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Ansichten zu PR 2701

Unter der Technokruste – von Christian Montillon – Handlung:
Nach dem Absturz der STARDIVER stehen Rhodan und seine Begleiter am Mare Imbrium. Der Prototyp, der ihnen dank seines neuartigen Hypertrans-Progressor-Antriebs den Flug durch den Repulsor-Wall ermöglicht hat, ist von fremden Schiffen abgeschossen worden. Unter dem Schutz von Toufecs Nanogenten beobachten die Terraner die fremden Schiffe, die über dem Absturzgebiet kreisen. Rhodan löst die Selbstvernichtung der STARDIVER aus. Nach einer Serie schwerer Detonationen ziehen sich die Fremden zurück.

Perry Rhodan, Shanda Sarmotte, Toufec und der Hyperphysiker Fionn Kemeny wenden sich Luna Town IV zu, eine von sechs je einhundert Quadratkilometern großen Städten, deren Gründung Jahrtausende zurückliegt. Auf dem Weg dorthin müssen sie die Technokruste überfliegen. Das fahlgrün schimmernde Metall verändert auch jetzt noch seine Oberfläche. An manchen Stellen entstehen Löcher im Boden, die kurzzeitig den Blick auf die steinerne Oberfläche des ursprünglichen Mondes erlauben, bevor die Technokruste sich wieder schließt. Luna Town IV wird von einer mächtigen Kuppel überspannt, die wiederum vom Technogeflecht überwuchert wird. Zu Rhodans Überraschung ragt eine Kunstsonne, wie er sie noch nicht gesehen hat, halb aus der Technohaube heraus. Die seltsam leuchtende Sonne lässt sich von den SERUNS nicht analysieren. Die Telepathin Shanda Sarmotte kann erstmals Gedankenimpulse wahrnehmen. Ein Wesen mit dem Eigennamen Pyzhurg lebt unter der Panzertroplonkuppel und es hat Angst. Rhodan entdeckt eine Lücke in der Technokruste und über eine Schleuse in der Kuppel kann das Team die Stadt betreten.

Luna Town IV ist verlassen. Es ist keine Bewegung zu sehen oder zu orten. Die Atmosphäre ist dünn, die Stadt ist von Technogirlanden und Technoadern durchzogen. Pazuzu schafft einen Zugang zu einem Gebäude, das früher als Gewächshaus diente. Zur Überraschung aller ist die Anlage intakt. Es gibt sogar aktive terranische Wartungsroboter. Im Gewächshaus entdeckt das Team Pflanzenhybriden. Das Technokraut, wie es von Kemeny getauft wird, attackiert den Wissenschaftler und die Gruppe zieht sich zurück. Es bleibt zunächst unklar, welchem Zweck das technisch-bionische Pflanzenkonstrukt dient. Shanda erkennt wieder die Gedanken von Pyzhurg, der Angst vor den Menschen auf Luna hat. Die Telepathin führt die Gruppe zu dem Wesen. In dem Raum, in den Rhodan eindringt, schlafen 10 Wesen. Nur 1 Wesen, der Pyzhurg ist wach. Es ist ein Wächter, der die anderen warnt. Shanda identifiziert die Wesen als onryonische Kinder. Da alle in Panik geraten, werden sie betäubt und das Team zieht sich zurück.

In Tagebucheintragungen von Antonin Sipiera werden die Geschehnisse auf Luna beleuchtet. Der Sicherheitschef von Luna City beobachtet, wie der Rücktransfer des Solsystems in die Milchstraße beginnt und nicht mehr endet. Luna treibt durch ein undefinierbares Medium, das schnell als der Schacht bezeichnet wird, durch den der Mond sinkt. Tagelang, Wochenlang, Monatelang. Hochtechnisierte Sonden scheitern am Versuch, den Schacht zu verlassen oder mehr über die Natur des Phänomens herauszufinden. Freiwillige kehren von Missionen nicht zurück. Sechsundzwanzig Jahre nach Eintritt in den Schacht ist Sipiera Bürgermeister von Luna City. Es treten verstärkt Beben auf. NATHAN errechnet, dass diese Beben eines Tages Luna zerreißen werden. Da nähert sich aus dem Schacht ein aus sich selbst leuchtendes Raumschiff. Der Onryone Fheyrbasd Hannacoy von der TUUCIZ meldet sich. Er bezeichnet den Schacht als n-dimensionale Laterale, in die es ihn und seine Leute verschlagen habe. Er bittet auf dem Mond um Asyl, denn auch die Onryonen können den Schacht nicht verlassen. Er setzt darauf, dass die Ressourcen des Mondes es ermöglichen, die noch vorhandene vierdimensionale Koordinatenprägung Lunas zu nutzen, um den Mond an seinen angestammten Platz zurückzuschicken.

Die Onryonen lassen sich auf der Rückseite des Mondes nieder und gründen eine kleine Stadt. Andere Schiffe der Onryonen kommen im Laufe der Jahre dazu. Schließlich leben ca. 100.000 der Fremden auf Luna. Doch die Onryonen haben Sorgen. Es werden keine Kinder mehr geboren. Bei einem Besuch in der Stadt der Fremden entdeckt Antonin Sipiera einen Brunnen aus seltsamen, fahlgrün leuchtenden Metall. Über 40 Jahre nach Eintritt in den Schacht wird endlich wieder ein onryonisches Kind geboren. Und auch Sipiera erwartet Nachwuchs. Seine Frau Tamea bringt seine Tochter Pri zur Welt.

Shanda Sarmotte ortet zwei erwachsene Onryonen, die sich auf der Jagd befinden. Ihre Opfer sind offensichtlich Terraner, die Sabotageakte verüben. Es kommt zu einem Kampf, bei dem die beiden Onryonen getötet werden. Eine terranische Saboteurin namens Quinta Weienater überlebt schwerverletzt. Bevor sie ohnmächtig wird, erkennt sie Rhodan und nennt ihn beim Namen. Außerdem sollen sie ins Mondgefängnis, damit meint sie Luna City, gehen und dort nach Pri Sipiera fragen. Das Armbandgerät von Quinta zeigt das Datum 25. Oktober 1572 NGZ, also mehr als 50 Jahre in der Zukunft.

Rhodans Team nimmt die schwerverletzte Saboteurin mit nach Luna City. In der Stadt angekommen sind die Verhältnisse sehr unklar. Onryonen und Menschen bevölkern die Straßen. Es gibt auch gemischte Patrouillen von Menschen und Onryonen in roten Uniformen. Rhodan und Co machen Maske und tauchen in die Stadt ein. Beim Versuch, eine Terranerin anzusprechen, werden Wächter auf sie aufmerksam. Ein Zwerg namens Loolon zieht sie in ein Gebäude. In einem Zwischendeck des Lunafanten, einem früheren Luxushotel, trifft Rhodan auf Pri Sipiera, die sich als Führerin des Lunaren Widerstands vorstellt.

Rezension:
Der Roman beginnt da, wo der Jubiläumsband endete. Rhodan und seine Gefährten stehen auf dem Mond. Christian Montillon kommt recht schnell zum Thema. Rhodan und seine Begleiter erkunden die seltsame Umgebung. Auffällig ist, dass der Autor seine Protagonisten anfangs nahezu ausschließlich mit ihren menschlichen Sinnen die Erkundung ihrer Umgebung vornehmen lässt. Metallurgische Untersuchungen des Technogeflechts? Fehlanzeige! Altersbestimmung des fremden Metalls? Fehlanzeige! Zugriff auf terranische Informationstechnologie? Fehlanzeige! Selbst als ein Ernteroboter terranischer Fertigung vorbeischwebt, lässt der Autor seine Figuren nur beobachten. Dahinter steckt natürlich die Absicht, erstmal nur in die fremde Umgebung einzuführen ohne gleich mit technischen Phrasen die so geschaffene Atmosphäre zu zerstören. Montillon lässt Rhodan von daher auch ein klares Ziel ausgeben. Sie wollen Menschen suchen. Wissenschaftliche Erkenntnisse werden diesem Ziel nachgeordnet.

Es ist schön, den unsterblichen Namensgeber der Serie mal wieder in Aktion zu erleben. Die Figuren Montillons halten sich selten unnötig lange an einem Ort auf, sondern gehen sehr zielstrebig ihre jeweiligen Zwischenziele an. Das Eindringen in Luna City gegen Ende des Romans kann man dabei fast schon als überhastet bezeichnen. Dieser „Perry“ ist von ganz anderer Art als der „Perry“ des Neuroversumzyklus. Daran muss man sich erst noch gewöhnen. Es ist natürlich eine angenehme Überraschung, den Titelhelden derart handlungsfreudig zu sehen.

Der Roman lebt von der Spannung, was Rhodan und Co. auf dem Mond vorfinden, was aus den Menschen geworden ist, die mit Luna verschwanden. Der Autor unterstützt diese Spannung, indem er mehrmals einzelne Kapitel mit einem Cliffhanger schließt und dann erstmal die Erzählebene wechselt. Diese Rückblenden bieten eine andere Sicht auf die Geschehnisse und es wird erkennbar, wie sich die beiden Zeitlinien langsam nähern. Mit welchem Ergebnis werden wir erst nächste Woche erfahren.

Ein schöner Roman von Christian Montillon, wobei der Autor in einigen Bereichen allerdings nicht das ganze Potential nutzt. Ein paar mehr Dialoge zwischen Toufec, Shanda, Fionn und Perry hätten es schon sein dürfen. Die ganze Situation schreit förmlich danach, dass man sich darüber unterhält. Dennoch lässt der Autor die Figuren nur wenig kommunizieren. Zugunsten allerdings einer stetig voranschreitenden Handlung. Es ist erkennbar und von mir auch oben schon beschrieben, dass Montillon die Figur Rhodan in den Mittelpunkt seiner Geschichte gerückt hat. Als Expokrat muss Christian Montillon aber aufpassen, dass die Figur Toufec nicht alleine über dessen Dschinn definiert wird. Die Figur kann deutlich mehr, nicht umsonst haben die Autoren auf dem vergangenen Con in Garching mehrheitlich den Roman Toufec von Richard Dübell als den Band benannt, der sie am meisten im vergangenen Zyklus beeindruckt hat.

Insgesamt ein gelungener Auftakt für den Neu-Expokraten. So kann es weitergehen!