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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3114

Das Chaos auf Ariel – von Leo Lukas
Der TLD-Agent Anselm Harriman tritt im Archiv der Merkwürdigkeiten seinen Dienst an. Es ist der erste Posten für den jungen Mann nach seiner Ausbildung. Das Archiv liegt auf dem Uranus-Mond Ariel. Die einzige Siedlung in der Nähe ist die Winterstadt. Die dort lebenden 250.000 Terraner sind ein zurückgezogen lebendes Völkchen. Jahrhunderte lang waren sie in der cairanischen Epoche ohne Kontakte zur Außenwelt. Das Archiv hat die Aufgabe, Wissen analog abzuspeichern. Der Posizid ist allen noch in Erinnerung. Da die Arbeiten von Robotern erledigt werden, ist der Posten entsprechend langweilig.
Doch das soll sich ändern, denn die Meute vom Chaoporter FENERIK nähert sich an Bord der LUPPASH XVI dem Solsystem. Auf Terra ist man vorbereitet. Der TLD-Chef weiß aus den Aussagen der drei Deserteure, dass FENERIK jemanden schicken wird. Man will sich nicht in die Defensive drängen lassen. Von daher werden die Terraner den ersten Schritt tun und eine Falle für die Meute stellen.
Aurelia Bina und Fedor Grimm werden mit dieser Aufgabe betraut. Sie lancieren die Information, dass einer der Deserteure nach Ariel verlegt wurde. An Bord der LUPPASH XVI, die inzwischen ins System eingeflogen ist, erhält der Meutenführer Jochzor diese Nachricht. Er lässt die Springerwalze auf Ariel abstürzen. Aurelia Bina und Fedor Grimm sind nun ebenfalls vor Ort. Die Posmi soll als Köder dienen und tarnt sich als der Laichkange Hookadar. Während auf dem Medoschiff CLAUDIA CHABROL die verletzten Mehandor versorgt werden, will Aurelia Bina die Meute Jochzor überlisten. Doch die Jäger des Chaoporters lassen sich nicht so einfach einfangen.
 
Die Meute Jochzor hat das Solsystem erreicht. In diesem zweiten Band, der das Thema behandelt, bringt Autor Leo Lukas Abwechslung in das Geschehen. Zwar taten sich die Vertreter des Chaoporters schon im letzten Roman nicht als blutrünstige Bestien hervor, dennoch hat der Auftritt der Meute im zweiten Teil eine andere Beschreibung verdient gehabt. Und Leo Lukas liefert eine solche. Die Bedrohung durch die Agenten des Chaoporters ist real und doch treibt der Autor die Handlung mit viel Witz, mit Ironie und immer einen lockeren Spruch voran.
Trotz dieser gehörigen Portion Humor gleitet die Geschichte nicht ins komödiantenhafte ab. Wohl dosiert, an den richtigen Stellen, schimmert stets die Gefahrenlage durch und beeinflusst das Figurenhandeln. Auch Szenen, die Sensibilität erfordern, wie beispielsweise Aurelias Begegnung mit Aoshana, kann der Autor mit Witz füllen und zeigt Gespür für die Situation. Das Zusammenspiel von Aurelia Bina und Fedor Grimm und die Beobachtungen und Kommentierungen dieser Figuren, waren die Highlights der Geschichte.
Zwei Inhalte in diesem Roman, der mich gut unterhielt, will ich dennoch etwas kritischer betrachten. Bei einem Element in der Story raufe ich mir die nur noch spärlich vorhandenen Haare. Es gibt also einen Außenposten des TLD, in dem eine Handvoll Roboter daran arbeiten, das immense Wissen der gesamten bekannten Milchstraße analog zu kopieren. So steht es auf Seite 57. Ich schätze mal, dass nur alleine das täglich hinzukommende Wissen eines einzigen Planeten, wie bspw. Terra, die Roboter bei ihrer Arbeit hoffnungslos überfordern würde. Von Bestandsdaten oder historischen Daten, über Jahrtausende gesammelt, ganz zu schweigen. Dies in analoge Medien zu überführen, halte ich für ausgeschlossen. Die Station wirkt etwas mickrig für dieses Vorhaben. Das Wissen der gesamten Milchstraße auf analogen Medien zu speichern ist daher der größte Gag des Romans. Ist das witzig oder wahnwitzig?
Noch etwas fällt auf. Der Geheimdienst der Liga ist so ziemlich in allem involviert, was im 21. Jahrhundert NGZ so passiert. In beinahe allen Romanen begegnen uns TLD-Agenten. Es mutet schon ein wenig paranoid an, wenn die Autoren selbst solche Aufgaben, wie die Archivierung von Wissen, von Geheimdienstmitarbeitern erledigen, bzw. beaufsichtigen lassen. Bibliothekare, Archivare, Lehrer, Hochschulmitarbeiter, Verwaltungsangestellte, Katastermitarbeiter etc. scheint es in der Zukunft der Perry Rhodan-Serie nicht mehr zu geben. Alles wird von TLD-Agenten erledigt. Egal, wohin man kommt, ein TLD-Agent steht schon bereit. Gab es in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts alter Zeitrechnung nicht mal im anderen Deutschland eine ähnliche Institution, die mit hauptamtlichen und nebenamtlichen, äh ehrenamtlichen Mitarbeitern ähnlich präsent war? Oh, halt! In der heutigen Zeit sollte ich jetzt wohl anmerken, dass dies spöttisch gemeint ist. Persiflagen werden heutzutage nicht mehr von allen erkannt.
Es wäre schön, in einem der nächsten Romane mal zu lesen, dass der TLD keine Mitarbeiter vor Ort hat. Ansonsten, kurzweiliger Roman!