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Ansichten zu PR 2638

Zielpunkt Morpheus-System – von Marc A. Herren – Handlung:
Während Mondra Diamond zu Verhandlungen mit den Todringern aufbricht, ist der 300-Meter-Kreuzer TUBLIR in der kosmischen Nachbarschaft des Morpheus-Systems unterwegs, um einen Ausweichstützpunkt für die Terraner zu finden. Das Aufenthaltsrecht der Terraner auf Orontes läuft in Kürze ab. Die Besatzung der TUBLIR ortet auf einem Planeten das Wrack eines Schwingenschiffs der Quolnäer Keretzen. Das Schiff ist Opfer von Waffengewalt geworden. Später trifft die TUBLIR auf zwei Flotten einheimischer Völker, die sich einen heftigen Kampf liefern. Auf der einen Seite die Quolnäer Keretzen, auf der anderen Seite eine bislang unbekanntes Spezies, deren Schiffe aufgrund ihrer Bauweise von den Terranern schnell als Gottesanbeterinnen bezeichnet werden. Die hohe Aggression der Quolnäer Keretzen führt wiederholt dazu, dass sie die gefürchteten Blitzwellen aussenden und sich und alles im Umkreis in den Tod reißen.
Auf Orontes wird Mondra Diamond zur Clanmutter Syb vorgelassen. Anwesend ist auch eine Todringerin namens Hak, die weissagt, dass die Weltengeißel ein anderes Volk heimsuchen wollte aber daran gehindert wurde. Nun würde die Weltengeißel hungrig umherziehen. Die Clanmutter fordert die Terraner auf, den Planeten umgehend zu verlassen. Ihre Anwesenheit könnte die Weltengeißel anlocken. Perry Rhodans Gefährtin kann noch 5 weitere Tage Aufenthalt herausschlagen. Bis dahin müssen die Triebwerke der CHISHOLM repariert sein.
Zurück an der Oberfläche instruiert sie gerade die Besatzung, als die TUBLIR eintrifft. Man hat einen Ausweichstützpunkt gefunden aber die beobachtete Raumschlacht hat eine Dynamik entwickelt und verlagert sich immer dichter an das Morpheus-System. Nach der Besprechung widmet sich Mondra einmal mehr ihrem ehemaligen Haustier Ramoz. Der Humanoide kann sich noch immer nicht erinnern. Der Versicherungsfachmann und Mathematiker Martin Felten hat unterdessen die Theorie aufgestellt, dass die im Gestein von Orontes eingelassenen Hyperkristalladern einen effektiven Schutz vor den Blitzwellen der Quolnäer Keretzen bieten könnten. Er müsste allerdings weitere Experimente, am besten mit einem Vertreter dieses Volkes vornehmen. Mondra sagt ihre Unterstützung zu. Sie wird aber zunächst abgelenkt, den Ramoz erleidet einen Anfall und verliert das Bewusstsein.
Zwei Tage später materialisieren die ersten Schiffe der sich bekämpfenden Flotten am Rande des Systems. Mondra fasst einen kühnen Plan. Mit der Ertruserin Sinaid Velderbilt und Martin Felten macht sie sich in einer Raumlinse auf, um am Rande der Schlacht ein Wrack der Quolnäer Keretzen aufzusuchen, damit der Mathematiker seine Theorie mit einem Experiment beweisen kann. Sie nehmen Gestein von Orontes mit. Tatsächlich bietet sich ihnen eine Gelegenheit, als ein Schiff schwer beschädigt in der Nähe auftaucht. Die Tiradeure, so der inzwischen ermittelte Name des Gegners der Quolnäer Keretzen, haben ein Schiff zum Wrack geschossen. Das terranische Kommando findet an Bord ein noch lebendes Mitglied der aggressiven Spezies vor und Felten kann sein Experiment durchführen.
Die nach wie vor ausgesendeten Warnmeldungen des Mondforts bewegen die beiden Konfliktparteien, das System zu verlassen. Die CHISHOLM und die anderen Schiffe können Orontes verlassen und den Ausweichstützpunkt anfliegen. Zurückgelassene Sonden instruieren den zurückkehrenden Perry Rhodan. Schließlich treffen die MIKRU-JON, die SICHOU-1, die KADURA und Ennerhahls Lichtzelle wieder auf die Überlebenden der BASIS. Ramoz erwacht und verlangt Mondra zu sprechen.

Rezension:
Die Autoren stehen mit ihren wöchentlichen Beiträgen vor zwei wesentlichen Herausforderungen. Sie müssen einen Einzelroman abliefern, d.h. auf der Basis lokaler Ereignisse mit diversen dramaturgischen Mitteln eine mehr oder weniger abgeschlossene Geschichte abliefern. Und sie dürfen den Zyklusüberbau, also den Rahmen, in der die wöchentliche Geschichte abläuft, nicht außer Acht lassen. Während der Einzelroman also eine akute Situation beschreibt, läuft der Zyklus unter einem recht weit gefassten Spannungsbogen ab.
Die Voraussetzungen für die Heftnummer 2638 von Marc A. Herren waren denkbar schlecht. Der Autor muss einen Handlungsfaden aus dem September 2011 aufgreifen und fortsetzen. Der Begriff „weitgefasster Spannungsbogen“ bekommt hier eine völlig neue Dimension. Immerhin lagen die letzten Ereignisse auf Orontes 6 Monate zurück, als Rhodan, bzw. die Autoren diese Erzählebene verlassen haben. Ich hätte mir gewünscht, Rhodan kehrt zurück, sagt allen, dass sie die Koffer packen sollen, drückt den Todringern nochmals die Pfote oder was auch immer und ab geht’s. Stattdessen quält uns Uwe Anton einmal mehr mit einem bereits abgefrühstückten Handlungsort. Einmal Orontes okay, zweimal Orontes na ja. Aber dreimal Orontes war überflüssig!
Auch Marc A. Herren tat sich mit diesen Voraussetzungen schwer. Statt mit einem fulminanten Einstieg den Leser von diesen schwierigen Vorgaben abzulenken, liefert er einen recht harmlosen Romanauftakt ab. Nicht nur dass das Equipment eines 300-Meter-Kreuzers hinter den Aufklärungsmöglichkeiten eines Satelliten unserer Zeit zurückbleibt auch der Dialog der beiden Turteltauben in der Zentrale war wenig berauschend. Wer sich den Bauch mal vor Lachen halten will spricht im heimischen Wohnzimmer den Dialog der beiden Besatzungsmitglieder an Bord der TUBLIR laut nach. Immerhin vermeidet der Autor den direkten Einstieg auf Orontes selbst und macht durch die vorerst vergebliche Suche nach einem Ausweichstützpunkt dem Leser Hoffnung, dass es bald woandershin geht.
Abgesehen von dem wenig originellen Einstieg verbringt der Autor die nächsten Seiten damit, dem Leser die Ereignisse von vor 6 Monaten wieder ins Gedächtnis zu rufen. Ich schlage daher vor, die wenig informative Seite 3 zukünftig analog des Glossars am Heftende zu einer „Was bisher geschah“-Seite auszubauen und Wiederholungen im Romaninnern zu verbieten. Das würde zwar einige der Team-Autoren in arge Schwierigkeiten bringen, wäre aber ein deutlicher Mehrwert für die Leser.
Der Autor musste mit seinem aktuellen Roman auch noch ein Versprechen der besonderen Art einlösen. Auf dem Weltcon vergangenen Jahres hat ein PR-Fan einen Romanauftritt ersteigert. Marc hat sich diese Aufgabe auf die Fahnen geschrieben. Der Auftakt war wenig verheißungsvoll. Unter dem Begriff „Stichpunkte“ in einigen Kapitelüberschriften verbargen sich die privaten Aufzeichnungen eines Besatzungsmitglieds, eben jenem besagten Fans. Leider dienten diese Kapitel zunächst überwiegend ebenfalls den Wiederholungen. Orontes, die Todringer, die Weltgeißel etc. werden zum wiederholten Male durchgekaut.
Mit dem Eingehen auf die Weltengeißel tritt ein weiteres spannungstötendes Element auf. Der Roman kann zunächst aufgrund der nicht vorgenommenen Vereinigung mit der Rhodan-Ebene nur auf einem Wissensstand vom September 2011 aufbauen. In der Zwischenzeit ist der Leser aufgrund der anderen Ebenen deutlich schlauer als die aktuellen Protagonisten auf Orontes. Unterschiedliche Wissensstände müssen zwar nicht zwangsläufig ein Nachteil sein. Es gibt verschiedene Stilmittel, um dennoch einen spannenden Roman zu schreiben. Im vorliegenden Fall war es jedoch eher mühselig, die ganzen Mutmaßungen der Figuren um und über die Weltgeißel erneut lesen zu müssen.
So etwa zur Mitte des Heftes beginnt Herren dann endlich damit eine eigene neue Geschichte zu schreiben. Der kurze Einsatz von Diamond und Martin Felten an Bord des fremden Schiffes war flott geschrieben. Zwar waren die Ereignisse eher von Zufällen als von durchdachten Überlegungen geprägt aber da die ersten 30 Seiten der Geschichte nichts Neues brachten, war man schon damit zufrieden. Am Ende wird die Geschichte sogar noch etwas hastig. Dem Autor gingen die Seiten aus und entsprechend schnell kam er zu einem Ende. Die späte Rache der Wiederholungen!
Fazit: Fans von Marc A. Herren bekamen in der aktuellen Geschichte sehr fade Kost geboten. Der Autor lief bei seiner Erzählung der Spannung hinterher. In der Zyklusgesamtkost war der Roman eine Nullnummer.