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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2873

PR_2873Das Atopische Fanal – von Uwe Anton – Handlung:

Anfang Januar 1519 NGZ will Matan Addaru Jabarim mit seinem Richterschiff in die Synchronie eindringen. Nur aus den Jenzeitigen Landen, so glaubt er, kann er jetzt noch etwas für GA-yomaad bewirken. Nach dem Tod Angaqquks (d.i. wohl Angakkuq) steht ihm kein Pilot zur Verfügung. Obwohl er bezweifelt, dass YLA dafür geeignet ist, soll das positronische Phantom sein Schiff als Pilot in die Synchronie steuern. Der Einflug in den Atopischen Konduktor scheitert. YLA wird beinahe zerstört, kann aber gerettet werden. Der Richter sieht nur noch eine Option. Er will ins Solsystem fliegen und den Korpus von TAFALLA aus der Sonne entfernen. Zwar weiß auch Matan Addaru Jabarim nicht, ob der Korpus allein oder das Sonnensiegel oder eine Kombination aus beidem für den Schleier verantwortlich ist, der den Blick auf diese Epoche verhindert. Wenn jedoch der Schleier fällt, kann das Atopische Tribunal die Situation neu bewerten. Er bricht mit YLA und der 233-COLPCOR auf.

Mitte Januar 1519 NGZ ist die Evakuierung des Solsystems beinahe abgeschlossen. Milliarden Menschen wurden ins Wega-System oder zu anderen Planeten transportiert. Auch die Regierung Terras ist umgezogen. Sie ist jetzt auf Rhea im Taranissystem. Weitere Menschen warten darauf, dass sie Terra verlassen können. Sie werden von Evakuierungs-Kommissaren betreut. Einer von ihnen ist Mato Cardweel. Mit seinem robotischen Begleiter Dexter ist er in Europa unterwegs. Zu seinen Aufgaben gehört es auch, Kulturgüter zu bestimmen, die es wert sind, geschützt zu werden. Mitnehmen kann man sie nicht, aber ein Herr von Robotern konserviert die Kunstwerke, in der Hoffnung, dass sie so die nahende Katastrophe in Form des Zeitrisses überstehen. Cardweels Kinder sind noch in London, während seine Ex-Frau und Mutter seiner Kinder auf Merkur in einer Transmitterstation arbeitet.

Am 17. Januar 1519 NGZ tagt das Krisenteam im Solaren Haus. Perry Rhodan, der von der Regierung mit der Verteidigung des Solsystems beauftragt wurde und das Oberkommando über die Streitkräfte übernommen hat, macht Bestandsaufnahme. Um den TERRANOVA-Schirm herum findet der Aufmarsch der Tiuphoren statt. Innerhalb des Solsystems sind 50.000 terranische Schiffe. Davon sind 19.000 mit dem ParaFrakt ausgestattet. Weitere 3000 Schiffe mit dem ParaFrakt operieren außerhalb des Solsystems. 20.000 EPPRIK-Raumer, 40.000 Fragmentraumer und 3000 Schiffe der Haluter sind ebenfalls im Solsystem. Die Hälfte dieser Schiffe ist mit dem ParaFrakt ausgestattet, weitere werden umgerüstet. Eine Angriffswaffe auf Basis der Dakkar-Spanne wurde entwickelt, aber noch nicht getestet. Sechs Schiffe, darunter die RAS TSCHUBAI haben den Sextadim-Pfadfinder erhalten, der möglicherweise in Hyperstenz befindliche Sterngewerke verwundbar macht. Per Funk bittet Matan Addaru Jabarim um Einflug in das Solsystem. Er will TAFALLA entfernen. Nach kurzer Beratung stimmt Perry zu. Allerdings muss der Richter vorher die Perforationszonen des Zeitrisses aufhalten und die Tiuphorengefahr abgewendet sein. Matan Addaru Jabarim lehnt das als lächerlich ab und setzt die überlegene Technik der 233-COLPCOR ein, um den TERRANOVA-Schirm zu durchdringen. Auch die RAS TSCHUBAI kann das Richterschiff nicht abhalten.

Der Richter fliegt zur Sonne. Auch die onryonische ZAATRO, die unter terranischer Kontrolle steht, kann nichts ausrichten. Auf unbekannte Art und Weise beginnt der Richter damit, den Korpus von TAFALLA aus der Sonne zu lösen. Höherdimensionale Effekte entstehen. Erneut lässt Rhodan die RAS TSCHUBAI und andere Schiffe das Feuer auf die 233-COLPCOR eröffnen. Und wieder ohne Erfolg. Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und die anderen beobachten, wie das Richterschiff die Sonne verlässt und einen Schatten hinter sich herzieht. In diesem Augenblick rasen höherdimensionale Schockwellen durch das System, setzen jede hochstehende Technik matt und lassen den TERRANOVA-Schirm kollabieren.

Für den Evakuierungs-Kommissar Mato Cardweel ist das ein Rückschlag. Um sich und seine Kinder zu retten, entwendet er aus einem Museum ein Low-Tech-Raumschiff und fliegt zum Merkur. Rhodan geht mit Dorksteiger auf die RAS TSCHUBAI. Noch hat das Solsystem eine Chance, da auch die Tiuphoren von den Schockwellen betroffen sind. Auf der RAS TSCHUBAI beobachtet Rhodan, wie sich die 233-COLPCOR ständig neu generiert. Sie wird zur 236-COLPCOR, in die der begleitende Schatten, mutmaßlich der Korpus von TAFALLA einsickert. Das Gebilde wechselt ständig seine Konsistenz von materiell zu immateriell. YLA meldet sich. Das positronische Phantom erscheint als junge Frau, ohne die splitterhafte frühere Erscheinung. Sie bezeichnet sich als 236-COLPCOR, Lunas Herz und fordert den Erben, damit meint sie Rhodan, auf, sie gehen zu lassen.

An Bord der SHEZZERKUD, die mittlerweile in der Milchstraße eingetroffen ist, analysieren die Tiuphoren die Situation im Solsystem. Sie beobachten, dass der Korpus einer Superintelligenz aus der Sonne geborgen wurde und nun in einer revitalisierten Form, einer embryonalen Form, vorliegt. Das wäre eine unvergleichliche Bereicherung für das Catiuphat. Die SHEZZERKUD wird beobachten, ob der Tomcca-Caradocc Accoshai dies bewerkstelligen kann. Sollte Accoshai versagen, wird die SHEZZERKUD eingreifen, der kein Schiff der Galaxis widerstehen kann.

Das veränderte Richterschiff bringt Cardweels Raumjacht in Sicherheit. Cai Cheung kommt an Bord der RAS TSCHUBAI. Es gibt gute und schlechte Nachrichten. Der TERRANOVA-Schirm wird in acht Stunden wieder einsatzbereit sein. Die Perforationszone hat sich beschleunigt und wird in einem Tag eintreffen. Cheung will die Flotte abziehen und das Solsystem den Tiuphoren überlassen. Doch Rhodan will, dass der Weg der Tiuphoren hier endet. Er befiehlt der Flotte, sich bereitzumachen. Der 18. Januar 1519 NGZ bricht an. Es könnte der letzte Tag des Solsystems sein.

 

Rezension:

Der vorletzte Roman des Zyklus bringt eine weitere Eskalation. Der Zeitriss trifft früher auf das Solsystem, das den TERRANOVA-Schirm verloren hat und die hochstehenden Tiuphoren der SHEZZERKUD, denen das archaische Treiben ihrer Artgenossen zumindest suspekt war, sind nun auch Feuer und Flamme, was TAFALLA angeht und wollen daher die anderen Tiuphoren nicht stoppen.

Uwe Anton gliedert seine Geschichte in zwei Hauptstränge. Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger und die anderen werden bei der Verteidigung des Solsystems begleitet und mit dem Evakuierungs-Kommissar Mato Cardweel wird eine Handlung verfolgt, die gewissermaßen der Erdung des Lesers dienen soll. Darin werden „normale“ Bürger beschrieben, die sich auf die Evakuierung vorbereiten, bzw. spezifische Aufgaben dafür erbringen. Mit dem Versiegeln der Kulturgüter sollen die möglichen Verluste deutlich gemacht werden. Was ginge verloren, wenn die Erde der kommenden Katastrophen zum Opfer fiele. Es spielt da schon keine Rolle mehr, ob Tiuphoren die Erde zerstören, der Zeitriss die Heimat verwüstet, die Eiris-Kehre den Untergang bringt oder der Weltenbrand den Tod herbeiführt. Eigentlich eine gute Idee, neben Menschenleben auch Objekte mit historischen Wert und den Umgang damit näher zu beleuchten. Doch je länger sich die Handlung um Mato Cardweel hinzog, desto deutlicher wurde auch die Schwäche dieser Story. Anfangs gelingt es dem Autor noch ganz gut, ein wenig Lokalorit zu erzeugen und auch der Humor kommt trotz der Situation nicht zu kurz. Im weiteren Verlauf entstehen jedoch unnötige Längen und eines wird schnell klar. Die Kulturgüter, wie sie der Leser kennt, existieren gar nicht mehr. Im Laufe der Serie ist Terra von derart vielen Katastrophen heimgesucht worden, dass die schützenswerten Kulturgüter im Original längst vernichtet sind. Es sind allenfalls Nachbildungen, die wiederum von Nachbildungen gemacht wurden. Die Menschheit ist in der Serie längst einen Großteil ihrer Identität durch die Autoren beraubt worden. Von daher läuft die Handlung mit Mato Cardweel ins Leere. Nur am Ende bekommt diese Handlung noch einen positiven Aspekt. Das Objekt, das sich im anderen Handlungsstrang entwickelt hat, scheint den Terranern positiv gegenüber zu stehen und zeigt mit der Rettung des Evakuierungs-Kommissars und seiner Kinder Mitgefühl.

Die Handlung um Perry Rhodan verläuft gänzlich anders. In dieser Erzählebene sind die Protagonisten nur noch Statisten. Der häufigste Satz in dieser Ebene war: „Was geschieht dort?“ Dieser Satz versinnbildlicht die Schwäche dieser Geschichte wie kein anderer. Die Figuren agieren nicht mehr. Sie sind stumme Mitspieler in einem Szenario, das sie nicht mehr begreifen. Uwe Anton treibt die Hilflosigkeit auf die Spitze, in dem er selbst den Kelosker aussteigen lässt. Gholdorodyn, für den das Geschehen im fünf- und sechsdimensionalen Bereich eigentlich keine größere Herausforderung darstellen sollte, als für unsereinen der Dreisatz, wird vom Autor zum Nachsitzen geschickt. Ohne Erfolg im Übrigen.

Und auch für den Helden läuft es gar nicht gut. Perry Rhodan darf ein wenig Bestandaufnahme machen, mehr ist für diese Figur nicht drin. Eine Szene ist mir besonders unangenehm in Erinnerung geblieben. Darin bezeichnet Uwe Anton seine Hauptfigur mal wieder mit dem Attribut Sofortumschalter. Dabei ging es darin gar nicht um die Rettung des Solsystems sondern nur um die Entgegennahme eines Funkspruchs! Matan Addaru Jarjarbinks meldet sich per Funk und Rhodan nimmt sofort entgegen. WOW! Geht’s noch? Ansonsten darf Perry mehrmals „Feuer“ stammeln oder den schon eingangs erwähnten Satz „Was geschieht dort?“ hauchen.

Auch im vorletzten Band bleiben die beiden Exposé-Autoren ihrer Linie treu und lösen nichts auf. Glücklicherweise habe ich den Newsletter abonniert. Und dort konnte man schon vor Wochen lesen, dass man im Band 2873 ganz hinten genau lesen muss, um gegebenenfalls etwas über den verleugneten Richter Veirdandi zu erfahren. Die Symbiose, die aus TAFALLA, YLA und der 233-COLPCOR entsteht, hat eine Ähnlichkeit zur ZEITWEIDE Veirdandis. An Bord der SHEZZERKUD fällt außerdem der Begriff Embryonal. In diesem Zyklus wurde mehrfach erwähnt, dass der dritte Adaurest noch nicht geboren ist. Vielleicht ist das ja jetzt der Fall. Dann könnte es sogar sein, dass Veirdandi der dritte Kardinalfraktor ist. Aber das ist alles Spekulation und auch was mit Matan Addaru Jabarim passiert ist, bleibt unklar.

Unklar ist auch, wieso die 233-COLPCOR ganze 11 Tage von Arkon, sorry Baag, bis zum Solsystem benötigt? Der Richter bricht am 06. Januar auf und meldet sich am 17. bei Perry. Ist das auch eine Fährte der Autoren? Hat der Richter unterwegs noch was erledigt? Interpretiere ich hier zu viel hinein? Oder ist es schlicht ein Fehler in der Geschichte?

Es gibt noch viele andere Dinge, die unklar bleiben. Beispielsweise warum der Titel „Atopisches Fanal“ lautet. Denn der Richter setzt alles andere, aber eben kein Fanal. Aber egal. Nächste Woche ist Zyklusende und danach geht’s mit den gleichen Themen weiter, wenn man den Vorschauen trauen darf.