Articles for this day of 10. April 2022

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3164

Lloyd und das Chaofaktum – von Michael Marcus Thurner
Farbaud, der im Glanz, sucht nach weiteren Möglichkeiten, um gegen die Terraner um Perry Rhodan vorzugehen. Mit Hilfe eines Chaofaktums begibt sich auf sein Geheiß hin, ein Abgesandter FENERIKS in die Vergangenheit. Ghalyb und der Audh Kmodh haben den Auftrag, im Jahr 2115 Wissen über Perry Rhodan und andere relevante Terraner zu sammeln, damit diese vernichtet werden können. Dadurch wären die Menschen der Gegenwart keine Bedrohung für FENERIK mehr. Ghalyb soll, wenn nötig, auch schon mal Änderungen in der Vergangenheit vornehmen.
Zur Zeit des Großen Imperiums reist Fellmer Lloyd an der Seite von Vizegroßadministrator Reginald Bull ins Arkon-System. Bull soll sich dort mit den Arkoniden vertraut machen. Atlan ist als Imperator zurückgetreten und Julian Tifflor erledigt im Arkon-System Regierungsgeschäfte. Der Telepath Lloyd kommt während seines Aufenthalts bei den Arkoniden in Kontakt zu Yvoa von Katranat. Die Akonin gehört zur diplomatischen Vertretung ihres Volkes. Als ehemalige Agentin des Energiekommandos ist sie eine gefährliche Frau. Sie scheint Interesse an Fellmer Lloyd zu hegen. Ihre Gedanken kann sie abschirmen, so dass der Telepath im Umgang mit ihr auf seine Erfahrung setzen muss.
Die Akonin spielt Fellmer Lloyd Informationen zu einem Artefakt zu, das Arkoniden auf der Welt Thos’athor entdeckt haben und geheim halten. Der Planet ist eigentlich ein Mond von Marsgröße mit gefährlicher Fauna, der einen Gigantplaneten umkreist. Der Stern des Systems ist ein Irrläufer zwischen der Milchstraße und M13. Die IRONDUKE bringt die Akonin Yvoa von Katranat offiziell nach Drorah zurück. An Bord sind auch Fellmer Lloyd und Julian Tifflor und sie fliegen Thos’athor an. Die dortigen Arkoniden der Forschungsstation sind vom Erscheinen der Terraner wenig begeistert. Letztlich begibt man sich jedoch gemeinsam auf eine Expedition zu dem geheimnisvollen Artefakt.
Von dem Gebilde geht ein verhängnisvoller Einfluss aus, der den Expeditionsteilnehmern zusetzt. Gefährlich wird es, als Fellmer Lloyd und Julian Tifflor auf Ghalyb und den Audh Kmodh treffen. Diese offenbaren eine weit überlegene Technologie. Können die Terraner der Vergangenheit gegen die Gesandten FENERIKS etwas ausrichten?
 
Die Geschichte von Michael Marcus Thurner entführt die Leser zurück an die Anfänge der Serie. Als sich die Helden der Serie trotz jahrzehntelanger Freundschaft noch siezten, der Alkohol in Strömen floss und der Griff zur Zigarette Bestandteil der Geschichten war. Es war auch die Zeit, als man über die Figuren im Dunstkreis um den Serienhelden kaum mehr zu lesen bekam, als einen Namen, eine Funktion, einen Dienstgrad oder eine Fähigkeit. Persönliches? Fehlanzeige. Historie? Kaum vorhanden. Charaktereigenschaften? Knapp, sehr knapp. Es kann gut sein, dass Thurner in diesem Roman mehr über Fellmer Lloyd geschrieben hat, als in allen anderen Romanen zusammengenommen, in denen diese Figur vorkommt.
Und der Autor legt den Finger in die Wunde fehlender früherer Figurenbeschreibungen, wenn er Yvoa von Katranat dazu benutzt, um den Telepathen zu fordern. „Sie sind alt, aber nicht sonderlich reif“, lässt der Autor die Akonin über Lloyd sagen. „Er hat ein langes Leben, aber niemals gelebt“, ist die nächste Feststellung. Mit „wie viele Frauen er in den letzten hundert Jahren im Bett hatte“ entlarvt die Akonin, resp. der Autor die arme Nebenfigur aus früheren Zeiten. Heute „leben“ die Figuren. Auch solche Nebenfiguren. Wir erfahren erst jetzt etwas zu Fellmer Lloyd, das frühere Autorengenerationen uns nicht verraten haben. Science Fiction ist, was das angeht, einfach großartig. Das hat zuletzt auch die Serie Galacto City gezeigt. Man kann auch toten Nebenfiguren noch ein Leben einhauchen.
Es funktioniert auch in der Hauptserie. Fellmer Lloyd lebt. Zumindest eine Zeitlang. Die Geschichte von Thurner wirft auch Fragen auf. Ziemlich viele Fragen sogar. Beispielsweise nach dem Motiv der Zeitreise. Farbaud hat sich derart überlegen gezeigt, dass er ein solches Manöver nicht nötig hat. Zudem hat er in Gesprächen mit Rhodan Andeutungen gemacht, die die Beweggründe der Chaosmächte neu deuten lassen und nicht unbedingt eine militärische Konfrontation folgen müsse.
Ich stelle mir als Leser natürlich auch die Frage aller Fragen. In dem Moment, in dem Farbaud den Auftrag gibt und der Abgesandte in der Zeit zurückgeht, weiß Farbaud, dass Ghalyb gescheitert ist. Warum also nicht einen zweiten Versuch starten? Oder ist das Chaofaktum nun „verbraucht“? Und in welcher Zeitlinie leben die Protagonisten nun eigentlich? Und wo ist eigentlich die Zeitpolizei, wenn man sie mal braucht? Ach ja, eine letzte Frage noch: Wird Tifflor nun kein Atope mehr? 😉
Gut geschriebener Roman für Nostalgiker. Ob dieser Versuch, die Zeit zu manipulieren, ein (wichtiger) Baustein des Zyklus ist, muss abgewartet werden.