Articles for the Month of Mai 2016

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2856

PR_2856Spiegeljunge – von Verena Themsen – Handlung:

Die Geschichte ist in der Falschen Welt (siehe PR 2812 bis 2815) angesiedelt und beleuchtet die Herkunft von Germo Jobst. Der Junge ist auf der Suche nach sich selbst und erfährt nach und nach, dass seine Erinnerungen manipuliert wurden.

Halin Evorett (d.i. Germo Jobst) ist ein Induzierter. Das Tamanium hat Kinder wie ihn, die potentielle Psi-Fähigkeiten in sich tragen, im Hort der Geistesblüte mit einem Induktor ausgestattet. Das in seiner Schulter implantierte Gerät ist mit gezüchteten Nervensträngen mit seinem Gehirn verbunden. Nach und nach soll der Induktor ihn dabei unterstützen, Psi-Fähigkeiten zu entwickeln und sie zu beherrschen. Doch Halin/Germo hat auch Wochen nach der Operation nur schlechte Träume. Und auch im wachen Zustand glaubt er, dass er eine Schuld in sich trägt, dass er Freunde verloren hätte und dass er nicht er selbst wäre. Halin/Germo freundet sich mit Iraide an. Das Mädchen bringt ihn mit Lukio-Varin zusammen, der fortan sein bester Freund wird. Im Hort der Geistesblüte haben Latente wie Halin/Germo und Lukio einen schweren Stand. Insbesondere die Nativen, die ohne Induktor Psi-Fähigkeiten entwickelt haben, halten die Induktor-Träger für minderwertig.

Die Ausbilder des Heims lassen den Nativen viele Gemeinheiten durchgehen. Insbesondere der Telekinet Rudnar greift mehrmals Latente an. Halin/Germo benötigt eine lange Zeit, bis er mit seinem Induktor richtig kommunizieren kann. Er entwickelt die Fähigkeit der Beeinflussung von Wasser und die Teleportation. Seine Ausbilder kann er täuschen, aber insgeheim trainiert er seine Fähigkeiten. Nur Lukio kommt hinter sein Geheimnis. Lukio wird auch der Drahtzieher genannt, weil er gerne Marionetten bastelt. Sein Hobby wird bald auch von Halin/Germo geteilt.

Lukio-Varin, dessen Fähigkeit, Metallatome zu beeinflussen, mal stärker, mal schwächer ausfällt, bekommt eines Tages ein Update seines Induktors und stirbt nach dem Eingriff. Halin/Germo lässt Iraide und die Ausbilder in dem Glauben, dass durch den Tod seines besten Freundes seine Psyche angeknackst sei. In Wirklichkeit bereitet er seine Flucht vor. Er benötigt viele Monate für die Recherche, welche Raumschiffe den Planeten wann verlassen und wohin sie fliegen. Per Teleportation erreicht er den Raumhafen, wechselt in ein startendes Kugelschiff und später in ein anderes Schiff.

Halin/Germo erreicht einen Bergbauplaneten des Tamaniums. Die Hyperkristalle, die dort abgebaut werden sorgen für eine perfekte Abschirmung des Induktors. Er hält sich mit kleinen Diebstählen am Leben, doch Minenkinder kommen ihm auf die Schliche und verprügeln ihn. Seine Fähigkeiten setzt er nicht ein, aus Angst, enttarnt zu werden. Gula Jobst, die Tochter der Minenarbeiterin Patiri kommt dem Bedrängten zu Hilfe und nimmt ihn mit nach Hause. Er findet Aufnahme in der Familie Jobst und nennt sich fortan Germo. Patiri Jobst ist ihm wie eine Mutter.

Er lernt schnell und ist eine echte Hilfe beim Abbau von Hyperkristallen. Eines Tages empfängt er bei der Arbeit eine Botschaft. MUTTER teilt ihm mit, dass er die Gefolgsleute informieren soll, dass der Seher kommt. Germo hat keine Ahnung, aber Patiri hat schon von dem Seher gehört, der diese Welt als eine Welt der Trübnis bezeichnet und eine lichte Welt preist. Germo geht zu dem Treffen und als dort Ch’Daarn Gefahr läuft verhaftet zu werden, teleportiert er den Topsider in Sicherheit. Germo verabschiedet sich von seiner „Familie“ und schließt sich Ch’Daarn an, der mit MUTTER über ein hochwertiges Raumschiff verfügt.

Zwei Jahre später ist Germo noch immer nicht im Klaren über seine Herkunft. Mit Hilfe von MUTTER dringt er in den Hort der Geistesblüte ein und durchforstet die Datenbanken von AnMarkon, der Leiterin der Einrichtung. Überraschend trifft er auf Iraide. Das Mädchen hat sich nicht verändert. Germo erfährt, dass er von ihr manipuliert wurde. Seine Eltern fanden den Tod, weil sie Rebellen des Tamaniums waren. Seine Erinnerungen wurden manipuliert, auch sein Freund Lukio war Bestandteil der Manipulation seines Gehirns. Lukio existierte nicht wirklich. Germo war nur eine Marionette. Iraide lässt Germo dennoch die Chance zur Flucht, die dieser nutzt.

 

Rezension:

Als ich die Rezension zu Band 2815 schrieb, erinnerten mich die Kapitel mit den Halutern, die innerhalb der Falschen Welt in einer weiteren falschen Welt lebten, an den Roman Simulacron 3. Der deutsche Titel „Welt am Draht“ hätte auch zum aktuellen Roman von Verena Themsen gepasst. Waren es im letzten Band des Viererblocks die verschachtelten Welten, so sind es in diesem Roman die Drähte, an denen die Figuren, die Marionetten bewegt werden. Und selbst der Marionettenbauer entspringt nur der Phantasie einer Figur, die selbst an den Drähten eines Anderen, an denen des Matan, hängt.

Der Titel „Spiegeljunge“ hatte mich dann auch zunächst auf einen anderen Gedanken gebracht. Meine Überlegungen setzten dabei nicht an der Falschen Welt an. Der Vierteiler war, so die allgemeine Aussage, ein abgeschlossenes Thema innerhalb des laufenden Zyklus. Neben MUTTER hat allerdings auch Germo Jobst den Weg in die Haupthandlung und dort in die Handlungsgegenwart gefunden. Die Art und Weise wie das möglich war, wurde m.E. noch nicht geklärt. Schließlich konnte der aus der Vergangenheit eintreffende Perry Rhodan ja gewarnt werden. Die Zukunft, wie sie Germo kennt und der er entstammt, wird so nie entstehen. Es stellt sich somit die Frage, ob es in dieser Zukunft, die dann eine andere ist, einen Germo Jobst geben wird. Wenn nein, wie kann er dann zurückreisen und falls ja, welche Veranlassung hätte ein Junge, dessen Entwicklung wohl ganz anders verlaufen würde, in die Vergangenheit zu reisen?

Mit dem Titel des vorliegenden Romans verband ich also die Aufklärung dieser Fragen. Allerdings hat mich Verena Themsen an der Nase herumgeführt. Oder vielmehr an den Drähten. Die Geschichte war dann doch eine ganz andere. Meine Enttäuschung, keine Antworten auf meine Fragen zu erhalten, hielt sich allerdings in Grenzen. Denn die Geschichte von Germo Jobst hatte andere Qualitäten. Die Lebensgeschichte von Germo Jobst zeigt vor allem viele wertvolle Einsichten. Etwa Humoristische wie den Planeten Jotweedee, oder Lebensweisheiten wie lose Mundwerke, die davonlaufen. Und schließlich moralische Aspekte, denn der Junge, dem das Schicksal übel mitspielt, bewahrt sich eine Ethik, die manchem Unsterblichen der Serie auch gut stehen würde.

Letztlich leistet sich der Roman nur eine Schwäche. Er liefert keine Antwort auf die Frage, warum sich der Seher an Dinge erinnert, die nie waren?

Ansichten zu Perry Rhodan Arkon Heft 9

PR_Arkon09Flotte der Verräter – von Kai Hirdt – Handlung:

Perry Rhodan ist mit seinen Begleitern Sahira und Gucky auf dem Planeten Glynth, nur vier Lichtjahre von Arkon entfernt, abgesetzt worden. Der Terraner will hier ein Raumschiff organisieren, das sie nach Iprasa bringen soll. Doch zunächst läuft alles anders, als erwartet. Schon kurze Zeit nach ihrer Ankunft in der Nähe einer der wenigen Oasen der Wüstenwelt, wird Rhodans Trupp von Glynkoniden gefangengenommen. Die Kolonialarkoniden geben Rhodan die Schuld für ein Massaker, das ein arkonidisches Schiff auf ihrer Welt angerichtet hat. Sie wollen Rhodan und seine Begleiter töten, doch ein junger Glynkonide steht den Bedrängten bei. Toracc bringt Rhodan zu Tharc Sanaire, den der Terraner von früher kennt. Der Unsterbliche bekommt ein Schiff und fliegt Iprasa an. Toracc verstärkt Rhodans Team.

Im Arkonsystem spitzt sich indessen die Lage zu. Die fünftausend Schiffe unter Atlans Kommando sind in das System eingeflogen. Sehr zur Verwunderung von Perto Gural, dem Kommandanten eines kleinen Wachschiffes beim Planeten Iprasa, scheint die Heimatflotte keine Anstalten zu machen, dem überraschenden Flottenaufmarsch entgegenzutreten.

Im Flottenkommando ist die verdiente Veteranin Osma ter Rey genauso erstaunt. Zwar wird eine Sitzung einberufen, aber niemand macht Anstalten, der Bedrohung entgegenzutreten. Mehr noch, die Anwesenden werden getäuscht. Die Botschaft, mit der Gaumarol da Bostich die Rückeroberung Arkons ankündigte, ist nach Osma ter Reys Informationen eindeutig gefälscht. Die Verantwortlichen im Flottenkommando behaupten indes, die Nachricht sei echt. Osma ter Rey übernimmt die Initiative. Sie paralysiert die meisten Anwesenden und macht den unbedeutenden Bijaine da Ortoba zum neuen Oberbefehlshaber der Heimatflotte. Zusammen mit da Ortoba geht sie an Bord des Flaggschiffs. Dreihunderttausend Schiffe stehen nun Atlans fünftausend Schiffen gegenüber.

In diese Szenerie platzt eine kleine Flotte von USO-Schiffen unter Monkeys Kommando. Der USO-Chef will dem göttlichen Imperium gegen die Verräter beistehen. Die Fronten verschieben sich überraschend zu Ungunsten der Verteidiger. Atlan scheint die Kommandocodes der Robotschiffe von Bostich erhalten zu haben, denn 180.000 Robotschiffe stellen sich auf seine Seite. Es kommt zu ersten Gefechten, bei denen die Verteidiger Verluste hinnehmen müssen.

Alle freien Schiffe sollen sich nun der Systemverteidigung anschließen. Perto Gural bedauert das sehr. Er hat gerade Rhodans Schiff vor Iprasa aufgebracht. Er lässt den Terraner ziehen. Und wieder ändert sich die Lage. PRAETORIA materialisiert im Auftrag des Galaktikums im Arkonsystem und fordert die Beteiligten des Konflikts auf, die Gefechte einzustellen.

Perry Rhodan, Toracc und Sahira werden von Gucky nach Iprasa teleportiert. Dort geraten sie im Kosh’kran-Gebirge in eine Übung von Kadetten der ARK SUMMIA und werden gefangengenommen. Die vier Kadetten lassen sich aber relativ schnell von Rhodans guten Absichten überzeugen, nicht zuletzt, weil sie plötzlich von Unbekannten angegriffen werden. Rhodan erfährt, dass in der Gegend vor kurzen Grabungen stattgefunden hätten. Die Arkoniden unter dem Kommando eines Extrasinn-Trägers wurden gefangengenommen, konnten sich aber befreien. Rhodan, Sahira und Gucky dringen in den Berg ein und machen die gleiche Erfahrung wie Tekener auf Archetz. Sie sehen Geisterbilder aus der Vergangenheit. Im Inneren des Berges entdecken sie ein Portal und durchschreiten es. Mentale Stimmen fragen nach dem Ziel der Reise und Rhodan gibt den Wandelstern an. Die Stimmen wollen den Reisenden auch darüber aufklären, wie es zur ARK SUMMIA kam.

 

Rezension:

Auf Glynth landen, dort ein Schiff bekommen, mit dem Perry Rhodan, Sahira und Gucky nach Iprasa fliegen wollten. Das klang einfach, war es aber nicht. Autor Kai Hirdt baute ein paar Hindernisse ein. Einmal mehr diente die Gutgläubigkeit des Helden dazu, den geraden Weg zu verlassen und ein paar Schlenker zu machen. Ein Ablauf, der schon unzählige Male so oder ähnlich zu lesen war. Rhodan will ein bestimmtes Ziel erreichen, dem stehen Figuren im Wege, denen man per Teleportation, per Deflektorfeldern, per Flug mit den SERUNS, per was auch immer hätte ausweichen können, aber der Held entscheidet sich für die Gefangennahme und dem Aufgeben fast aller Vorteile. Das Szenario ist zu Genüge bekannt. Es hat sich über viele Jahre herausgebildet, weil es funktioniert – weil dadurch ganz geschickt in eine Geschichte eingestiegen werden kann. Kai Hirdt zeigt, dass er diese Form kennt. Und doch fehlte etwas Besonderes. Originalität stellt sich erst über die Details her. Und darüber, wie jeder Autor ein kleines bisschen anders mit der Sache umgeht. Genau diese Originalität lässt der Auftakt der Geschichte jedoch vermissen.

Der Autor stand zudem vor der Herausforderung, den Mausbiber Gucky adäquat einzusetzen. Psi-Sperren gab es keine, also mussten andere Mittel bemüht werden, den Ilt in seinen Fähigkeiten zu beschränken. Das gelang nicht immer, bzw. wurden die Begabungen des Mutanten aus dramaturgischen Gründen nicht eingesetzt. Kai Hirdt bemüht sich, diesen Nichteinsatz von Guckys Psi-Fähigkeiten auch zu erläutern. Diese Anmerkungen wirkten auf mich etwas gequält. Sie waren nicht grundsätzlich falsch und zeigten auch, dass sich der Autor dabei etwas gedacht hat. In ihrer Häufigkeit verfehlten sie jedoch die beabsichtigte Wirkung. Nun kamen beim Lesen erst recht die Gedanken auf, warum der Mausbiber seine Fähigkeiten nicht einsetzt!

Zur Halbzeit der Geschichte war Rhodan immer noch auf Glynth unterwegs, seine Situation hatte sich nur geringfügig verbessert. Kai Hirdt hatte zu diesem Stand seiner Geschichte zwei weitere Handlungsstränge begonnen. Den eines gelangweilten Schiffskommandanten in der Nähe von Iprasa und den einer Veteranin der Flotte im Hauptquartier auf Arkon III. Nun machte der Autor einen Rückblick auf jene Ereignisse, die Perry Rhodan 1398 NGZ auf Glynth erlebt hatte. Der ohnehin kaum vorhandene Spannungsbogen bekam eine Delle. Diese Retrospektive hätte man sich sparen können oder verkürzt an den Anfang des Romans stellen müssen. Denn am Anfang hatte Kai Hirdt sowieso einige Details über Glynth einfließen lassen und sich dabei der Erinnerungen seiner Figur Perry Rhodan bedient.

In der zweiten Hälfte des Romans nahm die Handlung an Fahrt auf. Die Fortschritte, die die Handlung macht, waren zwar nicht dramatisch, aber immerhin bewegte sich etwas. Und Kai Hirdts Schreibstil geriet etwas lockerer. Die Geschehnisse beim Flottenkommando, die Übernahme der Flotte durch Bijaine da Ortoba, Monkeys Eingreifen und nicht zuletzt das Gespräch zwischen dem Zweimondträger Gural und Toracc beim Anflug auf Iprasa entschädigten für den schwachen Romanbeginn. Dieses Kapitel, so grotesk es auch war, gehört zu den gelungenen Passagen dieser Geschichte.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2855

PR_2855Der Linearraum-Dieb – von Michelle Stern – Handlung:

An Bord der TOMASON schreibt man den 09.Juli 1518 NGZ. Das Führungsschiff des Liga-Verbands hält sich nach wie vor beim Planeten Medusa auf. Auch Germo Jobst und Jawna Togoya sind an Bord und teilen sich eine Unterkunft. Während die Posbi nach dem Hyperfrost-Schlaf wieder einsatzbereit ist, leidet Germo noch unter den Nachwirkungen. Der Junge rätselt über Bilder, die er selbst in der Zentrale von MUTTER gemalt hatte. Sie zeigen Kerouten, allerdings hat Germo nie Kontakt zu diesen Lebewesen gehabt. Er ist erst über die Berichte aus der Vergangenheit und den Kerouten auf Medusa in Kontakt zu diesen Wesen geraten. Auch sein Chrono-Duplikat hat an Bord der Irr-MUTTER solche Bilder gemalt. Die Bilder von Bord der Irr-Mutter wurden aufgezeichnet, bevor das Schiff zu Staub zerfallen ist, da alle Energie bei der Rettung der RAS TSCHUBAI aufgebraucht worden war. An Bord der TOMASO wird Alarm gegeben. Ein einzelner Linearraum-Torpedo der Onryonen hat sich Medusa genähert. Möglicherweise ein Irrläufer, denn die Onryonen sind Partner der Terraner beim Einsatz vor Medusa.

Fünfeinhalb Wochen zuvor ist der Raumvater HOOTRI im Landeanflug auf die Onryonenwelt On-Vennbacc. Der Planet ist Heimat von 1,2 Milliarden Onryonen und dreht sich in einer On-Vakuole, eines im Linearraum stabilen Gebildes, das von einem Schwarzen Loch mit Energie versorgt wird und den Planeten als Sonnenersatz dient. On-Vennbacc ist Teil der On-Ökumene, deren Hauptwelt On-Ryo ist. TLD-Chef Attilar Leccore, der sich als der Terraner Ovid Penderghast ausgibt, wird mit anderen Galaktikern in ein medizinisches Zentrum der Hauptstadt gebracht und dort behandelt. Leccore kann sich relativ frei bewegen und wird in den Medien auf eine geschätzte Persönlichkeit aufmerksam. Die Onryonin Typhan Opporosh ist die Mutter des aktuellen Kanzlers des Planeten und mischt sich gerne unter das Volk. Zwei Wochen später hat Leccore eine Gelegenheit und trifft auf Typhan Opporosh, die er kurz berühren kann. Als Gestaltwandler ist er nun in der Lage, ein Template der Onryonin abzuspeichern. Er erfährt dadurch, dass die Onryonen an einer Abwehrwaffe gegen die Indoktrinatoren der Tiuphoren arbeiten. Der TLD-Chef hat nun ein Ziel. Er will die Daten des Verwirblers erbeuten.

Einige Tage später übernimmt Leccore die Identität des Onryonen Dannekhar Tokkhoi. Der junge Onryone ist Kämpfer in einem Wettstreit, bei dem es darum geht, Freiwillige für einen Test des Verwirblers zu rekrutieren. Zusammen mit zwei weiteren Onryonen erreicht Tokkhoi/Leccore das Ziel des Wettkampfes und wird in das geheime Forschungszentrum gebracht. Der Verwirbler hält zwar die Indoktrinatoren auf, hat aber tödliche Nebeneffekte für die Verteidiger. Eine sechsdimensionale Blendung entsteht, die unbedingt eliminiert werden muss. Projektleiter ist der alte Onryone Tass Shaycanar, der zusammen mit seinem Assistenten Cessnad Assoy die Tests leitet. Versuche Leccores, von Shaycanar ein Template zu machen, scheitern.

Inzwischen spitzt sich die Lage in der Milchstraße weiter zu. Zwar ist der größte Teil der Tiuphorenflotte nach wie vor passiv, dennoch haben Überfälle auf mehrere Aarus-Wurme stattgefunden. Der Zeitriss nähert sich bedrohlich dem Solsystem, so dass Cai Cheung, als kommissarische Residentin, Vorbereitungen zur Evakuierung des Systems angeordnet hat.

Bei den Tests wird Tokkhoi/Leccore schwer verletzt und liegt Tage im Koma. Glücklicherweise wird seine wahre Identität von den Onryonen nicht entdeckt. Er ändert seinen Plan und findet überraschend in Cessnad Assoy einen Partner. Der Onryone ist ebenfalls der Ansicht, den Verwirbler allen Völkern zur Verfügung zu stellen. Die beiden schmieden einen Plan. Leccore gelingt es unter verschiedenen Tarnidentitäten die Führungsriege des Planeten davon zu überzeugen, dass ein abtrünniger Jaj im Auftrag der Terraner die Pläne erbeuten will. Um die Daten zu sichern, sollen sie mit einem umgebauten Linearraum-Torpedo in Sicherheit gebracht werden, während man den vermeintlichen Jaj auf eine falsche Spur lockt.

Cessnad Assoy kann den Torpedo für den Transport vorbereiten. Als Leccore und er bereits unterwegs in Richtung Medusa sind, fliegt ihr Schwindel auf. Die beiden Diebe können jedoch nicht mehr aufgehalten werden. Ihr Funk ist beschädigt, aber Germo erkennt, dass in dem Torpedo, der so überraschend aufgetaucht ist, zwei Lebewesen sitzen. Assoy und Leccore werden gerettet und die Pläne des Verwirblers sind nun in der Hand der Terraner.

 

Rezension:

Glaubt man den Umfragen, dann machen nur vier von zehn PC-Anwendern in Deutschland eine Sicherungskopie ihrer Daten. Onryonen, so teilt uns Michelle Stern mit, gehören ebenfalls zur Gruppe der Anwender, die bei Datenverlust ziemlich dumm dastehen. Man sollte eigentlich davon ausgehen, dass die Daten der Waffe auch auf der Hauptwelt On-Ryo vorliegen. Der (vermeintliche) Jaj muss sich also ganz schön wundern, wenn die „Originaldaten“ dorthin in Sicherheit gebracht werden sollen. Es hätte eigentlich genügt, die Daten auf On-Vennbacc zu löschen. Da dies aber nicht gemacht wird, sind die Onryonen entweder so dumm, tatsächlich kein Backup der Daten zu haben oder sie sind dumm, weil sie glauben, einen Jaj mit einer solchen Geschichte ködern zu können. Da sie aber versuchen, den Torpedo abzuschießen, wird wohl doch irgendwo ein Backup existieren.

Ich hatte zunächst Probleme, die Handlungsstränge zu sortieren, bzw. zu erkennen, welche Ziele die Autorin mit den verschiedenen Ebenen ihres Romans verfolgt. Germo Jobst schien zunächst nur dazu angelegt, um aus dieser Figurensicht den Erfolg Leccores zu dokumentieren. Dann natürlich der Erzählstrang, der den Gestaltwandler als Hauptakteur hat und schließlich ein Einsprengsel zum Tamanium, das irgendwie nicht zum Roman zu passen schien, das aber, wie sich schnell herausstellte, zur Germo Jobst-Handlung gehörte. Die Bilder, die der Junge betrachtete, scheinen etwas zu bedeuten. Leider wurde dieser Aspekt von Michelle Stern weniger intensiv, als erhofft, verfolgt. Stattdessen diente Jobst seitenlang dazu, die Leser auf den Stand der Handlung von Band 2840 zu bringen, dem Vorgängerband. Eine tiefergehende Charakterisierung der Figur Germo Jobst bleibt Verena Themsen vorbehalten, wie die Vorschau auf den Roman nächste Woche verrät.

Endlich beschreibt Michelle Stern auch mal Onryonen, die sich als selbständige Individuen zeigen. Es werden nicht nur Demonstranten von ihr beschrieben, sondern mit dem Assistenten des Wissenschaftlers wird gleich ein gänzlich anderer Typ von Onryone eingeführt. Einer, der sich als Rebell betätigt. Zeit wurde es ja, denn die Konformität, die von den Autoren dieser ganzen Zivilisation angehängt wurde, wirkte, je länger sie andauerte, immer weniger plausibel.

Die Autorin kann mit dem Planeten On-Vennbacc einen weiteren sehr ungewöhnlichen Handlungsort einführen. Die von Michelle Stern gemachten Beschreibungen vermittelten ein exotisches Flair. Die Landschaftsbeschreibungen, das Farbenspiel in der Atmosphäre und die Wirkungen der verschiedenen Phänomene auf die Städte und deren Bewohner werden detailliert eingefangen. Auch in den zahlreichen Interaktionen der Figur Leccore mit anderen Onryonen geht die Autorin erschöpfend zu Werke. Abseits davon wirkte die Geschichte allerdings unnötig kompliziert. Da war zunächst der „Wettbewerb“, der auf der Onryonenwelt veranstaltet wird, um Probanden für ein Experiment zu gewinnen. Und wie schon eingangs erwähnt, war auch die Idee, wie die Onryonen die Pläne des Verwirblers in Sicherheit bringen wollen, verzwickt. Da hilft auch nichts, dass Leccore diese Aktion beeinflusst.

Ein entscheidender Aspekt fehlte in der Geschichte von Michelle Stern gänzlich. Zu keiner Zeit machen sich ihre Figuren weitreichende Gedanken darüber, was diese Abwehr gegen die Indoktrinatoren tatsächlich bedeutet. Denn es fehlt nach wie vor an einer Möglichkeit, Sterngewerke, die sich in Hyperstenz befinden, zu bekämpfen.