Wer über die Brücke geht – Wim Vandemaan
An Bord der PEGASOS müssen sich die beiden für das Projekt Elysion rekrutierten Jasper Cole und Antonya Bancroft weiteren Prüfungen stellen. Dabei werden sie auch in Simulationen gesteckt, die von Sam Sou entworfen werden. Doktor Moonshine, wie er auch genannt wird, genießt den Ruf eines begnadeten Simulationsarchitekten. Seine Simulationen bestehen aus holografischen Elementen und programmierbarer Materie, die in gewissen Grenzen ihre Form verändern kann.
Nachdem sie einen Brückenparcours bewältigt haben, übt kein geringerer als Atlan Manöverkritik. Der Arkonide hat das Unepal an Bord gebracht und lässt die komplettierte HELIOS technisch aufrüsten. Der Unsterbliche eröffnet den beiden Shinobi-Anwärtern, dass sie bestanden haben. Ihnen ist es zudem gelungen, eine neuartige Technologie in ihre Handlungen zu integrieren. Dabei handelt es sich um einen Senpai-Sim, eine beratende Instanz, dass ihre Einsatzanzüge aufwertet und ihnen als Helmstimme beratend zur Seite steht.
Der erste Einsatz steht bevor. Die PEGASOS eilt zum Planeten Mahama. Hier existiert die Kultur der Mabomkolonien, die einen Notruf ausgesandt haben. Mabomkolonien sind komplexe Lebewesen, die sich aus Millionen, später Milliarden Einzelkreaturen zusammensetzen. Im zusammengesetzten Zustand entwickeln die Kolonien ein Bewusstsein. Aras und Barniter haben das entdeckt und betreiben Forschungen und Handel mit den Mabomkolonien. Die Mabom sind kein Mitglied des Galaktikums, interessieren sich jedoch für die Charta des Elysion. Doch nun sterben sie und niemand weiß warum.
Auf Mahama schließen sich die Shinobi Jasper, Tony und der Gurrad Throyn drei Ara-Medizinern an. Unterstützt von der Medikerin Arasha Agarwal von der PEGASOS suchen sie nach einer noch lebenden Kolonie. Mit der Kolonie R-Kubus gelingt ein Kontakt. Nach langwierigen Untersuchungen steht fest, dass die Kolonien zur Unzeit in eine Erneuerung gedrängt werden. Ursächlich ist der hypermagnetische Puls, den John Wylon am 11. November im Gorganatsystem ausgelöst hat.
Die Wissenschaftler arbeiten auf Basis einer Idee von Antonya Bancroft an einem Reset der Geschehnisse und wollen den Planeten mit einem Impuls bestreichen. Dazu muss das Unepal aus der Psi-Blase geholt werden, in der es seit den letzten Ereignissen eingeschlossen ist. Jasper Cole springt mit einem Pentaferer in die Blase und materialisiert in einer fremden Welt. Er findet die Mumie und schickt sie mit dem Pentaferer auf die PEGASOS. Der junge Shinobi bleibt danach verschollen. Mit der Mumie als Frequenzgeber gelingt es, den Zerfall der Mabomkolonien aufzuhalten. Allerdings kommt es in der Folge zu einer kollektiven Mentalitätsverschiebung bei den Mabomkolonien. Die zeigen sich plötzlich aggressiv und attackieren ihre Helfer.
Rezension
Die Perry Rhodan-Serie leidet, wenn man es so ausdrücken möchte, unter der Last ihrer Ideen. Alles, was an Technologie vorstellbar ist, wurde bereits in den Romanen behandelt. „Neues“ zu erzählen, wird nach 5000+ Romanen immer schwieriger. Autoren müssen Nischen entdecken, in denen sie kreativ tätig werden können. Oder sie müssen eigentlich schon Bekanntes mit neuen Begrifflichkeiten versehen. Hier nun also der Senpai-Sim, der dem früheren Pikosyn nicht unähnlich ist. Neu ist allerdings, dass dieses positronische Programm insbesondere in moralisch herausfordernden Entscheidungen beratend zur Seite stehen soll. Reichlich schräg! Sollte es nicht umgekehrt sein? Der Mensch hilft der KI in moralischen Fragen und die Maschine tut das, was sie am besten kann. Nämlich den Anzug in Gefahrensituationen steuern, Ortung übernehmen und den Träger des Anzugs am Leben erhalten.
Wim Vandemaan mystifiziert die Helmstimme in seiner Geschichte. Den beiden Shinobi ist mitunter nicht klar, wer oder was hier Einflüsterungen betreibt. Schon mit NATHAN und seinen Splittern zeigt Ben Calvin Hary, dass ihm die bisherige in der Serie gezeigte Computertechnologie zu altmodisch erscheint. Nun peppt er auch die Agenten des Elysion auf und verpasst ihnen einen moderneren anmutenden Touch. Social Media in die Zukunft gedacht. Den Avatar NATHANS an der Seite und die Stimme im Kopf. Schöne neue Welt! Andererseits könnte eine konsequente Fortführung solcher Ideen zu einer interessanten Konstellation führen. Die Unsterblichen werden immer mehr zu Dinosauriern einer langen zurückliegenden Epoche. Wann werden sie sich in der Gesellschaft der Zukunft nicht mehr zurechtfinden?
Über die Struktur des Projekts Elysion, wie sie Wim Vandemaan hier einfließen lässt, könnte ein Staatsrechtler vermutlich eine Doktorarbeit schreiben. Und dass alleine nur für den Begriff der Überstaatlichkeit, die hier in den Raum geworfen wird. Am besten, man blendet dies einfach aus und ruft sich in Erinnerung, es mit einer Raketenheftchenserie zu tun zu haben. Ausflüge in politische Lager, und sei es nur die Verlagerung von rechtlichen Zuständigkeiten, um den Helden den Anstrich einer legitimierten Grundlage für ihre Handlungen zu verpassen, sind in der Serie selten geglückt.
Die Simulation, in die Wim Vandemaan seine Protagonisten schickt, wartet mit einigen skurrilen Ideen auf. Ob diese Elemente den beiden Agenten eine hilfreiche Grundlage für zukünftige Einsätze bieten, sei dahingestellt. Herrlich schräg war es allemal. Darüber hinaus tut der Autor das, was seine Geschichten häufig auszeichnet. Nämlich für das Alltägliche neue Darstellungen zu ersinnen und für Bekanntes verbindende Elemente zu beschreiben. Vieles wirkt dadurch sehr plastisch, wie das in die Zukunft gedachte Kaminfeuer, der Schaukelstuhl, das Schneegestöber auf der fernen Welt und einiges mehr.
Andere Elemente bleiben rätselhaft, geheimnisvoll oder unerklärlich. Vandemaan beschreibt Dinge, Personen oder Geschehnisse, die schwer zu durchschauen, vage oder unverständlich sind. Enigmatisch eben, wie er seine Protagonistin Antonya Bancroft überlegen lässt. Die Kultur der Mabomkolonien, deren Hilferuf zum ersten Einsatz der Shinobi in der Milchstraße führt, ist mal etwas anderes, Neues. Dass nun ausgerechnet auch hier die Impulse der Iltmumie die Ereignisse ausgelöst haben, wird zwar geklärt, bleibt aber ein Stück weit unerklärlich. Trotz der ganzen Erläuterungen.
Der Roman zeigt sich zu Beginn ein wenig verspielt, wird aber zum ersten Einsatz der beiden Agenten hin, etwas bodenständiger, wenn man das so sagen kann, bei einem Roman von Wim Vandemaan. Mir hats gefallen.

