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Ansichten zu PR 2645

Die Stadt ohne Geheimnisse – von Wim Vandemaan – Handlung:
Shamsur Routh hat Anboleis, die Stadt ohne Geheimnisse, erreicht. Während sich die fliegende Landschaft Vae-Bazent wieder entfernt, dringt der Journalist zwischen die gläsernen Daakmoy tiefer in die Stadt ein. Selbst das Gras in den Anlagen scheint aus Glas zu sein. Nur schemenhaft erkennt Routh Bewegungen in den teils in schwindelerregender Höhe aufragenden Geschlechtertürmen der Sayporaner. Die Stadt ist riesig und seine Chancen Anicee zu finden sind gering. Nach Tagen, in denen er eine Begegnung mit Sayporanern vermeidet, trifft Routh die erste Terranerin. In dem kurzen Gespräch spricht die Jugendliche vom Erwachen des Neuroversums, dem sie entgegenfiebert.
Mit Pucs Hilfe findet Routh endlich eine junge Frau, die mit Anicee zusammen war, bevor sie Whya verließ. Chensit, so heißt das Mädchen, trägt keinen Blaustern mehr. Shamsur Routh kann nicht herausfinden, ob seine Beobachtung etwas mit der Formatierung zu tun hat. Chensit spricht in Saypadhi, der Sprache der Sayporaner. Anicee, so gibt sie Auskunft, würde bald mit dem Universalen Spainkon in Verbindung treten. Routh erfährt auch den Aufenthaltsort seiner Tochter. Der Geschlechterturm wird von Junkern bewacht. Routh zieht das Schemenkleid über, das er von Spiegelin 1113 Taomae vor ihrem Tod erhielt. Im Schutze des Symbionten kann er in das Gebäude schleichen. Das Gespräch mit seiner Tochter verläuft schwierig. Anicee hat sich sehr weit von ihm entfernt. Ihr Gehirn wurde empfänglich gemacht für das Universale Spainkon, dem kollektiven Gedächtnis der sayporanischen Kultur. Ein uraltes, alles umfassendes Archiv, das helfen wird, den Raum, in dem sie sich befinden zu einer neuen Heimat zu transformieren, ihn zum Neuroversum zu erheben. Bald wird Anicee im Daakmoy Spainkaud ihre Neuformatierung abschließen.
Shamsur Routh begibt sich zum Daakmoy Spainkaud. Mit einigen Schwierigkeiten kann er in den weitgehend leeren Geschlechterturm eindringen. Auf einer Ebene kommt er in Kontakt mit einem seltsamen Gebilde, das ihn an ein großes Organ, ein Gehirn erinnert. Routh wird in Gedanken Millionen Jahre in die Vergangenheit versetzt. Er beobachtet eine eigenartige Szenerie. Käferartige Wesen gehen seltsamen Tätigkeiten nach. Zu seinem Erstaunen trifft er in dieser unwirklichen Welt auf einen Terraner. Der Mann stellt sich als Zachary Cranstoun vor. Cranstoun erzählt ihm seine Geschichte. Er war Mitglied der BOMBAY-Expedition und kam bei einem Einsatz ums Leben. Sein Gehirn wurde in einem komplexen neuronalen System integriert, dem Totenhirn. Dieses Totenhirn schafft ein eigenes Universum, das Mnemoversum. Er und z.Z. auch Routh, sind Bestandteil dieses Mnemoversums. Cranstoun vermutet, dass es einen Grund gibt, warum Routh diesen Ort und diese Zeit im Mnemoversum aufgesucht hat. Hier sind womöglich entscheidende Informationen zum Verständnis der Zukunft gespeichert. Cranstoun und Routh lassen sich die entscheidenden Erinnerungen der Ahnen vor Augen führen.
Die Käferwesen, die sich Chaom nannten, herrschten über ein gewaltiges Sternenimperium. Eines Tages gelang ihnen die Integration eigener Hirnsubstanz in einer Positronik. Die Mentronik war geboren. Mentroniken wurden in Sternenschlachtschiffen eingebaut. Mit ihrer Hilfe wurde der Krieg gegen das Samdoranische Imperium gewonnen. Ein genialer Chaom, namens Bucphol, der eine eigene Manufaktur namens ALLDAR & IMMERFORT betrieb, konnte die Mentroniken entscheidend fortentwickeln. Die Totenhirne entstanden aus der Implantation und Vernetzung kompletter Gehirne. Das erste Totenhirn, das Bucphol schuf, erhielt den Namen Alldar. Die Totenhirne wurden immer selbständiger und integrierten bald auch Gehirne anderer Völker. Schließlich zogen die Totenhirne aus, um sich zu verbinden. Sie stießen bei ihren Reisen auf die Utrofaren, deren Zerebralstrukturen sie zur Orientierung in transdimensionalen Räumen befähigten. Und sie stießen auf die Ezuzareh, die an einer Septadim-Technologie arbeiteten. Alldar schuf eines Spezies namens Fagesy, eine Eingreiftruppe, die unter dem Namen Alldars Allgegenwärtige Vorhut bekannt wurde.
Schließlich stieg Alldar zu einer Superintelligenz auf. ALLDAR wählte seine Residenz im Orbit eines Schwarzen Lochs. Nachdem die SI im Laufe ihrer Existenz an einem Punkt gelangt ist, wo sie meint, alles gesehen und erlebt zu haben, beschließt sie zu sterben. Alle raumfahrenden Völker in der Umgebung des Schwarzen Lochs werden evakuiert. Zur Beerdigung reisen Zuschauer an. Darunter ist auch ein Vertreter eines neuen Volks, das einmal eine bedeutende Rolle spielen wird, die Sayporaner. Dann zündet ALLDAR das Schwarze Loch zu einem Quasar und stirbt. Die Fagesy tragen den Leichnam zu Grabe.
Shamsur Routh bekommt weitere Informationen aus dem Mnemoversum. Ein Fato’Fa erläutert, dass in ein bestehendes Universum implantierte neue Universum benötige einen Anker. Der Korpus einer SI könnte ein solcher Anker sein. Es werden jedoch etliche solcher Korpora benötigt. Shamsur Routh erkennt nun auch mit Cranstouns Hilfe, welche Aufgabe das erwachende Totenhirn der Brückenwelt hat. Es soll das Universum von innen lenken. Ein Universum mit einem Gehirn, ein Neuroversum. Wenn das nicht gelingt, wird die Anomalie untergehen und mit ihm das Solsystem.
Als der Journalist das Mnemoversum verlassen hat, sind vier Tage verstrichen. Puc kann ihn gerade noch rechtzeitig warnen. Sayporaner, Junker und Zofen sind ihm auf die Schliche gekommen. Trotz der Tarnung durch das Schemenkleid können sie ihn aufspüren. Routh entkommt knapp. Ein Funkspruch einer unbekannten Person führt in auf einem Platz in Anboleis. Ein kleines raketenförmiges Schiff landet. Routh kann sich in das Schiff retten, bevor die Verfolger ihn erreichen. Das Schiff startet und verlässt das sayporanische System. Zu seiner Überraschung gehört das seltsame Gefährt mit dem Namen ANÄIRY seinem Ziehvater Chourtaird. Der alte Sayporaner teilt ihm mit, dass Anicees Leben nicht in Gefahr sei. Sie sei zu wichtig für das Konzept der Akademie für Logistik auf Druh geworden. Chourtaird bezeichnet die Akademie auf Nachfrage Rouths als heimliche Regierung des Weltenkranzsystems und als Usurpatoren der sayporanischen Kultur. Die ANÄIRY fliegt nach Terra.

Rezension:
Einmal mehr hatte ich alle Mühe eine halbwegs verständliche Zusammenfassung von Wims Roman zu schreiben. Der Autor schreibt nicht einfach eine Geschichte mit dem üblichen Vokabular des Perryversums. Das wäre wohl zu einfach. Gerade die Erinnerungen, die Routh aus dem Mnemoversum erhält, haben es in sich. Für sehr viele typische Perry-Rhodan-Begriffe werden von Wim Vandemaan neue Begriffe und Vokabeln eingeführt. Die machen das Lesen nicht einfach aber hochinteressant.
Wim Vandemaans Roman beschäftigt sich nur teilweise mit der Welt der Sayporaner. Die Handlung entwickelt sich anfänglich sehr träge. Nicht nur, dass seine Figur Shamsur Routh bei der Suche nach seiner Tochter kaum Erfolge verbuchen kann auch der Schreibstil stellt dem Leser die eine oder andere kleine Falle. Vordergründig kommt Vandemaans Roman im Schreibstil seiner letzten Serienbeiträge daher. Allerdings sind uns die meisten Elemente, die er anfänglich beschreibt nicht mehr unbekannt und so tut man sich doch schwer, den ganzen Merkwürdigkeiten, die seiner Figur begegnen, noch etwas abzugewinnen. Im ersten Romandrittel beginnt beinahe jedes Kapitel, jeder Absatz, jede Szene mit irgendeiner Beschreibung aus der Stadt ohne Geheimnisse. Das war dann doch auf die Dauer etwas anstrengend. Die sehr verspielte Sprache ließ mich zuweilen an ein bekanntes Spottgedicht denken. „Dunkel war‘s der Mond schien helle …“ ist ein Sprachspiel, das von seinen offensichtlichen Widersprüchen lebt. Ähnlich, wenngleich nicht so drastisch sind Vandemaans Widersprüche in diversen Textstellen natürlich nicht, dennoch fanden sich gelegentlich regungslose Junker, die sich mal nach links mal nach rechts bewegten, verschlungene Pfade, die geradeaus liefen, Sayporaner, an denen Shamsur Routh vorbeikam, denen er aber nicht begegnete, durchsichtige Wände, die eingetrübt waren, etc.
Mit der Entdeckung Anicees bekommt der Roman eine Wende, die mit zunehmendem Verlauf an Faszination kaum noch zu überbieten war. Plötzlich und geradezu überfallartig versetzt uns der Autor mit seiner Geschichte in das Neuroversum, also in jenes Gebilde, das diesem Zyklus den Namen verleiht. Zeit wurde es ja, man stelle sich vor im Zyklus Kosmische Burgen wäre die erste Burg im Heft 945 erwähnt worden oder im Stardust-Zyklus wäre das Stardust-System im Heft 2545 mal genannt worden.
Der Roman war große Klasse. Weniger gut finde ich, dass Superintelligenzen eine immer größere Rolle spielen. Es gibt möglicherweise eine weitere SI zu vermelden. IMMERFORT heißt die Gute J. Natürlich nur, wenn sich aus der Manufaktur Bucphols auch der zweite Namensbestandteil zu einer SI entwickelt hat. Wenn das so weitergeht, dann könnte ich mir vorstellen, dass im Verlauf des Zyklus einige Perry Rhodan-Leser, die diesem Plot wenig abgewinnen können, eine neue Superintelligenz bilden. BINDANNMALWEG könnte Rhodan (der Serie) ziemlichen Schaden zufügen!