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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2900

Das kosmische Erbe – von Verena Themsen – Handlung:

Im Mai des Jahres 1551 NGZ, ca. 29 Jahre nach den letzten Ereignissen, erreicht der larische Diplomat Kadhonor-Lom die Erde. Dort wird er vom terranischen Residenten Hekéner Sharoun im Namen der Liga Freier Galaktiker und des Galaktikums begrüßt. Der Botschafter der Laren ist nach Terra gekommen, um ein neues Band zu knüpfen.

Nur kurze Zeit später ist Perry Rhodan mit seiner Enkelin Farye Sepheroa-Rhodan, die inzwischen Bataillonskommandantin auf der RAS TSCHUBAI ist, auf dem Weg zum Merkur. Archäologen haben lemurische Hinterlassenschaften entdeckt und wollen Rhodans Expertise. Eine Armee metallener Soldaten, ähnlich der chinesischen Terrakotta-Armee, wurde in einer Kaverne auf dem innersten Planeten gefunden.

Präsentiert wird den beiden Rhodans der Fund von Dezio Gattai. Ausgerechnet an diesem Tag hat der Archäologe verschlafen und kommt etwas später. Über einen Transmitter geht’s zum Ausgrabungsort. In einer niedrigen Halle stehen tausende lebensgroße Figuren. HaLem-Armee haben sie die Archäologen getauft, weil sie aus Lemurmetall sind mit winzigen Einschlüssen, für die das Ha im Namen steht. Darin kommt auch PEW-Metall vor, allerdings in so geringen Mengen, dass Bewusstseine darin nicht gespeichert werden können. Und dennoch scheint das PEW dafür zu sorgen, dass die Figuren, die lemurische Soldaten unterschiedlicher Epochen und Ausrüstung zeigen, einen Memory-Effekt unterliegen. Auf Holobildern, die über einen längeren Zeitraum von den Metallfiguren gemacht wurden, ist zu erkennen, dass sich der Kopf einer Figur minimal bewegt.

Die Altersdatierung ergibt keinen eindeutigen Wert. Mitten in der Diskussion der Gruppe beginnen alle Figuren ihre Köpfe langsam zu heben und in Richtung des Himmels zu starren. Da nicht mehr passiert, reisen Perry und Farye zurück zur Erde, um am Abend den larischen Botschafter zu treffen.

Derweil kommt es im Taltaan-System zu einer merkwürdigen Begebenheit. Die Kosmolinguistin Uma Lee und der Kosmopsychologe Myrrdin Hawk studieren auf Mandaam die Zivilisation der Mandaamen. Die nicht raumfahrende Zivilisation ahnt nichts von der geheimen Forschungsstation. Auch der 10-jährige Täller, der sich für Wissenschaften interessiert, ist ahnungslos. Wie alle anderen Mitglieder seines Volkes wird er überrascht, als eine Katastrophe Mandaam heimsucht.

Perry Rhodan, der inzwischen mit Sichu Dorksteiger eine Ehe eingegangen ist, trifft auf dem Botschaftsempfang Kadhonor-Lom. Der Lare ist etwas reserviert, dass ausgerechnet der Hetork-Tesser als Liga-Kommissar das Projekt von San vorantreibt. Dennoch kommen sich die beiden Männer etwas näher. Rhodan vermisst seine Freunde Bull und Tolot, die in Larhatoon waren und bislang nicht zurückkehrten. Auch das Explorerschiff OVARON, das sie suchen soll, gibt keine Rückmeldungen. Kadhonor-Lom verspricht, seine Beziehungen spielen zu lassen.

Perry und Farye werden wegen neuer Entwicklungen zum Merkur gerufen. Vorher treffen sie den TLD-Chef Maurits Vingaden. Der eröffnet den beiden eine erstaunliche Beobachtung. Über den BACKDOOR-Transmitter auf Merkur ist ein junger Mann eingereist, von dem nur der Name Adam von Aures bekannt ist. Der Name Aures weckt Erinnerungen bei Rhodan. Vingaden überrascht den Unsterblichen jedoch mit etwas anderem. Stellt man den Namen etwas um, dann erhält man Adaurest! Der junge Mann könnte der dritte Kardinal-Fraktor sein. Der Besucher ist inzwischen verschwunden und der Liga-Dienst sucht nach ihm.

Auf Merkur werden die beiden Rhodans vom TLD-Agenten Opiter Quint begleitet. Die Statuen fixieren einen Punkt am Himmel und Quint entdeckt einen winzigen, nur Millimeter messenden Roboter aus drei gekreuzten Balken. Mit Soldaten und TARAS aus Faryes Bataillon wird der Roboter, der Wände durchringen kann, gefangen und untersucht. Plötzlich erscheinen größere Exemplare und greifen das Labor an. Die Balkenroboter können nur mühsam ausgeschaltet werden. Sie zerfallen nach ihrer Zerstörung und auch die Untersuchungsergebnisse sind vernichtet.

Auf Merkur scheinen inzwischen alle Menschen von einer Massensuggestion beeinflusst zu werden. Sie gehen auf die Straße und schauen in freudiger Erwartung zum Himmel. Quint und Rhodan sind nicht betroffen. Aber auch sie sehen ein Leuchtfeuer am Himmel aus drei hellen Punkten. Auch auf den anderen inneren Planeten wird das Phänomen beobachtet und verhalten sich die Menschen ekstatisch. Gucky erkennt, dass ein mentaler Einfluss von der HaLem-Armee ausgeht und man arbeitet an einer Abschirmung. Zieht man eine Linie von den markierten Leuchtfeuern durch die Milchstraße, dann findet man zwei Sonnen. Eine ist Taltaan, die andere ist Otermas Stern, der überraschend weit vor seiner Zeit plötzlich zu einer Nova geworden ist. Rhodan schickt Schiffe ins Taltaan-System und fliegt selbst mit der RAS TSCHUBAI dorthin. Mandaam ist verloren. Ein Gasausbruch der Sonne hat den Planeten verbrannt. Nur wenige Mandaamen können gerettet werden, darunter Täller. Auch Uma Lee und Myrrdin Hawk werden gerettet und arbeiten fortan auf der RAS TSCHUBAI.

Sichu Dorksteiger vermutet einen künstlichen Eingriff in beide Sonnen. Inzwischen konnte auch die Linie der Leuchtfeuer verlängert werden. Sie führen zur Galaxis NGC 4622. Die HaLem-Armee hat eine Botschaft für Rhodan. Der Unsterbliche empfängt sie mental. Ihm wird mitgeteilt, dass der Wanderer seine Mächtigkeitsballung verlassen hat und diese Flucht Begehrlichkeiten bei dunklen Mächten wecken würde. Das Vertriebene Volk bietet seinen Schutz an. Rhodan soll dem Leuchtfeuer in das Goldene Reich folgen. Wenn die Milchstraße leben will, braucht sie das Bündnis zwischen Rhodan, der Menschheit und dem Gondunat.

Perry Rhodan bittet Homer G. Adams wachsam zu bleiben. Am 10. Juni 1551 NGZ bricht die RAS TSCHUBAI auf und folgt den Leuchtfeuern.

 

Rezension:

Der Roman atmet von vorn bis hinten das aus, was typisch ist für Perry Rhodan. Ein kleiner Zeitsprung, der kurz genug ist, um nicht zu große Veränderungen schildern zu müssen und gleichzeitig lang genug, um nicht zu allen Themen der jüngeren Serienvergangenheit eine Antwort geben zu müssen. Die Hauptfigur spielt mit, was auch nicht anders zu erwarten war. Es sind nur minimale berufliche und private Veränderungen, die Perry Rhodan erfahren hat. Schließlich sollen die Leser nicht verschreckt werden. Ein Rätsel auf Merkur gilt es zu lösen, eine geheimnisvolle Botschaft trifft ein und eine Einladung wird ausgesprochen. Und schon bricht der Held mit seinem Schiff auf, um in unbekannte Regionen des Universums vorzustoßen. Ja, der Roman entspricht den Erwartungen. Auch meinen Erwartungen. Schließlich weiß ich als langjähriger Leser, wie Jubiläumsbände gestrickt sein müssen.

Und doch ist da auch eine leichte Enttäuschung bei mir. Zum Zyklusauftakt bringt Verena Themsen die bekannten Elemente in ihrer Geschichte unter. Aber es fehlt der Story an etwas Besonderem, an mehr Biss, an etwas, dass die Story aus der Masse heraushebt. Das Feuer, das durch diesen Roman bei mir entfacht werden sollte, lodert momentan noch auf Sparflamme. Ja, ich bin neugierig, wie es nächste Woche weitergeht. Aber es ist eine distanzierte Neugierde. Mal sehen, was kommt.

Der Einstieg in den Roman mit der Begrüßung des Botschafters der Laren auf der Erde war gelungen und beantwortete bereits einige Fragen. Das Projekt von San, ein Begriff, der während des Konflikts mit dem AT geboren wurde, wird vorangetrieben.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dem Exposé-Autor Wim Vandemaan 2015 in Osnabrück. Ich begrüßte die Absichten, mit dem Projekt von San mal einen anderen Aufbau zu versuchen. Statt auf Bedrohungen zu warten und sich ihnen entgegenzustellen, müssten die Protagonisten selbst aktiv werden und Prävention betreiben. Ein solcher Aufbau würde auch an die Autoren eine Herausforderung stellen. Die Zyklusgeschichte müsste anders aufgebaut werden. Natürlich ist noch lange nichts entschieden, aber in diesem Roman scheint dann doch wieder der alte Kurs gefahren zu werden.

Dennoch scheint der Blick etwas vorwärtsgerichtet zu sein. Der Kontakt zu den Laren, die Erwähnung des Projekts von San, dazu Rhodans Rolle in diesem Projekt. Die Ereignisse in Orpleyd werden gar nicht mehr erwähnt. Allerdings werden auch ca. 30 Jahre nach den Ereignissen um das Atopische Tribunal einige Geschehnisse wieder hochgespült. Nach wie vor sind einige Aktivatorträger nicht aus Larhatoon zurückgekehrt, gelten gar als verschollen. Und auch Atlan findet keine Erwähnung. Mit Aures, dem Adaurest und kleinen Holzschachteln werden erste Fäden gesponnen, in die sich die Leser verfangen können.

Der Roman ist konsistent, nur ganz am Ende schlägt der Fehlerteufel zu, als die technischen Daten zu den Marskreuzern und den Triebwerken der RAS TSCHUBAI in die Geschichte einfließen. Aber vielleicht ist auch der Sender Augenklar nicht ganz so informiert, wie er es eigentlich sein sollte.

Der Roman von Verena Themsen war flüssig zu lesen. Gleich zu Beginn ist mir aufgefallen, dass Verena Themsen ihren Figuren auch einen unterschiedlichen Ausdruck bei den Dialogen in den Mund legte. Insbesondere die handelnden Wissenschaftler auf Merkur kamen dadurch sehr lebendig rüber. Überhaupt haben mir die Figuren, die Verena Themsen einführt und sie charakterisiert, am besten in dem Roman gefallen. Die Archäologen, Opiter Quint, Täller, Kadhonor-Lom und andere werden exzellent dargestellt. Die Protagonisten haben mich mehr begeistert als die Story.

Mein Fazit: Ein solider Auftaktband mit tollen Charakteren!