Articles for the Month of März 2017

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2902

Im Sternenkerker – von Oliver Fröhlich – Handlung:

Nach dem angeblichen Mord auf Thooalon, den Vogel Ziellos und der Kosmopsychologe Ben Jello begangen haben sollen, finden sich die beiden an einem unbekannten Ort wieder. Vogel kann sich an kaum etwas erinnern und ihn überrascht die Anwesenheit von Lua Virtanen, dann erinnert er sich, dass sie und Gucky zu seiner Befreiung gekommen waren und ebenfalls in Gefangenschaft gerieten. Gucky fehlt, als Vogel, Lua und Ben sich in der neuen Umgebung orientieren. Thoogondu in alten, schäbigen Kleidungen umgeben die drei Terraner. Dazu andere Wesen. Sie sind in einem Gefängnis, das als Scuul bezeichnet wird. Schnell bemerken die Neuankömmlinge, dass hier eigene, brutale Gesetze herrschen. Die Neuankömmlinge werden als Frischfleisch bezeichnet. Ihnen wurden Gegenstände mitgegeben, die die anderen Gefangenen an sich nehmen. Auf diese Weise beschert das Goldene Reich die Insassen des Sternenkerkers. Der Gefangene Raagnul beobachtet das Frischfleisch. Er hält sie für Observanten, für Spione des Goldenen Reichs. Er will sie enttarnen.

Stunden zuvor hat Farye Sepheroa-Rhodan an Bord der BJO BREISKOLL Perry Rhodans Spruch an die RAS TSCHUBAI zur Nichteinmischung empfangen und interpretiert. Die BJO BREISKOLL soll eingreifen. Farye stellt ein Team zusammen. Donn Yaradua, der Metabolist, Bertrand Faust, Kommandant der LAURIN I, die Pilotin Lydia Brassac, Major Dja Dibaba und den Robotiker Quentin Slocombe. Das größte Problem stellt die Informationslage dar. Allerdings scheinen sich die örtlichen Behörden nicht um Geheimhaltung zu bemühen und die Hauptpositronik der BJO BREISKOLL kann im Zusammenspiel mit der Besatzung eine Übersicht der Geschehnisse zusammenstellen. Die Koordinaten des Scuuls, zu dem die Gefangenen transportiert werden sollen, sind unbekannt. Man fängt den Überstellungsbefehl der Gefangenen an den Pentasphärenraumer OONOM ab. Farye überlegt einzugreifen, als ein kleines Schiff die Gefangenen an Bord der OONOM bringt. Allerdings wäre das zu auffällig. Ihr Plan sieht vor, dass den Gefangenen scheinbar selbst die Flucht gelingen soll. Die Hilfe von außen muss unsichtbar sein.

Die Terraner folgen der OONOM, die ein Asteroidenfeld in 505 Lichtjahren Entfernung anfliegt. Farye wird unsicher. Was, wenn die Gefangenen nicht an Bord sind? Das Scuul entpuppt sich als ein in sich verschachtelter Haufen alter Raumschiffe von insgesamt 30 km Ausdehnung. Der einzige Zugang ist eine Art von Käscher, der eine kleine Kapsel der OONOM erfasst und ins Innere zieht. Die Ortung weist das Scuul als niederenergetisch aus. Auf den Asteroiden ringsum gibt es jedoch Abwehrforts. Farye schmiedet einen Plan. Sie opfert einige Space-Jets, die erfolglos und mit viel Getöns versuchen, zum Scuul vorzudringen. Es wird vorgegaukelt, dass ein einzelner Gefangener befreit werden soll. Der „Versuch“ misslingt.

Der erfolglose „Angriff“ hat den Terranern wertvolle Erkenntnisse verschafft. Jeder Versuch, das Scuul außerhalb des Käschers zu betreten oder zu verlassen, führt zur Vernichtung des Gefängnisses. Nun dringt die getarnte LAURIN I vor und die Mitglieder des Einsatzteams verschaffen sich getarnt über den Käscher Zutritt zu dem Gefängnis.

Vogel, Lua und Ben mussten Sichtungsrunden über sich ergehen lassen. Prügel und andere Gemeinheiten. Sie gehören einem Tryst an, einer Gruppe von Gefangenen, die mit anderen konkurriert. Es gibt auch Arena-Kämpfe, die dazu dienen, die Vorherrschaft zu regeln. Da es keine Schiffe gibt, kann man nicht fliehen. Luas tt-Progenitoren verschaffen ihr einen Überblick aber sie können das Scuul aus eigener Kraft nicht verlassen.

Farye und die anderen in ihren SERUNS verschaffen sich einen Überblick. Sie beobachten, dass Drogen konsumiert werden und sie beobachten einen Konflikt zwischen zwei Thoogondu, bei denen einer, der Thoogondu Basiir, einen Messerstich erhält. Donn Yaradua, der Metabolist greift ein. Seine Parafähigkeit erlaubt ihm die Gefühlswelt eines Wesens zu beeinflussen und begrenzt auch die Selbstheilungsfähigkeit anzuregen. Der Angreifer wird zu Shassonart, dem Anführer des Tryst gebracht. Das Team kann mit Shassonart sprechen und Donn Yaradua beeinflusst dessen Gefühlswelt.

Shassonart will nicht befreit werden. Er glaubt an seine Schuld. Er hat seine Familie getötet. Inzwischen machen Observanten Jagd auf die Eindringlinge. Das Team kann Gucky und die drei anderen befreien, bzw. zusammenholen. In dem Tumult wird Shassonart schwer verletzt. Gucky und Donn finden heraus, dass Shassonart ein verschleiertes Areal im Gehirn hat. Die Erinnerungen an den Mord wurden Shassonart implantiert. Vermutlich hat das Goldene Reich den Thoogondu doppelt bestraft. Für etwas, was dem Reich nicht passt und anschließend mit der Erinnerung an einen Mord, den er nicht begangen hat. Shassonart stirbt.

Mit einer List können die Terraner das Scuul verlassen und dabei den Eindruck erwecken, dass Gucky, Lua, Vogel und Ben dabei getötet werden. Allerdings nicht ohne Opfer. Ben wird von einem Observanten erschossen, der wiederum vom Gefangenen Raagnul getötet wird. Raagnul verschafft sich Zugang zu einem Fluchttransmitter der Observanten und flieht ebenfalls.

 

Rezension:

Der letzte Roman von Oliver Fröhlich in der EA liegt schon etwas länger zurück. Es war die Nummer 2865 im Juli 2016. Danach lagen noch die Romane der Serie Trivid, die er zusammen mit Christian Montillon verfasste. Die Romane von Oliver Fröhlich schätze ich sehr. Entsprechend freute ich mich über diesen Roman nach längerer Zeit.

Die Geschichte um den Sternenkerker schien mir zu einem recht frühen Zeitpunkt in diesem Zyklus eine Sackgasse zu beschreiten. Man geht diesen Weg (in ein Gefängnis) und muss im gleichen Roman den Rückweg antreten, um nicht auf drei sehr wichtige Figuren über längere Zeit verzichten zu müssen. Gleichzeitig musste dieser Roman auch etwas über das Goldene Reich vermitteln. Und dafür eignen sich Gefangene ganz besonders gut. Wer mit den Herrschenden in Konflikt geraten ist, gibt sich meist auskunftsfreudiger. Auch Technologie der fremden Sterneninsel galt es zu vermitteln, schließlich ist PR immer noch eine SF-Serie. Hier hält sich der Autor bedeckt. Die wenigen Informationen beeindrucken nicht. Andererseits, sollte das Goldene Reich sich als Gegner entpuppen, kann ein möglicher Konflikt auf Augenhöhe ausgetragen werden. Mit Onryonen, Tiuphoren und Gyanli hatten wir zuletzt allerdings genügend militärische Auseinandersetzungen.

Zurück zum Roman. Das Szenario entlockte mir auf den ersten 2 bis 3 Seiten zunächst keine Freudenstürme. Oliver Fröhlich beginnt seine Geschichte mit einem klassischen Aufbau. Gefangene erwachen in unbekannter Umgebung, werden misshandelt, geprüft und als Abschreckung wird schon mal was von Arena-Kämpfen eingeworfen. Das alles schien mir wohlbekannt. Aber der Autor macht was draus. Natürlich muss man sich ein Stück weit auf die Geschichte einlassen. Das ist mir gelungen und ich habe von da an den Roman in einem Rutsch durchgelesen.

Gut fand ich, dass Oliver Fröhlich den Ilt erst zum Ende hin einsetzt und die Gefangenschaft im Parakerker nicht weiter thematisiert. Stattdessen setzt der Autor auf die Gefühle und Beobachtungen von Vogel. Das Team um Rhodans Enkelin konnte mich ebenfalls überzeugen. Mit dem Metabolisten wird erstmals seit längerer Zeit mal wieder ein neuer Mutant auf Terranerseite eingeführt. Seine Fähigkeit erinnert mich ein wenig an Irmina Kotschistowa. Die konnte allerdings eher auf die Zellen eines Körpers einwirken, während Donn Yaradua auf den Geist und die Gefühlswelt einwirkt.

Man erfährt ein bisschen mehr über die Antriebstechnologie des Goldenen Reichs, über Waffen (mal wieder Torpedos) und Schutzschirme. Wichtiger war jedoch die Erkenntnis, dass das Goldene Reich mit dem implementieren von Erinnerungen sich nicht mehr ganz so goldig präsentiert, wie es sich anfangs gab. Allerdings überrascht das nicht. Die Figuren fanden schon im Vorgängerroman zahlreiche Hinweise darauf, dass in dieser Galaxis so einiges nicht stimmt.

Wie erwähnt, folgt der Autor einem bekannten Ablauf. Ein Gefangener beobachtet die Frischlinge und hält sie für Spione des Goldenen Reichs. Neben den Verhältnissen an sich wird schon zu Beginn ein weiterer Gegner eingeführt, der Vogel, Lua und Ben gefährlich werden kann. Ebenfalls früh im Roman gibt der Autor auch das Ziel aus. Die Befreiung muss so erscheinen, als hätten die Gefangenen es selbst geschafft. Damit kann der Status quo zwischen Rhodan und dem Reich zunächst aufrechterhalten werden. Etwas bange wurde mir, als der Autor die Hürden in seinem Roman doch ziemlich hoch legte. Nur 1 Zugang, bzw. Ausgang. Und wenn was anderes probiert wird, fliegt das Ganze in die Luft.

Tatsächlich schafft es Oliver Fröhlich, diese Hürden, die er selbst erstellt hat, dann tatsächlich mit einer gehörigen Portion Einfallsreichtum zu nehmen.

Ein schöner Roman mit vielen Einfällen, Ideen und Plänen und gut gezeichneten Figuren. Die Beobachtungen und Gefühle Vogels nach dem Erwachen sind intensiv geschildert. Sehr gut hat der Autor auch die Gedanken von Farye Sepheroa-Rhodan eingefangen, die mit zunehmender Dauer des Einsatzes, insbesondere während der Verfolgung des Gefangenentransports, unsicher wurde und nicht mehr sicher sein konnte, dass Gucky und Co an Bord waren.

Dafür, dass die Geschichte wie eine Sackgasse angelegt war (aus Exposé-Sicht) hat sich der Autor mit seiner Geschichte gut daraus befreien können. Im wahrsten Sinne des Wortes.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2901

Das Goldene Reich – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Nach mehrmonatigen Flug erreicht die RAS TSCHUBAI am 26. September 1551 NGZ die Galaxis NGC 4622. Hundertelf Millionen Lichtjahre von der Milchstraße entfernt legt das Schiff einen Zwischenstopp ein paar tausend Lichtjahre vor der Galaxis ein, um den letzten Kurs, den die Leuchtfeuer gewiesen haben, zu berechnen.

Nur kurze Zeit später geht ein Funkspruch ein. Ein humanoides Wesen meldet sich und drückt seine Freude darüber aus, dass Perry Rhodan den Weg nach Sevcooris gefunden hat. Der Fremde stellt sich als Saaperid vom Volk der Thoogondu vor. Sein Volk ist für die Ordnung und Zufriedenheit in Sevcooris zuständig. Die Gäste aus der ehemaligen Mächtigkeitsballung des Wanderers sind hochwillkommen, insbesondere Rhodan, den Saaperid als den Verantwortlichen für die Flucht des Wanderers bezeichnet.

Die RAS TSCHUBAI wird zum Planeten Thooalon eingeladen. Dort soll auch Puoshoor erscheinen. Puoshoor ist der Ghuogondu des Goldenen Reiches und der Sohn des Garanten. Der Garant ist der Herrscher des Goldenen Reiches und trägt den Titel Gondu.

Perry Rhodan lässt die BJO BREISKOLL mit Farye Sepheroa-Rhodan zurück. Eskortiert von einer kleinen Flotte unterschiedlicher Schiffstypen fliegt die RAS TSCHUBAI nach Thooalon. Die Pentasphärenraumer der Thoogondu sind beeindruckende Konstruktionen. Die GARANT-Klasse besteht aus 5 Kugeln aneinandergereiht, wobei die mittlere Zelle 1500m, die beiden danebenliegenden je 2000m und die äußeren je 1000m Durchmesser aufweisen. Transitionstriebwerke, die Lokatoren, treiben die Schiffe an.

Thooalon liegt 51.000 Lichtjahre vom Zentrum Sevcooris entfernt. Das System zeigt sich ohne Wachflotte und nur wenigen Wachforts. Mit mehreren Begleitern, darunter Sichu, Gucky, Lua und Vogel, landet Perry Rhodan auf dem Hauptkontinent. Die drei Ertruser-Drillinge Abcus, Betranc und Cyselius Gothwerth bilden den Geleitschutz. Auf dem Raumhafen der Stadt Goenetki wird den Besuchern ein Empfang zuteil und Rhodan als Erbe des Wanderers begrüßt. Saaperid gibt ein paar weitere Auskünfte. Das Goldene Reich, auch Gondunat genannt, umfasst 80.000 besiedelte Sonnensysteme. Es gibt weitere Völker, die von den Thoogondu beraten werden.

Nach dem Empfang erhalten die Besucher einen Rundflug über Goenetki und werden anschließend in einem Hotel einquartiert. Rhodan wird von Gucky wegteleportiert, da die Suiten abgehört werden. Der Ilt bezeichnet das Gondunat als Hegemonialmacht. Die anderen Völker akzeptieren diesen Status quo aber nicht allen gefällt es. Es gibt Ärger über die Überheblichkeit der Thoogondu. Thooalon ist nicht die Heimatwelt der Thoogondu. Die Koordinaten des Zentralsystems sind geheim. Eine große Raumflotte und die Paladischen Welten kontrollieren das Reich. Auf diesen Welten regieren Statthalter, die Mentoren. Hin und wieder hält der Gondu Hof auf den Paladischen Welten.

Am Abend gibt es ein Bankett. Danach zieht sich Perry Rhodan mit Sichu auf die RAS TSCHUBAI zurück, während weitere Besatzungsmitglieder den Planeten besuchen, darunter auch Karim Balthasar. Der Autist besitzt außergewöhnliche Fähigkeiten im Bereich der Spionage und hackt einen Computer, eine Neurotronik auf Thooalon. Er kann eine Unmenge an Daten erbeuten und seinen Eingriff verschleiern. Die wichtigste Information, der er sofort über Gucky an Rhodan weitergibt ist die, dass die Thoogondu ursprünglich aus der Milchstraße stammen. Sie sind das Vertriebene Volk.

Am 29. September trifft Rhodan den Nuntius Praanor, der den Unsterblichen auf den Besuch des Ghuogondu vorbereiten soll. Während des Gesprächs wird ein Zwischenfall gemeldet. Ein Thoogondu wurde ermordet und Vogel Ziellos und der Kosmopsychologe Ben Jello nach kurzer Flucht als Mörder identifiziert und festgenommen. Perry Rhodan kann es nicht glauben und begibt sich auf die Suche nach der Wahrheit. Der Tat soll ein Streit vorausgegangen sein. Vogel und Ben können sich an nichts erinnern.

Zunächst glätten sich etwas die Wogen, da nun der Ghuogondu Puoshoor eingetroffen ist. Die Thoogondu zeigen sich über die politischen Verhältnisse der Milchstraße gut informiert. Bei einem gemeinsamen Auftritt mit dem Sohn des Herrschers tritt Perry Rhodan auf die Euphoriebremse. Während Puoshoor nach dem Abzug des Wanderers eine Aufbruchsstimmung unter seinesgleichen erzeugt, betont Rhodan die engen Bande, die die Völker der Milchstraße zum Wanderer hatten. Er sieht sich momentan in der Phase der Neuorientierung. Da kommt die Nachricht herein, dass es einen Befreiungsversuch gegeben hat. Gucky und Lua sind dabei ebenfalls gefangen worden.

Der Ghuogondu teilt Rhodan mit, dass die vier Gefangenen in ein Weltraumgefängnis, einem Scuul, transportiert würden. Puoshoor sieht in Gucky einen Verräter und versucht Rhodan mit diesem Gedanken zu beeinflussen. Puoshoor betont noch einmal, dass sein Volk einst ebenfalls vom Wanderer freundlich angeschaut wurde, bevor es zum verlorenen Volk wurde. Während Perry Rhodan die RAS TSCHUBAI anweist, nichts zu unternehmen, erhält er einen Rafferspruch seiner Enkelin. Sie wird sich an die Fersen der Gefangenen heften.

 

Rezension:

In seinem Blog äußert sich der Autor Michael Marcus Thurner mit ein paar Gedanken zu Romanen eines Zyklusauftakts. Sie müssen

  • Einsteigerfreundlich sein, denn es beginnt ein neuer Handlungsabschnitt
  • Rätsel enthalten, die den Leser locken und verlocken
  • Spannung bieten
  • „einfach“ geschrieben sein. Altleser dürfen nicht durch Banalitäten oder Wiederholungen vergrault, Neu- und Wiedereinsteiger nicht durch einen Info-Overkill überfordert werden
  • eine Geschichte enthalten

Der Autor sah es als seine Aufgabe, die mit 2900 entsperrte Tür zu diesem Zyklus mit seinem Anschlussband einen Spaltbreit weit zu öffnen.

Letzteres tut Michael Marcus Thurner. Die Ankunft der RAS TSCHUBAI und ihrer Besatzung an einem nie vorher besuchten Handlungsort machten es notwendig eine Vielzahl an Informationen in diesem Roman unterzubringen. Das Auftreten Saaperids vom Volk der Thoogondu stellte bereits das erste Rätsel dar. Woher wusste der Fremde vom Erscheinungsort der RAS TSCHUBAI. Statt naheliegende Interpretationen zu suchen, wird allerdings Misstrauen gesät. Gibt es vielleicht jemand an Bord des terranischen Schiffes, der mit den Fremden unter einer Decke steckt?

In der Folge erschlägt der Autor den Leser mit immer neuen Informationen. Da die immer neuen Raumschiffe, Völker und einzelne Wesen aber nicht durch eine Geschichte vorgestellt wurden, blieb, zumindest bei mir, kaum etwas davon im Gedächtnis haften. Die Geschichte, die sein Band enthalten soll, beginnt Michael Thurner eigentlich erst mit dem vermeintlichen Mord auf Seite 44. Erst hier bekommen die Beteiligten, nämlich Opfer, Täter, Polizisten, Angehörige und andere Figuren mehr Tiefe.

In den ersten dreiviertel des Romans wurde ich etwas eingelullt. Die Vielzahl an Informationen einer fremden Galaxis, nie zuvor gesehenen Völkern, Planeten, Technologien, Kulturen, usw. waren ohne Geschichte etwas langweilig. Trotz kleinerer erster Zweifel, die der Autor seiner Hauptfigur Perry Rhodan, aus dessen Perspektive er das Geschehen zumeist beschreibt, in den Kopf setzt. Ich erwartete irgendwann das Platzen einer Bombe. Aber das passierte nicht. Der Mord und die ganze Art und Weise wie der Autor dieses Ereignis beschreibt, hinterlässt bei mir ein unbefriedigendes Gefühl. Einerseits war ich froh, dass nun etwas Schwung in die Geschichte kam, andererseits missfiel mir die Darstellung der Hauptperson Perry Rhodan und die Gestaltung der Aufklärung zu den Ereignissen. Rhodan hätte, gerade bei den Vorschusslorbeeren, die er bei den Thoogondu bekommt, durchaus ein härteres Auftreten an den Tag legen können. Zuviel Diplomatie für meinen Geschmack. Rhodan der Zauderer will ich nicht lesen. Und die Aufklärung? Die findet kaum statt. Ein paar Gespräche werden geführt. Technologisch scheint sich auch niemand die Mühe zu machen, dem Geschehen auf dem Grund gehen zu wollen.

In einen Erstkontakt einen Fallstrick einzubauen, ist jetzt nicht gerade eine epochale Idee. Das ungelenke Auftreten der Galaktiker nach Bekanntwerden der Vorwürfe schien nur dem Zweck zu dienen, den nächsten Roman vorzubereiten. Das geriet leider zu plump.

Der Roman war dennoch gut zu lesen. Allerdings hätte er deutlich besser werden können. Der Autor betont für den Erstkontakt, wie das Gespräch zwischen Rhodan und Saaperid von Xenopsychologen und Linguisten analysiert würde. Hier wären mal ein paar Ansichten aus deren Perspektive interessant gewesen. Thurner konzentriert sich dann doch alleine auf das Bauchgefühl des Unsterblichen. Und auch Rhodans Begleiter dürfen zwar mit auf den Planeten, haben aber kaum eigene Erfahrungen machen dürfen, zumindest keine, die der Autor in seine Geschichte einbaut. Alle wesentlichen Informationen erhält der Leser fast ausschließlich über die Hauptfigur.

Nur zu Beginn des Romans und auch später noch, als die Geschichte schon weiter vorrangeschritten ist, bekommen wir Einblicke in das Innenleben anderer Besatzungsmitglieder. Und zwar genau derer, die im Auftaktband 2900 eingeführt wurden. Aus deren Perspektive erleben wir ihr Erwachen und das Erwachen des Schiffes nach dem Hypertransflug, die Aufnahme des Bordbetriebes und ein paar Einblicke in das Privatleben. Da aber diese Geschichtchen insgesamt alle das Gleiche beschreiben, wäre etwas Abwechslung mit einer tatsächlich wahrgenommenen beruflichen Tätigkeit, z.B. eines Analysten für Fremdwesen, vom Vorteil gewesen.

Einzige Ausnahme bildet der Autist. Hier steigt der Autor etwas tiefer in die Welt dieses Menschen ein und zeigt zumindest Ansätze, wie Karim Balthasar mit seiner psychischen Erkrankung lebt. Seinen sozialen Umgang, seine Kommunikation und sich wiederholende Verhaltensweisen und Interessen.

Diese Figur könnte interessant werden, leider vermochte der Autor die besonderen Fähigkeiten von Karim Balthasar nicht adäquat auszudrücken. Der Autor bleibt beim Einsatz seiner Figur beim Überwinden der Neurotronik oberflächlich. Thurner kann „die Welt“ des Autisten nicht annähernd so interessant vermitteln, wie es wünschenswert gewesen wäre. Aber vielleicht gelingt dies einem anderen Autor. Es sind noch 98 Hefte bis Zyklusende.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2900

Das kosmische Erbe – von Verena Themsen – Handlung:

Im Mai des Jahres 1551 NGZ, ca. 29 Jahre nach den letzten Ereignissen, erreicht der larische Diplomat Kadhonor-Lom die Erde. Dort wird er vom terranischen Residenten Hekéner Sharoun im Namen der Liga Freier Galaktiker und des Galaktikums begrüßt. Der Botschafter der Laren ist nach Terra gekommen, um ein neues Band zu knüpfen.

Nur kurze Zeit später ist Perry Rhodan mit seiner Enkelin Farye Sepheroa-Rhodan, die inzwischen Bataillonskommandantin auf der RAS TSCHUBAI ist, auf dem Weg zum Merkur. Archäologen haben lemurische Hinterlassenschaften entdeckt und wollen Rhodans Expertise. Eine Armee metallener Soldaten, ähnlich der chinesischen Terrakotta-Armee, wurde in einer Kaverne auf dem innersten Planeten gefunden.

Präsentiert wird den beiden Rhodans der Fund von Dezio Gattai. Ausgerechnet an diesem Tag hat der Archäologe verschlafen und kommt etwas später. Über einen Transmitter geht’s zum Ausgrabungsort. In einer niedrigen Halle stehen tausende lebensgroße Figuren. HaLem-Armee haben sie die Archäologen getauft, weil sie aus Lemurmetall sind mit winzigen Einschlüssen, für die das Ha im Namen steht. Darin kommt auch PEW-Metall vor, allerdings in so geringen Mengen, dass Bewusstseine darin nicht gespeichert werden können. Und dennoch scheint das PEW dafür zu sorgen, dass die Figuren, die lemurische Soldaten unterschiedlicher Epochen und Ausrüstung zeigen, einen Memory-Effekt unterliegen. Auf Holobildern, die über einen längeren Zeitraum von den Metallfiguren gemacht wurden, ist zu erkennen, dass sich der Kopf einer Figur minimal bewegt.

Die Altersdatierung ergibt keinen eindeutigen Wert. Mitten in der Diskussion der Gruppe beginnen alle Figuren ihre Köpfe langsam zu heben und in Richtung des Himmels zu starren. Da nicht mehr passiert, reisen Perry und Farye zurück zur Erde, um am Abend den larischen Botschafter zu treffen.

Derweil kommt es im Taltaan-System zu einer merkwürdigen Begebenheit. Die Kosmolinguistin Uma Lee und der Kosmopsychologe Myrrdin Hawk studieren auf Mandaam die Zivilisation der Mandaamen. Die nicht raumfahrende Zivilisation ahnt nichts von der geheimen Forschungsstation. Auch der 10-jährige Täller, der sich für Wissenschaften interessiert, ist ahnungslos. Wie alle anderen Mitglieder seines Volkes wird er überrascht, als eine Katastrophe Mandaam heimsucht.

Perry Rhodan, der inzwischen mit Sichu Dorksteiger eine Ehe eingegangen ist, trifft auf dem Botschaftsempfang Kadhonor-Lom. Der Lare ist etwas reserviert, dass ausgerechnet der Hetork-Tesser als Liga-Kommissar das Projekt von San vorantreibt. Dennoch kommen sich die beiden Männer etwas näher. Rhodan vermisst seine Freunde Bull und Tolot, die in Larhatoon waren und bislang nicht zurückkehrten. Auch das Explorerschiff OVARON, das sie suchen soll, gibt keine Rückmeldungen. Kadhonor-Lom verspricht, seine Beziehungen spielen zu lassen.

Perry und Farye werden wegen neuer Entwicklungen zum Merkur gerufen. Vorher treffen sie den TLD-Chef Maurits Vingaden. Der eröffnet den beiden eine erstaunliche Beobachtung. Über den BACKDOOR-Transmitter auf Merkur ist ein junger Mann eingereist, von dem nur der Name Adam von Aures bekannt ist. Der Name Aures weckt Erinnerungen bei Rhodan. Vingaden überrascht den Unsterblichen jedoch mit etwas anderem. Stellt man den Namen etwas um, dann erhält man Adaurest! Der junge Mann könnte der dritte Kardinal-Fraktor sein. Der Besucher ist inzwischen verschwunden und der Liga-Dienst sucht nach ihm.

Auf Merkur werden die beiden Rhodans vom TLD-Agenten Opiter Quint begleitet. Die Statuen fixieren einen Punkt am Himmel und Quint entdeckt einen winzigen, nur Millimeter messenden Roboter aus drei gekreuzten Balken. Mit Soldaten und TARAS aus Faryes Bataillon wird der Roboter, der Wände durchringen kann, gefangen und untersucht. Plötzlich erscheinen größere Exemplare und greifen das Labor an. Die Balkenroboter können nur mühsam ausgeschaltet werden. Sie zerfallen nach ihrer Zerstörung und auch die Untersuchungsergebnisse sind vernichtet.

Auf Merkur scheinen inzwischen alle Menschen von einer Massensuggestion beeinflusst zu werden. Sie gehen auf die Straße und schauen in freudiger Erwartung zum Himmel. Quint und Rhodan sind nicht betroffen. Aber auch sie sehen ein Leuchtfeuer am Himmel aus drei hellen Punkten. Auch auf den anderen inneren Planeten wird das Phänomen beobachtet und verhalten sich die Menschen ekstatisch. Gucky erkennt, dass ein mentaler Einfluss von der HaLem-Armee ausgeht und man arbeitet an einer Abschirmung. Zieht man eine Linie von den markierten Leuchtfeuern durch die Milchstraße, dann findet man zwei Sonnen. Eine ist Taltaan, die andere ist Otermas Stern, der überraschend weit vor seiner Zeit plötzlich zu einer Nova geworden ist. Rhodan schickt Schiffe ins Taltaan-System und fliegt selbst mit der RAS TSCHUBAI dorthin. Mandaam ist verloren. Ein Gasausbruch der Sonne hat den Planeten verbrannt. Nur wenige Mandaamen können gerettet werden, darunter Täller. Auch Uma Lee und Myrrdin Hawk werden gerettet und arbeiten fortan auf der RAS TSCHUBAI.

Sichu Dorksteiger vermutet einen künstlichen Eingriff in beide Sonnen. Inzwischen konnte auch die Linie der Leuchtfeuer verlängert werden. Sie führen zur Galaxis NGC 4622. Die HaLem-Armee hat eine Botschaft für Rhodan. Der Unsterbliche empfängt sie mental. Ihm wird mitgeteilt, dass der Wanderer seine Mächtigkeitsballung verlassen hat und diese Flucht Begehrlichkeiten bei dunklen Mächten wecken würde. Das Vertriebene Volk bietet seinen Schutz an. Rhodan soll dem Leuchtfeuer in das Goldene Reich folgen. Wenn die Milchstraße leben will, braucht sie das Bündnis zwischen Rhodan, der Menschheit und dem Gondunat.

Perry Rhodan bittet Homer G. Adams wachsam zu bleiben. Am 10. Juni 1551 NGZ bricht die RAS TSCHUBAI auf und folgt den Leuchtfeuern.

 

Rezension:

Der Roman atmet von vorn bis hinten das aus, was typisch ist für Perry Rhodan. Ein kleiner Zeitsprung, der kurz genug ist, um nicht zu große Veränderungen schildern zu müssen und gleichzeitig lang genug, um nicht zu allen Themen der jüngeren Serienvergangenheit eine Antwort geben zu müssen. Die Hauptfigur spielt mit, was auch nicht anders zu erwarten war. Es sind nur minimale berufliche und private Veränderungen, die Perry Rhodan erfahren hat. Schließlich sollen die Leser nicht verschreckt werden. Ein Rätsel auf Merkur gilt es zu lösen, eine geheimnisvolle Botschaft trifft ein und eine Einladung wird ausgesprochen. Und schon bricht der Held mit seinem Schiff auf, um in unbekannte Regionen des Universums vorzustoßen. Ja, der Roman entspricht den Erwartungen. Auch meinen Erwartungen. Schließlich weiß ich als langjähriger Leser, wie Jubiläumsbände gestrickt sein müssen.

Und doch ist da auch eine leichte Enttäuschung bei mir. Zum Zyklusauftakt bringt Verena Themsen die bekannten Elemente in ihrer Geschichte unter. Aber es fehlt der Story an etwas Besonderem, an mehr Biss, an etwas, dass die Story aus der Masse heraushebt. Das Feuer, das durch diesen Roman bei mir entfacht werden sollte, lodert momentan noch auf Sparflamme. Ja, ich bin neugierig, wie es nächste Woche weitergeht. Aber es ist eine distanzierte Neugierde. Mal sehen, was kommt.

Der Einstieg in den Roman mit der Begrüßung des Botschafters der Laren auf der Erde war gelungen und beantwortete bereits einige Fragen. Das Projekt von San, ein Begriff, der während des Konflikts mit dem AT geboren wurde, wird vorangetrieben.

Ich erinnere mich an ein Gespräch mit dem Exposé-Autor Wim Vandemaan 2015 in Osnabrück. Ich begrüßte die Absichten, mit dem Projekt von San mal einen anderen Aufbau zu versuchen. Statt auf Bedrohungen zu warten und sich ihnen entgegenzustellen, müssten die Protagonisten selbst aktiv werden und Prävention betreiben. Ein solcher Aufbau würde auch an die Autoren eine Herausforderung stellen. Die Zyklusgeschichte müsste anders aufgebaut werden. Natürlich ist noch lange nichts entschieden, aber in diesem Roman scheint dann doch wieder der alte Kurs gefahren zu werden.

Dennoch scheint der Blick etwas vorwärtsgerichtet zu sein. Der Kontakt zu den Laren, die Erwähnung des Projekts von San, dazu Rhodans Rolle in diesem Projekt. Die Ereignisse in Orpleyd werden gar nicht mehr erwähnt. Allerdings werden auch ca. 30 Jahre nach den Ereignissen um das Atopische Tribunal einige Geschehnisse wieder hochgespült. Nach wie vor sind einige Aktivatorträger nicht aus Larhatoon zurückgekehrt, gelten gar als verschollen. Und auch Atlan findet keine Erwähnung. Mit Aures, dem Adaurest und kleinen Holzschachteln werden erste Fäden gesponnen, in die sich die Leser verfangen können.

Der Roman ist konsistent, nur ganz am Ende schlägt der Fehlerteufel zu, als die technischen Daten zu den Marskreuzern und den Triebwerken der RAS TSCHUBAI in die Geschichte einfließen. Aber vielleicht ist auch der Sender Augenklar nicht ganz so informiert, wie er es eigentlich sein sollte.

Der Roman von Verena Themsen war flüssig zu lesen. Gleich zu Beginn ist mir aufgefallen, dass Verena Themsen ihren Figuren auch einen unterschiedlichen Ausdruck bei den Dialogen in den Mund legte. Insbesondere die handelnden Wissenschaftler auf Merkur kamen dadurch sehr lebendig rüber. Überhaupt haben mir die Figuren, die Verena Themsen einführt und sie charakterisiert, am besten in dem Roman gefallen. Die Archäologen, Opiter Quint, Täller, Kadhonor-Lom und andere werden exzellent dargestellt. Die Protagonisten haben mich mehr begeistert als die Story.

Mein Fazit: Ein solider Auftaktband mit tollen Charakteren!