Articles for this day of 13. April 2014

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2747

Neu-Atlantis – von Wim Vandemaan – Handlung:

Auf Terra soll eine neue Stadt entstehen, eine Metropole wie sie die Welt noch nicht gesehen hat. Initiator des Projekts Neu-Atlantis auf den Azoren ist der Arkonide Chorest da Ragnaari. Er und andere Arkoniden, die als Flüchtlinge Asyl auf Terra genießen, treiben das Projekt voran, machen Werbung in den Medien und suchen Geldgeber. Damit die Stadt etwas ganz Besonderes wird, setzt Chorest da Ragnaari auf die Entwürfe der Architektin Nior Carok, eine Terra-Traditionalistin, die bevorzugt auf den Azoren baut. Neu-Atlantis soll nicht nur Heimstatt der Vertriebenen werden, sondern auch Künstler und Wissenschaftler anziehen.

Eine der Firmen, die ihren Hauptsitz nach Neu-Atlantis verlegt, ist Gen-Vision. Die Firma hat sich gerade erst mit einem wertvollen Mitarbeiter verstärkt, dem Evolutionsdynamiker Virgil Fludd, der auch Wortführer der Intelligenzoptimierungs-Bewegung ist. Diese Ereignisse bewegen das Institut für Biosphärencontrolling zwei ihrer Mitarbeiter auf die Azoren zu entsenden. Bevor Bennyd Paullu zusammen mit seinem Kollegen Ellion Mancari aufbricht, muss er noch private Angelegenheiten regeln. Seit einem Transmitterunfall liegt sein Sohn Andris im Koma. Und wie jedem Abend erzählt Bennyd seinem Sohn dessen Lieblingsmärchen. Der Ara Zesculor soll Andris´ Zustand überwachen, während der IBC-Mitarbeiter unterwegs ist.

In Terrania verfolgt auch Farye Sepheroa interessiert die Entwicklungen. Die Enkelin Rhodans überlegt, selbst einmal auf die Azoren zu reisen. Allerdings fühlt sie sich als Hüterin des Hauses 746 Upper West Garnaru Road unabkömmlich und einige Geschehnisse in dem Anwesen stellen sie vor immer neue Rätsel. Ein weiteres Denkspiel gibt ihr die Architektin Nior Carok auf, die eines Tages anruft und ihr vorschlägt, das Anwesen Rhodans nach Neu-Atlantis zu verlegen. Carok scheint auch fundierte Kenntnisse über Rhodans Enkelin zu haben, denn sie bezeichnet Farye als die Tochter der Yanid amya Caadil und des großen Sephero Ceelsen. Nachdem Farye verspricht mit der Architektin in Kontakt zu bleiben, erhält sie von Gucky die Einladung am Flug der RAS TSCHUBAI teilzunehmen. Der Ilt, der über Nacht bleibt, berichtet Farye am Morgen von einem seltsamen Traum. Er war in einem Irrgarten gefangen und nur deshalb entkommen, weil ihn jemand hinausgeleitet hat.

Der IBC-Mitarbeiter Bennyd Paullu ist zusammen mit Ellion Mancari auf den Azoren eingetroffen. Im neu entstehenden Stadtteil Avalon werden sie von Virgil Fludd empfangen. Auf die Frage von Paullu, ob G-Vision an Intelligenzoptimierten Individuen verschiedenster Art arbeitet, räumt Fludd überraschend freimütig ein, tatsächlich an Technozyten zu forschen. In der weiteren Unterredung zitiert der Evolutionsdynamiker einige Male Losungen des Techno-Mahdis. Während Paullu bei der Unterredung Zurückhaltung zeigt, tritt Mancari mitunter sehr aggressiv auf und spricht von Straftaten und mutwilligen Beschädigungen der Biosphäre. Virgil Fludd einigt sich mit den beiden IBC-Mitarbeitern schließlich auf einige Regeln für eine Inspektion der Anlagen von G-Vision. Zur Überraschung von Bennyd Paullu ist der Ara Zesculor einer der Begleiter bei der Inspektion. Und auch ein Aarus, der sich als Laffandra vorstellt, nimmt an der Erkundung der Räumlichkeiten teil.

Chorest da Ragnaari ist inzwischen von den immer detaillierteren Entwürfen der Architektin Nior Carok vollständig überzeugt. Und auch die Frau selbst hat es ihm angetan, denn er wird mit ihr intim. Carok hält aber auch noch andere Überraschungen bereit. Sie hat die ehemalige Unterwasserstation Atlan da Gonozals erworben, damit sie Teil von Neu-Atlantis wird. Und auch der Bauchaufschneider Vonnertrost, ständiger Begleiter von Chorest da Ragnaari, kann mit einer Überraschung aufwarten. Stellt man die Buchstaben von Nior Carok um, ergibt sich der Name Rico Arkon. Vonnertrost möchte zu gerne wissen, ob Nior Carok eine gute Liebhaberin ist.

Zurück in Terrania werten die beiden INC-Mitarbeiter die Erkenntnisse ihrer Inspektion bei G-Vision aus. Ohne dass Paullu informiert war, hat Ellion Mancari illegal auf Datensätze von G-Vision Zugriff genommen. Diese Daten zeigen nun, dass die Firma an intelligenzoptimierten Riesenkalmaren forscht und womöglich schon Technozyten dieser Art bei Neu-Atlantis ausgesetzt wurden. Paullu und Mancari reisen erneut auf die Azoren und machen einen Tauchgang. Die Positronik ihres Tauchbootes soll nach Exemplaren von Riesenkalmaren suchen, deren Verhaltensmuster sich deutlich von ihren Artgenossen unterscheidet. Tatsächlich werden die IBC-Mitarbeiter fündig. Nun zeigt Ellion Mancari sein wahres Gesicht. Er ist ein Gen-Purist, der die gefundenen Riesenkalmare töten will. Paullu greift ein, wobei Mancari in der Tauchkapsel ums Leben kommt.

Zurück in Terrania hat Bennyd Paullu endlich wieder Zeit, sich um seinen Sohn zu kümmern. Wieder erzählt er ihm das Märchen, doch diesmal erwacht Andris aus dem Koma.

 

Rezension:

In seinem Roman fängt Wim Vandemaan zunächst die Ereignisse rund um die Flüchtlinge ein, die vom Atopischen Tribunal aus dem Arkon-System vertrieben wurden und auf Terra Asyl erhalten haben. Doch die Figur Chorest da Ragnaari ist mehr als nur ein Asylsuchender. Er begreift sich längst als Migrant und packt für sich und seinesgleichen die Gelegenheit beim Schopf und initialisiert das Projekt Neu-Atlantis als Kerngebiet einer neuen Kultur. Diese Entwicklung kommt zwar nicht überraschend aber die Geschwindigkeit, mit der dieses Vorhaben angegangen wird, ist atemberaubend. Während also das Projekt vorangetrieben wird, nutzt der Autor seine Vormachtstellung als Expokrat und seinen Aufenthalt auf Terra ausgiebig dazu, seine Leser über die neuesten Entwicklungen der terranischen Gesellschaft des 52. Jahrhunderts in Kenntnis zu setzen.

Und die haben es in sich. Der Autor wirft einen Blick auf die Anhänger des Techno-Mahdis, gibt Einblicke in ein terranisch-aarusisches Firmenkonsortium, das sich mit genetischen Modifikationen von Lemuroiden beschäftigt, streift die IntOp-Bewegung und die Gen-Puristen und stellt uns mit Bennyd Paullu einen vergleichsweise normalen Vertreter der Erde vor. Seine Aufgabe ist die Beobachtung der irdischen Biosphäre und der Schutz Terras vor einer Kontamination durch extraterrestrische Tiere und Pflanzen. Die Medienvertreter dürfen natürlich nicht fehlen und so bekommt der Undurchschaubare bei Vandemaan nicht nur einen gelungenen Auftritt, nein der Autor nutzt das Wortgefecht zwischen dem Topsider und dem Arkoniden auch gekonnt für diverse Vorstellungen über die Weltsichten der oben erwähnten Personen. Das ganze garniert mit Seitenhieben auf die terranische Gesellschaft, nicht nur der des Serienkosmos sondern auch der unserer realen Welt.

Einzig allein der Zyklusfortschritt wird vom Autor nicht bedient. Was im Übrigen zu verschmerzen ist, da die überbordende Phantasie in diesem Roman dafür zu hundert Prozent entschädigt. Der Roman hat also abseits der Bemühungen der Galaktiker, dem Atopischen Tribunal die Stirn zu bieten, gänzlich andere Inhalte. Inhalte, die man nicht allzu häufig in der Serie antrifft. Die gesellschaftliche (Fort)entwicklung wird fast immer zugunsten der Space-Opera geopfert. Natürlich würde eine Entwicklung der Gesellschaft im Serienkosmos auch nie zu weit gehen. Schließlich muss sich der Leser noch mit den Figuren identifizieren können. Dennoch sind die geschilderten Konflikte ein wichtiges Element in der Serie. Es ist ja schließlich genau diese Gesellschaft, die unsere Helden immer und immer wieder verteidigen. Von daher ist es schön, dass Wim Vandemaan einen etwas genaueren Blick auf die Verhältnisse auf Terra wirft.

Der Detailreichtum von Wim Vandemaans Geschichte um Neu-Atlantis ist wieder einmal gigantisch. Der reicht vom „einfachen“ Wächter eines Hauses über sprechendes Spielzeug hin zu hypermodernen Tauchanzügen und intelligenzoptimierten Kalmaren. Dazwischen lanciert der Autor philosophische Fragestellungen und wunderbare Beschreibungen mit vielen symbolischen Inhalten. Als überaus gelungen kann man auch das Wortgefecht zwischen dem abgedrehten Vertreter der Medien in Person des Topsiders und dem Arkoniden bezeichnen. Endlich einmal ein längerer Dialog mit bissigen, teils satirischen und teils politischen Inhalten, der hier vom Autor zu Papier gebracht wurde.

Die aufgeworfenen Konflikte werden nicht gelöst und es ist zu vermuten, dass einige Elemente zyklusübergreifend angelegt sind. Wahrscheinlich müssen wir uns daher lange gedulden, bis eine Fortsetzung erscheint, die dann hoffentlich vom gleichen Autor verfasst werden wird.