Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3393

Doppeltes Spiel – Michelle Stern

Der Eremit, dessen kleines Schiff ungeahnte Technologien beinhaltet, hat Liam Barstow und die Legende überrumpelt. Als die Ingenieurin zu sich kommt, liegt sie von einem Fesselfeld fixiert in einem Stasistank. Über die spiegelnde Oberfläche eines Krabbenroboters an der Decke kann sie den Eremiten beobachten, der Untersuchungen an der Legende vornimmt. Der Roboter liegt bewegungslos auf einem Tisch. Ein birnenförmiges, organisch aussehendes Gerät, ist an seinem Kopf befestigt. Als der Eremit ihr Erwachen bemerkt, kann sie ihn dazu bringen, ihr mehr Freiraum einzuräumen. Im Gegenzug gibt sie ihm Informationen. Vom Eremiten unbemerkt, eignet sie sich dabei Gerätschaften aus dem riesigen Labor an, das wohl in einer Hyperraumblase ausgelagert liegt. Denn der Raum ist größer als das Schiff selbst. Liam arbeitet an einem Fluchtplan.

An Bord des PHOENIX ist Reginald Bull überzeugt, dass die Vernichtung des tonnenförmigen Schiffes des Eremiten nur eine Täuschung war. Aus der Lounge beobachtet die Besatzung, wie der Eremit in seiner Kabine vorher unentdeckte kleine Roboter, den Trassenmachern ähnlich, in alle Richtungen losschickt. Störimpulse hindern Sky daran, Isolationsschirme aufzubauen. Aelor, Foersh und Bull machen Jagd auf die Roboter. Diese dringen auch in die Eingeweide des Bordgehirns vor. Meg Ontares beobachtet, dass mit jeder Zerstörung eines der Roboters der Eremit geschwächt wird. Bull will mindestens eines der Geräte untersuchen. Foersh und Aelor sind anderer Ansicht. Foersh wird verwundet, als die kleinen Krabbelroboter andere Roboter an Bord manipulieren. Schließlich gelingt es jedoch, alle Krabbelroboter auszuschalten.

Auf dem getarnten Schiff des Eremiten vermutet Liam, dass der Eremit Zugriff auf die Technowolke nehmen will, mit der die Legende immer noch verbunden ist. Während sie weiter an einer Fluchtmöglichkeit arbeitet, kann die Legende für einen kurzen Moment die Kontrolle über andere Roboter im Labor übernehmen. Auch wenn der Eremit die Lage schnell in den Griff bekommt, schöpft Liam Hoffnung, mit der Legende zusammen, entkommen zu können. Ihren Bewegungsspielraum nutzt sie aus. Sie mutmaßt, dass der Eremit seine Trassenmacher aus seinem eigenen peptidbasierten Erbgut geschaffen haben könnte. Sie bekommt von dem Fremden, der sehr nachlässig scheint, sogar zu Essen. Als der Fremde für kurze Zeit verschwindet, eignet sich Liam den Signalgeber an, mit Störprogramme gesteuert werden. Sie kann nun mit der Legende kommunizieren. Außerdem bekommt sie Zugriff auf die Fesselfeldprojektoren. Als der Eremit zurückkehrt, kommt es zum Kampf zwischen Legende und dem Fremden. Zur Überraschung Liams, zerfällt der Eremit in unzählige kleine Käfer, die die Flucht antreten.

In der Medostation des PHOENIX wird der Eremit immer schwächer. Bevor er stirbt, kann ihm Meg Ontares einige Informationen entlocken. Der Fremde sucht nach Galaxien mit einer bestimmten Grundvoraussetzung. Es geht um isolierte Sterneninseln. Seine Aufgabe sei der zweite Keim des Friedens. Meg überlegt, ob er mit seiner Andeutung auch Andromeda gemeint haben könnte.

Die Legende und Liam sind inzwischen zu dem Schluss gekommen, dass der Eremit einen Impulsgeber besitzen muss, der die Trassenmacher wieder aktiviert hat. Sie gehen auf die Suche. Die Legende entdeckt ein merkwürdiges Gerät. Es enthält Psi-Substanz, die mit einer murmelgroßen Raum-Zeit-Anomalie verwoben ist. Die Legende behauptet, es sei siebendimensional und enthält eine temporale Komponente. Um die Anomalie gibt es mikroskopisch kleine Chrononverzerrungen. Plötzlich geht die Verbindung der Legende zur Technowolke verloren.

Nun kehrt auch der Eremit zurück. Liam erkennt entsetzt, dass der Fremde es wohl geschafft hat, das Programm von Sky aus dem PHOENIX zu kopieren. Es kommt zum Kampf. Der Eremit flieht schließlich aus seinem Schiff während Liam und die Legende per Fiktivtransmitter vom PHOENIX gerettet werden, bevor das Schiff des Eremiten explodiert. Der PHOENIX springt zum Sternwürfel. Dort zeigen alle Ortungen, dass die Trassenmacher Kurs auf den Sternwürfel nehmen.

Rezension

Michelle Stern setzt die Geschehnisse in Malora fort. Ihre Geschichte ist zweigeteilt. Liam Barstow und die Legende auf der einen Seite, Bull, Foersh, Aelor und Meg Ontares auf der anderen Seite. Dem PHOENIX. Der Eremit selbst ist auf beiden Seiten vorhanden. Durch die Ereignisse wissen wir als Leser, dass der Eremit auf seinem Schiff aus unzähligen kleinen Robotern besteht. Inwieweit sein Doppelgänger auf dem PHOENIX sich davon unterscheidet, bleibt unklar. Er könnte die kleinen Maschinen, mit denen er Bull und Co. ärgert, aus seiner Körpersubstanz abgespalten haben. Für eine Obduktion hatte die Ärztin keine Zeit.

Die Story auf dem PHOENIX bleibt über weite Strecken vorhersehbar und spannungsarm. Zum wiederholten Male hat sich auf dem PHOENIX ein fremdes Wesen eingerichtet und arbeitet an einer Übernahme des Schiffes. Die Gegenwehr der Besatzung lässt die sattsam bekannten Konflikte zwischen Bull und Aelor, Bull und Foersh, Aelor und Foersh usw. einmal mehr aufleben. Meg Ontares kommt der moralisch agierende Part zu.

Deutlich interessanter gestaltet die Autorin das Geschehen auf dem Schiff des Eremiten. Dort ist Liam Barstow die Hauptdarstellerin. Die Ingenieurin wird von Michelle Stern zunächst darin beschrieben, wie sie sich in der Isolation fühlt. Ihre Erinnerungen an Vater und Brüder werden als sehr realistischer psychologischer Schutzmechanismus geschildert. Solange Liam die Geschehnisse um sie herum nur über die spiegelnde Oberfläche eines Roboters an der Decke verfolgen kann, wirkt die Situation sehr beklemmend. Obwohl die Isolation nur kurz währt, vermittelt die Autorin authentische Emotionen.

Mit der Auflösung der Isolation gibt die Autorin ihrer Figur das Heft des Handelns zurück. Das merkwürdige Verhalten des Eremiten begünstigt schließlich die erfolgreiche Flucht der beiden Gefangenen. Nur aus „technischer“ Sicht betrachtet, waren Liam und die Legende eigentlich dem Fremden hilflos ausgeliefert. Inwieweit das Gebaren des Fremden noch eine Auflösung in diesem Zyklus erfährt, muss man abwarten. Besonders stark glänzt der Roman in den Momenten der Isolation von Liam Barstow.


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