Die kosmische Trasse – Uwe Anton
Nach drei Monaten Flugzeit erreicht der PHOENIX den Ort, an dem sich der Legende nach, die Steuerwelt des Sternwürfels befinden soll. Doch an den Koordinaten befindet sich kein Planet. Die Legende hat sich geirrt, wie Reginald Bull enttäuscht feststellen muss. Ein länglicher Asteroid erregt die Aufmerksamkeit der Schiffsbesatzung. Es stellt sich heraus, dass der Asteroid komplett aus Psi-Materie besteht. Von diesem Asteroiden gehen die Werte aus, die die Legende fälschlicherweise für die der Steuerwelt gehalten hat. Doch es ist vielmehr so, dass sich an dem Asteroiden das Signal der Steuerwelt gespiegelt hat. Bei neuen Messungen wird ein weiterer Asteroid festgestellt, der ebenfalls die Steuerwelt spiegelt. Man folgt der Spur über Millionen von Lichtjahren. Wahrscheinlich ist vor langer Zeit etwas durch das Universum gepflügt, hat das Kontinuum aufgerissen und die Psi-Materie ist durch die Kondensation von Hyperstrahlung entstanden. Unterwegs treffen sie auf das havarierte Schiff eines Wesens namens Plantchor. Plantchor ist auf der Suche nach einem Hypersteinbruch. Dort würden die Portuu, mit denen der PHOENIX schon Kontakt hatte, etwas abbauen. Wahrscheinlich den Stoff, den sie als Stellaren Hauch verkaufen.
Nachdem man Plantchor helfen konnte, sein Schiff zu reparieren, erreicht der PHOENIX schließlich einen gigantischen Psi-Materie-Asteroiden. In der 340.000 Km langen Nadel steckt ein halber Planet. Es ist die gesuchte Steuerwelt. Doch so einfach kann man sich dort nicht umsehen, denn die Portuu kontrollieren den umliegenden Raum und der PHOENIX muss sich zurückziehen. Die nahe gelegene Galaxis Volabre ist das nächste Ziel. Dort sind die Portuu in der bekannten Weise aktiv. Sie spielen die verschiedenen Völker gegeneinander aus und verkaufen allen gegen horrende Preise ihren Stellaren Hauch.
Reginald Bull will unbedingt herausfinden, aus was der Stoff besteht, wie er abgebaut und verarbeitet wird. Erste Versuche, dies herauszufinden, sind unergiebig. Doch bald stoßen sie auf eine Werft, die Raumschiffe mit dem Stellaren Hauch auskleidet. Reginald Bull und Meg Ontares können bei einem Einsatz eine winzige Menge einer Flüssigkeit erbeuten, die dort verarbeitet wird. Die Untersuchungen ergeben, dass es sich bei dem Stellaren Hauch um kondensierte Hyperstrahlung handelt und die Portuu sie von dem Riesenasteroiden holen. Reginald Bull will zur Steuerwelt vordringen. Zu einem Ort, den die mächtigste Spezies entlang der Trasse hütet wie ihren Augapfel.
Rezension
Wo ist Behle? Dieses berühmte Zitat des Sportreporters Bruno Moravetz von den Olympischen Winterspielen 1980 in Lake Placid, der den deutschen Langläufer Jochen Behle in der Übertragung vermisste, fiel mir während der Lektüre von Uwe Antons Roman ein. Denn in seiner Geschichte verschwand irgendwann die Legende, die anfangs noch präsent war und ich fragte mich, wo die Legende geblieben ist? Im hinteren Teil des Romans findet der Roboter dann doch noch eine Erwähnung, ohne eine besondere Rolle einzunehmen.
Uwe Anton ist seit 1998 in der Perry Rhodan-Serie aktiv. Zuletzt schrieb er mit Heft 3342 über die Jagd nach einem Physiotron. Eine Geschichte, die zeigte, dass der Autor auch mit den Neuerungen in der Serie mithalten kann. Der aktuelle Beitrag diese Woche mit Reginald Bulls Suche nach der Steuerwelt des Sternwürfels zeigt wieder den früheren Uwe Anton, bzw. seinen früheren Stil. Viele Wiederholungen und einige gequälte Versuche mit Dialogen und Gedankengängen von Reginald Bull, machten den Einstieg in die Geschichte sehr sperrig. Etwas besser wurde es, als man Plantchor traf. Das Fremdwesen war mit seinem Schiff im intergalaktischen Leerraum gestrandet und besaß Wissen zu den geheimnisvollen Psi-Materie-Asteroiden. Eine Verbindung zu den Portuu und dem stellaren Hauch wurde schnell hergestellt. Die Episode endete schnell und blieb überraschend unergiebig. Aus der Begegnung ergaben sich keine neuen Erkenntnisse für die Suche nach der Steuerwelt. Unverständlich war zudem, dass Bull zwar gegenüber Plantchor erwähnte, nach einer Welt zu suchen, die durch den Hyperraum reiste. Ihn dann aber nicht konkret fragte, ob ihm bei seinem Flug entlang der Trasse etwas aufgefallen war. Er vielleicht einen Planeten entdeckt hatte. Wer nicht fragt, bleibt eben dumm.
Im weiteren Verlauf entwickelte sich die Suche zu einem Mysterium. Ursprünglich ging es darum, den Sternwürfel zu finden. Der, wir erinnern uns, durch Transitionen an neue Positionen springt. Zurück bleibt dann jeweils der Steuerplanet, der die Transition bewirkte. Mal abgesehen davon, dass unsere Suchenden erst sehr spät auf den Gedanken gekommen sind, die Steuerwelt zu suchen, gehen sie nunmehr davon aus, dass sich auch die Steuerwelt durch den Hyperraum bewegt. Der Sternwürfel ist also transitiert und die Steuerwelt reist allein weiter. Seltsam. Aus den vorherigen Geschichten gewinne ich keine Erkenntnis, wie die Figuren in Uwe Antons Roman nun auf diese Überlegungen gekommen sind. Ferner fehlt mir bei den Figuren ein naheliegender Gedanke. Warum geht man nur von einer Transition des Sternwürfels aus? Wenn es mehrere sind, müssten auch mehrere Steuerwelten zurückbleiben!
Eine weitere Episode erschloss sich mir ebenfalls nicht. Als der PHOENIX das Gefecht zwischen den Insektoiden-Raumschiffen und den überlegenen Spindel-Raumschiffen beobachtet, materialisiert ein Insektoiden-Schiff in der Nähe des PHOENIX und sendet einen Notruf. Obwohl Reginald Bull beim Überschlagen der Rettungsmöglichkeiten keine Chance sieht, eine davon umzusetzen, gehen er und Meg Ontares an Bord. Dort bemerken sie, dass auch Angreifer aus den Spindel-Schiffen an Bord sind. Wozu? Das Schiff steht kurz vor der Explosion! Von Sky kommt die Information, dass die Eindringlinge sich zurückziehen. Müsste dann nicht ein Spindelschiff in der Nähe sein, um seine Besatzungsmitglieder wieder aufnehmen zu können. Und wenn das so ist, müsste dann der PHOENIX nicht in den Fokus dieses Spindel-Schiffes geraten. Ich habe es nicht kapiert.
Verstanden habe ich auch nicht, wie der Autor mit dem Prolog umgeht. Dort offeriert er die Geschichte eines Chrorch namens Myrmyc. Der wird später von Bull aus seinem explodierenden Schiff gerettet. Nach zwei, drei Dialogen setzt ihn Bull auf einer unbewohnten Welt aus. Aha! Das ist dann also die Geschichte?
Noch ein Wort zum Fiktivtransmitter. Auch hier bin ich inzwischen abgehängt, was das Ding kann. Mit dem Pentaferer können zwei Personen über eine gewisse Distanz springen. Wenn jedoch der Fiktivtransmitter, der fest im PHOENIX verbaut ist, in der Geschichte erwähnt wird, dann bescheinigt Bull dem Gerät, nur eine Person transportieren zu können. So weist er Liam Barstow an, Meg Ontares mit dem Fiktivtransmitter zurückzuholen, sobald es notwendig war. Er hingegen würde einen anderen Weg finden. An einer anderen Stelle im Roman bescheinigt er dem Gerät, dass die Transferreichweite vom Objektvolumen und dessen Masse abhängig sei. Ich habe es nicht kapiert.
Nicht allein wegen solcher Beschreibungen bewerte ich den Erzählfluss als brüchig und manches mal unlogisch. Die Handlung ist zum Teil sprunghaft und inkonsequent. Ich vermisse einen roten Faden, statt einer Aneinanderreihung von unterschiedlichen Fäden. Die Geschichte überzeugt mich nicht. Der Figureneinsatz enttäuscht mich. In den Schilderungen von Reginald Bull baut Uwe Anton auf die „gängigen“ Beschreibungen dieser Figur. Statt ihr mehr Tiefe zu geben, wie es andere Autoren in der Ära Ben Calvin Hary tun, die den Figuren mehr Aufmerksamkeit schenken. Deshalb schrieb ich oben, dass wir in dieser Geschichte den früheren Uwe Anton erleben. Der Stil hat sich aber inzwischen geändert. Dass er es „draufhat“, zeigt Heft 3342. Hier jedoch erleben wir alte abgenutzte Muster. Schade!

