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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3103

Angriff des Lichtfressers – von Christian Montillon
Während Perry Rhodan und weitere Terraner auf der Welt der Bhanlamurer noch im Einsatz sind, nähert sich der BJO BREISKOLL ein Agent des Chaoporters. Das Zyu startet einen Angriff auf das Raumschiff. Perihan Leko, die Orterin der BREISKOLL, hat eine kurze Wahrnehmung eines amorphen Etwas im freien Raum. Das Phänomen verflüchtigt sich sofort. Dabei ist diese Wolke längst in den Kugelraumer eingedrungen und verteilt seine Masse über das gesamte Schiff. Das Zyu beobachtet die Terraner, sammelt Wissen, deckt Schwachstellen auf, um anschließend BJO, die Biopositronik zu infiltrieren und die Funktionen des Schiffes zu übernehmen.
Das Zyu ernährt sich von Licht. Es entdeckt, dass die Besatzung des Schiffes eine Bioelektrizität aufweist und ernährt sich auch davon. Es gibt Todesopfer. Die Mutantin Anzu Gotjian kann das Zyu wahrnehmen. Bevor überhaupt effektive Abwehrmaßnahmen ergriffen werden können, manipuliert der Agent des Chaoporters die Atmosphäre an Bord der BJO BREISKOLL. Ein Großteil der Besatzung halluziniert. Anzu kann sich mit zwei Cheborparnern, einem Topsider und einer Ferronin verschanzen.
Das Zyu erkennt die Paragabe in Anzu und will sie sich einverleiben. In höchster Not sendet die Mutantin einen telepathischen Hilferuf an Gucky aus. Der Ilt ist zusammen mit Perry Rhodan zur BJO BREISKOLL unterwegs. Aber wird er rechtzeitig eingreifen können? Und wie kann das Zyu bekämpft werden?
 
Der Roman von Christian Montillon kann wieder einmal beispielhaft dafür stehen, wie bestimmte (SF)-Themen unterschiedlich erzählt werden können und damit unterschiedliche Geschmäcker bedienen. Michael Marcus Thurner, der schon häufiger Geschichten dieser Art ablieferte, hätte den Roman möglicherweise anders geschrieben. Vielleicht härter und mit noch mehr Dramatik. Ob er den Ausgang der Geschichte anders geschrieben hätte, darf indes bezweifelt werden. Thurners Romane über den ausweglosen Kampf von Raumschiffsbesatzungen gegen mörderische Eindringlinge hatten schlimmere Ausgänge. Diese Geschichte darf, bzw. muss jedoch weitergehen, weil es das Exposé so vorsieht.
In den letzten Romanen vermisste ich zuweilen die Spannung. Christian Montillon greift in seiner Geschichte auf Suspense zurück und setzt damit auf ein Mittel mit dem geringsten Aufwand und eines, das immer noch am besten geeignet ist, Spannung zu erzeugen. Als Leser der Geschichte weiß ich mehr als die Figuren. Einerseits wird mir das Wissen aus der Sicht des Angreifers vermittelt, weil der Autor auch dessen Perspektive eingebaut hat. Andererseits, weil in Zwischensequenzen die Schicksale einzelner Besatzungsmitglieder geschildert werden. Lange bevor andere Figuren auf die Vorgänge im Schiff aufmerksam werden. Die im Roman eingesetzte Darstellung von Gewalt steht nie im Vordergrund. Der Autor vermittelt in diesen Szenen lediglich geschickt die Bedrohung für die Figuren.
Im starken Kontrast zu diesem Bedrohungsszenario stehen die Handlungen und die Dialoge der Figuren. Nicht erst als Gucky bei seinem Eingreifen das Zyu mit „Meister Nebeldings“ tituliert. Auch schon vorher nivelliert der Autor das Geschehen mit humorigen Dialogen. Das erhöhte wiederum die Spannung, weil ich als Leser gelöste und launige Figuren als noch stärkeren Kontrast zu anderen (mir als Leser bekannte) Szenen des Romans empfinde. Das ganze wirkte aber auf mich keinesfalls aber wie eine Horrorkomödie. Der Autor schafft eine gute Balance. Das Grauen wird nicht heruntergespielt, es wird aber auch nicht überzogen. Der Autor erreicht dies durch die besonderen Figuren. Die beiden Cheborparner, die sich in einer Küche verschanzen, den Topsider „Kroko“, der Humorlektionen erhält und eine Ferronin, die sich tapfer der Bedrohung stellt.
Was mir nicht so zusagte, sind die Schilderungen von Anzus Fähigkeiten. Mit Psi-Fähigkeiten ist das so eine Sache. Sind sie einigermaßen klar definiert, wie im Falle von Gucky, hilft mir das beim Einsortieren einer Geschichte. Mit Anzu und ihren „undefinierten“ (bislang jedenfalls) Fähigkeiten tue ich mir schwer. Eine kosmische Seherin, die passende Eindrücke quasi ad Hoc geliefert bekommt, kann auf Dauer ziemlich frustrieren. Setzt man diese Figur häufiger so ein, fände ich das nicht gut. Vielleicht hat der Autor das aber auf dem Bildschirm und hat sie deshalb erstmal ins Koma geschickt.
Der im Roman gefallene Begriff der Chaoversalen Querung lädt zum Spekulieren ein. Der Chaoporter streift ziellos umher und arbeitet nach dem Prinzip der Serendipität. Eine zufällige Beobachtung von etwas ursprünglich nicht Gesuchtem, das sich als neue und überraschende Entdeckung erweist. Und FENERIK ist nicht einfach nur havariert. Er ist zuvor mit etwas kollidiert. Die Frage die sich stellt, ist, ob sich dies als glücklicher Zufall für die Milchstraße herausstellt oder ob erst durch dieses Unglück die Milchstraße in den Fokus der Chaotarchen geraten ist.
Ein spannender und unterhaltsamer Roman. Das Tempo zu Beginn des Zyklus stimmt auch hier.