Articles for this day of 8. August 2021

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3129

Der Ruf der Siebenschläfer – von Leo Lukas
Inzwischen sind fünf Kastellane mit ihren Sextadim-Kapseln im Solsystem. Alschoran hat Reginald Bull ein Ultimatum gestellt. Er will, dass der Resident zurücktritt. Die Verantwortlichen, allen voran der Resident selbst, tun sich schwer mit der Forderung. Bull hat allerdings Vorkehrungen getroffen, die Macht auf seinen Stellvertreter zu übertragen. Und zwar dann, wenn seine Freunde und eine ausgeklügelte Überwachung Anzeichen einer Einflussnahme von außen zeigen. Denn der Sternenruf wird immer drängender.
Bulls Freunde suchen aber noch nach einem anderen Weg. Sichu Dorksteiger will die Kastellelane zur Venus locken. Dort wurden Jahre zuvor Artefakte der Ganjasen entdeckt. Alschoran ist Ase und ein Pedotransferer. Rhodans Adjutant Antonu May und Icho Tolot sind an der Umsetzung beteiligt.
Jovial rücken die Kastellane mit ein paar Informationen raus. Schließlich wird ihnen gestattet, sich im Trivid an die Bevölkerung der Liga zu wenden. Alschoran nutzt seine Chance, wie die Umfragewerte danach zeigen. Inzwischen sind die fünf Sextadim-Kapseln im Orbit um Terra. Als sie sich dem Uranus zuwenden, wo die Überläufer des Chaoporters untergebracht sind, steht Bull vor einer schweren Entscheidung.
 
Wie schon bei allen anderen Romanen um diese Eingreiftruppe ist auch diese Geschichte schwer greifbar. Die Einsortierung der Geschehnisse fällt mir schwer. Es gibt im Grunde genommen keine Fakten, die klar auf dem Tisch liegen. Zum wiederholten Male füllt man einen Roman mit dem Anspruch ein paar weniger, die glauben, die Macht gepachtet zu haben. Das wäre eigentlich ganz amüsant, denn Rhodan und seine Freunde treten ebenfalls mit diesem Selbstverständnis auf. Allerdings haben sie sich das Vertrauen durch Taten auch verdient. Und nun treten ein paar Möchtegern-Unsterbliche auf, die die Dinge selber regeln wollen. Aber diese naiven Beschreibungen in den Romanen zu diesem Thema rufen eher Unwillen als Interesse bei mir hervor. Sind die Geschichten einfach nur ungeschickt geschrieben? Oder will man mit dieser Vorgehensweise, die von den Kastellanen an den Tag gelegt wird, tatsächlich etwas erreichen? Fällt das Thema am Ende in die Rubrik „Guckys Tod“ und einer in den sozialen Medien verbreiteten Nachricht der Redaktion? „Tut uns leid, wir dachten, ihr Leser würdet es auf Anhieb begreifen, aber wir haben uns geirrt und schicken die Kastellane wieder schlafen.“
Zurück zu diesem Roman von Leo Lukas. Der Österreicher tut mal wieder das, was in ähnlich gelagerten Fällen zum Standard-Repertoire eines Rhodan-Autors gehört. Er lässt die Helden schlecht aussehen. Reginald Bull wirkt inzwischen tatsächlich beeinflusst. Zumindest indisponiert. Ansonsten darf er bei Leo Lukas hin und wieder grummeln. Die Auseinandersetzung mit den Kastellanen wird in den sozialen Medien des 21. Jahrhunderts NGZ geführt. Die Regierung ist still, kein Minister meldet sich, kein Regierungssprecher gibt ein Statement ab, kein Expertenrat macht Empfehlungen, keine hervorgehobene Figur des öffentlichen Lebens mischt sich ein, kein anderes Organ der Gewaltenteilung tritt in Erscheinung. Stattdessen sind es die kleinen Figuren, die der Liga Beistand leisten oder sich auf die Seite der Kastellane schlagen.
Zum Standard-Repertoire eines Rhodan-Autors gehört natürlich auch, in so wichtigen Romanen die entscheidenden Fragen nicht zu stellen. Bspw. die nach dem Zeitpunkt des Begebnisses, wonach angeblich die Kastellane erweckt wurden. FENERIKS Havarie liegt schon ein Jahrzehnt zurück. Wenn dies denn das Begebnis sein soll. Die Kastellane führen an, dass die Zeit ein entscheidender Faktor sei. Warum schlummern sie dann so lange? Und wer hat sie eigentlich geweckt? Eine nicht unbedeutende Frage ist auch, warum es der Machtenthebung Reginald Bulls bedarf, wenn die Kastellane als Liga-Kommissare eingesetzt werden könnten? Leo Lukas schickt stattdessen die Crème de la Crème auf den Mars, lässt sie wie artige Schüler ein paar unbedeutende Fragen stellen und das war‘s. Bulls Stellvertreter schmiert sich dann noch ein paar Stullen und lauscht, wie die Demokratie, die er doch vehement verteidigen soll, den Bach runtergeht. Herrlich arglos das Ganze.
Abgesehen von einigen humorigen Einlagen ließ die Geschichte es vor allem an Ideen vermissen. Die vielen Wiederholungen und die Glossareinlagen bringen das deutlich zum Ausdruck. Der Autor wirkte in diesem Roman mehr wie ein Berichterstatter von Ereignissen, die die eine Hälfte der Zuhörer schon kennt und die andere Hälfte nicht interessiert. Er versucht zwar, das Beste daraus zu machen. Nur gelingt ihm das nicht. Witzig ist eigentlich nur, dass Leo Lukas seiner Figur des Touristenführers auf der Venus gleicht. Er erzählt längst bekannte Wahrheiten, verspricht Überraschungen und aufregende Erlebnisse. Doch in Wahrheit geht es uns wie der Touristengruppe bei der Ankunft. Wenig spektakuläres. Da muss der Touristenführer, resp. der Autor im nächsten Roman eine Schippe drauflegen.
 

Ansichten zur Miniserie Wega Heft 11

Der Bastardprinz – von Ben Calvin Hary
Im Wegasystem hat der Wissenschaftler Kilian Gavril eine Apparatur entwickelt, um den systemumspannenden Schirm der Maccani zu durchbrechen. Ein Beiboot der MARCUS EVERSEN, die Korvette BRAHMAPUTRA, wird damit ausgerüstet. Mit Gillian Wetherby an Bord wird ein erster Versuch gestartet. Der Wellenexzenter wird gegen einige Rotationsemitter der Maccani zum Einsatz gebracht. Tatsächlich gelingt es, mehrere der Satelliten zu zerstören und für einen kurzen Moment sind die Sterne der Milchstraße zu sehen. Doch der Einsatz bleibt nicht unbemerkt. Die Maccani rücken vor und die Terraner müssen fliehen. Kurze Zeit später erscheint die DERFAAR der Blau-Nakken und repariert den angerichteten Schaden. Amildok ist doch noch nicht auf die Seite der Terraner gewechselt wie Rhodan gehofft hatte.
Die Nadelstiche, die von den Terranern gesetzt werden, rufen den Bastardprinz auf den Plan. Krakatau lebt schon länger, als es die Terraner ahnen. Als Gucky in der Vergangenheit auf Tramp mit dem Roboter Siebenbruch im Konflikt war, hat der Ilt ohne es zu ahnen, eine verhängnisvolle Geburtshilfe geleistet. Im Kampf beschädigte er Siebenbruch mit einem Strahlerschuss. Dieses Ereignis ließ die programmtechnischen Blockaden lösen und half dem Bio-Plasma zu eigenständigem Denken. Über die Jahrtausende hat Siebenbruch versucht, auch andere seiner Art zu einer eigenständigen Existenz zu verhelfen und scheiterte. Schließlich wurde er von einem anderen Roboter gefunden und es entstand der Bastardprinz.
 
Ben Calvin Hary liefert die Lebensgeschichte des Bastardprinzen. Krakatau hatte ich gleich zu Beginn der Serie im Verdacht, eher ein Roboter als ein organisches Wesen zu sein. Und dass die Roboter auf Guckys Heimatwelt etwas mit den Maccani gemein haben, hatte sich schon in den auf Tramp spielenden Romanen angedeutet. In der Historie der Figur, die in unzähligen Versuchen einen gleichartigen Gesprächspartner schaffen will, gab es zwei interessante Beschreibungen. Zum einen, dass es Gucky war, der Krakataus Entstehung eingeleitet hat. Zum anderen die Erzählung von Rhodans Landung auf Tramp aus dem Blickwinkel von Siebenbruch. Zwei schöne Ideen. Der „Adoption“ des ehemaligen Roboters durch einen anderen Roboter, dem „Herrn“, war allerdings nicht so dramatisch, wie es der Autor schildert. Natürlich soll die Identität des Herrn noch nicht verraten werden. Aber diese Fixierung auf den 12. Band der Serie ist mir zu übertrieben gestaltet. Wir haben nun also Roboter, die sich hin zu Organischen entwickelt haben. Wie die Geschichte zeigt, sind es hauptsächlich körperliche Veränderungen. Das „Gehirn“ denkt immer noch positronisch. Der, in welchem Umfang auch immer, vorhandenen Bio-Zusatz, scheint vor allem keine Moral entwickelt zu haben. Oder der „Herr“ hat dies in seinem Sinn beeinflusst. Es wäre interessant, wenn sich herausstellen würde, dass der Herr von Krakatau und den Maccani einen umgekehrten Weg gegangen ist. Ein Organischer, der Moral hatte und sich in einen Roboter verwandelt hat oder verwandelt wurde und nun vom Hass getrieben wird.
Neben den Kapiteln, die sich mit Krakataus Herkunft beschäftigen, füllt der Autor den Roman mit Aktionen rund um eine neue Waffe des Wissenschaftlers. Die Terraner schaffen zwar keinen Durchbruch aber immerhin den Abzug der Unterstützer der Maccani. Die geschilderten Raumkämpfe erinnern in Stil und Ausführung an Romane der Serie aus der Frühzeit. Wenig plausibel und eindeutig der Dramaturgie untergeordnet. Hin und wieder verliert der Autor den Überblick. Beispielsweise beim Manöver von Krakataus Schiff, das zunächst 300 Millionen Kilometer wegfliegt, dann „brutal“ die Richtung wechselt, nur 5 Kilometer von der BRAHMAPUTRA entfernt aus dem Linearraum kommt und 1 Seite später langsam in Schussreichweite gelangt. Aha. Und damit auch die Figuren ein wenig Konflikte austragen können, darf sich Gillian ein wenig mit der Kommandantin der BRAHMAPUTRA kabbeln. Das wirkte arg aufgesetzt. An einer Stelle sehen sich die Maccani auch durch ihr positronisches Denken den Terranern bei den Manövern überlegen. Als hätten die Terraner keine Positroniken, die sie unterstützen.
Schließlich bekommt der Herr des Bastardprinzen noch einen Kurzauftritt. Er hat sein kleines Schreibbüro im Übrigen neben dem von Krakatau. Das ist praktisch, als Krakatau zu ihm läuft und sein Versagen eingesteht. Davor hat der Autor aus reiner Verzweiflung, weil die Figur einfach nicht mehr hergab, Krakatau noch ein paar Gräueltaten verüben lassen. Nun kümmert sich der Herr selbst um die Angelegenheit. Warum nicht gleich so, ist das erste, was mir durch den Kopf ging. Krakatau ist einfach eine furchtbar misslungene Figur in der Miniserie. Ben Calvin Hary geht auch nochmal auf die Szene ein, als Rhodan und Wetherby die Gelegenheit hatten, Krakatau zu einem früheren Zeitpunkt auszuschalten. Rhodans Erklärung, resp. Harys Erklärung dazu ist kraftlos. Aber immerhin hat sich der Autor an der Szene probiert. Andere Gelegenheiten, den Bastardprinz zu späteren Zeitpunkten loszuwerden, werden nicht thematisiert. Dieser Gegenspieler belegt im unglaublich reichhaltigen Rhodan-Kosmos die letzte Position auf der Rangliste der Bösewichte.
Vor seinem Abflug lässt Amildok mal wieder eine Kiste fallen, aus der Bully und Gucky gekrochen kommen. Bereit zum Finale.