Articles for this day of 21. August 2022

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3183

Im Primordialen Korridor – von Michael Marcus Thurner
Zwei Terraner suchen nach wie vor einen Weg, um aus FENERIK zu entkommen. Alaska Saedelaere und Gry O’Shannon sind im Primordialen Korridor unterwegs. Sie wissen nur wenig darüber. Der Korridor soll eine Art Fluchtweg sein. Die Erbauer, die beiden Chaotekten Perneter Horizont und Haretemir Horizont, sollen darüber aus FENERIK verschwunden sein. Die Wände des Korridors spiegeln Szenarien aus vergangenen Zeiten wieder.
Nach tagelangem Marsch erreichen die beiden Terraner eine Ausbuchtung, der später weitere folgen. Sie treffen schließlich auf Tshekdar. Der Doomoide verspricht, ihnen mehr über die Erbauer des Korridors zu verraten. Alaska und Gry müssen jedoch vorsichtig sein. Tshekdar ist gerissen. Sie treffen auf verschiedene Spezies. Unter anderen auch auf Yodoren. Der Pakt mit Tshekdar endet unvermittelt. Alaska und Gry werden von ihm und seinen Kumpanen aus dem Primordialen Korridor gestoßen.
Was das heißt, erfahren die beiden Terraner alsbald. Sie sind in die Vergangenheit gereist und beobachten den Bau FENERIKS. Beide geben sich als Qualitätsmanager aus. Sie treffen auf den Oblus. Das Wesen wurde im Inneren eines Braunen Zwergs mit Strahlung aufgeladen. Seine Oberfläche zeigt die gleichen Muster, wie sie Alaskas Cappin-Fragment aufweist. Der Maskenträger ist das einzige Wesen, das den Oblus ungeschützt betrachten kann. Das bringt ihn Anerkennung bei den hiesigen Spezies ein.
Als Perneter Horizont eintrifft, um den Fortschritt des Baus zu begutachten, erhalten Alaska und Gry eine Audienz. Der Chaotekt vom Volk der Osyrnen verrät ein wenig über den Bau. Die Informationen versetzen den beiden Terranern einen kleinen Schock. Sie sind 4 Millionen Jahre in der Vergangenheit! Die beiden Chaotekten sollen als Schlusssteine eine zeitlose Heimat im Fundament FENERIKS finden. Perneter lässt durchblicken, dass er dieses Schicksal nicht will. Er möchte einen Blick auf Alaskas Fragment werfen, weil er sich dadurch erhofft, die Prozesse die er und Haretemir auslösen, besser verstehen zu können.
Doch auch Perneter hintergeht Alaska. Gry O’Shannon kann ihn mit der abyssalen Dispersion vor einem Angriff des Chaotekten retten. Sie erpressen Perneter. Entweder er schickt sie wieder in die Zukunft, oder sie verraten ihn. Der Chaotekt ermöglicht ihnen die Reise wieder an den Ausgangspunkt. Dort überwältigen die beiden Terraner Tshekdar und seine Kumpanen und lassen sich zu Perneter in dieser Zeit bringen. Für den Osyrnen sind vier Millionen Jahre vergangen. Er will nun einen Blick auf das Cappin-Fragment werfen und Alaska lüftet die Maske.
 
Es sind zwei sehr unterschiedliche Romane, die ich an diesem Wochenende aus dem Perryversum gelesen habe. Mit Atlantis Band 12 durfte, nein, musste ich das Finale der Miniserie lesen, das von Ungereimtheiten und abgedrehten Szenarien nur so strotzte.
Dagegen mutet dieser Roman von Michael Marcus Thurner beinahe schon altbacken an. Als ruhigen Gegenentwurf zu den Zeitreiseverwirrungen in Atlantis ist auch die Zeitreise zu betrachten, die von den beiden Protagonisten in Thurners Geschichte absolviert wird. In einem Rutsch vier Millionen Jahre in die Vergangenheit, um ein wenig zum Bau FENERIKS zu erfahren und anschließend zurück an den Ausgangspunkt, wo sie die Bande um Tshekdar überwältigen können. So einfach kann eine Zeitreise sein. Dazwischen menschelt es etwas zwischen Alaska und Gry. Ein schöner, ruhig erzählter Roman, der Atlantis 12 um Lichtjahre schlägt. Das ist selbstverständlich nur meine Meinung. Andere sehen es vielleicht anders herum. Das Gute ist, Perry Rhodan bedient an diesem Wochenende unterschiedliche Leserinteressen.
Interessant ist, dass Saedelaere und seine Begleiterin auf ihrer Wanderschaft im Korridor auch auf Yodoren treffen. Die sind als Hilfsvolk der Kosmokraten bekannt. Der Maskenträger scheint sie nicht zu kennen. Jedenfalls macht er sich keine Gedanken darüber. Es stellt sich die Frage, ob die Yodoren ein Hilfsvolk sind, das seine Dienste beiden Hohen Mächten anbietet? Oder sind es hier nur einzelne Vertreter, die vom Weg abgekommen sind? Oder sind die Yodoren der Milchstraße vom Weg abgekommen? Oder sind alle auf dem richtigen Weg? Ich bin gespannt, wie es weitergeht.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Atlantis 12

Nekrolog – von Ben Calvin Hary
Caysey ist mit dem Speicherkristall in die Vergangenheit gereist. Entsetzt muss sie feststellen, dass der Zeitsprung viel zu kurz war. Ihr bleiben nur 35 Minuten, bevor Tolcai das Talagon öffnet. Die Zeitzwillinge von Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger erhalten sonst nicht mehr die wertvollen Informationen aus der Zukunft.
Caysey Aktivitäten bleiben nicht unbemerkt. An Bord der STRAHLKRAFT erkennt Tolcai mit seinem AUGE, dass seine Gegner eine Agentin durch die Zeit geschickt haben. Er gibt Anweisung an Logan Darc, Cayseys Auslesen des Speicherkristalls zu sabotieren. Der Commo’Dyr ist in einem Gewissenskonflikt. Seiner Programmierung nach ist er dem Herrn des Schiffes zu absoluter Loyalität verpflichtet. Aber er hat schon in der Vergangenheit die eine oder andere Intrige durchgeführt.
Während die Zeitzwillinge von Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger auf Tolcai zufliegen, erleben sie Déjà-vus. Winzige Fragmente von Erinnerungen aus der Zukunft vereinen sich mit ihnen. Rhodan hat keine Erklärung. Er ändert aber spontan seine Vorgehensweise. Caysey hat inzwischen die STRAHLKRAFT kontaktiert. Das Schiff gibt das Gespräch weiter an Logan Darc. Der hat die ÜBSEF-Fragmente auf dem Speicherkristall entdeckt. Nach langem Zögern handelt der Zwergandroide.
Die Geschehnisse laufen nun zwar anders ab, als in der Zeitlinie davor. Dennoch können Rhodan und seine Begleiter das Öffnen des Talagons wieder nicht verhindern. Hier schreitet nun RCO-3342/B ein. Der Roboter reißt seinem Herrn das AUGE aus dem Schädel. Die Energiequelle des Auges bewirkt die Neutralisierung der Nukleotiden Pest. Die Katastrophe wird verhindert. Beim Verlust des AUGES geht ein Quant von Tolcais ÜBSEF-Konstante auf RCO über. De Roboter wird zu etwas Neuem. RCO erkennt das selbst und Rhodan gibt ihm spontan den Namen Rico.
Atlan erscheint mit einer großen Flotte und kann nur mühsam davon abgehalten werden, gegen die STRAHLKRAFT loszuschlagen. Der frühere Kommandant des Schiffes, Tolcais Vorgänger Tuun Yomorikon erscheint als Geist und bedeutet Rhodan in seine Zeit zurückkehren zu können. Atlan erhält Kenntnis von Rhodans wahrer Identität und der Zeitreise. Caysey nimmt Abschied von ihrem Dorf. Sie will mit Rowena, Perry und Sichu in die Zukunft reisen. Am Zeitportal kann der junge Atlan einen Blick auf seinen verletzten älteren Ich in der Zukunft werfen. Eine unbekannte Gestalt ist über seinem späteren Selbst gebeugt. Als die Verbindung hergestellt ist, kommt die Gestalt durch den Zeittransmitter. Es ist Joshiron. Und er hat ein rotes und ein schwarzes Auge. Der junge Takerer macht einige kryptische Aussagen. Unter anderem bedeutet er Caysey und Rowena, dass ihre Aufgaben in der Vergangenheit erfüllt seien und sie in die Zukunft reisen dürfen. Joshiron heilt den späteren Atlan durch Handauflegen und gibt Quartam seinen ursprünglichen Körper wieder. Joshiron ist 13000 Jahre zurückgereist und bedankt sich für seine Läuterung. Das Tor wird abgebaut, sobald Rhodan und die anderen in ihre Zeit zurückgekehrt sind. Dann verschwindet Joshiron per distanzlosen Schritt.
Atlans Erinnerung an die Ereignisse wird im Tiefschlafbehälter und Hypnoschulungsbehältern der Kuppel gelöscht. Der Arkonide bekommt somit fünf Jahre vor seinem endgültigen Einzug in die Tiefseekuppel einen Vorgeschmack. Rhodan, Dorksteiger, Rowena und Caysey mit ihrem Baby reisen in die Zukunft.
 
Finale der Atlantis-Miniserie.
Wir erinnern uns. Der Plan sah vor, dass die ÜBSEF-Konstanten von Perry und Sichu extrahiert und auf einen Speicherkristall übertragen wurden. Diesen Speicher sollte Caysey in die Vergangenheit tragen und die Inhalte von der Positronik freigeben lassen. Im Vorgängerroman beobachtet Rhodan Caysey und hofft, dass sie ihren Auftrag erfüllt, während er sich fragt, wie es sich anfühlt, wenn seine ÜBSEF extrahiert wird. Er also sterben wird. Rhodan hat dann keine Zeit mehr, sich mit Caysey zu beschäftigen, denn der junge Joshiron will durch das Zeitreiseportal und Rhodan muss ihn aufhalten. Sie kämpfen. Derweil ist der Speicherkristall schon gar nicht mehr in der Positronik. Caysey findet ihn unter dem Körper von Quartam. Rhodans ÜBSEF konnte gar nicht mehr extrahiert und auf dem Kristall gespeichert werden. Als Caysey durchs Tor geht, sieht sie eine Spiralgalaxie. Ihre letzte Beobachtung ist also, dass Rhodan stirbt. Seine ÜBSEF ist daher nicht auf dem Speicherkristall.
Den Autor freilich kümmert das nicht. In diesem Roman hat alles so geklappt, wie es geplant war. Leider wurde es nur nicht so geschrieben. Autor Ben Calvin Hary bringt die Serie, die er auch als Exposé-Autor betreut hat, dennoch zu einem Ende. Seine Figur Perry Rhodan schwankt zwischen Selbstzweifeln („Was tun wir hier überhaupt?“) und Déjà-vus durch die Handlung. Die Selbstzweifel der Figur wären schon deutlich früher in der Serie angebracht gewesen. Denn Rhodan kann die Geschehnisse nur selten in seinem Sinne beeinflussen. Der Gang durch die Zeit ist seine Entscheidung. Danach tut sich der berühmte Sofortumschalter ein ums andere Mal schwer. Die Geschichte mit Rowena, seiner ärgsten Verfolgerin, die er immer wieder laufen lässt, statt die Dinge zu klären, ist einer seiner Fehler. Ab dem Zeitpunkt des Auftauchens Tolcais mit der STRAHLKRAFT ist der Unsterbliche abgemeldet. Er gewinnt das eine oder andere Scharmützel aber er hat keinen Plan, wie er Tolcai besiegen kann. Stattdessen liefert er ihm auch noch das Talagon frei Haus. Auch hier hatte die Figur (oder die Autoren) unendlich viel Zeit damit verschwendet, Caysey nicht nach dem Versteck des Talagons zu fragen. Der Plan, der hier im Finale umgesetzt wird, stammt auch noch von Blaue-Pille-Quartam. Was für die Serie schon richtig peinlich ist, dass nur durch die Blaue Pille es überhaupt zu einem Plan kommt.
Lässt man nun diverse Fehler und diese Deus ex machina einfach außer Acht, ergibt sich im zwölften Band immerhin ein interessantes Geschehen. Rhodan erlebt Déjà-vus. Er selbst und auch neutrale Beobachter sehen ein geändertes Verhalten gegenüber den ersten Ereignissen. Das war interessant geschrieben und hätte noch mehr Wirkung entfaltet, wenn es noch subtiler in die Handlung eingebaut worden wäre.
Caysey, die nette Atlanterin, ist Hauptakteurin. In ihren Gedanken und Überlegungen ist sie gereift. Dennoch sind einige der Handlungen, die sie vollzieht, nicht glaubhaft. Ihre Überlegungen zur Torintelligenz und zu Algorithmen sind schon abgehoben. Caysey bedient dann eben mal nach zahlreichen Versuchen auch das Hyperfunkterminal richtig. Mit dem Ergebnis, dass die STRAHLKRAFT ihren Anruf erwartet hat. Die Figur hat vieles an der Seite von Perry Rhodan und Sichu Dorksteiger erlebt. Das heißt aber nicht, dass ihre Auffassungsgabe deren Wissen oder Kenntnisse soweit verinnerlicht hat, wie es der Autor hier stellenweise ausführt. Dennoch ist Caysey die Sympathieträgerin der Serie und die mit Abstand am besten charakterisierte Figur.
Was ist mit Atlan? Dessen Gedächtnislöschung wirkt wenig durchdacht. Alle anderen seiner Wegbegleiter dürfen sich erinnern. Von den positronischen Aufzeichnungen der Raumschiffe ganz zu schweigen. Oder zaubert der Autor hier einen Posizid herbei?
Einer guten ersten Halbzeit folgte eine zweite Halbzeit der Serie mit vielen Showeinlagen und Effekten. Im Finale kann der Autor die Schwächen der Serie, die sich insbesondere im kosmischen Part der Serie auftaten, nicht mehr auffangen. Er will es auch gar nicht. Er schreibt, dass schon normale Zeitreisen mit Logikwirrungen daherkommen, die einem normalen Menschen das Hirn zerbröckeln konnten. Waren hingegen Hohe Mächte beteiligt, konnte man die verbliebenen Regeln des Determinismus anscheinend gleich ruhigen Gewissens aus dem Fenster kippen.
Konjunktiv ist das nicht mehr. Der Autor kippt die Regeln aus dem Fenster und macht deutlich, dass er an nachvollziehbaren Lösungen kein Interesse hat. Er überlässt es auch hier den Lesern, mit seinen Ausführungen zurechtzukommen. Am Ende erledigt Joshiron mit ein bisschen Handwedeln den Rest und die Serie ist zu Ende.
Ich kann die Serie nicht empfehlen. Ich bin froh, damit endlich durch zu sein.