Sterben will ich – Wim Vandemaan
Reginald Bull ist auf der Welt der Lanathan in die Gefangenschaft von Laupp Udun, einen Ghuspoden dra Noxx, geraten. Man hat ihm die falschen Hände abgeschlagen und weiß nun, dass er kein Lanathan ist. Laupp Udun befiehlt seinem Leibwächter Staenwint, Bull zu töten. Zuvor verlässt der Ghuspode den Raum, um nach seinen weiteren Gehilfen Raccrush zu sehen, der Ghamda, die Tochter des Bürgers Stallnard, in seiner Gewalt hat. Kaum ist Laupp Udun weg, wird Staenwint durch die Pevitse Khura getötet. Sie stellt sich Bull als Ziomdiva Procorr vor. Sie ist eine Mystifikatorin der real-elektrischen Kirche. Als Dienerin verwischt sie die Spuren und Tätigkeiten der Kirche. Sie erfasst Neugierde, als sie von Bull erfährt, dass er von einer anderen Welt stammt. Bulls Anwesenheit stärkt die real-elektrische Kirche. Die Ghuspoden hingegen werden Jagd auf ihn machen. Von einer Legende, die Bull sucht, weiß sie nicht viel, aber sie will Bull zu Shezza Venicc bringen, der angeblich im Tempel war. Bull interpretiert den Tempel als eine Art Raumstation im Zinngestöber.
An Bord des PHOENIX ist man sich sicher, dass die Legende mit dem Technogewölk identisch ist, durch das sie driften. Eine Kommunikation mit der Entität kommt zustande. Diese beklagt, dass sich zwei Besatzungsmitglieder auf der Welt der Lanathan invasiv verhalten. Sky und Liam Barstow versuchen die Entität vom Gegenteil zu überzeugen. Die Entität hat die technischen Gerätschaften von Bull und Ontares desaktiviert und beobachtet ihre Aktivitäten. Dann bricht sie den Kontakt zum PHOENIX ab.
Die Witwe Suluth hat Meg Ontares gesagt, wohin Reginald Bull verschleppt wurde. Die Medizinerin macht sich mit der Einradbahn von Picc Dinishur auf dem Weg. Sie will zum Tonpalast der Pevitsen, um von dort einen Weg zum Dunklen Haus der Ghuspoden dra Noxx zu finden. Auf dem Weg findet Meg den verletzten Stallnard, der nach seiner Tochter sucht. Sie verarztet den Lanathan. Picc Dinishur kommt hinzu und sie erfahren, dass Raccrush Stallnards Frau getötet hat. Im Haus der Pevitsen bekommt Meg Unterstützung durch die Lanathan Ushelid Perpedh, die ihr den Weg zum Palast der Ghuspoden weist.
Reginald Bull hat indes das Dampfpuppentheater von Shezza Venicc erreicht. Von ihm erfährt Bull die Geschichte der Lanathan und der Legende. Die Lanathan hatten sich entzweit. Die einen hassten alle Technik, die anderen waren Befürworter der Technik. Die Legende erschien und vermittelte. Sie schuf eine neue Welt für die Lanathan, die die Technik ablehnten. Eine Raumstation, der Tempel, sollte über die Welt wachen. Eine Welt, in der sich nichts Wesentliches ändert. Eine statische Welt. Shezza versucht den Tempel mit einem Hyperfunkgerät zu erreichen, aber das Gerät funktioniert nicht. Bull macht sich nun auf die Suche nach seiner Begleiterin, die Ziomdiva Procorr zufolge wahrscheinlich zu den Ghuspoden unterwegs ist.
Raccrush hat Ghamda getötet und danach auch seinen Herrn, Laupp Udun. Denn auch Raccrush ist ein Lanathan von außerhalb der Weiten Welt. Er versucht die Leichen verschwinden zu lassen und spannt dazu den Kutscher Picc Accroum ein, den er danach ebenfalls ermordet. Meg Ontares in der Begleitung von Stallnard und Picc Dinishur kommt Raccrush auf die Schliche. Stallnard erfährt vom Tod seiner Tochter und Picc Dinishur vom Tod seines Bruders Picc Accroum. Dann treffen sie mit Reginald Bull zusammen und ziehen gemeinsam zum Palast der Ghuspoden, um Raccrush zur Rechenschaft zu ziehen.
Raccrushs Versuch, die anderen Ghuspoden auf seine Seite zu ziehen, scheitert. Denn einige der Ghuspoden kommen ebenfalls von Außerhalb. Die Legende ist inzwischen auch vom Vorwurf des invasiven Auftretens Bulls und Ontares abgekommen und aktiviert wieder die Technik ihrer SERUNS. Der PHOENIX kann landen und die Entität gibt das Versprechen, der PHOENIX-Besatzung wegen des Sternwürfels zu helfen. Seine Gegenleistung: Er will sterben!
Rezension
In der Fortsetzung reduziert der Autor die Ich-Perspektive von Sky und gibt den Geschehnissen auf der Weiten Welt mehr Raum. Die Abenteuer von Reginald Bull und Meg Ontares werden parallel vorangetrieben und die beteiligten Figuren sind allesamt aufgrund familiärer Verbundenheit oder außerweltlicher Aktivitäten sehr dicht in die Geschehnisse involviert.
Etwas ungewohnt, zumindest für Romane von Wim Vandemaan, sind die wiederholten Darstellungen von Gewalt, die sich durch seine Geschichte ziehen. Bei einer Beschreibung von Gewalt, wie Mord oder Folter, bewegt sich ein Autor auf einem schmalen Grat. Einerseits haben Ausschmückungen in der Schilderung und eine bildhafte Rücksichtslosigkeit den Sinn, Authentizität zu suggerieren. Andererseits will der Autor, so zumindest meine Unterstellung, den Leser auch nicht zu sehr belasten. Schließlich sucht der Leser in der Lektüre Entspannung. Der Autor entlastet den Leser und verklärt den einen oder anderen Part in der Darstellung.
Zumindest bei mir haben die unterschiedlichen Gewaltdarstellungen, die Wim Vandemaan in seine Geschichte einfließen lässt auch unterschiedliche Reaktionen ausgelöst. Einerseits gibt es eine Vertiefung der Thematik, wenn die Ghuspoden gegen Anhänger der Elektrizität in der geschilderten Weise vorgehen. Die grundsätzlichen sozialen Konflikte werden darüber symbolisiert. Ein anderer Aspekt ist jedoch der, dass der Mord an Ghamda, in der Art, wie es Wim Vandemaan schildert, eher nicht notwendig war, um die Handlung voranzutreiben. Wobei die Ermordung von Stallnards Tochter weder explizit oder gar detailliert geschildert wird. Die Tat bleibt eher andeutungsweise. Ich habe darüber sinniert, ob der Autor darauf abzielt, eine emotionale Nähe zum Geschehen zu erzeugen, um den Leser mit der Wirkung zu beeindrucken. Ich erkenne auch eine gewisse künstlerische Überhöhung. Nichtsdestotrotz ist diese Mordschilderung, die zwar auch die gesellschaftlichen Machtverhältnisse abbildet, in der Perspektive, die der Autor benutzt, mir persönlich eine Spur zu drastisch geraten.
Beim Mord an den Kutscher lässt der Autor die ästhetisierte Sprache beiseite und setzt eine sachlich-nüchterne Sprache ein. In den Konsequenzen wiederum, also darin, wie die Figuren auf die Gewalt reagieren und wie sie damit umgehen, lässt der Autor die Leser zumindest teilweise im Unklaren. Für den Roman einer „Raketenheftchenserie“ ergibt sich ein komplexes Zusammenspiel von Form, Inhalt und Funktionen, was die Darstellung der Gewalt angeht.
Abseits dieses Aspektes besticht Vandemaans Roman mit einer poetisch-verklärten Wortwahl. Metaphern und Personifikationen schaffen eine durchgehend dichte Atmosphäre. Die Stimmung, die der Roman vermittelt, ist beinahe greifbar. Schade, dass nun erneut ein Handlungswechsel ansteht. Aber vielleicht will man auch etwas Abstand zu dieser Geschichte schaffen.

