seiner Entscheidung, als er zu einer neuen Mission abgerufen wird. Mehrere Raumschiffe sind am Rande des Solsystems materialisiert und NATHAN hat den TERRANOVA-Schirm aktiviert. Von den Schiffen geht eine Störstrahlung aus. Der Unsterbliche erkennt drei Hantelraumschiffe der UNIVERSUMS-Klasse und ein unbekanntes Kristallschiff. Um die Schiffe unter Kontrolle zu bekommen, will Perry Rhodan NATHAN-Splitter auf sie übertragen. Dazu nähert er sich mit einer Space-Jet. Seine Überraschung ist groß, als Gucky an Bord teleportiert. Der vermeintliche Angriff entpuppt sich als Unfall. Die transportierte Iltmumie hat mit dem Stellaren Hauch seines Kristallschiffs reagiert. Die nächste Überraschung ist, dass John Wylon mit Rhodans Hilfe Cassandra fangen will.
Auf Topsid ist Celina Bogarde alias Cassandra weiterhin dabei, ihre Machtposition dort zu stärken. Es ist ihr nicht gelungen John Wylon zu töten. Von ihren Auftraggebern wird ihr zum Auffinden des Unepals gratuliert. Wie andere Nachrichten auch, wenn sie mit den Legaten des Ahnentums interagiert, ist die Antwort nutzlos, denn die Bedingungen haben sich längst geändert. An die Triade glaubt Cassandra längst nicht mehr. Das Antepal ist beim Untergang des Planeten Tramp zerstört worden. Umso überraschter ist sie, als John Wylon sie kontaktiert und behauptet, die dritte Iltmumie gefunden zu haben. Um die Triade zu vollenden, soll sie zu einem Treffpunkt nahe der Yodor-Sphäre kommen. Wylon ist dorthin unterwegs, um den Terranern das Unepal abzunehmen. Cassandra bleibt misstrauisch. Aber die Chance, die Triade zu vollenden, will sie sich nicht entgehen lassen.
Derweil irrt Jasper Cole über den Planeten Tülasy. Hier steht das Haus von ES. Der junge Shinobi will dorthin gelangen aber ein unbekannter Einfluss verhindert das. Als er wieder auf der HELIOS materialisiert, hat sich dort die Lage verändert. Mit Perry Rhodan, Atlan, Gucky und Sichu Dorksteiger sind Prominente an Bord, die ihn zusammen mit John Wylon in einen Einsatz schicken wollen. Es gilt, Cassandra zu fangen. Der Shinobi zweifelt an Wylon, dem er nicht traut. Man will Cassandra täuschen. Jasper Cole soll mit seinem Shozoku als John Wylon auftreten, während ihn der Topsider unsichtbar begleitet. Nach längeren Verhandlungen soll es an Bord von Cassandras kleinem Kommandoschiff, der SATISFAKTION, zu einem Treffen kommen. Sichu Dorksteiger hat eine Simulation der dritten Iltmumie mit Guckys Psi-Fähigkeiten erstellt. Die Apparatur hält Cassandras Prüfungen stand.
Als Jasper Cole vor Cassandra steht, scheint der Plan aufzugehen. Doch die Psycho-Blockade, die auf den echten John Wylon noch immer wirkt, verhindert den Zugriff. Er will Cassandra töten, doch ein alter verankerter Befehl lässt es nicht zu, dass er auf sie schießen kann. Jasper Cole gerät in Gefangenschaft. Der echte John Wylon möchte nach wie vor Cassandra töten und kann die Agentin aber überzeugen, mit ihm an Bord von Rhodans Schiff zu gehen und die Triade zu vervollständigen.
Auf der HELIOS kommt es schließlich zum Showdown. Cassandra kann gefangengenommen werden, wird aber von John Wylon getötet, nachdem Cassandra die letzte Blockade in seinem Gehirn entfernt hat. Durch den kaltblütigen Mord sehen sich die Unsterblichen an ihren Deal zur Straffreiheit für John Wylon nicht mehr gebunden. Der Topsider geht aufs Ganze. Es passiert, was er nicht für möglich gehalten hat. Sichus improvisierte Mumiensimulation fährt hoch und wandelt Guckys Mentalimpulse in die Ausstrahlung eines Triadenmitglieds um. Die beiden anderen Teile, das Unepal und das Ekapal, beide in unmittelbarer Nähe, reagieren. Ein Hyperimpuls wird ausgelöst und Gucky in einen Kokon aus Psi-Materie eingesponnen. In der Folge dieser Ereignisse stirbt John Wylon, weil ihn Kampfroboter als Bedrohung betrachten. Die Yodor-Sphäre wird als Folge des Impulses durchlässig und man stellt einen Abfluss von Mentalenergie aus dem Inneren fest. Statt zu heilen, löst sich ES auf.
Rezension
„Es gibt uns Zeit, die Hintergründe aufzuklären und herauszufinden, worum es bei dieser ganzen Sache eigentlich geht“.
Atlan bringt es auf den Punkt. Um was geht es eigentlich in diesem Zyklus? Die ominösen Botschaften, die Kai Hirdt in seinen Roman einstreut, helfen nicht wirklich weiter. Cassandra solle die Triade vollenden. Elysion muss scheitern, heißt es weiter und die Destabilisierung der Lokalen Gruppe muss fortschreiten, ist zu lesen. Wenn die Triade vor Jahrzehntausenden für den Zweck einer Destabilisierung von ES ins Leben oder vielmehr in den Tod gerufen wurde, hat das was von einem Langzeitplan. Und Elysion/San gibt es noch nicht lange. Abgesehen davon, dass letzteres eher als eine Idee herumdümpelt. Von einer Umsetzung ist man Lichtjahre entfernt. Der unbekannte Gegner zielt also eher auf die geschwächte SI als auf Rhodans kleines Projekt.
Kai Hirdt beginnt seine Geschichte mit der Entscheidung Maciej Temmisters, der sich bei der Abstimmung seiner Stimme enthält und schildert die Reaktionen Rhodans darauf. NATHAN behält also weiterhin die Machtbefugnisse. Von denen wir erneut im Unklaren darüber gelassen werden, welche das sind. Auch Kai Hirdt umschifft das Thema KI und seine Auswirkungen. Dafür, dass dieses Thema beim Zyklusauftakt so präsent in den Vordergrund geschoben wurde, kommt sehr wenig nach. Kai Hirdt lässt immerhin NATHAN ein gewisses maschinelle Unverständnis zur Entscheidung vortragen. Danach bittet NATHAN dringlich darum, den ordnungsgemäßen Zustand wiederherzustellen. Schade, an der Stelle hätte der Autor einen interessanten Hebel ansetzen können. Nämlich den, dass die KI selbst sagt, dass sie die ihr übertragene Machtbefugnis nicht mehr ausführen möchte. Leider stand das wohl nicht im Exposé und selbst wenn der Autor mit dieser Überlegung gerungen hat, ist er der Diskussion aus dem Weg gegangen.
Ein wenig geht der Autor dann doch noch auf die Entscheidungsgewalt im Solsystem ein. Er bescheinigt NATHAN, die höchste Exekutivgewalt zu haben. Er lässt NATHAN vortragen, dass dieser hunderttausende von Vergehen und Verbrechen im Solsystem binnen einer Zehntelsekunde beobachtet. Die KI fragt Rhodan, ob sie die Bürger maßregeln oder Straftaten bewusst ignorieren soll. Der Autor gibt einen Ansatz auf eine Antwort, indem er den Avatar NATHANS in einer Polizeiuniform erscheinen lässt. Danach wechselt der Autor das Geschehen und enthebt sich selbst einer weitergehenden Auseinandersetzung mit diesem Thema. Gibt NATHAN also keine Hinweise auf die Verbrechen an die Polizei, die doch Teil der Exekutivgewalt ist? Welche Rolle spielt die Verwaltung, die doch auch Teil der Exekutivgewalt ist? Und vor allem: Welche Rolle kommt der Regierung zu, die doch auch Teil der ausführenden Gewalt ist, und vor allem die Politik gestaltet. Es könnte natürlich sein, dass ich das Thema zu hoch aufhänge. Vielleicht will das Autorenteam gar nicht auf das Thema KI und/oder KI-Ethik detailliert eingehen. Es ist halt doch bloß eine Raketenheftchenserie. Jeder Autor schreibt, was ihm dazu einfällt. Eine rote Linie ist jedenfalls nicht zu sehen.
Zuletzt haderte ich auch mit dem Figureneinsatz an den diversen Brennpunkten. Welche Figuren wann, wo und zu welchem Zweck in den letzten Geschichten im Einsatz waren, hat sich mir nicht erschlossen. Ich hege die Hoffnung, dass es nur eine kurze Verwirrung in diesem Zyklus war. Nunmehr scheint sich das Geschehen in der Milchstraße auf die Yodor-Sphäre zu konzentrieren. Alle relevanten Haupthandlungsträger sind dort vor Ort und mit Cassandra und John Wylon nimmt Kai Hirdt gleich zwei Gegenspieler der Unsterblichen aus dem Rennen. Zumindest hat es den Anschein.
Die Geschichte „lebt“ davon, dass die Figuren ihre Pläne und Absichten entweder bewusst nicht offenlegen oder dies aufgrund vorangegangener und noch vorhandener Beeinflussung nicht können. Siehe John Wylon. Cassandra ist eine Figur, die immer ein Ass im Ärmel hat. In dieser Story wird ihr zwar ein gewisses Misstrauen angeschrieben, aber sie zieht gleichwohl eine reichlich aussichtslose Aktion gegen mehrere Unterbliche durch. Von daher könnte ich mir vorstellen, dass ihr Tod nur vorgetäuscht ist. Andererseits hatte ich schon an anderer Stelle geschrieben, dass Cassandra als einziger Sperrspitze der Legaten in der Milchstraße nun vielleicht doch die Luft ausgegangen ist. Die Verlagerung auf den Handlungsort Yodor-Sphäre befördert die Geschehnisse auf eine höhere Ebene. Und die Agentin Cassandra war gut in ihrer Rolle, aber nun müssen vielleicht andere Kaliber als Antagonisten ran.
Wenn es in diesem Roman darum geht, ein Kapitel abzuschließen, siehe Thematik Wylon/Cassandra, dann ist dies gelungen. Nun aber müssen Atlans Worten (siehe oben) Taten folgen. Elysion vermag bislang nichts Magisches zu versprühen, die Reproidengefahr scheint nur ein Nebenprodukt gewesen zu sein. Und die KI, ich erwähnte es, dümpelt auch nur so vor sich hin.

