Perfekter Plan mit kleinen Fehlern – Olaf Brill
Anfang November 2255 NGZ werden die frisch Vermählten Leni Hazard und Dale Fortune am Ende ihrer Flitterwochen ins USO-Hauptquartier zurückbeordert. Bei einem Zwischenstopp auf Ferrol sollen sie einen gewissen Niles Bekman aufnehmen und mit nach Quinto-Center bringen. Die beiden Agenten spüren den Gesuchten in einer Lagerhalle in der Nähe des Roten Palasts auf. Eine topsidische Spionin namens Kat-Gorh hat sich jedoch an ihre Fersen geheftet. Die Nanosonden der Spionin werden von Niles Bekman abgewehrt. Ohne genaueres zur Identität ihrer menschlichen Fracht zu erfahren, bringen Hazard und Fortune den Mann nach Quinto-Center. Erst dort lüftet der Fremde seine Maske. Es ist Atlan, der sogleich von Chrekt-Chur, dem Direktor der USO, empfangen wird.
Der Topsider, der Monkey beerbt hat, macht seinen prominenten Gast mit einem Problem vertraut, das nicht in die Verantwortung der USO fällt, gleichwohl die aktuellen galaktischen Geschehnisse berührt. Schon zu einer Zeit, als er noch Galaktischer Sekretär war, erhielt Chrekt-Chur anonyme Spenden. Die Geldeingänge wurden größer, als er USO-Direktor wurde. Der Unbekannte bat im Gegenzug um kleine Gefälligkeiten. Um den Absender, der mit „Cy“ signierte, in Sicherheit zu wiegen und ihm glauben zu machen, er hätte etwas gegen Chrekt-Chur in der Hand, hat die USO diese Gefälligkeiten erbracht. Beide Männer wissen, wer sich hinter Cy verbirgt. Es sind die Initialen von Chrekt-Yon, der als John Wylon aktiv ist. Chrekt-Chur hat Atlan gerufen, weil John Wylon ihn auffordert, die Ilt-Mumie für ihn zu stehlen. Der Übergabeort liegt in der Provcon-Faust.
Für die beiden Männer ist klar, dass Wylon am Übergabepunkt erst erscheinen wird, wenn man ihm glaubhaft machen kann, dass die Ilt-Mumie tatsächlich von der DAIDALOS-Station gestohlen wurde. Ein Plan wird ausgeheckt und Atlan geht mit Dale Fortune und Leni Hazard in den Einsatz. Mit dabei ist das übrige Siganesinnen-Team Nora Concorde, Sina Everest und Ellis McAlistair. Atlan hat die Originalmumie in Sicherheit bringen lassen und im Tresor der DAIDALOS liegt eine Kopie. Der Diebstahl ist jedoch echt und muss gegen den Widerstand der Besatzung und des TLD durchgeführt werden. Der Coup gelingt. Das Team bringt die Ilt-Mumie an Bord der NIKE QUINTO, dem Flaggschiff der USO, das sich gleich auf den Weg in die Provcon-Faust macht.
Unterwegs empfängt man Nachrichten aus dem Solsystem. Der Raub hat Schlagzeilen verursacht. Und es wird bekannt, dass Atlan an dem Diebstahl beteiligt war. Es wird auch bekannt, dass in die Lagerhalle eines gewissen Niles Bekman eingebrochen wurde. Atlan hat dort die echte Mumie verwahrt. Eine Botschaft von Cy kommt herein, die das Treffen absagt. Das Siganesinnen-Team ist am Boden zerstört. Atlan richtet sie wieder auf. Denn er hat alles so geplant. Der Arkonide war davon überzeugt, dass Wylon den angeblichen Raub so nicht schlucken würde. Also hat Atlan den perfekten Plan mit Fehlern ausgestattet. Die echte Mumie ist tatsächlich in Sicherheit und aus der Lagerhalle wurde eine weitere Kopie entwendet. Die Spionin Kat-Gorh wurde verwanzt und wird verfolgt, um herauszufinden, wo sie sich mit der HELIOS, der Privatjacht von John Wylon, trifft.
Die NIKE QUINTO kommt so der HELIOS auf die Spur. Das Schiff verbirgt sich hinter einem Paros-Schattenschirm, der jedoch durch den Aagenfelt-Blitz der NIKE QUINTO für kurze Zeit lahmgelegt wird. Die HELIOS entpuppt sich als Schwesterschiff der legendären SOL. Atlan, Chrekt-Chur und das Siganesinnen-Team gehen per Pentaferer an Bord, bevor das Schiff in den Linearraum entkommt. Vorher wurden Sonden an der HELIOS verankert, so dass das USO-Flaggschiff folgen kann. Atlans Team will sich John Wylon schnappen. An Bord kommt es zur Begegnung der beiden Gelegebrüder Chrekt-Yon und Chrekt-Chur. Der Direktor steht jedoch auf Atlans Seite. Sie können zwei Drittel der HELIOS kapern. Die Zelle 2 des Gigantraumers entkommt jedoch mit John Wylon an Bord. Nun will man auf die Spur der Triade kommen. Wylon sucht die beiden anderen Ilt-Mumien und Perry Rhodan und Atlan wollen ihm zuvorkommen.
Rezension
Olaf Brills perfekter Plan mit kleinen Fehlern entpuppte sich als Zweischichtenplan. Der äußere Plan diente dazu, die Zielperson John Wylon zu täuschen. Ihm sollte ein Geschehen vorgegaukelt werden, dass er geradeso durchschauen konnte. Der Plan darunter baute jedoch eine Falle für John Wylon auf. Dem ist geradeso die Flucht gelungen. Die HELIOS war jetzt nur für die Figuren des Romans eine Überraschung. Als Leser kennen wir Chrekt-Yons Entdeckung schon. Was Ben Calvin Hary mit dem Raumschiff beabsichtigt, bleibt mir unklar. Natürlich gibt es eine Schar Leser, die feuchte Augen bekommen, wenn solche Riesenpötte eingesetzt werden. Dessen ungeachtet sind die Zeiten, als diese Raumschiffe einen erzählerischen Wert entwickelten, lange vorbei. Von Bedeutung sind die Figuren, die die Raumschiffe bedienen. Je mehr es sind, desto weniger treten sie aus der Anonymität der Besatzung heraus. Dann kann man gleich auf kleinere Schiffe setzen. Der Vergleich zur SOL wird der HELIOS daher zum Verhängnis. Atlans Raubzug war sicherlich als eine schöne Reminiszenz an die Serienvergangenheit gedacht, als die Serienhelden solche Husarenstücke noch im Wochenrhythmus durchzogen.
Gegen die Historie des legendären Fernraumschiffs der Menschheit kann dieser Pott nicht anstinken. Sollte das Schiff einen festen Platz in diesem Zyklus bekommen, dann halte ich das persönlich für eine schlechte Idee. Eine schlechte Idee war auch der Einsatz des Pentaferers. Beziehungsweise hätte sich der Autor vorher Gedanken machen sollen, was das Gerät denn nun genau kann. Als Atlan und Sichu eines der beiden Geräte, die ihnen von den Wycondern überlassen wurden, zuletzt einsetzten, war der Energiehunger und das bald nötige Aufladen ein Problem. Nunmehr absolviert Atlan nahezu nach Belieben mehrere Sprünge. Außerdem geht der Autor fälschlicherweise davon aus, dass der Pentaferer auch 5D-Schutzschirme durchdringen kann. Er „erfindet“ also 6D-Schutzschirme, damit der Raub der Ilt-Mumie nicht zu einfach gerät. Das ist allerdings Nonsens, wie im Übrigen auch die anderen geschilderten Sextadim-Bezüge.
Abgesehen von dem humorigen Einstieg über das junge Hochzeitspaar aus einer Siganesin und einem Menschen, geht Olaf Brill unerwartet schnell die Paarung Chrekt-Yon und Chrekt-Chur an. Wahrscheinlich hätte man in früheren Zyklen dutzende Romane verstreichen lassen, um die Verhältnisse zu klären. Das heißt zwar nicht, dass Chrekt-Chur nun bedingungslos getraut werden kann. Aber um jetzt noch einen Sinneswandel herbeizuschreiben, bedarf es schon einer genialen Idee.
Ansonsten schwelgt der Autor nicht nur wegen der Parallelen zur SOL in der Serienvergangenheit. Richtige Bezüge zum aktuellen Geschehen können die meisten Begriffe, die Olaf Brill einstreut, allerdings nicht entwickeln. Altleser freut es dennoch, zumal der Autor dabei auch nicht ausschweifend wird.
Die Pläne John Wylons bleiben undurchsichtig. Das Firmennetzwerk, das er jahrzehntelang aufgebaut hat, scheint innerhalb kürzester Zeit ausgehebelt. Einige Geheimstützpunkte und die HELIOS, von der er nur noch ein Drittel hat, halten ihn noch über Wasser. Die Triade wird er auch nicht zusammenbekommen. Welche Verbindungen er zu den Legaten hat, wurde m.E. noch nicht geschrieben. Celina Bogarde wurde neben Mölger Ubundu als Agentin dieser ominösen Hintermänner beschrieben. Sie hat Wylon in ihre Pläne eingebaut. Daraus geht nicht hervor, dass Wylon Kontakt zu den Legaten hat. Was also treibt ihn momentan an?
Insgesamt betrachtet eine kurzweilige Geschichte mit kleinen Fehlern!

