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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2856

PR_2856Spiegeljunge – von Verena Themsen – Handlung:

Die Geschichte ist in der Falschen Welt (siehe PR 2812 bis 2815) angesiedelt und beleuchtet die Herkunft von Germo Jobst. Der Junge ist auf der Suche nach sich selbst und erfährt nach und nach, dass seine Erinnerungen manipuliert wurden.

Halin Evorett (d.i. Germo Jobst) ist ein Induzierter. Das Tamanium hat Kinder wie ihn, die potentielle Psi-Fähigkeiten in sich tragen, im Hort der Geistesblüte mit einem Induktor ausgestattet. Das in seiner Schulter implantierte Gerät ist mit gezüchteten Nervensträngen mit seinem Gehirn verbunden. Nach und nach soll der Induktor ihn dabei unterstützen, Psi-Fähigkeiten zu entwickeln und sie zu beherrschen. Doch Halin/Germo hat auch Wochen nach der Operation nur schlechte Träume. Und auch im wachen Zustand glaubt er, dass er eine Schuld in sich trägt, dass er Freunde verloren hätte und dass er nicht er selbst wäre. Halin/Germo freundet sich mit Iraide an. Das Mädchen bringt ihn mit Lukio-Varin zusammen, der fortan sein bester Freund wird. Im Hort der Geistesblüte haben Latente wie Halin/Germo und Lukio einen schweren Stand. Insbesondere die Nativen, die ohne Induktor Psi-Fähigkeiten entwickelt haben, halten die Induktor-Träger für minderwertig.

Die Ausbilder des Heims lassen den Nativen viele Gemeinheiten durchgehen. Insbesondere der Telekinet Rudnar greift mehrmals Latente an. Halin/Germo benötigt eine lange Zeit, bis er mit seinem Induktor richtig kommunizieren kann. Er entwickelt die Fähigkeit der Beeinflussung von Wasser und die Teleportation. Seine Ausbilder kann er täuschen, aber insgeheim trainiert er seine Fähigkeiten. Nur Lukio kommt hinter sein Geheimnis. Lukio wird auch der Drahtzieher genannt, weil er gerne Marionetten bastelt. Sein Hobby wird bald auch von Halin/Germo geteilt.

Lukio-Varin, dessen Fähigkeit, Metallatome zu beeinflussen, mal stärker, mal schwächer ausfällt, bekommt eines Tages ein Update seines Induktors und stirbt nach dem Eingriff. Halin/Germo lässt Iraide und die Ausbilder in dem Glauben, dass durch den Tod seines besten Freundes seine Psyche angeknackst sei. In Wirklichkeit bereitet er seine Flucht vor. Er benötigt viele Monate für die Recherche, welche Raumschiffe den Planeten wann verlassen und wohin sie fliegen. Per Teleportation erreicht er den Raumhafen, wechselt in ein startendes Kugelschiff und später in ein anderes Schiff.

Halin/Germo erreicht einen Bergbauplaneten des Tamaniums. Die Hyperkristalle, die dort abgebaut werden sorgen für eine perfekte Abschirmung des Induktors. Er hält sich mit kleinen Diebstählen am Leben, doch Minenkinder kommen ihm auf die Schliche und verprügeln ihn. Seine Fähigkeiten setzt er nicht ein, aus Angst, enttarnt zu werden. Gula Jobst, die Tochter der Minenarbeiterin Patiri kommt dem Bedrängten zu Hilfe und nimmt ihn mit nach Hause. Er findet Aufnahme in der Familie Jobst und nennt sich fortan Germo. Patiri Jobst ist ihm wie eine Mutter.

Er lernt schnell und ist eine echte Hilfe beim Abbau von Hyperkristallen. Eines Tages empfängt er bei der Arbeit eine Botschaft. MUTTER teilt ihm mit, dass er die Gefolgsleute informieren soll, dass der Seher kommt. Germo hat keine Ahnung, aber Patiri hat schon von dem Seher gehört, der diese Welt als eine Welt der Trübnis bezeichnet und eine lichte Welt preist. Germo geht zu dem Treffen und als dort Ch’Daarn Gefahr läuft verhaftet zu werden, teleportiert er den Topsider in Sicherheit. Germo verabschiedet sich von seiner „Familie“ und schließt sich Ch’Daarn an, der mit MUTTER über ein hochwertiges Raumschiff verfügt.

Zwei Jahre später ist Germo noch immer nicht im Klaren über seine Herkunft. Mit Hilfe von MUTTER dringt er in den Hort der Geistesblüte ein und durchforstet die Datenbanken von AnMarkon, der Leiterin der Einrichtung. Überraschend trifft er auf Iraide. Das Mädchen hat sich nicht verändert. Germo erfährt, dass er von ihr manipuliert wurde. Seine Eltern fanden den Tod, weil sie Rebellen des Tamaniums waren. Seine Erinnerungen wurden manipuliert, auch sein Freund Lukio war Bestandteil der Manipulation seines Gehirns. Lukio existierte nicht wirklich. Germo war nur eine Marionette. Iraide lässt Germo dennoch die Chance zur Flucht, die dieser nutzt.

 

Rezension:

Als ich die Rezension zu Band 2815 schrieb, erinnerten mich die Kapitel mit den Halutern, die innerhalb der Falschen Welt in einer weiteren falschen Welt lebten, an den Roman Simulacron 3. Der deutsche Titel „Welt am Draht“ hätte auch zum aktuellen Roman von Verena Themsen gepasst. Waren es im letzten Band des Viererblocks die verschachtelten Welten, so sind es in diesem Roman die Drähte, an denen die Figuren, die Marionetten bewegt werden. Und selbst der Marionettenbauer entspringt nur der Phantasie einer Figur, die selbst an den Drähten eines Anderen, an denen des Matan, hängt.

Der Titel „Spiegeljunge“ hatte mich dann auch zunächst auf einen anderen Gedanken gebracht. Meine Überlegungen setzten dabei nicht an der Falschen Welt an. Der Vierteiler war, so die allgemeine Aussage, ein abgeschlossenes Thema innerhalb des laufenden Zyklus. Neben MUTTER hat allerdings auch Germo Jobst den Weg in die Haupthandlung und dort in die Handlungsgegenwart gefunden. Die Art und Weise wie das möglich war, wurde m.E. noch nicht geklärt. Schließlich konnte der aus der Vergangenheit eintreffende Perry Rhodan ja gewarnt werden. Die Zukunft, wie sie Germo kennt und der er entstammt, wird so nie entstehen. Es stellt sich somit die Frage, ob es in dieser Zukunft, die dann eine andere ist, einen Germo Jobst geben wird. Wenn nein, wie kann er dann zurückreisen und falls ja, welche Veranlassung hätte ein Junge, dessen Entwicklung wohl ganz anders verlaufen würde, in die Vergangenheit zu reisen?

Mit dem Titel des vorliegenden Romans verband ich also die Aufklärung dieser Fragen. Allerdings hat mich Verena Themsen an der Nase herumgeführt. Oder vielmehr an den Drähten. Die Geschichte war dann doch eine ganz andere. Meine Enttäuschung, keine Antworten auf meine Fragen zu erhalten, hielt sich allerdings in Grenzen. Denn die Geschichte von Germo Jobst hatte andere Qualitäten. Die Lebensgeschichte von Germo Jobst zeigt vor allem viele wertvolle Einsichten. Etwa Humoristische wie den Planeten Jotweedee, oder Lebensweisheiten wie lose Mundwerke, die davonlaufen. Und schließlich moralische Aspekte, denn der Junge, dem das Schicksal übel mitspielt, bewahrt sich eine Ethik, die manchem Unsterblichen der Serie auch gut stehen würde.

Letztlich leistet sich der Roman nur eine Schwäche. Er liefert keine Antwort auf die Frage, warum sich der Seher an Dinge erinnert, die nie waren?