Articles for the Month of Oktober 2021

Ansichten zu Perry Rhodan Storys Galacto City 5

Der 200-Tage-Mann – von Ben Calvin Hary
Die arkonidische Technologie, die Perry Rhodan zur Erde brachte, wirkt wie ein Magnet. Wie viele andere auch, zieht es Stephen Door nach Galacto City. Der junge Mann aus Burbank, Kalifornien, beschäftigt sich zu Beginn der Siebzigerjahre mit den ersten modernen Computern. Gegen die Positroniken sind diese Computersysteme jedoch so rückständig wie ein Faustkeil.
Stephen Door ist ein Nerd, ein Mensch, der sich mit anderen Menschen schwertut. In Galacto City hat er einen schweren Stand. Er ist sozial unbeholfen und seine Aufenthaltsgenehmigung nur vorläufig. Er erhält nur eine Praktikantenstelle und ist mit seiner Arbeit unglücklich. Doch dann beschert ihm der Zufall Zugang zu Hochtechnologie und der Computerfreak geht neue Wege. Diese allerdings lösen eine Katastrophe aus. Nur Crest, der alte Arkonide, scheint noch helfen zu können.
 
Ben Calvin Hary hat für seine Geschichte die Perspektive des Ich-Erzählers gewählt. Die Figur des Stephen Door wird wie alle anderen Hauptfiguren dieser Kurzreihe von Galacto City angezogen. Eschbach versuchte in GC1 einen Kriminellen auf den Pfad der Tugend zu führen. In Kinkels GC2 stellen die Aufarbeitung von Lebenserfahrungen und der Wille der Protagonistin in ihrem Leben eine Änderung herbeizuführen, das Motiv. In GC3 werden Wendepunkte im Leben der Hauptfigur thematisiert. In GC4 ist es der Widerspruch von Pflichterfüllung und individueller Verantwortung.
Aber welches Thema nimmt sich Ben Calvin Hary an? Da ist ein Nerd, der große Träume hat. Seine soziale Unbeholfenheit bringt ihn in aussichtslose Situationen. Er findet aber jedes Mal eine Retterin oder einen Retter. Die Motive und Hintergründe der Figuren, die den Nerd aus der Patche helfen, bleiben unklar. Denn die Geschichte wird aus der Ich-Perspektive des Nerds erzählt. Der stellt Überlegungen zu den Menschen in seinem Umfeld an. Allerdings sind diese Gedankengänge wenig verlässlich und häufig eigenbrötlerisch. Anders ausgedrückt, man weiß es nicht, was die anderen Figuren antreibt. Bei aller Berücksichtigung von Verschrobenheit und Unbeholfenheit ist die Darstellung der Figur des Stephen Door nicht ohne Widerspruch. Die Geschichte ist ein bisschen eine Mischung aus dem Zauberlehrling, alá die Geister, die ich rief …, Big Bang Theory und ein klein wenig Asimov.
Was Asimov angeht, bin ich nicht sicher, ob der nicht das Hauptmotiv der Geschichte sein sollte, vielmehr der 200-Jahre-Mann. Aber eigentlich sind die Adaptionen aus Asimovs Kurzgeschichte, hier die Gestaltung des Titels und der Name Andrew nicht so richtig passend zu Harys Roman. Trotz des Roboters. Der Nerd hat andere Ziele. Welche das eigentlich sind, wird nicht herausgearbeitet. Sie bleiben ähnlich unklar, wie es die Unbeholfenheit seiner Aussage bei der Befragung in der Einwanderungsbehörde ausdrückt. Richtig schlau werde ich aus der Figur nicht. Fand ich sie anfänglich ganz interessant charakterisiert, entwickelt sie sich zwischenzeitlich zu einer unsympathischen und widersprüchlichen Figur. An Intelligenz scheint es der Figur nicht zu mangeln. Aber mit seiner Marotte, den Dummen herauszukehren, dürfte er im Positronik-Park eigentlich nicht lange bestehen. Es gibt Momente, in denen er seine „Fehler“ erkennt. Sie führen jedoch nicht zu einer Änderung seines Verhaltens. Die Figur macht keine Entwicklung.
Ein stark präsentes Motiv kann ich in der Geschichte nicht erkennen. Konflikte gibt es. Aber auch auf niedrigem Level. Die Figuren interagieren zu wenig, als dass die Konflikte mich als Leser packen könnten. Obwohl ich die Ich-Perspektive mag, ist sie für diesen Roman die falsche Wahl gewesen.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3139

Welt in Scherben – von Kai Hirdt
Noch während Perry Rhodan im Einsatz ist, macht man sich auf der RAS TSCHUBAI Gedanken zu den Auswirkungen, die der Diebstahl des Chaotreibers mit sich bringen könnte. Wie wird FENERIK reagieren? Werden die Chaosmächte überhaupt reagieren? Der Besuch von Darvab und das anschließende Scharmützel im Weltraum könnte die Gaid-Kolonie in den Fokus des Chaoporters gerückt haben. Ein Einsatzteam soll auf Darvab nach Spuren von FENERIKS Aktivitäten forschen und die Bevölkerung auf eine Evakuierung vorbereiten.
Die Haluter Bouner Haad, Madru Bem und Kro Ganren sollen den Wunsch nach Handelsbeziehungen vortäuschen. Die beiden Parabegabten Damar Feyerlant und Shema Ghessow begleiten den Einsatz. Mit dabei ist auch der Exopsychologe Gideon Gerouchatzis, den es besonders die Gaids angetan haben. Er hat nun die Gelegenheit, erstmals auf Mitglieder dieses Volkes zu treffen.
Der Besuch auf Darvab kommt dem dortigen Kanzler Pog Lassàth sehr gelegen. Wahlen stehen bevor und die Handelswege sind seit den Aktivitäten der Chaosmächte unterbrochen. Er benötigt dringend einen Erfolg. Wie es scheint, benötigt auch der Chaoporter einen Erfolg. Ein Scherbenschiff der Arynnen erscheint im System und eine unheilvolle Entwicklung nimmt ihren Lauf.
 
Mit dem Auftreten der Arynnen wird die Gefährlichkeit des Chaoporters in Erinnerung gerufen. Die Erfolge, die Perry Rhodan zuletzt erzielte, fordern womöglich einen hohen Preis unter den einheimischen Völkern. Von daher finde ich die Idee gut, sich mit dieser Thematik zu beschäftigen. Die Terraner und Haluter gehen in einen präventiven Einsatz. Ihr Ziel ist es, die Bevölkerung des Planeten vor etwaigen Strafaktionen des Chaoporters zu schützen oder in Sicherheit zu bringen. Doch beide Ziele sind eigentlich gar nicht machbar. Der Autor beschäftigt sich zwar vordergründig mit der Thematik, lässt aber die erforderliche Auseinandersetzung mit der Problematik vermissen. Die Terraner insgesamt, trotz Allianz mit den Tefrodern, sind zu schwach, um einen effektiven Schutz zu gewährleisten. Auch eine Evakuierung ins „nächste System“, wie in der Geschichte zu lesen ist, bringt definitiv nichts. Dann wenden sich die Truppen FENERIKS eben dem „nächsten System“ zu. Diese Geschichte baute daher alleinig auf ein Schreckensszenario. Nach den Erfolgen der letzten Zeit war es die Absicht des Romans, einen Rückschlag zu setzen. Den Beweggrund nach Höhen auch Tiefen zu setzen, erkenne ich wohl, alleinig die Umsetzung sprach mich nicht sonderlich an. Die Figur des Gideon Gerouchatzis erhielt als einzige der handelnden Figuren eine tiefere Betrachtung. Seine Einsamkeit hätte noch ein wenig stärker herausgestellt werden können. Der Kanzler erfüllte bekannte Klischees, die beiden terranischen Mutanten waren Nebenfiguren. Und der Waffenhändler, der es eigentlich besser wissen sollte, nimmt die falsche Ausrüstung mit.
Abgesehen von der guten Idee des vorbeugenden Einsatzes lag das Geschehen in der ersten Romanhälfte unter einem Schleier, der sich nicht lichten wollte. Die zweite Hälfte gelang besser, nicht zuletzt, weil das Tempo sich erhöhte.
Nochmal die Figuren. Etwas irritierend geriet das Verhalten der Haluter. Kai Hirdt beschreibt die vierarmigen Riesen, abgesehen von den bekannten körperlichen Fähigkeiten und Haads Parafähigkeit, in manchem Gebaren wie Terraner. Da wird schon mal „geächzt“ oder ein „galliger“ Spruch getätigt. Und der Respekt, den die Riesen anderen gegenüber zollen, ging bei der Trauerfeier auch verloren.
Insgesamt wird die Problematik, dass terranische Aktivitäten Reaktionen auf der Gegenseite erzeugen, unter der die Bewohner Cassiopeias leiden müssen, nicht ausreichend behandelt. Zugegebenermaßen ist allerdings das Schildern von Konsequenzen aus den Handlungen der Helden noch nie die Stärke der Serie gewesen. Und natürlich muss man sich fragen, warum das Handeln von Instrumenten der Hohen Mächte so archaisch ist. Hier wären Ideen für eine andere Ebene der Auseinandersetzung gefordert.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Storys Galacto City 4

Des Menschen Pflicht – von Verena Themsen
Die Japanerin Yoshiko, die als Journalistin für die Nagasaki Times arbeitet, zieht es nach Galacto City. Yoshiko hat japanische und deutsche Wurzeln. Sie erhofft sich davon, falls sich eine Möglichkeit ergeben sollte, eine persönliche Beziehung zu Rhodan aufzubauen und damit näher an dessen wahren Kern und Absichten zu kommen. Japan ist aber auch Teil der Asiatischen Föderation, mit der sich die Dritte Macht mehrmals anlegte. Auf ihren Weg in die Stadt wird sie daher von Geheimdienstagenten, Polizei und Militär nicht nur beobachtet. Die AF will die Journalistin für eigene Pläne nutzen.
Dabei hat Yoshiko noch einen ganz anderen Grund für ihre Reise. In Galacto City will sie Tako Kakuta treffen. Und sie muss sich entscheiden, wie ihr Leben künftig verlaufen soll.
 
Verena Themsen lässt keine Zweifel aufkommen, welchem Thema sie ihren Kurzroman im Rahmen der Reihe „Galacto City“ gewidmet hat. Die Pflicht des Menschen steht im Titel und in den Zitaten, die den einzelnen Kapiteln vorangestellt werden. Sie nimmt sich des Widerspruchs von Pflichterfüllung und individueller Verantwortung an. Für Leser, die in den Jubiläumsromanen nach Widersprüchen zur Frühzeit der Serie suchen oder nach Ungereimtheiten zu den anderen Geschichten der Galacto City-Reihe, ist dieser Stoff schon ein wenig schwerer zugänglich. Die Autorin verzichtet in ihrem Roman weitgehend auf die „Science Fiction“ und konzentriert sich auf den Wandel, den immer mehr Menschen zu jener Zeit für sich vollziehen, wenn sie nach Galacto City kommen. Für Yoshiko sind es mehrere Stationen, die sie durchläuft. Die Abnablung von den Verhaltensstrukturen der japanischen Gesellschaft, in der die Pflichterfüllung noch eine große Rolle spielt, wie der kleine Exkurs zum Chefredakteur zeigt. Der Yoshiko letztlich aber die Fahrkarte besorgt. Dann die Einflussnahme der AF auf die Journalistin und ihr individueller Widerstand. Und schließlich die Bestätigung der Richtigkeit ihres Handelns beim Zusammentreffen mit der früheren Liebe. Tako Kakuta hatte diese Schritte bereits zu einem früheren Zeitpunkt getan. Eine intensive Story, die mir gut gefallen hat.