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Ansichten zu PR 2641

TANEDRARS Ankunft – von Michael Marcus Thurner – Handlung:
Alaska Saedelaere hat von der SI TANEDRAR einen Splitter erhalten. Nun hört er ihre Geschichte. Die SI wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit. Die Bilder entstehen in Saedelaeres Gehirn und überlasten den Terraner anfänglich. Die Geschichte TANEDRARS ist auch die Geschichte der vier Sterneninseln Netbura, Tafalla, Arden und Dranat. Netbura, symbolisiert durch den alten König wurde zum Teil durch die Sterneninsel Tafalla, dem Kanzler, durchdrungen. Wesentlich kleiner, kollidiert Arden, die Prinzessin, mit einem Teil Netburas, während Dranat, der Hofnarr, die beiden Großgalaxien in ihrem Überlappungsgebiet schon vor langer Zeit durchstoßen hatte. Das war 9,8 Millionen Jahre her. In Netbura hatte sich ein Geistwesen entwickelt, das sich den Eigennamen NETBURA gab. Das Geistwesen unterstützt die einheimischen Völker gegen Aggressoren aus Tafalla. Eines der Völker, die Schwanta befindet sich auf der Flucht vor den insektoiden Krol. Als NETBURA sich den Krol in den Weg stellt, um sie mit Harmonie-Impulsen zu besänftigen, tritt ein anderes Geistwesen auf den Plan. Es nennt sich TAFALLA und steht hinter den Aktionen der Krol.
NETBURA und TAFALLA stehen sich im Kampf gegenüber. NETBURA droht dem deutlich stärkeren Geistwesen zu unterliegen. Da kommt es zu einem Einbruch höherdimensionaler Energien. Die Flotten der Schwanta und Krol werden ausgelöscht. NETBURA kann sich nur mit Mühe retten und zieht sich zur Regeneration für Jahrtausende auf die verlassene Heimatwelt der Schwanta zurück. In einem von den Wissenschaftlern der Schwanta mit einem Aufrissprojektor künstlich geschaffenen Miniaturuniversum verharrt NETBURA. Etwa 200.000 Jahre später „entdeckt“ der Liba Lanistar von Breugelt das Geistwesen und wird von diesem aufgenommen. NETBURA bedient sich Lanistars als Avatar. Er schickt die Peaner als Emissäre zu TAFALLA. Allerdings kehrten sie niemals zurück. Die Peaner verweigerten NETBURA daraufhin jede Unterstützung. NETBURA ging auf Reisen und stellte fest, dass er nicht alleine war. In allen 4 Galaxien hatten sich Geistwesen gebildet. ARDEN definierte sich als weiblich. Dazu gesellte sich DRANAT. Die drei Geistwesen harmonierten prächtig und entwickelten eine Vision von einem Zeitalter des Friedens und der Harmonie. Endlich willigte auch TAFALLA zu einem Gespräch ein. Es kam zu mehreren Zusammenkünften. Schließlich vereinigten sich die vier Geistwesen und wurden zur Superintelligenz TANEDRAR. Allerdings wurde durch Zufall (?) die Zusammenkunft so nachhaltig gestört, dass die SI weiterhin aus vier Teilen bestand. Zur Gewinnung von mentaler Substanz sonderte die SI Splitter ihrer selbst ab und verlieh sie an Lebewesen niedriger Ordnung. Von dort floss mentale Energie zurück.
Die Lirbaler erregten die Aufmerksamkeit TANEDRARS und wurden zu Günstlingen der SI. Ein Lirbaler namens Morrceta trägt seine Schutzmaske, die ihm das Überleben sichert auch beim Kontakt mit anderen Zivilisationen. Daraus entstand zunächst ein Modespleen, der sich rasch verbreitete und an Symbolik gewann. Vor 8700 Jahren konnten endlich alle Hochzivilisationen der vier Galaxien auf eine gemeinsame Linie eingeschworen werden, subtil beeinflusst durch die Splitter, die TANEDRAR nun an jeden Bewohner Escalians vergab. TANEDRAR war sich ihrer Viergeteiltheit und ihrer Instabilität bewusst. Von Zeit zu Zeit spaltete sich ein Teil von der SI ab. Der Vorgang verursachte Trennungsschmerz aber auch so etwas wie Erleichterung. Der Reihe nach vollzogen die vier Geistwesen die Abspaltung und kehrten nach einiger Zeit zurück. Das Ritual von Aufbruch und Ankunft entstand. Vor 8500 Jahren erhielt TANEDRAR Besuch von Renyi-Hemdebb, der vorgab im Dienste der Hohen Mächte zu stehen. Er machte TANEDRAR den Vorschlag, dass sich das freie Viertel der SI im Multiversum engagiert. Der Sontaron-Generator des Konstrukteurs Sholoubwa würde den Splitterkreislauf und die Abtrennung des Vierten unterstützen. TANEDRAR willigte nach langer Überlegung ein. TAFALLA konnte den ersten Auftrag erfolgreich beenden. Die SI war im Spiel der kosmischen Mächte angekommen. Auf Alaskas Frage, warum der Auftritt Renyi-Hemdebbs im Schauspiel so schlecht beurteilt wurde und was schief gelaufen sei, erhält er von TANEDRAR die Auskunft: „Da war die Sache mit dem Kosmonukleotid TRYCLAU-3“.

Rezension:
Im Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ gibt es auch einen „Adults Only“ Bereich. Hat man sich ausreichend legitimiert, führt einen der Reiseführer auch in die zügellosesten Gegenden des Universums. Die 4 Galaxien der Escalianer firmieren darin unter dem größten Swingerclub des Universums, bzw. unter dem wenig schmeichelhaften Begriff der „Vier f…enden Galaxien“. Die versauten SI’en NOTNA und RENRUHT gehen dort ein und aus. Werbeslogan: „Seien sie dabei, wenn sich nicht nur Galaxien durchdringen“! Interessanterweise passt es überhaupt nicht zu dem zügellosen Treiben, dass sich die Bewohner Escalians ausgerechnet beim Sex die Masken herunterreißen, also in einer Situation in der angesichts der Umstände Anonymität gefragt sein sollte. Und nebenbei bemerkt, subtil ist das nicht, wie die Splitter der SI da auf die Bewohner Escalians wirken!

Nicht zum ersten Mal wird die Lebensgeschichte einer höheren Entität in der Serie zum Besten gegeben. Da sich diese Ereignisse über lange Zeiträume erstrecken, bieten solche Romane die wunderbare Gelegenheit alte Handlungsfäden in neuem Licht erscheinen zu lassen und Verknüpfungen zu den Ereignissen in der aktuellen Seriengegenwart zu bilden.
Von alledem ist in Michael Marcus Thurners Roman nur wenig zu lesen. Mal eben die Jahreszahl 9,8 Millionen eingeworfen und Saedelaere darüber sinnieren lassen, ist dürftig. Ansonsten wechseln sich Episoden aus dem 4-Galaxien-Swingerclub der Escalianer mit den Begebnissen einzelner Vertreter raumfahrender Zivilisationen in der Frühzeit von Escalian ab. Jede Episode, jedes Intermezzo beginnt mit einer anderen Figur, einem anderen Volk, in einer anderen Zeit. Nicht weniger als 22 (!) Episoden mutet uns der Autor zu. Michael Marcus Thurner bringt darin zwar eine Vielfalt an unterschiedlichen Fremdwesen-Szenarien unter, die damit geschilderten Begebenheiten hinterlassen allerdings nur selten einen Eindruck. Einige Episoden wiederholen sich, so dass zusätzliche Längen entstehen. Der Roman, der an sich eh schon durch die Vielfalt der einzelnen Lebensgeschichten zerfasert wirkt, gerät damit stellenweise unlesbar. Es gibt keine Handlung, keinen echten roten Faden. Natürlich war schnell klar, dass TANEDRAR am Ende entstehen würde. Doch der Weg dorthin war – im wahrsten Sinne des Wortes – unharmonisch. Nichts in Thurners Roman hatte länger als 1-2 Seiten Bestand. Intermezzo 8 war bereits vergessen, noch bevor Intermezzo 9 zur Hälfte gelesen war. Die Geschichte(n) entwickelte(n) keinerlei Nachhaltigkeit.
Da passt es leider auch zu diesem Roman, dass Thurner die Erklärung, warum die Escalianer Masken tragen in einigen wenigen Sätzen abhandelt. Beinahe hätte ich die Aufklärung über die Masken überlesen. Aus einer Schutzmaske wurde ein Modespleen, daraus entwickelte sich eine Symbolik, das war’s. Wie sich eine solche Symbolik hat entwickeln können, gerade darüber etwas mehr zu erfahren wäre interessant gewesen.