Sturm der Zaliden – Marie Erikson
Auf ihrer Flucht sind Perry Rhodan und seine Begleiterinnen von Remmet-Pog verraten worden. Das Inkuba hat sie in die Hände der Kanequa geführt. Deren Anführer Lillepen-Urn will von Perry Rhodan wissen, wo Garrian-Zin ist. Da der Mundschenk über ein Portal verschwunden ist, kann Perry Rhodan die Frage nicht beantworten. Rhodans Beteuerungen, von außerhalb des Schachts zu kommen, schenken die Kanequa keinen Glauben. Lillepen-Urn droht den Gefangenen, als es plötzlich zu einer Explosion kommt. Fremde Wesen greifen die Kanequa an. Lillepen-Urn bezeichnet sie als Zaliden. Deren langgestreckte Körper sind mit chitinartigen Panzerplatten bedeckt. Der Schädel ist ein Gewirr aus Tentakeln. Die Wesen stellen eine bizarre Mischung aus Pferd, Krabbe und Tintenfisch dar. Und sie setzen den Kanequa hart zu. Im Kampfgetümmel werden Perry Rhodan und Anzu Gotjian von Meg Ontares und Liam Barstow getrennt. Die Medikerin und die Ingenieurin werden von Lillepen-Urn per Nanotransmitter aus der Kampfzone gebracht.
Die Zaliden bringen Perry und Anzu zu einem Flugschiff. Es bringt die beiden Terraner in die Hauptstadt der Zaliden zu einer Zalidin namens Balard. Unterwegs bekommen sie einen Eindruck von der Größe der Kaverne, die mindestens 9000 km durchmisst. Gigantische Terrassen beherbergen Landschaften und riesige Städte. Rhodan prägt den Namen Balkontinente dafür.
Meg und Liam werden in einem Gefängnistrakt in Schachttiefe 21 inhaftiert. Ein Inkuba namens Norrik-Senn versorgt sie mit Essen und Wasser. Norrik-Senn ist gesprächig und als sie ihm von Remmet-Pog und Arion erzählen, berichtet er, dass beide ebenfalls hier inhaftiert seien. Norrik-Senn verhilft den beiden Frauen zur Flucht, nachdem er medizinische Hilfe erhalten hat. Liam bekommt zudem eine Nanokreide. Den beiden Frauen gelingt es, Remmet-Pog zu befreien. Dem Runenmacher drohte die Todesstrafe. Und sie benötigen ihn, um an Arion heranzukommen. Der Wissenschaftler wird jedoch vor ihren Augen durch ein Portal an einen anderen Ort gebracht.
In der Hauptstadt der Zaliden werden Perry und Anzu von Balard verhört. Die Zalidin schenkt ihnen keinen Glauben, von außerhalb des Schachts zu kommen. Immerhin erfahren die beiden Terraner ein wenig mehr über die Verhältnisse im Schacht. Die Zaliden waren die Wächterinnen dieses Schachts. Sie führten Aufsicht über die eingeschlossenen Völker. Das ist auch der Grund, weshalb ihre Heimat die Schachttiefe 21 ist. Sie sind die letzte Bastion. Das Transportsystem stammt von ihnen und wurde ihnen von den Kanequa gestohlen.
Auch Perry und Anzu landen in einem Gefängnis. Dort können sie die SERUNS von Liam und Meg anmessen, die sich offensichtlich in der Nähe befinden. Sie werden wieder zurück zu Balard gebracht, die ihnen eröffnet, dass der Runenmacher in der Stadt erschienen sei. Dann werden auch schon die beiden anderen Frauen und Remmet-Pog hereingeführt. Das Inkuba bestätigt gegenüber den Zaliden die Geschichte der Terraner. Einer von ihnen, Arion, soll als Opfergabe für Dilial-Gor dienen. Balard will Remmet-Pog mit Zeichenmaterial ausstatten. Das Inkuba soll die Wege öffnen, die den Zaliden gestohlen wurden.
Rezension
Der zweite Teil von Marie Eriksons Doppelband bringt die von mir vorhergesagte Wendung, was den Verräter Remmet-Pog angeht. Allerdings auf eine etwas andere Weise als von mir gedacht. Der Gesinnungswandel geht nicht auf Einsicht zurück. Stattdessen soll Remmet-Pog für eine vorangegangene Tat, bevor er Rhodan und seine Begleiterinnen betrog, von seinem Volk mit dem Tod bestraft werden. Er wird von Liam und Meg befreit, damit er ihnen hilft, Megs Verlobten zu retten.
Band 3402 hat definitiv seine starken Momente, aber beim Lesen sind mir doch einige erzählerische Abkürzungen aufgestoßen, die dem Roman das Potenzial für echten Tiefgang nehmen. Kaum sind Perry und seine Begleiterinnen durch das Inkuba verraten und an die Kanequa ausgeliefert worden, folgt die Geschichte dem bekannten Schema F. Perry beteuert die Wahrheit, der Gegner glaubt ihm nicht. Im exakt richtigen Moment wird das Gespräch, das zu eskalieren drohte, weil Lillepen-Urn jemanden aus Rhodans Gruppe töten will, durch den plötzlichen Angriff der Zaliden unterbrochen.
Die Zaliden selbst sind optisch ein echtes Highlight. Diese bizarre Mischung aus Pferd, Krabbe und Tintenfisch nenne ich mal kreativ. Aber ihr Auftauchen dient in erster Linie dazu, das Team im Kampfgetümmel aufzuspalten. Meg Ontares und Liam Barstow werden per Nanotransmitter weggebeamt, während Perry und Anzu Gotjian auf dem Flugschiff der Zaliden landen. Die Autorin erzwingt zwei parallele Handlungsstränge.
Ein Lichtblick ist die Reise durch die 9000 Kilometer messende Kaverne. Als Perry den Begriff „Balkontinente“ für diese gigantischen, terrassenartigen Landschaften prägt, blitzt er wieder auf – der monumentale Gigantismus, für den die Serie bekannt ist. Wie ich schon zu Heft 3400 anmerkte, ist der Schacht und seine Abmessungen im Vergleich zu den Objekten aus den Vorgängerzyklen geradezu bescheiden angelegt. Es reicht für ein schönes Kopfkino, wenn Perry und Anzu durch die Kaverne pilotiert werden.
Zunächst weniger überzeugend fand ich dagegen den Handlungsstrang in Schachttiefe 21. Dass Meg und Liam dort ausgerechnet auf das überaus gesprächige Inkuba Norrik-Senn treffen, das nach einer kurzen medizinischen Behandlung sofort die Seiten wechselt und den beiden Frauen zur Flucht verhilft, ging mir einfach viel zu glatt. Beiden Frauen verpasst die Autorin ein gehöriges Maß an Emotionen. Würde der Roman alleine stehen, hätte ich nur gesagt: Chapeau, das passt. Doch mit den Beschreibungen der beiden Figuren aus den Geschichten der beiden Zyklen zuvor, ist die Figurenentwicklung nicht ganz stimmig. Das trifft im Übrigen auch auf Anzu zu. Die Figur ist sehr taff. Auch hier verpasst ihr Marie Erikson die eine oder andere rührselige Emotion zu viel.
Liam und Meg können zuerst sich und dann den Runenmacher Remmet-Pog befreien. Der Part hat mich beeindruckt. Zwar sollten die Sicherheitsvorkehrungen eines Gefängnistrakts sich nicht so einfach überlisten lassen. Dennoch steckt die Autorin viel Geschick in die Handlungen und Überlegungen ihrer Figuren. Es ist dieser Geschicklichkeit der Figuren zu verdanken, dass die Handlung vorangetrieben wird. So was gefällt mir. Dass die beiden miterleben müssen, wie Arion vor ihren Augen durch ein Portal verschwindet, ist dann das übliche Handlungsmuster. Die Heldinnen kommen zu spät.
Immerhin liefert das Finale in der Hauptstadt der Zaliden den dringend benötigten Einblick, zumindest einen kleinen, in das Machtgefüge dieses seltsamen Schachts. Dass Perry und Anzu im Gefängnis sofort die SERUNS der anderen Frauen anmessen können und kurz darauf das gesamte Team wieder vereint vor Balard steht, schließt den Kreis allerdings wieder etwas zu hastig.
Mein Fazit: Ein Band mit spektakulären Kulissen (Stichwort Balkontinente) und wichtigen Hintergrundinfos zum Schacht, der aber etwas unter logischen Bequemlichkeiten, zu glatten Fluchtsequenzen und dem bekannten, weil konstruierten, Zufalls-Timing leidet. Der Schreibstil der Autorin gefällt mir und dass die Figuren die Handlung vorantreiben, auch.

