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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2868

PR_2868Der Fall Janus – von Christian Montillon – Handlung:

Die Völker der Milchstraße stehen vor einem Krieg. Die Tiuphoren sammeln ihre Sterngewerke und bedrohen zahlreiche Welten. Auch in der Nähe von Ertrus, dem dritten Planeten der Sonne Kreit stehen tausende Tiuphorenschiffe. Der Ertruser Margorat Ruwaog sorgt sich um seine Kinder Lonnerd und Caarko. Was er nicht ahnt, sein Sohn Caarko ist die Stimme des wiederbelebten Radio Freies Ertrus. Mit Parolen sorgt der junge Ertruser für Stimmung in der Bevölkerung. Auch dem Regierungschef Virgil Roosa ist nicht entgangen, welche Wirkung Radio Freies Ertrus erzeugt. Er lässt Ruwaog und seine Kinder auf die KIM TASMAENE bringen, seinem Flaggschiff. Denn der Widerstand braucht ein Gesicht.

Perry Rhodan ist mit der RAS TSCHUBAI nach Terra zurückgekehrt und bringt den Mutanten Dienbacer mit. Bevor der Tefroder seine einzigartige Fähigkeit einsetzt, trifft sich Rhodan mit Cai Cheung. Er hört zum ersten Mal vom Auftauchen der MOCKINGBIRD und davon, dass Tifflor ein Atopischer Richter ist. Am Gespräch nimmt auch der Akone Arval Las’Andossu teil, der neue Kommissarische Sprecher des Galaktikums. Er hat beunruhigende Nachrichten. In der Nähe von 10 Hauptwelten des Galaktikums finden Aufmärsche der Tiuphoren statt. Ertrus, Plophos, Olymp, Aralon, Gatas, Apas, Zülüt, Haspro, Archetz und Halut droht die Vernichtung. Perry Rhodan ahnt, dass sich die Tiuphoren Terra für das Ende aufheben. Der ParaFrakt kommt zu spät. Mit neu entwickelten Schiffen auf Low-Tech-Basis, die PROTECTOR-Boote will man jedoch die Schiffe des Galaktikums ausstatten, damit sich deren Besatzungen retten können.

Im Kreitsystem findet der erste Tiuphorenvorstoß statt. Ein Sterngewerk dringt ins System ein, setzt Sternspringer ab und Kriegskapseln. Obwohl die Onryonen zur Verstärkung anrücken, haben die Verteidiger keine Chance. Indoktrinatoren befallen alle Schiffe, auch die KIM TASMAENE.

Auf Terra untersucht Dienbacer die Positroniken OTHERWISE im Solaren Haus und LAOTSE in der Solaren Residenz. Für OTHERWISE kann er Entwarnung geben. Doch in LAOTSE schlummern inaktive Indoktrinatoren. Sie können nicht entfernt werden. Mit ANANSI von der RAS TSCHUBAI entwickelt Dienbacer einen Plan. LAOTSE, der Schnittstellen zu allen wichtigen Einrichtungen des Systems hat, soll eine andere Wirklichkeit vorgegaukelt werden. Sollten tatsächlich die Tiuphoren angreifen und die Indoktrinatoren aktiv werden, wird LAOTSE nicht mehr auf reale Daten zugreifen können. OTHERWISE übernimmt die Systemverteidigung. Ein erster Testlauf ist erfolgreich.

Im Kreitsystem spitzt sich die Lage zu. Virgil Roosa wendet sich mit einer Rede ans Volk. Die Übertragung wird von Indoktrinatoren unterbrochen. Roosa schickt Ruwaog und seine Söhne mit einer Rettungskapsel von Bord. Sie sollen sich auf Ertrus in einer unterirdischen Anlage verstecken. Im All bricht das Chaos aus. Die Schiffe der Verteidiger schießen sich gegenseitig ab. Raumstationen werden zerstört.

Auf Terra nimmt man die katastrophalen Nachrichten entgegen. In jedem der 10 Systeme sind mehr als 10.000 Schiffe verloren gegangen. Den über 100.000 Schiffen auf Seiten des Galaktikums stehen nur 50 zerstörte Sterngewerke gegenüber. Die WOLFGANG PAULI kehrt ins Solsystem zurück. Gholdorodyn und Aichatou Zakara bringen gute und schlechte Nachrichten. Der Zeitriss scheint mit dem Korpus von TAFALLA in Sol in einer Wechselwirkung zu stehen. Die Eiris scheint betroffen. Auch die Tiuphoren könnten irritiert sein, genauer gesagt ihre Sextadim-Banner, die nicht vollständig in die Hyperstenz integriert sind. Möglicherweise ergibt sich dadurch eine Schwachstelle, die gegen die Sterngewerke ausgenutzt werden kann.

 

Rezension:

Christian Montillon fährt schweres Geschütz auf. Mit einem solchen Roman habe ich nicht mehr gerechnet. Ich hatte die Hoffnung, dass sich das Tiuphorenproblem auf andere Weise lösen lässt, als mit Gewalt.

Gleich zu Beginn fällt mir auf, nicht zum ersten Mal übrigens, dass die Solare Premier mit vielen positiven Charaktermerkmalen geschildert wird. Cai Cheung sei anders, sei brillant, denkt und handelt unkonventionell und einige Eigenschaften mehr, die der Autor da einfließen lässt. Doch wann erleben wir diese Person, die Rhodan so hoch lobt, tatsächlich mal mit diesen Fähigkeiten? Sie steht im Schatten des Unsterblichen und konnte die Eigenschaften, die ihr angedichtet werden bislang nicht zeigen. Abgesehen davon ist der Schatten, den Rhodan wirft, allerdings längst nicht mehr so eindrucksvoll wie zu früheren Zeiten. Rhodans Handeln ist nicht das Gelbe vom Ei in diesem Zyklus. Siehe auch meine Rezensionen zu den Romanen, in denen auf Terra eine Allianz gegen die Tiuphoren geschmiedet wird. Seltsam auch, dass Cai Cheung, die viel Wert auf ihr Äußeres legt, was ihre Frisur angeht nun ungepflegt auftritt und dies damit begründet, dass die aktuellen Probleme wichtiger als ihre Haare seien. Genau hier zeigte sie bislang eine andere Eigenschaft. Egal wie schlimm es stand, die Solare Premier vermittelte nach außen etwas anderes.

Die Geschichte von Christian Montillon hatte mehrere Erzählstränge. Nicht alle überzeugten. Die Ertruser hatten meine Sympathie. Die Idee, dem Widerstand ein Gesicht zu geben, das Gesicht eines Jugendlichen, der mit Schlagworten die Bevölkerung motiviert, war gut. Aber irgendwie wurde diese Idee vom Autor nicht konsequent verfolgt. Denn diese Stimme des Widerstands hat niemand gehört, bzw. sich die Inhalte zu Eigen gemacht. Nicht die Bewohner von Ertrus und schon gar nicht die Soldaten auf den Raumschiffen. Die warten lieber ab, bis sich die Indoktrinatoren ausgebreitet haben. Wenn der Autor angesichts der Aussichtslosigkeit der Situation eine Schilderung von Schiffen der Ertruser, die sich im letzten Aufbäumen gegen den Feind werfen, abgegeben hätte, und dann scheitern, wäre das besser gewesen. So zieht niemand gegen den Feind los. Alle warten auf das Unvermeidliche. Melbar Kasom hätte es anders gemacht!

Der Tefroder Dienbacer ist eine Figur, deren Handeln mir zusagte. Seine Wortkargheit und der spezielle Humor hat Christian Montillon gut rübergebracht. Die Idee, LAOTSE mit simulierten Daten eine andere Welt vorzugaukeln, ist Unsinn. Dazu müsste man alle Schnittstellen überwachen, was unmöglich ist. Mich wundert aber etwas anderes noch mehr. Da hat man eine Möglichkeit ersonnen, befallene Positroniken von Indoktrinatoren zu reinigen, und setzt das nicht ein, damit die Tiuphoren das nicht mitbekommen? Das ist höchst unplausibel. Zumal es bereits Reinigungen an anderer Stelle gegeben hat. Wenn 20.000 Sterngewerke ins Solsystem fliegen, interessiert die das sowieso nicht mehr, ob sie LAOTSE kontrollieren. Den ParaFrakt in vorhandene Schiffe einzubauen schaffen die Terraner und Galaktiker nicht. Dafür schaffen sie es, eine völlig neue Schiffsklasse zu konstruieren und diese PROTECTOR-Schiffe aus dem Stand zigtausendfach zu produzieren und zu verteilen, und sogar bei einer der angegriffenen Welten bereits einzusetzen. Das passt leider alles nicht zusammen.

Nicht so toll war auch das Funkgespräch mit Gholdorodyn. Wenn die Initiative zum Gespräch von Perry Rhodan ausgegangen wäre und der Kelosker nur wie üblich keine Antworten gegeben hätte, dann hätte man das so stehenlassen können. Doch hier ging der Funkspruch vom Kelosker ein, mit dem Inhalt: „Ätsch, ich sage Dir nichts.“ Wenn uns der Autor auf die Folter spannen will, hätte es andere Möglichkeiten gegeben. So fragt man sich als Leser zum x-ten Male, warum Perry Rhodan nicht einfach ein anderes Besatzungsmitglied der WOLFGANG PAULI befragt, vorzugsweise die Chronotheoretikerin? Der Autor hat sein Ziel erreicht und den Leser weiter im Unklaren gelassen. Der Autor übersieht dabei allerdings, dass er seine Hauptfigur beschädigt. Perrys Auftreten seit Band 2700 ist, bis auf wenige Ausnahmen, nicht gerade der Brüller. Der Unsterbliche, ich habe es in einigen Rezensionen bereits geschrieben, wäre besser im Gefängnis der Onryonen geblieben. Auch in diesem Roman von Christian Montillon macht der Terraner keine gute Figur. Er ist zum Stichwortgeber reduziert. Zum Gleiterpiloten für Dienbacer. Zum Händchenhalter für Sichu Dorksteiger. Na ja, eigentlich ist es sogar andersherum. Sichu hält ihm das Händchen. Nur in einem hatte ich mich geirrt. Ich ging aufgrund der Schwäche des Namensgebers der Serie davon aus, dass Atlan es richten wird. Na ja, wir haben es gesehen. Auch der Arkonide ist nur noch ein Spielball der Elemente. Sollte am Ende des Zyklus doch die Tiuphoren besiegt und das Atopische Tribunal zum Umdenken gebracht worden sein, dann ist es gewiss nicht der Verdienst der beiden Haupthandlungsfiguren.

In der Geschichte fehlte es an Handlungsalternativen. Die Figuren ergeben sich sehr schnell in ihr Schicksal. Dabei hätte es durchaus Möglichkeiten gegeben. Da die Schiffe der Verteidiger eh keine Chancen hatten, wäre ein Komplettabzug der militärischen Schiffe besser gewesen, als deren Totalverlust. Okay, das wäre ziemlich unpopulär gewesen. Aber auch eine andere Taktik, nämlich per Transition an die Feindschiffe springen und feuern aus allen Rohren, wäre möglich gewesen. Abwarten und mit Indoktrinatoren befallen lassen war keine gute Idee. Aber der Exposé-Autor verfolgt wohl ein anderes Ziel. Die Hoffnungslosigkeit untermauert der Autor mit den üblichen Abläufen. Die Verteidiger arbeiten in der Regel sequentiell. Sie erledigen ein Problem nach dem anderen. Die Angreifer hingegen agieren nach Belieben. Diesen Aufbau werden die Autoren nicht müde, immer und immer wieder zu fahren.

Zyklustechnisch war der Roman eine herbe Enttäuschung. Wie bei vielen anderen Romanen zuvor auch, kann Christian Montillon, der ja auch selbst die Exposés verfasst, seiner eigenen Vorlage immerhin stellenweise Leben einhauchen.

Nun komme ich zum größten Fehler in dieser Geschichte. In diesem Roman gibt es erstmals eine Begründung dafür, warum sich die Tiuphoren bislang „zurückhaltend“ gezeigt haben. Angeblich ging es ihnen darum, zuerst die Schiffe der Galaktiker mit Indoktrinatoren zu verseuchen, um dann ihre Bannerkampagne durchzuziehen. Die Begründung kommt spät und sie passt nicht zum bisherigen Verhalten der Tiuphoren. Die haben wiederholt gezeigt, wie man mit 2-3 Sterngewerken ein ganzes Planetensystem erobern kann. Viel wichtiger ist jedoch, sie standen in Konkurrenz zueinander. Die größere Beute und die gefangenen ÜBSEF-Konstanten machte sie zu Rivalen. Dieses ganze bisherige Verhalten hat der Autor über den Haufen geworfen. Das passte einfach nicht.

Und noch eine letzte Notiz, nämlich Rhodans Reaktion auf die Nachricht, dass Julian Tifflor nun ein Atope ist: Keine! Es gibt keine Reaktion.