Articles for the Month of Oktober 2020

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3088

Gucky kehrt zurück – von Michael Marcus Thurner
Nach der Entführung durch die Cairaner wird Gucky in einem Alkoven gefangen gehalten. Drogen verhindern, dass er Zugriff auf seine Parakräfte erhalten kann. Wie viel Zeit vergeht, kann der Ilt nicht einschätzen. Er bereitet sich auf seine Flucht vor. Als sich jemand endlich am Alkoven zu schaffen macht, ergreift Gucky seine einzige Chance und flieht mit Hilfe der Schmerzensteleportation. Der Ilt erreicht den Andersraum und durchwandert ihn. Langsam kehren seine Erinnerungen zurück und zu seiner Überraschung ist er nicht alleine. Eine merkwürdige Karawane biologisch-technischer Wesen kreuzt seinen Weg und Gucky wird von ihnen mitgenommen. Während sie einem unbekannten Ziel zustreben kommt Gucky in Kontakt zu zwei Wesen, die ihm vertraut vorkommen. Die beiden mausbiberähnlichen Geschöpfe haben einen Translator, so dass nach einiger Zeit eine Verständigung möglich ist. Gucky erfährt, dass er in der Zero-Zone gestrandet ist. Seine Begleiter stammen von den Yllits ab, von denen Gucky schon gehört hat. Die beiden bezeichnen sich als Post-Yllits und haben ebenfalls Paragaben. Gucky wird vor die Wahl gestellt. Entweder in der Zero-Zone bleiben und mehr über diese Geschöpfe und damit womöglich mehr über etwaige Nachfahren der Ilts zu erfahren oder zurückzukehren und der Milchstraße im Kampf gegen die Cairaner zu helfen.
Gucky entscheidet sich für die Rückkehr zu seinen Freunden. Der Vorgang führt zum Verlust seiner Fähigkeit der Schmerzensteleportation. Er kommt auf der THORA heraus. Das Schiff ist in der Gewalt der Cairaner. Ein seltsamer Posbi namens Mevander ist sein einziger Gefährte. Gucky erfährt davon, dass die THORA zweimal existiert. Ein Nachbau des Schiffes ist mit Bioduplikaten der ehemaligen Besatzung in der Milchstraße unterwegs. So wie auch von ihm ein Duplikat geschaffen wurde, um seinen Tod vorzutäuschen. Der Ilt ist wütend. Während seine Parafähigkeiten noch nicht wieder vollständig zu Verfügung stehen, macht sich Gucky mit Mevander auf, die THORA zurückzuerobern. Dazu muss er die originale Besatzung finden und befreien. Den Cairanern steht ein heißer Tanz bevor.
 
Habe ich Gucky vermisst? 16 Wochen nach Guckys vermeintlichen Tod lässt Michael Marcus Thurner den Ilt wieder auferstehen. Parallel zum erscheinen dieses Romans brennt die Redaktion ein Feuerwerk an Aktionen ab. Da wurde der 23.10. (Erstverkaufstag von Heft 3088) zu einem Gucky-Tag deklariert. Fotos von und mit dem Ilt sollten eingeschickt werden und wurden auf einer Website gesammelt. Dem Heft wurde ein Poster des Tibi beigelegt. Siehe unten. Im Space-Shop gibt es ein Mousepad mit Gucky-Motiv zu erwerben. Ich tue mir in der Bewertung der ganzen Thematik schwer. War der Tod, den Leo Lukas in Heft 3072 behandelte, ein schriftstellerischer Unfall oder bewusst dilettantisch geschrieben? Sollte damit eine Reaktion der Leserschaft provoziert werden? Und sind die jetzt laufenden Aktionen somit von langer Hand geplant und damit gewollte Publicity? Oder wurde die PR-Redaktion tatsächlich von den Reaktionen der Leser nach 3072 überrumpelt und steuert nun mit einer Marketing-Offensive gegen?
Ich weiß es nicht. Aber die Macher der Serie nutzen die geschärfte Aufmerksamkeit, die ihnen der vermeintliche Tod des Ilts eingebracht hat und verstärken die Öffentlichkeitsarbeit.
Der Roman selbst bleibt ein wenig hinter den Erwartungen, die ich daran hatte, zurück. Das liegt aber auch daran, dass mich die oben erwähnte Öffentlichkeitsarbeit zu dem einen oder anderem Romaninhalt spoilerte. Außerdem treten Ereignisse ein, die zu erwarten waren, auch ohne gespoilert worden zu sein. Einem serientypischen Muster folgt bspw. Guckys Verlust der Fähigkeit der Schmerzensteleportation. Diese Fähigkeit hat der Ilt in der Vergangenheit erlangt, als er in einer schwierigen Phase seines Lebens war und die Autoren ihn in einer Art und Weise charakterisierten, die diese Figur seit dem nie wieder erlangt hat. Dieses Bindeglied schmerzt noch heute. Im wahrsten Sinne des Wortes. Sich davon zu trennen, heißt auch, den Ilt wieder etwas einzudampfen. Es heißt aber auch, dass die Thematik Zero-Zone zu den Akten gelegt werden wird. Es werden Weichen gestellt.
Thurners Roman ist insbesondere in der ersten Hälfte, als Gucky alleine auf sich gestellt ist und seine Gemütsbewegungen im Vordergrund stehen, stark. In der zweiten Hälfte werden die Emotionen zusehends durch Action verdrängt. Die Erlebnisse im Andersraum wurden, wie erwähnt, frühzeitig bekannt. Die Geschichte um die Bioduplikate wird aufgeklärt. Die Cairaner erhalten einen empfindlichen Dämpfer. Allerdings dürfte der entscheidende Anteil der cairanischen Pläne Atlan gewidmet sein. Und dessen Schicksal, damit meine ich den „echten“ Atlan, ist noch zu klären.
Gucky tut, was er am besten kann. Er mischt sich wieder ein. Habe ich ihn vermisst? Na ja, ein bisschen schon.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3087

Lausche der Stille! – von Oliver Fröhlich
Der cairanische Junge Aipu konnte von den Terranern und Halutern befreit und in Sicherheit gebracht werden. Seine Mutter Dupa Emuladsu, die an diesem Plan mitgewirkt hatte, wird von Nuanit Takkuzardse unter Beobachtung gestellt. Dennoch gelingt es dem TARA-Psi, sie ebenfalls zu befreien. Mutter und Sohn sind wieder vereint und das Einsatzteam sucht einen sicheren Zufluchtsort. Man erhofft sich Antworten von Aipu. Der Junge hat geheimnisvolle, mysteriöse Botschaften über die Superintelligenz HATH’HATHANG von sich gegeben. Er meinte, er sei das letzte Ereignis vor dem Horizont. Die Neige der HATH’HATHANG. Nun will das Team erfahren, was es damit auf sich hat. In Aipu schlummern Erinnerungen, die er nun von sich gibt.
Es ist die Geschichte der Hirtin Hathang aus dem Volk der Nou und einem Berg, der zu den Sternen reisen wollte. Hathang war eine Außenseiterin. Für ihre Anschauungen erntete sie bei anderen ihres Volkes im besten Fall Gleichgültigkeit. Häufig jedoch Geringschätzung. Bei ihrer Geburt soll es geschneit haben und die Flocken sollen ihren Körper umtanzt haben. Der Schnee soll aus dem Stillen Berg, einem Vulkan, gestiegen sein. Vor Äonen soll ein Himmels-Ei an der Stelle niedergegangen sein, an der sich jetzt der Stille Berg erhob. Die Hänge des Bergs gelten als Heiliges Land. Und Hathang genießt die Stille des Berges, an dessen Hängen sie ihre Herde gerne führt.
Eines Tages nimmt der „Berg“ Kontakt zu Hathang auf. Die Hirtin erfährt von dessen Wunsch, zu den Sternen zu reisen. Angefüllt mit neuem Wissen und neuen Ideen kehrt Hathang in ihr Dorf zurück und führt ihr Volk in die Zukunft. Organoide verbreiten sich und Jahrtausende später entsteht die Superintelligenz HATH’HATHANG.
 
Oliver Fröhlich steuert nach über einjähriger Pause seinen dritten Roman zum laufenden Zyklus bei. Man kann seinen Roman als klassische Geschichte beschreiben. Die Erzählungen, die die Entstehung einer Superintelligenz beschreiben, gehören seit Jahrzehnten zum immer wieder gerne gelesenen Repertoire des Weltraumepos Perry Rhodan. Über ES, ARCHETIM, SETH-APOPHIS, KAISERIN VON THERM und andere höhere Entitäten sind phantastische Geschichten geschrieben worden. Sie sind fester Bestandteil des Perry Rhodan-Kosmos. Mehr noch, sie bilden das besondere Kosmologie-Modell der Serie. Es sind fast immer herausragende Geschichten gewesen, die im Gedächtnis bleiben. Unerreicht in dieser Kategorie ist Heft 850, BARDIOC, von William Voltz.
Auch Oliver Fröhlichs Roman enthält großartige Momente, die in Erinnerung bleiben. Alleine dieses Wörtchen „Erinnerung“ wird vom Autor auf vielfältige Weise in der Geschichte verarbeitet. Das geht über die Wiederbelebung früherer Erlebnisse und Erfahrungen hinaus. Der Autor hat in Band 3030 die Lebensgeschichte von Sallu Brown geschrieben. Eine schöne Idee ist es hier, diese Lebensgeschichte mit der von HATH’HATHANG zu kombinieren. Der TARA-Psi nimmt aus der Ich-Perspektive an den Geschehnissen teil. Es gibt Parallelen. Die Außenseiterrolle, die sowohl Sallu als auch Aipu, als auch Hathang einnehmen. Und natürlich die Erinnerungen, die sowohl Aipu als auch Sallu belasten. Oliver Fröhlich gelingt eine Entwicklung von Sallu. Der will die Stille, die er so lange hat ertragen müssen, nicht mit alten Erinnerungen füllen. Sallu sieht sich am Ende die Bilder seiner Frau Aura ein letztes Mal an, um sie dann zu löschen. Starkes Ende für eine tolle Story.
 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3086

Aipus Spur – von Arndt Ellmer
Bouner Haad und insbesondere Tenshuun konnten die Strafaktion der Cairaner nicht verhindern. Allerdings wurde Tschirmayn nicht 450.000 Lichtjahre in den Leerraum versetzt, wie von den Cariranern geplant, sondern in den Halo der Milchstraße. Nun versucht der Einsatztrupp aus Terranern, TARA-Psi und den drei Halutern einen Weg aus dem Sternenrad zu finden, um endlich die gewonnenen Informationen an die Liga und andere Galaktiker zu übermitteln. Das Kleinraumschiff, der Schlitten, wie ihn die Haluter nennen, kann eine Lichtschleuse durch den Weißen Schirm nicht alleine bewältigen. Wie schon beim Eindringen in das Sternenrad muss ein geeignetes Raumschiff gefunden werden, das den Schlitten huckepack durch den Schirm transportiert.
Ein erster Versuch scheitert an den Kontrollen der Cairaner. Ein Schiff der Shenpadri scheint die Lösung zu sein. Doch nur der Haluter Madru Bem wird mit dem Schlitten den Ausbruchsversuch wagen. Die anderen bleiben im Sternenrad. Die Gruppe kommt wieder in Kontakt zu Dupa Emuladsu. Die Cairanerin ist überzeugt davon, dass ihr nur die Eindringlinge bei der Suche nach ihren Sohn Aipu helfen können. Das ist nicht unproblematisch. Bouner Haad hat zwar Aipu gesehen, als er Tenshuun befreite. Doch nun ist das Zentrum für die Steuerung des Hyper-Schubs noch stärker bewacht. Und die Jägerin Nuanit Takkuzardse ist der Gruppe dicht auf den Fersen. Und eine robotische Amme verbreitet merkwürdige Botschaften.
 
Der dienstälteste Autor beschäftigt sich erneut mit dem Sternenrad. Nichts gegen dieses interessante Machtmittel an sich, darin kann man noch einige spannende Geschichten ansiedeln. Aber „nur“ Aipus Spur zu folgen war für meinen Geschmack etwas dünne für diesen Handlungsort. Gut, es werden diverse Begrifflichkeiten zum Ende hin fallengelassen, die vielleicht später noch an Bedeutung gewinnen könnten. Nur sind es eben bloße Erwähnungen und kein Einbinden in eine spannende Handlung. Die Geschichte war bodenständig. Schwerpunkt waren viele Emotionen, Mutter-Kind-Beziehungen, Kindheitserinnerungen, mechanische Kindermädchen, etc. Bei „diesem“ Handlungsort will ich jedoch Exploration genießen. Die Figuren sollen sich explorativ verhalten. Diesen phantastischen Handlungsort untersuchen und erkunden. Davon enthielt die Geschichte nichts.
Der Roman von Arndt Ellmer beginnt etwas sperrig für meinen Geschmack. Die Dialoge wirkten etwas zu aufgesetzt, bzw. zu theatralisch. Bildeten die Figuren durch die erlebten Abenteuer zuletzt eine eingeschworene Gemeinschaft, platziert der Autor nun, wie ich finde ohne erkennbaren Anlass oder in Bezug auf ein bestimmtes Ereignis, ein paar gekränkte Beziehungselemente.
So mancher Gedanke der einen oder anderen Figur erscheint aus der Luft gegriffen und nicht immer plausibel im Kontext der Geschehnisse. In der zweiten Romanhälfte setzt Arndt Ellmer in seiner Handlung mehrfach auf das Element des Verwirrspiels. Wer bekommt die Gruppe zu fassen? Dupa Emuladsu oder Nuanit Takkuzardse? Wer verfolgt welche Pläne? Zu einer Geheimniskrämerei gestaltet der Autor auch das Spiel mit den Täuschungsmöglichkeiten der SERUNS. Einige der Aktionen sind mir dabei zu sprunghaft geraten. Letztlich wurden die „Handlungsziele“ wohl erreicht. Auf der Zielgeraden des Zyklus fehlte mir allerdings, wie im ersten Absatz erwähnt, eine dem phantastischen Szenario folgende atmosphärisch dichte und aufregende Handlung mit Wow-Effekten. In dieser Phase des Zyklus will ich Staunen. Mal sehen, ob das Oliver Fröhlich mit seinem Roman nächste Woche schafft.