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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2902

Im Sternenkerker – von Oliver Fröhlich – Handlung:

Nach dem angeblichen Mord auf Thooalon, den Vogel Ziellos und der Kosmopsychologe Ben Jello begangen haben sollen, finden sich die beiden an einem unbekannten Ort wieder. Vogel kann sich an kaum etwas erinnern und ihn überrascht die Anwesenheit von Lua Virtanen, dann erinnert er sich, dass sie und Gucky zu seiner Befreiung gekommen waren und ebenfalls in Gefangenschaft gerieten. Gucky fehlt, als Vogel, Lua und Ben sich in der neuen Umgebung orientieren. Thoogondu in alten, schäbigen Kleidungen umgeben die drei Terraner. Dazu andere Wesen. Sie sind in einem Gefängnis, das als Scuul bezeichnet wird. Schnell bemerken die Neuankömmlinge, dass hier eigene, brutale Gesetze herrschen. Die Neuankömmlinge werden als Frischfleisch bezeichnet. Ihnen wurden Gegenstände mitgegeben, die die anderen Gefangenen an sich nehmen. Auf diese Weise beschert das Goldene Reich die Insassen des Sternenkerkers. Der Gefangene Raagnul beobachtet das Frischfleisch. Er hält sie für Observanten, für Spione des Goldenen Reichs. Er will sie enttarnen.

Stunden zuvor hat Farye Sepheroa-Rhodan an Bord der BJO BREISKOLL Perry Rhodans Spruch an die RAS TSCHUBAI zur Nichteinmischung empfangen und interpretiert. Die BJO BREISKOLL soll eingreifen. Farye stellt ein Team zusammen. Donn Yaradua, der Metabolist, Bertrand Faust, Kommandant der LAURIN I, die Pilotin Lydia Brassac, Major Dja Dibaba und den Robotiker Quentin Slocombe. Das größte Problem stellt die Informationslage dar. Allerdings scheinen sich die örtlichen Behörden nicht um Geheimhaltung zu bemühen und die Hauptpositronik der BJO BREISKOLL kann im Zusammenspiel mit der Besatzung eine Übersicht der Geschehnisse zusammenstellen. Die Koordinaten des Scuuls, zu dem die Gefangenen transportiert werden sollen, sind unbekannt. Man fängt den Überstellungsbefehl der Gefangenen an den Pentasphärenraumer OONOM ab. Farye überlegt einzugreifen, als ein kleines Schiff die Gefangenen an Bord der OONOM bringt. Allerdings wäre das zu auffällig. Ihr Plan sieht vor, dass den Gefangenen scheinbar selbst die Flucht gelingen soll. Die Hilfe von außen muss unsichtbar sein.

Die Terraner folgen der OONOM, die ein Asteroidenfeld in 505 Lichtjahren Entfernung anfliegt. Farye wird unsicher. Was, wenn die Gefangenen nicht an Bord sind? Das Scuul entpuppt sich als ein in sich verschachtelter Haufen alter Raumschiffe von insgesamt 30 km Ausdehnung. Der einzige Zugang ist eine Art von Käscher, der eine kleine Kapsel der OONOM erfasst und ins Innere zieht. Die Ortung weist das Scuul als niederenergetisch aus. Auf den Asteroiden ringsum gibt es jedoch Abwehrforts. Farye schmiedet einen Plan. Sie opfert einige Space-Jets, die erfolglos und mit viel Getöns versuchen, zum Scuul vorzudringen. Es wird vorgegaukelt, dass ein einzelner Gefangener befreit werden soll. Der „Versuch“ misslingt.

Der erfolglose „Angriff“ hat den Terranern wertvolle Erkenntnisse verschafft. Jeder Versuch, das Scuul außerhalb des Käschers zu betreten oder zu verlassen, führt zur Vernichtung des Gefängnisses. Nun dringt die getarnte LAURIN I vor und die Mitglieder des Einsatzteams verschaffen sich getarnt über den Käscher Zutritt zu dem Gefängnis.

Vogel, Lua und Ben mussten Sichtungsrunden über sich ergehen lassen. Prügel und andere Gemeinheiten. Sie gehören einem Tryst an, einer Gruppe von Gefangenen, die mit anderen konkurriert. Es gibt auch Arena-Kämpfe, die dazu dienen, die Vorherrschaft zu regeln. Da es keine Schiffe gibt, kann man nicht fliehen. Luas tt-Progenitoren verschaffen ihr einen Überblick aber sie können das Scuul aus eigener Kraft nicht verlassen.

Farye und die anderen in ihren SERUNS verschaffen sich einen Überblick. Sie beobachten, dass Drogen konsumiert werden und sie beobachten einen Konflikt zwischen zwei Thoogondu, bei denen einer, der Thoogondu Basiir, einen Messerstich erhält. Donn Yaradua, der Metabolist greift ein. Seine Parafähigkeit erlaubt ihm die Gefühlswelt eines Wesens zu beeinflussen und begrenzt auch die Selbstheilungsfähigkeit anzuregen. Der Angreifer wird zu Shassonart, dem Anführer des Tryst gebracht. Das Team kann mit Shassonart sprechen und Donn Yaradua beeinflusst dessen Gefühlswelt.

Shassonart will nicht befreit werden. Er glaubt an seine Schuld. Er hat seine Familie getötet. Inzwischen machen Observanten Jagd auf die Eindringlinge. Das Team kann Gucky und die drei anderen befreien, bzw. zusammenholen. In dem Tumult wird Shassonart schwer verletzt. Gucky und Donn finden heraus, dass Shassonart ein verschleiertes Areal im Gehirn hat. Die Erinnerungen an den Mord wurden Shassonart implantiert. Vermutlich hat das Goldene Reich den Thoogondu doppelt bestraft. Für etwas, was dem Reich nicht passt und anschließend mit der Erinnerung an einen Mord, den er nicht begangen hat. Shassonart stirbt.

Mit einer List können die Terraner das Scuul verlassen und dabei den Eindruck erwecken, dass Gucky, Lua, Vogel und Ben dabei getötet werden. Allerdings nicht ohne Opfer. Ben wird von einem Observanten erschossen, der wiederum vom Gefangenen Raagnul getötet wird. Raagnul verschafft sich Zugang zu einem Fluchttransmitter der Observanten und flieht ebenfalls.

 

Rezension:

Der letzte Roman von Oliver Fröhlich in der EA liegt schon etwas länger zurück. Es war die Nummer 2865 im Juli 2016. Danach lagen noch die Romane der Serie Trivid, die er zusammen mit Christian Montillon verfasste. Die Romane von Oliver Fröhlich schätze ich sehr. Entsprechend freute ich mich über diesen Roman nach längerer Zeit.

Die Geschichte um den Sternenkerker schien mir zu einem recht frühen Zeitpunkt in diesem Zyklus eine Sackgasse zu beschreiten. Man geht diesen Weg (in ein Gefängnis) und muss im gleichen Roman den Rückweg antreten, um nicht auf drei sehr wichtige Figuren über längere Zeit verzichten zu müssen. Gleichzeitig musste dieser Roman auch etwas über das Goldene Reich vermitteln. Und dafür eignen sich Gefangene ganz besonders gut. Wer mit den Herrschenden in Konflikt geraten ist, gibt sich meist auskunftsfreudiger. Auch Technologie der fremden Sterneninsel galt es zu vermitteln, schließlich ist PR immer noch eine SF-Serie. Hier hält sich der Autor bedeckt. Die wenigen Informationen beeindrucken nicht. Andererseits, sollte das Goldene Reich sich als Gegner entpuppen, kann ein möglicher Konflikt auf Augenhöhe ausgetragen werden. Mit Onryonen, Tiuphoren und Gyanli hatten wir zuletzt allerdings genügend militärische Auseinandersetzungen.

Zurück zum Roman. Das Szenario entlockte mir auf den ersten 2 bis 3 Seiten zunächst keine Freudenstürme. Oliver Fröhlich beginnt seine Geschichte mit einem klassischen Aufbau. Gefangene erwachen in unbekannter Umgebung, werden misshandelt, geprüft und als Abschreckung wird schon mal was von Arena-Kämpfen eingeworfen. Das alles schien mir wohlbekannt. Aber der Autor macht was draus. Natürlich muss man sich ein Stück weit auf die Geschichte einlassen. Das ist mir gelungen und ich habe von da an den Roman in einem Rutsch durchgelesen.

Gut fand ich, dass Oliver Fröhlich den Ilt erst zum Ende hin einsetzt und die Gefangenschaft im Parakerker nicht weiter thematisiert. Stattdessen setzt der Autor auf die Gefühle und Beobachtungen von Vogel. Das Team um Rhodans Enkelin konnte mich ebenfalls überzeugen. Mit dem Metabolisten wird erstmals seit längerer Zeit mal wieder ein neuer Mutant auf Terranerseite eingeführt. Seine Fähigkeit erinnert mich ein wenig an Irmina Kotschistowa. Die konnte allerdings eher auf die Zellen eines Körpers einwirken, während Donn Yaradua auf den Geist und die Gefühlswelt einwirkt.

Man erfährt ein bisschen mehr über die Antriebstechnologie des Goldenen Reichs, über Waffen (mal wieder Torpedos) und Schutzschirme. Wichtiger war jedoch die Erkenntnis, dass das Goldene Reich mit dem implementieren von Erinnerungen sich nicht mehr ganz so goldig präsentiert, wie es sich anfangs gab. Allerdings überrascht das nicht. Die Figuren fanden schon im Vorgängerroman zahlreiche Hinweise darauf, dass in dieser Galaxis so einiges nicht stimmt.

Wie erwähnt, folgt der Autor einem bekannten Ablauf. Ein Gefangener beobachtet die Frischlinge und hält sie für Spione des Goldenen Reichs. Neben den Verhältnissen an sich wird schon zu Beginn ein weiterer Gegner eingeführt, der Vogel, Lua und Ben gefährlich werden kann. Ebenfalls früh im Roman gibt der Autor auch das Ziel aus. Die Befreiung muss so erscheinen, als hätten die Gefangenen es selbst geschafft. Damit kann der Status quo zwischen Rhodan und dem Reich zunächst aufrechterhalten werden. Etwas bange wurde mir, als der Autor die Hürden in seinem Roman doch ziemlich hoch legte. Nur 1 Zugang, bzw. Ausgang. Und wenn was anderes probiert wird, fliegt das Ganze in die Luft.

Tatsächlich schafft es Oliver Fröhlich, diese Hürden, die er selbst erstellt hat, dann tatsächlich mit einer gehörigen Portion Einfallsreichtum zu nehmen.

Ein schöner Roman mit vielen Einfällen, Ideen und Plänen und gut gezeichneten Figuren. Die Beobachtungen und Gefühle Vogels nach dem Erwachen sind intensiv geschildert. Sehr gut hat der Autor auch die Gedanken von Farye Sepheroa-Rhodan eingefangen, die mit zunehmender Dauer des Einsatzes, insbesondere während der Verfolgung des Gefangenentransports, unsicher wurde und nicht mehr sicher sein konnte, dass Gucky und Co an Bord waren.

Dafür, dass die Geschichte wie eine Sackgasse angelegt war (aus Exposé-Sicht) hat sich der Autor mit seiner Geschichte gut daraus befreien können. Im wahrsten Sinne des Wortes.