Articles for this day of 10. Januar 2021

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3099

Die Kinder der Milchstraße – von Michael Marcus Thurner
In M13 ist die Situation eskaliert. Das Sternerad der Cairaner kann nicht mehr kontrolliert werden und wird bald in die Bleisphäre eintreten. Fluchtartig verlassen die Schiffe der Galaktiker über die Lichtschleusen das ausgediente Machtmittel der Cairaner. In dieser Lage trifft nun auch Reginald Bull am Ort des Geschehens ein und begibt sich an Bord der RAS TSCHUBAI. Dort ist man hilflos, angesichts der immer heftiger werdenden Wechselwirkungen zwischen Sternenrad und Bleisphäre. Opt-Atlan hat sich mit dem Supramentum gegen die Cairaner gewandt. Seine Schöpfer rufen die Galaktiker nun offen um Hilfe. Doch weder Markul agh Fermi noch Reginald Bull haben die Mittel zum Eingreifen. Wenn überhaupt, dann sind es Perry Rhodan, Gucky und Zemina Paath, die noch Einfluss nehmen können.
Die haben inzwischen den Golem erreicht, der kurz vorm Eintreten in die Bleisphäre steht. Das Schiff und seine Besatzung sind dabei, sich ständig zu verändern und zu etwas neuem zu transformieren. Nach seiner mnemo-mentalen Begegnung mit Mu Sargai erwacht Atlan aus seinem Schlaf und sieht sich Opt-Atlan gegenüber. Der Unsterbliche handelt sofort und greift sein Bioduplikat an. Der optimierte Atlan ist jedoch ein stärkerer Gegner als erwartet und Atlan flieht zunächst und versteckt sich an Bord des Golem. Zemina Paath versucht indessen Opt-TOIO, das Schiffsgehirn zu beeinflussen. Das gelingt nur teilweise. Perry Rhodan und Gucky müssen für Ablenkung sorgen. Zemina Paath ist zudem abgelenkt, denn sie spürt ihre Vertex-Schwester an Bord des Golems.
Jasmyne da Ariga hat inzwischen realisiert, dass Opt-Atlan Schwäche zeigt. Sie setzt sich mehr und mehr gegen den Initiator der Aktion durch. Ein Zeittorpedo soll in den Weißen Schirm gesteuert werden. Das Geschoss würde so an den Anfang des Universums geschleudert. Im Dilatationsflug soll der Torpedo in die Zukunft fliegen und die RAS TSCHUBAI im Moment ihres Erscheinens treffen. Damit soll Rhodan neutralisiert werden. Opt-Atlan zögert. Für ihn ist das Plan B. Doch Jasmyne da Ariga startet den Torpedo.
Zeitgleich hat Perry Rhodan eine starke Erinnerung, die sich in den Vordergrund drängt. Er erinnert sich der Begegnung mit Zemina und an die Zerstörungen an der RAS TSCHUBAI, als hätte sich etwas gewaltsam seinen Weg durch das Schiff gebahnt.
Opt-Atlan und da Ariga müssen akzeptieren, dass der Torpedo zwar sein Ziel nach Milliarden Jahren getroffen hat. Es ändert aber nichts daran, dass dieser Perry Rhodan sich an Bord des Schiffes befindet. Es kommt zum offenen Kampf zwischen Opt-Atlan und Perry Rhodan, in dem dann auch Atlan eingreift. Der Golem ist in die Bleisphäre eingetreten. Und auch das Sternenrad der Cairaner. Zemina Paath ergreift das Zepter. Sie schwingt sich zur Kommandantin des Supramentums auf. Sie ist die Kundschafterin, die den Golem in den anderen Zwilling des Universums führen soll und das Gebilde Emlophe gleich mit. Mit Hilfe des Paau transferiert sie die fehlenden Gehirnfragmente von Jasmyne da Ariga wieder in ihren Kopf. Und sie will auch mit Hilfe des Paau die Ritteraura von Atlan lösen. Letzteres misslingt zwar, aber der Golem kann bei der Operation einen Abglanz von Atlans Aura erfassen und in die mit Psi-Partikeln gespickte Hülle der Opt-THORA einspeisen.
Nun sind alle Voraussetzungen für den Transfer über die Zerozone in den anderen Zwilling gegeben. Mit dem Paau reisen Atlan, Perry Rhodan und Gucky zur RAS TSCHUBAI zurück. Auch der junge Aipu trägt nun seinen Teil zum Transfer bei. Mit dem Paau und dem Nashadaan verabschiedet er sich von seiner Mutter und fliegt zum Golem. Auch das Ewige Imperium unter Tormanac da Hozarius sieht nun seine Chance gekommen. Alle EPRIK-Raumer dringen in die Bleisphäre ein. Der Imperator hat eine letzte Botschaft an Perry Rhodan. Er sieht einen Schatten über der Milchstraße. Etwas, was dem Leben hier an die Substanz gehen könnte. Perry Rhodan erinnert sich an Gry O’Shannon, die davon sprach, einen Dunklen Glanz an der Milchstraße bemerkt zu haben. Am Ende sind Sternenrad und Golem verschwunden. Die Bleisphäre löst sich auf und die Arkon-Welten kommen zum Vorschein. Sie sind wohl in Stasis gefangen gewesen. Auf Arkon I geht wieder die Sonne auf.
 
Autor Michael Marcus Thurner beginnt seinen Roman mit Reginald Bull. Das ist einigermaßen überraschend. Spielt diese Figur doch im jetzt zu Ende gehenden Mythos-Zyklus nur eine kleine Rolle. Zur Präsentation von Band 3000 habe ich vor zwei Jahren an dem kleinen Jubiläums-Con in München teilgenommen. Und damals den Worten des Exposé-Autoren Wim Vandemaan gelauscht, der dem ewigen Zweiten der Serie in den Mittelpunkt stellte. Reginald Bull hat die 500 Jahre der cairanischen Epoche „mitgemacht“, sie erlebt. Perry Rhodan, Atlan, Gucky hingegen, sind gerademal zwei Jahre aktiv gewesen. Diese Zeit von 500 Jahren für Reginald Bull, so Wim Vandemaan, wird ihre Spuren hinterlassen. Und ganz am Anfang des Zyklus, als sich die Leser fragten, was denn nun mit Bully los sei, wurde das Thema Reginald Bull auch mal angerissen. Auch die Frage, ob er sich geändert haben könnte. Und als Leser fragte ich mich, was diese Figur in den 500 Jahren denn eigentlich so getrieben hat. Und dann, dann war plötzlich Schluss mit der Figur. Den Fragen, was die 500 Jahre aus Bull gemacht haben könnten, welchen Einfluss sein chaotarchisch geprägter ZA auf ihn nimmt, wie ihn die fehlende Familie, die nicht zurückkehrenden Freunde belastet haben. Das wurde plötzlich nicht mehr thematisiert. Und jetzt nimmt ihn Thurner in den Roman auf. Warum? Ich weiß es nicht. Bull passt nicht in diese Geschichte. Es ist wohl so, dass man sich seiner erinnert hat und wohl der „Vollständigkeit halber“ mit hereinnahm. Dann doch bitte besser verzichten. Seine Anwesenheit bewirkte nichts.
Die Opt-THORA nimmt nun, auf den letzten Metern, in ihrer Entwicklung auch an einer Fahrt auf, die man ebenso früher hätte ansetzen müssen. Ein Hybrid entsteht. Wie und warum bleibt weitgehend im Dunkel. Aber der Autor hat schon immer ein Faible für bedrohliche Atmosphären an Bord von Raumschiffen gehabt. Trotz aktiven Einschreitens sind die Figuren Perry Rhodan, Atlan und Gucky weitgehend machtlos. Für Perry und Atlan bleibt es bei ein paar wilden Prügeleien mit Opt-Atlan. Gucky ist als Spannungskiller mit dabei. Kann aber glücklicherweise auch nichts bewirken.
Zemina Paath, die 95% des Zyklus als die Frau mit dem „hautengen Anzug, der auch die Zehen umschloss“, abgemeldet war, ist nun die Nummer 1. Sie erkennt ihre Aufgabe und führt die Mitglieder der Vecuia ins gelobte Land. Vorher wird noch die Beschädigung der RAS TSCHUBAI in band 3000 geklärt. Letze Woche tat das Exposé-Team schon einen tiefen Griff in die Serienhistorie und beleuchtete Atlans Erlebnisse hinter den Materiequellen. Nun wird nochmals auf die Frühzeit der Serie referenziert. Vandemaans Lieblingskinder, die MDI, spielten Opt-Atlan die Idee zu, mit einem Zeittorpedo ein Zeitparadoxon herbeizuführen. Die Umsetzung ist, gelinde gesagt/ausgedrückt, hanebüchen. Apropos Lieblingskinder. Die Kinder der Milchstraße, das ist Zeminas Eindruck von Perry Rhodan und Atlan. Während die weiter spielen dürfen, setzt Zemina ihr Leben als Erwachsene im anderen Zweig des Dyoversums fort. Dafür den Titel des Romans zu wählen, wäre mir nicht in den Sinn gekommen.
Am Ende wird, wie so häufig, einiges entsorgt. Das ewige Imperium tritt ab, die Bleisphäre, eine Hinterlassenschaft aus dem Atopen-Zyklus löst sich geradezu in Wohlgefallen auf. Der Zyklus beinhaltete zwei starke Elemente. Das eine war der Mythos Erde, das inzwischen gelöst wurde. Das andere die avisierte Flucht der Cairaner in einen Raum ohne Hohe Mächte. Dieses Motiv ist nicht neu. Im weitesten Sinne hat Thoregon etwas Ähnliches verfolgt. Auch die Sayporaner haben mit dem Neuroversum einen Raum erschaffen, der sie vor den Hohen Mächten verbarg. Nun das Dyoversum, als Rückzugsort vor den Hohen Mächten. Mythos Erde gefiel mir. Auch wenn die Umsetzung zu Zyklus-Beginn arg holprig war. Von der Handlungsebene der Cairaner in der Milchstraße fühlte ich mich nur selten angesprochen, bzw. mitgenommen. Ich bin jetzt tatsächlich froh, dass der Zyklus vorbei ist. Das habe ich, soweit ich mich erinnere, noch nie zu einem Zyklusfinale formuliert.