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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3157

Die Suche des Joseph Andalous – von Uwe Anton
Auf Lepso sind technische Artefakte aufgetaucht, die das Interesse von Geheimdiensten der ganzen Galaxis erregen. USO-Agenten kommen einem Seelenkerker auf die Spur. Damit ließe sich die ÜBSEF-Konstante eines Lebewesens einsperren. Das Krathvira der Maahks-Fundamentalisten war ein solches Gerät, aber auch die Vatrox verfügten darüber. Homer G. Adams unterrichtet Reginald Bull. In beiden reift der Plan, dem Werber FENERIKS darin gefangen zu nehmen. Auch wenn Sälsinde wahrscheinlich keine Gedanken lesen kann, muss Bull sich was einfallen lassen, damit der ungebetene Gast nicht hinter den Plan kommt.
Der ehemalige Resident macht Tarnung und reist als Joseph Andalous auf einem Schiff der Raumnomaden nach Lepso. Er wird von Uecker London begleitet. Der Halbferrone arbeitet für den TLD und wird unterwegs versuchen, Sälsinde aufzuspüren. Ein Kantor-Sextant soll ihm das ermöglichen. Tatsächlich gelingt ihm der Nachweis. Sälsinde selbst zeigt sich offen. Die Mission kann nach Meinung der beiden Männer dennoch vor dem Chaoswerber verborgen werden.
Auf Lepso bekommt Andalous/Bull von der USO den Hinweis, dass sich auf der Raumstation TSUBEILS ZUFLUCHT sehr wahrscheinlich Bieter an einer Auktion des Seelenkerkers beteiligen können. Andalous/Bull macht auf Reich und kommt in Kontakt zu den richtigen Personen. Nun gilt es, den Seelenkerker zu erwerben. Aber auch die anderen angebotenen Artefakte bereiten Bull Kopfzerbrechen. Woher kommen sie? Ausgerechnet der Chaoswerber führt Bull auf die Spur der Yodoren.
 
Dafür, dass im Auftakt zu diesem Zyklus, im Jubiläumsband 3100, Reginald Bull mit dem Sternenruf in ein (schlechtes) Licht gerückt wurde, wird die Figur nur wenig eingesetzt. Fünf Monate mussten wir warten, bis mal wieder der älteste Freund des Titelhelden ein Abenteuer bestehen darf.
Das Besondere an diesem Roman von Uwe Anton ist wohl, zumindest für mich, dass die Geschichte um die Figur Bulls einen ganz anderen Verlauf nimmt, als ich es mir vorgestellt hatte. Anders ausgedrückt, den Autoren sind noch andere Geschichten eingefallen, die erzählt werden müssen, ehe der Zyklus auf die Zielgerade geht und wir erfahren, welches Schicksal der Zyklus für Reginald Bull bereit hält.
Ich freute mich also auf ein Abenteuer mit Bully und wurde auch dafür belohnt. Ich habe die Geschichte in einem Rutsch durchgelesen. In Erinnerung, das Wörtchen wird noch Bedeutung bekommen, sind mir ein paar Ausdrücke des Autors geblieben. So wird beim Einsatz der USO-Agenten und später auch bei Reginald Bull vom Autor öfter mal betont, dass „etwas ganz und gar nicht stimmte“ oder „etwas ganz und gar nicht in Ordnung war“. Dieses Element lockerte die Geschichte auf. Allerdings führte es auch dazu, dass ich mir nach der Lektüre doch ein paar Gedanken machte. Nur um festzustellen, dass in dieser Geschichte das eine oder andere ganz und gar nicht stimmte.
Beispielsweise dass der Autor zunächst ein Szenario aufbaut, in der es auf Lepso von Agenten galaktischer Mächte nur so wimmeln würde. Und alle hätten es auf bestimmte technische Artefakte abgesehen. Vor Ort bewegt sich Bull dann mit seinem Begleiter allein auf weiter Flur. Wo sind sie geblieben, die Agenten? Auch mit der Auktion stimmte etwas ganz und gar nicht. Wenn es dem Verkäufer darauf ankommt, einen guten Preis zu erzielen, dann sind viele Bieter ein Muss. Die vier potentiellen Käufer, die sich da eingefunden haben, sind noch nicht mal illustre Gestalten. Der Deckname Joseph Andalous für eine Figur ohne Hintergrund dürfte noch nicht mal reichen, um die Toilette auf dieser Station besuchen zu dürfen. Auch dann nicht, wenn der Kreditchip eine hohe Bonität ausweist. Es fehlen hier schlicht die „angesagtesten“ Kriminellen der Galaxis.
Die Artefakte entpuppen sich als unnützer Kram oder als gefährlich. Alleine die Beschreibung des Rings hätte bei Sichu Dorksteiger wohl Stirnrunzeln erzeugt. Bull macht sich kaum Gedanken oder die falschen. Im Gegenteil, obwohl ihm Schrott angeboten wird, will er weiterhin den Seelenkerker erwerben. Nicht ein Gedanke daran, dass das auch nur Fake sein könnte. Spätestens bei seinem Experiment mit dem Handschuh, wären ein paar Überlegungen diesbezüglich angebracht gewesen. Dies ist allerdings eine grundsätzliche Schwäche der Serie. Die Figuren verschieben solche Überlegungen gerne mal auf Übermorgen.
Bull betont mehrmals, dass Sälsinde keine Gedanken lesen kann. Aber der ungebetene Werber FENERIKS kann auf Bull Erinnerungen zugreifen. Lassen wir für einen Moment außer Acht, worin sich Gedanken lesen von Erinnerungen lesen unterscheidet. Eines dürfte klar sein. Bull wird sich an Geschehnisse erinnern. Und dazu gehört auch, sich einen Seelenkerker zu beschaffen. Um was zu tun? Richtig! Sälsinde einsperren. Der Chaoswerber tut sich ahnungslos.
Ganz ehrlich? Die Geschichte funktioniert nur dann, wenn man sich keine Gedanken darüber macht. Sobald man anfängt, etwas zu hinterfragen, stürzt die Story wie ein Kartenhaus in sich zusammen. Bin ich deswegen enttäuscht? Nicht wirklich. Die verschiedenen zusammengewürfelten Plots mixt der Autor zu einem unterhaltsamen und kurzweiligen Roman. Und am Ende will ich natürlich wissen, warum die Yodoren diese Artefakte in Umlauf gegeben haben. Und damit ist der Zweck erfüllt, mich als Leser bei der Stange zu halten!