Articles for this day of 30. April 2017

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2906

Das gestohlene Raumschiff – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

In Terrania auf der Erde des Jahres 1551 NGZ wächst Yeto Carell auf. Der siebenjährige Junge leidet unter einer sehr seltenen Krankheit. Die Intermittierende Muskuläre Atonie, kurz IMA, lässt den Jungen zusammenbrechen, weil die Muskulatur versagt. Die Anfälle sind lebensbedrohlich. Sein Medorobot Nestor ist immer an seiner Seite. Nur etwa 100 Menschen im Solsystem, hauptsächlich Terraner, leiden an der Krankheit, die die besten Ärzte vor Rätsel stellt. Da siebzig der Erkrankten in der Onryonenstadt Iacalla auf Luna leben, mutmaßen sie, dass IMA vom Atopischen Tribunal eingeschleppt wurde. Allerdings erklärt das nicht die dreißig Erkrankten auf Terra. Yeto ist trotz seiner Krankheit ein aufgeweckter Junge und will sich von der Schwarzen Clara, wie er seine Anfälle nennt, nicht unterkriegen lassen. Aber seine Eltern, der Wohnungsdisponent Millard Carell und die Obstdesignerin Pendo Carell bangen um sein Leben.

Eines Tages findet Yeto im Garten seiner Mutter ein ovales blaues Steinchen von der Größe eines Senfkorns. Er nimmt es mit in sein Zimmer und stellt erstaunt fest, dass es einen Tag später auf die doppelte Länge angewachsen ist. Wieder einen Tag später hat sich sein Fund erneut vergrößert und mit jedem weiteren Tag wächst das ovale Gebilde. Eine Freundin, der er von seinem Fund erzählt, schaltet den Reporter Sommer ein, der für das Mediennetzwerk Sol/intern arbeitet. Der Reporter zeigt sich an dem mittlerweile 50 cm großen Gebilde interessiert, doch Pendo wirft den Mann raus. Das ovale Ding sieht inzwischen wie ein kleines Raumschiff aus. Kurze Zeit später wird bei einem Einbruch der Fund Yetos gestohlen. Der Zustand des Jungen, der in den vergangenen Tagen stabil war, verschlechtert sich wieder. Der Onryone Locctar Vetshener, der Yeto ein Freund ist, sieht einen Zusammenhang zwischen Yetos zwischenzeitlichen Wohlbefinden und dem merkwürdigen kleinen Schiff und verständigt die Behörden.

Der TLD-Agent Paracel Fitzgerald macht sich zusammen mit seiner Partnerin Ona Jutaite auf die Suche nach dem Reporter und dem gestohlenen Raumschiff. Sie durchsuchen Sommers Wohnung und ein Lager. Sie finden Spuren, die zu Ariel Butenandt, einem Synthogenetiker führen. Ihm werden Verbindungen zum Techno-Mahdi nachgesagt. Butenandt und Sommer sind misstrauisch gegenüber der Regierung. Nach Aussage Butenandts will Sommer das Raumschiff aus Angst, die Regierung könnte es unterschlagen, selbst der Öffentlichkeit präsentieren. Die beiden TLD-Agenten bekommen den Namen des Immobiliendisponenten Juna-Junte genannt. Der hat Sommer eine alte Sporthalle besorgt und dort legen sich die Agenten auf die Lauer. Als der Reporter die Halle betreten will, wird er verhaftet. In der Halle wird das Raumschiff gefunden, das inzwischen über dreißig Meter misst.

TLD, Militär und Wissenschaftler machen sich über den Fund her und erfahren doch nichts. Bald ist das semitransparente Schiff zu groß für die Halle. Das Dach wird abgetragen und da in unmittelbarer Nähe keine hyperenergetische Technologie eingesetzt werden kann, muss das Schiff mit Stahltrossen umwickelt zum Raumhafen transportiert werden. Nach Tagen hört das Wachstum endlich auf. Das Schiff misst 4960 Meter in der Länge und 3530 Meter in der Breite. Auf allen Empfangsgeräten Terras ist eine Botschaft zu hören. Die Stimme stellt das Volk der Gemini vor, die in Frieden kämen und im Auftrag GESHODS. Sie errichten eine Schutzzone über die verwaiste Mächtigkeitsballung und pflanzen im Solsystem das erste Pacische Rhizom. Hekéner Sharoun, der Resident der Liga Freier Galaktiker bittet die Gemini, mit ihrem Schiff aus dem Solsystem abzuziehen, um auf neutralen Boden weiter zu verhandeln. Ein Gemini namens Bhal Haddhunis (Aussehen siehe Titelbild) will dem auch gerne nachkommen. Zuvor will er sein Schiff, den GESHOD-Spross öffnen, da sie nichts zu verbergen hätten. Und er hat Geschenke mitgebracht. Über Trivid richtet er eine Botschaft an Yeto Carell. Bhal Haddhunis hält einen Zellaktivator in der Hand. Er ist für Yeto bestimmt, um ihn zu heilen. Dieser erste von 1000 Zellaktivatoren ist für Yeto reserviert.

 

Rezension:

Mit einigen Heften Verzögerung eröffnet Michael Marcus Thurner den Genesis-Zyklus standesgemäß mit der von mir schon schmerzlich vermissten Einschüchterungsgebärde. Während normalerweise der Jubiläumsband für die Einführung einer Bedrohung für die Heimatwelt der Menschen herangezogen wird, überrascht das Exposé-Team und verlegt dieses Thema in den siebten Band des laufenden Zyklus. Und natürlich ist es auch gar keine Bedrohung. Die Gemini sind überaus freundlich und haben sogar Geschenke mitgebracht.

Hauptthema oder vielmehr Hauptakteur des Romans ist allerdings ein kleiner Junge. Denn die Szenen, mit der ich meine Ansichten hier eröffnet habe, stellt Michael Marcus Thurner ganz ans Ende seiner Geschichte. Und tatsächlich ist es erst der letzte Satz des Romans, der das Geschenk der tausend Zellaktivatoren zum Inhalt hat. Die Kapitel davor gehören jedoch Yeto Carell. Eigentlich ein normaler Junge, der dreitausend Jahre von unserer (Leser)Welt entfernt in der Hauptstadt der Erde aufwächst und die gleichen Träume und Sehnsüchte, die gleichen Gefühle und Ängste wie ein Kind unserer Zeit hat. Die Beschreibungen sind dem Autor überaus gut gelungen und die Figur Yetos, wie auch die Figuren in seinem Umfeld wirken glaubhaft.

Auch die beiden TLD-Agenten und die anderen Protagonisten hat der Autor gut charakterisiert. Die Figuren in dieser Geschichte „passen“ alle, sind stimmig und harmonieren mit den Handlungen. Die Alltagswelt der Terraner wird nicht zu exotisch beschrieben. Man kann sich als Leser in vieles hineinversetzen. Na ja, bis auf einen Onryonen als Restaurantbetreiber! Aber vielleicht haben sich die Onryonen an den Anblick in der Öffentlichkeit essender Wesen in den vergangenen Jahren inzwischen gewöhnt.

Die Gesellschaft, die der Autor schildert, ist positiv. Aber es wird keine „Heile Welt“ geschildert. Krankheiten gibt es immer noch. Stadtteile verfallen, wenn schlecht gewirtschaftet wurde oder Ereignisse eintreten, die Auswirkungen auf den Handel haben. Die beiden Agenten bedienen sich illegaler Methoden. Außerirdische werden auch mal nicht mit offenen Armen empfangen und Vorurteile gibt es auch im 52. Jahrhundert.

Wie erwähnt lässt Michael Marcus Thurner erst im letzten Satz seines Romans die sprichwörtliche Katze aus dem Sack. Die Gemini haben ein ganz besonderes Geschenk mitgebracht. Derartige Geschenke gibt es allerdings nicht zum ersten Mal. Und nicht immer verbreiteten solche Gaben die Freude, die man davon erwartet.

Ein schöner Roman mit überzeugenden Figuren.