Wylons Spur – Kai Hirdt
Während auf Terra und im ganzen Solsystem der Abwehrkampf gegen die Reproiden in die Hände des Guten Geists von Terra, NATHAN, gelegt wird, sind Sichu Dorksteiger und Atlan an Bord der YDUA ahnungslos, als sie außerhalb des TERRANOVA-Schirms, der das Solsystem einhüllt, in den Normalraum zurückkehren. NATHAN verweigert den Einflug. Aufklärung bringt Perry Rhodan, der die Lage erläutert und die beiden umgehend auf eine Mission schickt. John Wylon hat das System mit seiner Privatjacht HELIOS verlassen. An Bord muss ein Metallsarkophag sein, von dessen Inhalt ein Psi-Impuls ausging, der die Reproiden aktivierte. Sichu und Atlan sollen die Fundsache aufspüren, um die Krabbelroboter wieder zu desaktivieren.
Jasper Cole ist nach seinem Einsatz in Kuala Lumpur zur Venus abkommandiert. In Eros ist seine Schwester Jade, die er schon seit geraumer Zeit nicht erreichen kann. Zunächst aber muss er widerwillig an einem Einsatz auf der Merdin-Basis bei New Atlantis teilnehmen. Die Einsatzkräfte unter dem Kommando von Leutnant d’Agosta sind dort unter Druck geraten. Jasper Cole kann als Transmitterspezialist einiges bewirken und schließlich kann er auch seine Schwester retten.
Die YDUA erreicht EX-1123-11. NATHAN hatte das in der Southside der Milchstraße gelegene System als wahrscheinlichstes Ziel der HELIOS angegeben. Mit Hilfe eines Pentaferers wagen Sichu und Atlan den Schuss ins Blaue und materialisieren unter der Oberfläche des vierten Planeten in einem Stützpunkt von Wylon Hypertech. Die beiden können den Metallsarg lokalisieren und entdecken darin etwas Organisches. Sie werden jedoch von einem schwerbewaffneten Trupp aus Menschen und einem Topsider überrascht. Sichu kann den einzigen unbewaffneten Mann als Geisel nehmen. Sie hat ihn überrumpelt, in der Annahme, dass er John Wylon wäre und die anderen ihn schützen. Ein Irrtum, wie sich herausstellt, denn die Vita von John Wylon ist eine andere.
2167 NGZ kam es zu einer gemeinsamen Aktion von Topsidern, USO und LFG gegen zwei topsidische Terroristen. Issn-Pthah und Chrekt-Yurn hatten zuvor auf Topsid 200 ihres Volkes mit einer Bombe getötet. Der Einsatz gegen die beiden Terroristen war erfolgreich, wenn auch mit hohen Verlusten verbunden. Die beiden Attentäter wurden getötet. Sie hinterließen jedoch ein Gelege. Drei Eier wurden mit nach Topsid genommen und dort ausgebrütet. Zwei Menschen von Terra, die am Einsatz beteiligt waren und keine Kinder bekommen konnten, nahmen das vierte Ei mit zur Erde. Lina und Ogden Wylon zogen Chrekt-Yon groß.
Chrekt-Yon entwickelte sich auf Terra zu einem begnadeten Tüftler. In der Schule wurde er gemobbt. Aber sobald er seinen Abschluss in der Tasche hatte, startete er durch. Zunächst verdiente er seine Sporen als Techno- und Astroarchäologe. Er spürte technische Hinterlassenschaften auf, reparierte und verkaufte sie. „Johns Positronik-Manufaktur“ nannte er sein erstes Geschäft. Auch deshalb, weil die Menschen seinen topsidischen Namen immer wieder falsch aussprachen. Er konnte sich eine Space-Jet leisten und kam eines Tages auf die Spur eines geheimen Werftplaneten. Nahe Plophos und im System EX-2689-451-C stieß er auf den Rohbau eines Kombinations-Träger-Schlachtschiffs der UNIVERSUM-Klasse. HELIOS prangt als Name auf dem Mittelstück des Giganten. Dort macht er auch die Bekanntschaft von Celina Bogarde. Die erfahrene Agentin kann den jungen Topsider in ihrem Sinn beeinflussen.
Seine wahren Eltern hatten gegen die menschliche Vorherrschaft über andere Völker gekämpft. Und seine Adoptiveltern hatten ihm dieses Wissen sein Leben lang vorenthalten. Bogarde und Chrekt-Yon schließen sich zusammen. Er gründet Wylon Hypertech und erobert in den nächsten Jahrzehnten den Markt.
In der Gegenwart beschließt Chrekt-Yon/John Wylon, die Ator und den Arkoniden töten zu lassen. Er verlässt den Planeten, aber einer seiner Handlanger, der Wylon-Mitarbeiter Balian, schlägt sich auf die Seite von Sichu und Atlan. Sie bringen den Metallsarg mit der Mumie darin ins Solsystem. Dort erkennt man, dass es die Leiche eines Ilts ist. Zwischen 49.000 und 60.000 Jahre alt. Die Mumie kann dazu gebracht werden, einen Psi-Impuls auszustrahlen, der die Reproiden desaktiviert. Die Gefahr ist vorerst gebannt.
Rezension
Den Namen Chrekt sollte man sich merken. Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass der derzeitige Lordadmiral der USO Chrekt-Chur heißt. Es sei denn, der Name Chrekt kommt bei den Topsidern etwa so häufig vor wie Wang oder Li auf der Erde. Der zweite aus dem Gelege ist Chrekt-Yon, der uns bislang unter dem Namen John Wylon bekannt war. Wie dem Roman von Kai Hirdt zu entnehmen ist, hat Chrekt-Yon Nachforschungen zu den drei anderen seines Geleges angestellt und herausgefunden, dass sie alle Karriere gemacht haben. Ich bin gespannt, ob die beiden anderen auch eine Rolle spielen werden. Und wie es mit der Gesinnung von Chrekt-Chur aussieht, wenn er erfährt, wer seine wahren Eltern sind? Sollte er es noch nicht wissen.
Die Gefahr für das Solsystem ist gebannt, so steht es im Abspann von Kai Hirdts Roman. Tatsächlich existiert die Reproiden-Bedrohung weiter, denn die Roboter sind nur stillgelegt und nicht aus der Welt. Die Kapitel, die der Autor dem Abwehrkampf gewidmet hat, habe ich in meiner Zusammenfassung weitgehend unterschlagen. Sie zeigen aber eines sehr deutlich. Die Menschheit steht auf verlorenen Posten. Auch die Übertragung der Befehlsgewalt an NATHAN kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die hohe Reproduktionsrate der Roboter zum Untergang der Planeten des Solsystems führen wird.
NATHANS Befehlsgewalt wird am Romanende verlängert. Das Thema KI-Ethik, das ich zum Zyklusauftakt ansprach, umschifft der Autor elegant. Atlan legt den Finger in die Wunde, wenn er fragt, wie viele Leben NATHAN bereits opfern musste. Die KI entgegnet, dass sie niemanden geopfert hat, aber manches mal auch Gefährdete nicht retten konnte. Der Autor lässt jedoch in einer entscheidenden Szene den Befehl Menschen zu töten von d’Agosta geben, die ihren Feuerbefehl damit begründet, die Eingeschlossenen hätten damit einen gnädigeren Tod bekommen. Schade, dass sich hier nicht getraut wird, die Verantwortung ganz in die Hände der KI zu legen.
Der Roman war flott geschrieben. Die Herkunft von Chrekt-Yon und wer denn nun seine Eltern sind, wurde über Rückblenden enthüllt und seine Gesinnung wird zum Teil über die Wahrheit, bzw. Unwahrheit, die ihm seine Adoptiveltern erzählten, begründet. Da wir es mit einem Alien zu tun haben, lässt sich zur Sozialisierung natürlich jede Menge erfinden, die seine Mentalität und seinen Hass auf die Menschen begründen können. Insgesamt ist mir seine Gesinnung dennoch etwas zu einfach gestrickt. Wie überhaupt die Figuren insgesamt etwas naiver dargestellt werden. Dabei meine ich nicht nur die Gruppierung der NATHAN-Utopisten, die in wenigen Stunden entsteht, auch Atlan und Sichu Dorksteiger erscheinen in ihren Dialogen und Emotionen einfacher gestrickt. Das könnte mal wieder ein Beitrag sein, Neuleser an die Serie heranzuführen. Die Frage, was Autoren „Neulesern“ zutrauen, stelle ich erst gar nicht.
Die „Aktivierung“ der Mumie ging mir am Ende etwas zu schnell. Auch wenn die Serie erkennbar den Fokus auf Figurenhandeln legt, sollte die Science in der Science-Fiction-Serie nicht vernachlässigt werden. Mit dem von der Mumie empfangenen Gedanken zur Triade wird ein neues Rätsel aufgemacht. Guckys Volk spielt also erneut eine Rolle. Gucky selbst ist laut Aussage von Sichu Dorksteiger noch immer verschollen, obwohl der PHOENIX 5 Jahre nach dem Sternwürfel gesucht hat. Auch ist Anzu Gotjian noch mit von der Partie. Vor 5 Jahren lief ihre Uhr ab, da ihr nur eineinhalb Jahre für die nächste Zelldusche blieben. Sie ist die einzige starke Frauenfigur in der Serie, weil sie frecher und freier als die doch ziemlich „angepasste“ Sichu Dorksteiger agieren kann.
Insgesamt bot der Roman gute Unterhaltung. Das Tempo ist hoch, nicht nur bei Wylons Autobiographie. So kann es weiter gehen.

