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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3166

Der Genetische Algorithmus – von Oliver Fröhlich
Die drei Deserteure FENERIKS sind nun schon sieben Monate im Gewahrsam der Terraner. Nicht nur die Wartezeit setzt ihnen zu. Auch dass die Terraner bislang kein Vertrauen in sie setzen, obwohl die beiden Keji und der Laichkange ein ums andere Mal wertvolle Informationen lieferten. Die Gedanken der Keji Apehei gehen in die Vergangenheit, als sie in der Keji-Gesellschaft des Chaoporters als Absorbiererin tätig war. Durch genetische Manipulationen haben die Keji sich antrainiert, die gefährliche Strahlung, die zwischen den Schalenwelten des Chaoporters auftritt, im Körper aufzunehmen, dort in Residuum umgewandelt und wieder abzubauen. Es gibt aber auch Keji, die den Makel haben und das Residuum nicht abbauen können. Hier hilft Apehei mit ihrer Paragabe. Sie kann betroffenen Kindern das Residuum entziehen, um es dann aus ihrem eigenen Körper zu lösen. Erwachsenen kann sie nicht helfen.
Apehei lebt mit ihren beiden erwachsenen Töchtern zusammen. Midunjia ist ihre leibliche Tochter, Lejani ist eine Ziehtochter. Deren Mutter, die beste Freundin von Apehei, hat ebenfalls als Absorbiererin gearbeitet. Sie starb, als sie in einem emotionalen Moment, an dem Apehei nicht unschuldig war, das aufgenommene Residuum nicht loswerden konnte und verbrannte. Apehei hat dies bislang Lejani verschwiegen. Die hütet selbst ein Geheimnis. Sie hat den Makel und wird bald sterben. Für Midunjia steht die mentale Renovierung an. Ein Vorgang, der dazu dient, Paragaben zu entdecken. Nicht selten führt er jedoch zu Persönlichkeitsänderungen. Das Schicksal trennt die drei Frauen. Midunjia wird in ihrer Persönlichkeit so stark verändert, dass sie die Familie verlässt. Ausgerechnet zu der Zeit, als Apehei die Chance erhält, als Sextadim-Kanonierin aufzusteigen. Lejani ist über Midunjias Entscheidung sehr verstört und will Suizid begehen, in dem sie viel Strahlung vom Rand ihrer Welt aufnimmt. Stattdessen verschlägt es Lejani in andere Schalenwelten FENERIKS. Sie scheint eine Paragabe zu haben, denn die Quintarchin Schomek, die Lohe, wird auf sie aufmerksam und fördert sie.
Apehei muss mit dem Verlust der beiden Töchter umgehen. Sie lehnt es ab, eine Sextadim-Kanonierin zu werden. Als Lejani zurückkehrt, wird auch sie der mentalen Renovierung unterzogen. Die Prozedur verändert sie kaum. Sie hat sich schon vorher, bei ihrer Begegnung mit der Quintarchin, stark verändert. Dennoch nimmt sie nach der Prozedur einen neuen Namen an und nennt sich Seharji. Apehei will inzwischen Kanonierin werden. Unter der Bedingung, dass die Ausbildung erst beginnt, wenn Lejani sie verlässt. Die hat unter ihrer neuen Identität als Seharji inzwischen ihre Paragabe besser im Griff. Zu dem Erfolg haben abgelegte frühere Persönlichkeitsmerkmale beigetragen, die im Genetischen Algorithmus gespeichert wurden. Auf diesen Trester bekommt sie Zugriff und kann ihre Paragabe entfalten. Nach der zweiten mentalen Renovierung nennt sie sich Lidejohi. Sie kann anderen Wesen die ÜBSEF-Konstante für eine begrenzte Zeit entziehen, das Shinn, wie die Keji es nennen.
Schomek, die Lohe, baut Lidejohi als Schläferin auf. Nach der nächsten mentalen Renovierung wird sie wesentliche Teile ihres Lebens vergessen. Hauptsächlich den Teil, dass sie als Agentin FERNERIKS aufgebaut wird. Der Trester begleitet sie als Schatulle, die in den sechsdimensionalen Raum ausgelagert ist. Wenn sie in den Reihen des Feindes agiert, wird der Trester sich öffnen und sie wird sich an alles erinnern können.
Zuvor trifft sie noch ihre Mutter Apehei, die als Absorbiererin gearbeitet hat. Die emotionale Begegnung mit ihrer Tochter führt dazu, dass Apehei das Residuum nicht loswerden kann und daran stirbt. Fortan bleibt Lidejohi nur der Dienst für FENERIK. Sie nennt sich nun Apehei.
 
Die drei Deserteure begleiten uns nun den ganzen bisherigen Zyklus. Und die Frage, ob es echte Überläufer sind, wurde bislang zwar häufig gestellt aber nie beantwortet. Nun hat sich Autor Oliver Fröhlich des Themas angenommen. Zumindest Apehei ist nicht die, die sie vorgibt zu sein. Apehei war früher Lejani, die zu Seharji wurde, die zu Lidejohi wurde. Und dieser wurden wesentliche Erinnerungen genommen. Lejani, nun Apehei, ist eine Schläferin.
Die Erkenntnis vermittelt der Autor in einer Familiengeschichte, die insbesondere die beiden Figuren Apehei und Lejani in den Mittelpunkt rückt. Die originale Apehei verachtet FENERIK und stirbt am Ende. Lejani, die sich zu Höherem berufen fühlt, dient FENERIK und nimmt am Ende den Namen ihrer Ziehmutter an. Spannend wird es, wenn sie Zugriff auf ihre Erinnerungen erhält. Ihre Paragabe konnte sie durch Zugriff auf abgespeicherte frühere Persönlichkeitsmerkmale aktivieren und perfektionieren. Inwieweit die mehrfach angewandte mentale Renovierung sie auch im Sinne FENERIKS konditioniert hat, lässt der Autor offen. Lejani, die nun Apehei heißt, hatte durchaus Einfühlungsvermögen für ihre Schwester und ihre Ziehmutter. Was davon noch übrig ist, bleibt abzuwarten.
Die Geschichte wäre bei einer so fremdartigen Gesellschaft wie den Keji schnell schwer lesbar gewesen. Mit den geschilderten Empfindungen, Emotionen, Gedanken und Motiven der drei Frauen orientiert sich der Autor jedoch stark an menschlicher Empathie und macht die Geschehnisse nachvollziehbar. Dass am Anfang Apehei in Gedanken zurückgeht und die originale Apehei geschildert wird, ist etwas knifflig. Denn sie ist es ja nicht. Allerdings wird es durch die Geschichte deutlich gemacht. Heraus gekommen ist ein runder Roman. Nun bin ich gespannt, wie es mit der „Deserteurin“ weitergeht.