Articles for the Month of Juli 2022

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3178

Verfall und Verheißung – von Kai Hirdt
Im Rostland haben Gry O’Shannon und Alaska Saedelaere eine furchtbare Entdeckung gemacht. Eine Eisfläche, auf die ein Audh seine Bahnen zieht, reicht hunderte von Kilometern in die Tiefe. Bei minus 961 Grad Celsius, dem Absoluten Nullpunkt der Minuswelt, ist dort ein im Entstehen begriffenes Universum eingeschlossen. Sollte das im Moment seines Urknalls eingefrorene Universum freikommen und expandieren, wird die Milchstraße aufhören zu existieren und wahrscheinlich unser Universum auch.
Der Maskenträger ist zusammen mit Gry O’Shannon und Asqua Noquud auf dem Weg zu einem Gehöft in der Nähe. Dort treffen sie auf den Archivar, dem sie ein paar Fragen stellen dürfen. Sie erfahren von den Chaotekten, den Schöpfern des Chaoporters. Perneter und Haretemir Horizont sollen FENERIK durch den Primordialen Korridor verlassen haben. Der Zugang zu diesem Korridor befindet sich im Rostland. Ein Wesen namens Panu Pni, der Häufer, verwaltet den Zugang. Um Panu Pni zu finden, sollen sie Rundard Verr befragen, einen Informationshändler in Neu Khellende. Asqua Noquud kennt den Weg und das Trio bricht dorthin auf.
Neu Khellende entpuppt sich als Geisterstadt. Doch der Schein trügt. Die Bewohner dieser Stadt haben über Lug und Trug einen Weg gefunden, dass die Kyberteure immer wieder Waren zur Instandhaltung liefern. Die Kyberteure sind dann auch die größte Bedrohung für die beiden Terraner und der Squanadha. Denn Farbaud schickt sie los, um die Geflohenen wieder zurückzubringen. In Neu Khellende erhält das Trio aber Unterstützung durch Abda Kiri, den Fürsorger. Saedelaere und O’Shannon müssen sich neben all den Gefahren, auch der Beziehung zueinander stellen. Die gemeinsame Flucht hat die beiden Terraner einander näher gebracht. Allerdings wissen beide nicht unbedingt mit ihren Emotionen umzugehen. Und der Logiker Saedelaere hat noch andere Befürchtungen.
Schließlich treffen die beiden Terraner auf Panu Pni, der für seine Dienste eine Bezahlung einfordert. Das Serendipitätsprinzip FENERIKS spielt in allem was geschieht eine wichtige Rolle. Saedelaere trifft eine Entscheidung und wird mit einem ungewöhnlichen Kleidungsstück belohnt.
 
Die Komposition ist sicherlich eines der Elemente, die uns in diesem Zyklus noch lange in Erinnerung bleiben wird. Aus Chaos und Architekt werden nun die Chaotekten. Die Erbauer FENERIKS, die angeblich ihre Schöpfung noch heute aus ihrer Gondel, dem Gushmanom, begleiten. Ich bin gespannt, ob wir die beiden Herren noch kennenlernen dürfen. Und was die zu dem Weg sagen, den der Chaoporter einschlägt.
Autor Kai Hirdt hat an irgendeiner Stelle im Netz gesagt, dass die Leser diesen Roman lieben oder hassen werden. Ich liebe ihn (den Roman), so viel sei schon mal verraten. Man muss sich ein wenig auf die Geschichte einlassen. Sie enthält doch vielerlei Elemente, die es für den Leser erschweren, die Geschehnisse so zu akzeptieren, wie sie geschildert werden. Die Natur würfelt nicht, ist an einer Stelle zu lesen. Und weiter, natürlich mit einem Augenzwinkern, erfahren wir, dass sie mit Münzen wirft. Hat man aber als Leser akzeptiert, dass die Gesetze der Wahrscheinlichkeit in FENERIK nicht unbedingt gelten, akzeptierte man auch Züge, die ihre eigenen Schienen verlegen oder Städte, die sich binnen Stunden aus Ruinen in blühende Oasen verwandeln und wieder zurück. Das „wieder zurück“ habe ich allerdings dann doch nicht ganz verstanden.
Wenngleich ich die Rückkehr Alaska Saedelaeres in die Handlung kritisch sehe, ist die Figur dennoch eine meiner Lieblingsfiguren. Und sie wird von Kai Hirdt gut in Szene gesetzt. Vielleicht ist die letzte Zuspitzung des Verhältnisses zu Gry O’Shannon zum Romanende hin etwas zu viel des Guten. Aber dieser Alaska Saedelaere hat mir gut gefallen.
Dass der Protagonist an allen Orten und bei allen Begegnungen erkannt wird und seine Gegenüber nicht erfüllbare Bezahlungen einfordern oder die Beziehungskiste mit Gry O’Shannon quasi öffentlich machen, ist sicherlich ein Punkt, der es manchem Leser schwer machen dürfte, der Story etwas abzugewinnen. Ich fand es amüsant.
Neben diesen launigen Elementen besticht der Roman aber auch mit ernsteren Inhalten. Beispielsweise die „Unfälle“, die von den beiden Terranern verursacht werden. Hier sind es neben den Taten, wie beide Figuren damit umgehen, auch die Dialoge, die mir zugesagt haben. Nach zuletzt durchwachsenen Betrachtungen der Romane des laufenden Zyklus hat mich diese Geschichte wieder vollends überzeugt. Ich bin gespannt auf die Fortsetzung.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3177

Das Rostland – von Susan Schwartz
Farbauds Plan, mit Hilfe von Saedelaeres Cappin-Fragment, einen früheren Quintarch namens Knomonk aus dem Wahnsinn zu holen, ist nicht ganz aufgegangen. Gry O’Shannon, die den Vorgang der Dispersion inzwischen bewusst steuern kann, hat sich und Alaska aus dem Geschehen herausgerissen und an einen unbekannten Ort im Rostland transportiert. Wie sich herausstellt, hat die Mutantin noch ein drittes Wesen mit ihrer speziellen Begabung erfasst. Ihre unfreiwillige Begleiterin ist eine Squanadha namens Asqua Noquud. Diese ist eine von drei Dienerinnen Knomonks. Ihre Aufgabe war es, dem den Wahnsinn verfallenen Quintarch mit ihrer Paragabe der Tranquilisation zu beruhigen.
Die Dienerin berichtet, dass es tatsächlich für einen kurzen Moment gelungen sei, Knomonk aus dem Wahnsinn zu holen. Lange genug jedenfalls, dass der Chaoporter ihn wieder als Quintarch reaktiviert hat. Doch statt in die Sziento-Phase Vier zu wechseln, schwankt FENERIK zwischen Drei und Vier. Der Chaoporter ist nicht stabil.
Noquud scheint im Gefüge FENERIKS fest verankert. Sie könnte für die beiden Terraner gefährlich werden. Zunächst jedoch gelingt es Alaska und Gry, ein Zweckbündnis mit der Squanadha einzugehen und einen Ausweg zu suchen. Während die drei Geflüchteten losziehen, erzählt Asqua Noquud ihre Geschichte. Mit dem erworbenen Wissen kommen sich die drei so unterschiedlichen Wesen näher. Gry O’Shannon hat indes erkannt, dass sie von etwas angezogen wird. Diesen Ort wollen die drei aufsuchen.
Sie stoßen auf einen Audh, der eine fürchterliche Gefahr bewacht. Die beiden Terraner müssen unbedingt diese Gefahr neutralisieren, die die gesamte Milchstraße bedroht.
 
Die Perry Rhodan-Serie ist nicht gerade arm an Gigantomanie. Insbesondere die Gefahren, die der Menschheit drohen, wurden über die Jahrzehnte ins Maßlose gesteigert. Und längst wird nicht mehr nur unser kleiner blauer Planet bedroht. Bald war es das ganze Sonnensystem, das ganze Solare Imperium und alle späteren Bündnisse, die Milchstraße, die Mächtigkeitsballung und so weiter und so fort. Auch hier wurde der Umfang der Bedrohung ins Unermessliche gesteigert. Nun also ein eingefrorener Urknall. Ein Universum, im Entstehen begriffen. Da verblasst nun wirklich alles Bisherige dagegen.
Susan Schwartz hatte die Aufgabe, über ihre Protagonisten dieses Geschehen an die Leserschaft weiterzureichen. Keine leichte Aufgabe. Mit Enthusiasmus und Entzückung oder schierer Verwunderung lässt sich das Gesehene kaum so aufbereiten, dass die Bedeutung dieses Augenblicks angemessen beschrieben wird. Bleibt also eigentlich nur Humor. Diese einzigartige Begabung, solchen Ereignissen mit heiterer Gelassenheit zu begegnen. Also lässt die Autorin Alaska Saedelaere und Gry O’Shannon nach einen Ausweg suchen. Wie entsorgt man das Protoversum aus der Eisebene des Audh, aus FENERIK und schließlich aus der Milchstraße, ohne weggepustet zu werden? Susan Schwartz lässt schließlich den Maskenträger resümieren, der das „Problem“ vorerst zurückstellt. So als wüsste er fünf Minuten später eine Lösung. Zum Schießen komisch, dieser Absatz am Ende der Geschichte. Ich kam aus dem Lachen nicht mehr heraus.
Übrigens schreibt die Wikipedia zu Gigantomanie noch folgendes: „Durch ein ins Unermessliche gesteigertes Streben suchten Menschen gottgleich zu werden.“ Nun kenne ich immerhin die Motive der Perry Rhodan-Autoren. 😉
Ansonsten ist die Geschichte, die uns Susan Schwartz erzählt, regelrecht klassisch zu nennen. Terraner befinden sich an unbekannten Ort, an dem sie verschleppt wurden und suchen und finden Verbündete. Das war nicht neu aber unterhaltsam.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3176

Das schwarze Verwehen – von Michelle Stern
Beim Angriff der Arkoniden auf die RAS TSCHUBAI hat Farbaud drei der Besatzungsmitglieder entführt. Alaska Saedelaere, Gry O’Shannon und Anzu Gotjian werden von dem Quintarch zum Chaoporter FENERIK gebracht. Der Ort, den sie erreichen ist sicherlich nicht das Innere des Chaoporters. Es ist eine Saumwelt und Farbaud nennt es das Rostland. Anzu Gotjian wird von der Gruppe getrennt. Sie soll ihre Ausbildung als Sextadim-Kanonierin antreten.
Für die anderen beginnt eine seltsame Reise in einem seltsamen Gefährt durch ein karges Land in dem seltsame Wesen leben. Es ist zunächst unklar, welche Pläne Farbaud hat und welche Ziele er verfolgt. Aber das Land, durch das sie reisen, ist in Gefahr. Das schwarze Verwehen löst sämtliche Materie nach und nach auf. Als der erste Angriff einer dunklen Wolke erfolgt, schützen sich die Reisenden mit speziellen Häuten, die als einziges Material in dieser Umgebung Schutz gewähren. Gry O’Shannon spürte eine Affinität zu dem schwarze Verwehen. Es ist eine Wolke aus Nanorobotern und sie scheinen die Mutantin zu rufen.
Eine der wenigen Siedlungen im Rostland wird vom schwarzen Verwehen heimgesucht und die drei Reisenden leisten Hilfe. Dabei wird Gry O’Shannon als Vidro bezeichnet, die die Klarheit bringen soll. Nach und nach erfahren der Maskenträger und die Mutantin mehr. Einst hat ein Quintarch namens Knomonk einen Audh in ein Chaoversum begleitet. Sein Mantel hat sich dadurch verändert und wurde zum schwarzen Verwehen. Der Quintarch selbst, der ein Vorgänger Farbauds ist, kehrte geistig verwirrt zurück.
Farbaud möchte, dass Alaska Saedelaere und Gry O’Shannon dazu beitragen, dass Knomonk wieder gesundet und seinen Dienst als Quintarch aufnehmen kann. Die Milchstraße würde dadurch vor Schaden bewahrt werden. Werden die beiden Terraner Farbaud helfen?
 
Die zuletzt erschienenen Romane in diesem Zyklus konnten mich nicht so richtig überzeugen. Der Schauplatz Cassiopeia bekam ein seltsames Ende verpasst und die Romane um den Roten Stern sagten mir auch nicht zu. Nun also geht es wieder in das innere FENERIKS oder vielmehr in den Saum des Chaoporters. Den ersten Ausflug in diese seltsame Welt in den Heften 3122 bis 3124 fand ich sehr gelungen. Die damalige Akteurin Anzu Gotjian, die nun freiwillig Farbaud in den Chaoporter folgt, spielt in diesem Roman zunächst keine Rolle. Ob und wie sie die ihr zugedachte Rolle als Doppelagentin wahrnimmt, müssen die Romane erst noch zeigen.
Michelle Sterns Roman glänzt mit einem ausgefallenen Setting. Wundersame Wesen und merkwürdige Orte und Landschaften wechseln sich beinahe im Sekundentakt ab. Obwohl zunächst vieles zusammenhanglos erscheint, verfolgt die Autorin einen starken roten Faden, der sich nach und nach dem Leser erschließt. Die Autorin bringt auch wieder ein Szenario in Erinnerung, das FENERIK nicht als bloße Bedrohung der Milchstraße zeigt. Vielmehr ist es die derzeitige Schwäche, ausgelöst durch den Befehl einer Kosmokratin, die zu einer Katastrophe in der Milchstraße führen könnte. Immer unter dem Vorbehalt, dass Farbaud nicht lügt. Es ist dieser besondere Umstand, den die Autorin in ihrer Geschichte mehrfach betont. Farbaud, lässt sie Alaska Saedelaere feststellen, hat bislang nicht gelogen. Man darf, wenn sich die Autoren nicht dazu entschließen, doch wieder ein Gut-Böse-Schema zu fahren, auf die kommenden Ereignisse gespannt sein. Die Autorin setzt zwei starke Figuren in einer bizarren Umgebung richtig gut in Szene. Die Lektüre hat Spaß gemacht!