Die ersten Shinobi – Olaf Brill
Der psionische Dauerimpuls, den die Wissenschaftler von der PEGASOS ausgelöst haben, hat eine erstaunliche Wirkung entfaltet. Der Zerfall der Mabomkolonien wurde aufgehalten. Die bleichen Würmer, die weite Teile der Planetenlandschaft bedecken, finden sich wieder zu Kolonien zusammen. Allerdings zeigen sich diese plötzlich aggressiv. Das bringt nicht nur die Einsatzmitglieder der PEGASOS in Gefahr, sondern auch die etwa 80.000 Bewohner des Planeten Mahama. Während Atlan und Monkey den Galaktikern in der Stadt Chionopolis helfen und der Gurrad Throyn sich auf dem Weg zu R-Kubus macht, hat man an Bord der PEGASOS den Kontakt zum Planeten verloren. Der vom Unepal ausgelöste Impuls sorgt auch dafür, dass die Technik lahmgelegt wird. Raumschiffe können weder starten noch landen. Nur ein verzerrter Funkimpuls trifft noch von der Medikerin Arasha Agarwal ein. Die war zuletzt bei R-Kubus im Einsatz. Antonya Bancroft macht mit ihrem Einsatzanzug Shozoku einen Orbitalsprung und macht sich auf die Suche nach Arasha Agarwal und dem Unepal.
Derweil irrt Jasper Cole über eine ihm fremde Planetenlandschaft. Er hatte die Iltmumie per Pentaferer zurückgeschickt. Nun ist das Gerät ohne Energie. Der Shinobi-Anwärter ist sich nicht sicher, ob seine Umgebung real ist, ein Traum oder eine Simulation. Seine Gedanken schweifen ständig ab, er verliert sein Zeitgefühl. In einem klaren Moment, versucht er seinen Shozoku zu manipulieren, damit weitere Funktionen freigeschaltet werden. Die würde er sonst erst bei seiner Weihe zu einem Shinobi erhalten. Mit dem kleinen Werkzeugset, das ihm seine Schwester schenkte, kann er den Senpai aktivieren. Der semisentiente Agent auf der Grundlage des Phoenix-Modells, ist ein intelligentes Assistenzprogramm, das ihn fortan unterstützt. Sein Ziel ist es, den Pentaferer aufzuladen. Der Versuch, ein Gebäude am Horizont zu erreichen, schlägt fehl. Aber sein Anzug empfängt ein Funksignal. Als er dem nachgeht, entdeckt er eine abgestürzte terranische Raumsonde. Mit dem enthaltenen Energiespeicher lädt er den Pentaferer auf. Es gelingt ihm, Sprungdaten zu generieren. Als Anker auf der anderen Seite dient das Unepal. Es wird zum Empfangspol des Transmitters. Jasper springt und landet mitten in einem Kampf.
Er ist beim Unepal herausgekommen. R-Kubus, geistig verwirrt, hat die Mumie in seiner Gewalt. Die Bestandteile der Kolonie gruppieren sich permanent neu und attackieren Antonya und Throyn. In einem lichten Moment hatte R-Kubus die beiden zum Unepal und zu Arasha Agarwal transportiert. Doch nun dreht die Mabomkolonie wieder durch. Sie fordert den Abzug der Galaktiker und den Verbleib des Unepals. Da Atlan und Monkey die Bewohner von Chionopolis in unterirdische Höhlen geführt haben, drohen andere Mabomkolonien, diese zum Einsturz zu bringen. Arasha arbeitet an einer Methode, die Mabom von der Aggressionsstrahlung zu heilen, ohne dass wieder der Reset einsetzt. Zunächst mit Erfolg, doch dann kehren sich die Vorzeichen erneut um. In der Folge kommt es zu einem Konflikt zwischen Tony und Jasper. Tony will verhindern, dass der Reset einsetzt und die Mabom wieder auf den Stand vor Ratifizierung der Elysischen Charta zurückversetzt werden. Jasper hingegen will das Unepal entfernen, damit die Mabom nicht länger leiden müssen. Jasper holt sich an Bord der PEGASOS das Oni-Siegel, um volle Einsatzbereitschaft seines Shozoku zu erhalten. Damit überrumpelt er Tony und entfernt das Unepal.
In der Folge setzt der Reset ein. Allerdings scheint die Neugruppierung nun schneller vonstattenzugehen. Der frühere R-Kubus bildet einen humanoiden Golem, der nicht alle Erinnerungen verloren hat. An Bord der PEGASOS steht nun die Weihe der Shinobi an. Es wird jedoch nur Jasper Cole in den Stand eines Shinobi gehoben. Atlan und Monkey haben sich für unterschiedliche Kandidaten ausgesprochen und Atlan hat sich durchgesetzt. Antonya Bancroft, der es an der moralischen Reife fehlt, erhält ein Angebot von Monkey, sich der USO anzuschließen. Jasper Cole erhält die HELIOS inkl. Kommandant, um die Yodor-Sphäre aufzusuchen. Man hat entdeckt, dass der Planet, auf dem sich Jasper Cole aufhielt, das Haus von ES beherbergt. Die Sonde war von der RAS TSCHUBAI. Der Shinobi will ES vor John Wylon warnen und um Informationen zur Triade bitten.
Rezension
Der Kurs, den der Expokrat Ben Calvin Hary einschlägt, scheint sich ein Stück weit von der früheren San-Philosophie zu entfernen. Er gibt der daraus folgenden Organisation Elysion eine abweichende Hierarchie und eine Charta, die sich von den ursprünglichen Gedanken des Titelhelden dazu, doch erheblich unterscheidet. Auch sprachlich werden andere Signale gesetzt. Ben entlehnt Begrifflichkeiten wie Shinobi, Jonin und Chunin dem feudalen Japan. Irgendwie scheint das Ganze auch wenig entwickelt zu sein. Die Milchstraße hat genau 1 Shinobi hervorgebracht. Und dass, nachdem bereits seit Jahrzehnten die Legaten etwas gegen das San-Projekt haben. Es ist noch sehr, sehr unverständlich, dass es irgendwo jemanden gibt, dem deswegen die Hosen schlackern.
Agenten, die sich ihre Aufträge selbst aussuchen? Wir werden sehen, wie „unabhängig“ die Shinobi agieren werden. Alle Institutionen und ihre Vertreter wirkten in der Serienvergangenheit nie selbständig. Dafür gibt es den Titelhelden und seine Sidekicks. Sie ziehen die Strippen und andere handeln danach. Eine gewisse Selbständigkeit hatte Ronald Tekener als Agent der USO. Bis er vom Serienkosmos vereinnahmt wurde. Jasper Coile traue ich einen solchen Status nicht zu. Vielleicht kann Antonya Bancroft nach ihrem Wechsel in die USO sich ein wenig von der Umklammerung der Unsterblichen lösen. Den erneuten „Seitenwechsel“ der Figur kann man mit einem Augenzwinkern betrachten. Jasper nennt sie Ianus und wirft die Figur damit in ihre Zeit als Verbrecherkönigin zurück. Für Monkeys USO, oder die von Chrekt-Chur, scheint ihre mangelnde moralische Reife aber allemal zu reichen.
Der Gurrad Throyn wird als Nebenfigur nun bereits durch mehrere Romane geschleppt. Es wurde versäumt, ihm ein Profil zu geben. Die gebetsmühlenartig von den Autoren einfließenden Bemerkungen, dass der Mann noch zu einem Shinobi wird, oder ist, oder es mal war, oder erst bestätigt werden muss oder was auch immer, machen es nicht besser.
Olaf Brill hat es ganz gut hinbekommen: Den Spagat von einem einfachen Transmittertechniker und Raumsoldaten zum ersten Vertreter einer intergalaktischen Schutzmacht. Die Unsterblichen, Adams, Monkey und Atlan spielen in diesem Roman keine wesentliche Rolle. Die Serie scheint, ich wiederhole mich, auf jüngere Figuren zu setzen. In dem Umfeld, in dem bisher die „Alten“ residierten, wirkt das tatsächlich etwas anmaßend, wenn Jasper sagt, dass er nun ES aufsuchen werde, um die SI zu warnen und Informationen zu erhalten. Müssen wir Leser uns dann an die „Jungen“ gewöhnen? Hier stellt sich die Frage, ob die „Verjüngung“, so sie denn tatsächlich nicht temporär ist, auch jüngere Leser anspricht. Doch wie bemerken Nicht-Leser den möglichen Wandel der 65 Jahre alten SF-Serie? Doch nur über Werbung. Mit Videos versucht man auf den Social-Media-Kanälen ebenfalls, den Wandel aufzuzeigen. Allerdings sind es die bekannten Kanäle. Jung-Leser müssen diese erst ebenfalls für sich entdecken. Damit sie aus den dortigen Video-Clips zum Heftroman geführt werden. Ob das gelingt?

