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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2857

PR_2857Die Hyperfrost-Taucher – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Die RAS TSCHUBAI soll aus dem Hyperfrost befreit werde. Ein Team, bestehend aus Perry Rhodan, Sichu Dorksteiger, Gucky, Germo Jobst und der Larin Pey-Ceyan soll das bewerkstelligen. Sie werden mit einem Liquid geimpft, das sie mehrere Stunden vor den Auswirkungen des Hyperfrosts schützen soll. Die Mutanten Germo und Pey-Ceyan sollen Guckys Fähigkeit der Schmerzteleportation verstärken, denn damit soll die Gruppe an Bord des Schiffes gebracht werden. Die Ator führt drei Geräte mit sich, mit denen die Hyperfrostgeneratoren ausgeschaltet werden sollen. Um zu verhindern, dass nach der Abschaltung die Indoktrinatoren das Schiff weiter übernehmen, wird das Raumschiff ARIADNE in Stellung gebracht. Das Schiff wurde mit einem Parafraktschirm ausgerüstet. Eine Entwicklung des Paratronschirms, der die Indoktrinatoren defragmentieren und unschädlich machen soll.

Die Vorbereitungen werden an Bord eines Tenders getroffen. Die ELEPHANT & EAGLE hat inzwischen alle 35.000 Besatzungsmitglieder der RAS TSCHUBAI an Bord, die darauf warten, ihr Schiff wieder zu übernehmen. Derweil treffen aus allen Teilen der Galaxis Schreckensnachrichten von Tiuphorenangriffen ein. Der Polyporthof WOCAUD wurde von der Besatzung gesprengt, als Tiuphoren versuchten, den Hof zu besetzen. Halut wurde angegriffen, konnte jedoch verteidigt werden. Zahlreiche Jülziish-Welten sind verwüstet. Endlich gehen die Hyperfrost-Taucher in den Einsatz.

Der Durchgang durch die Passage erlebt jedes Mitglied auf andere Weise. Letztlich gelangen sie an Bord der RAS TSCHUBAI. Da die meisten Sektionen des Schiffes unter dem Hyperfrost liegen, benötigen die Hyperfrost-Taucher viele Stunden, um in dem riesigen Schiff den Standort der Generatoren zu erreichen. Diese sind jedoch verschwunden. Sie suchen MUTTER auf, die ihnen den neuen Standort mitteilen kann. Kurz vor dem Ziel verliert die Schutzimpfung an Wirkung. Von Indoktrinatoren befallene TARAS greifen die Gruppe an. Germo gelingt in dem Chaos die Rettung. Er hat die letzten Überreste der Irr-Mutter dabei und kann damit die Generatoren abschalten. Mit Hilfe des Krans verlassen alle das Schiff und die ARIADNE flutet die RAS TSCHUBAI mit dem ParaFrakt-Impuls. Die Aktion gelingt, die RAS TSCHUBAI ist befreit und auch ANANSI kann reaktiviert werden.

 

Rezension:

Zum Heft 2849, dem Handlungsvorgänger der Hyperfrost-Taucher, hatte ich die Beobachtung gemacht, dass ein längeres Nachdenken über die Handlung unweigerlich zu einer Abwertung der Geschichte führte. Eine Unterhaltung war zwar gegeben, die inhaltlichen Schwächen jedoch unübersehbar. Bedauerlicherweise trifft das auch auf den Roman von Michael Marcus Thurner zu. Die Hyperfrostgeschichte hatte einen guten Start in Heft 2827. Bughassidow hatte nicht nur Medusa entdeckt, er hatte auch die im Kälteschlaf befindliche RAS TSCHUBAI dort vorgefunden. Erzähltechnisch war das eine gelungene Überraschung, denn zu diesem Zeitpunkt war der Leser noch auf einen anderen Verlauf der Rückkehr Rhodans aus der Vergangenheit eingestimmt. Die Auflösung und die letztendliche Befreiung im aktuellen Roman gehören jedoch nicht zu den Glanzleistungen des Zyklus.

Die Hyperfrostgeneratoren, ein Geschenk des Boten von ES, war einmal mehr die berühmt-berüchtigte Hilfe von Dritten, die passend zur richtigen Zeit am richtigen Ort bereitstand. Bei der Befreiung der Besatzung wurde bereits deutlich, wie ungenau mit diesem technischen Wundermittel gearbeitet wurde. Vieles wurde der Dramaturgie untergeordnet. Michael Marcus Thurner blieb es nun überlassen, nicht nur die RAS TSCHUBAI, sondern auch den Leser aus dem hemmenden Frost zu befreien und er tat sich schwer dabei.

Herauskam ein sehr unrunder Roman. Dazu trug eine Vielzahl an Faktoren bei. Figuren, Technikeinsatz und der Rahmen der Geschichte harmonierten nicht. Beim Figurenequipment setzt der Autor auf einige klangvolle Namen. Allerdings wiederholt er auch ein schon hinlänglich bekanntes Schema. Es sind mal wieder Mutanten, inzwischen das dritte Mal in Folge, die versuchen, in die RAS TSCHUBAI vorzudringen. Die verschiedenen Figuren kämpften mit einer Unzahl an Problemen, die der Autor wie ein Füllhorn über sie ausschüttete. Niemand blieb verschont. Die Ängste und Befürchtungen wurden durch ungeklärte Spannungen untereinander noch angereichert. Eine Zeitlang hatte man das Gefühl, die Gruppe wird noch vor dem Einsatz auseinanderbrechen. Natürlich sollen die Schwächen der Figuren das Ziel der Mission in Frage stellen und damit die Spannung erhöhen. Aber die Schilderungen zu den Ängsten waren zu dick aufgetragen. Insbesondere als es in Richtung des Einsatzes ging.

Der Autor versuchte sich als Psychologe und ersann die Team-Therapie. Nachdem zunächst Jawna bei Germo Händchen gehalten hatte, durfte Farye bei Germo ebenfalls Händchen halten, dann Jawna und Farye zusammen bei Germo, dann Pey-Ceyan bei Germo, dann Rhodan bei allen, dann der Tender-Kommandant bei Pey-Ceyan und schließlich Rhodan nochmal bei allen. Dann sollte es endlich losgehen. Das beständige Betonen der Gefahren des Einsatzes und wie unwohl sich alle fühlten und welche Ängste zuvor zu bekämpfen waren und das beständige Ringelpiez mit Anfassen, wurde vom Autor überbetont und tat der Geschichte nicht gut.

Auch der Aufbau des Romans wollte mir diesmal gar nicht gefallen. Dabei zählt Michael Marcus Thurner zu den Autoren, die sich da erkennbar viel Gedanken machen. Sein Einstieg war gelungen da er etwas bereits Bekanntes genommen, umgeformt und weitergeschrieben hat. An und für sich bereiten mir Kapitel, die nicht chronologisch aufeinander aufbauen, kein Problem. Zu dieser Geschichte passten die Vor- und Rückblenden jedoch nicht. Nach den Vorbereitungen wurde die zunächst anberaumte Besprechung der Figuren übersprungen und Germo Jobst war nun in der Passage, die der Autor glücklicherweise mit Kapitelüberschriften ankündigte, sonst wäre die Orientierung für den Leser genauso hinüber gewesen, wie für die Romanfigur.

Dann kam die Besprechung doch noch. Die zeitliche Abfolge der Kapitel unterbrach den Lesefluss. Eigentlich erwartete man nach jedem Kapitel einen anderen Fortgang der Geschichte, aber es kam jedes Mal anders. Auch das Zusammenspiel der Figuren Germo, Farye, Jawna und Pey-Ceyan geriet seltsam unvertraut. Für die Besprechung dachte sich der Autor mal etwas anderes aus. Er machte es zu einem Arbeitsessen, ein Detail, das eigentlich längst mal überfällig war. Rhodan setzt sich mit anderen zusammen und sie speisen gemeinsam. Aber auch hier schaffte der Autor trotz einiger flapsiger Bemerkungen zwischen Rhodan und Gucky keine Atmosphäre. Das Ganze geriet steril wie eine Henkersmahlzeit. Die technischen Details, die in diesem Kapitel vermittelt wurden, waren wenig überzeugend und gerieten sehr verwirrend. Man hat eine Methode ersonnen, sich vor Indoktrinatoren der Tiuphoren zu schützen. Der ParaFrakt-Schirm setzt auf dem Paratronschirm auf. Warum dieser Schirm ANANSI gefährden soll, bleibt unklar.

Dazu kam die Hyperfrost-Schutzimpfung, die Elemente zusammenwarf, die überhaupt nicht zusammenpassten. Die Kerouten haben also ein Mittel gefunden, das den menschlichen Körper gegen etwas schützt, was die Terraner bei ihrem Zwischenstopp vor 500 Jahren mit in die Zukunft brachten. Es fehlte bloß noch, dass alle Beteiligten einen Zaubertrank trinken mussten.

Wie so häufig macht die Technologieentwicklung der Serie erratische Sprünge. Beim Kernthema des Romans, der Befreiung der RAS TSCHUBAI aus dem Hyperfrost wird das Geschehen vollständig der Dramaturgie untergeordnet. Es werden Erkenntnisse und Technologien zum Einsatz gebracht, die überraschend aus dem Hut gezaubert wurden. Angesichts des beständigen technologischen Rückstands, den die Helden in jedem Zyklus bis kurz vor dem Ende nie zu verkleinern in der Lage sind, sind Entwicklungen eigentlich zu begrüßen. Wenn sie jedoch in dieser Art und Weise eingebracht werden, verstören sie erst recht. Ich konnte diesen Fortschritten, und somit der Handlung nur schwer folgen. Aus Hyperfrost machte der Autor Wasserfrost, damit Germo seinen Auftritt bekam. Der Autor nahm mich nicht mit, es fehlten Zwischenschritte. Unrühmlicher Höhepunkt war das Bestäuben der Hyperfrostgeneratoren mit Feenstaub.

Nochmal zurück zum Aufbau des Romans. Ich mag Geschichten, in denen der gleiche Handlungsschritt, eine Beobachtung oder ein Erlebnis mehrmals aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert, beleuchtet oder erlebt wird. Das gibt dem Autor die Möglichkeit, Unterschiede bei seinen eingesetzten Figuren herauszuarbeiten. Was ist einer Figur wichtig, was einer anderen Figur weniger wichtig ist. Wie verhalten sich die Figuren in der gleichen Situation, welche Charaktereigenschaften treten zu Tage? Die Passage, die es bei der Schmerzteleportation zu durchqueren galt, diente Michael Marcus Thurner für diese Perspektiven. Guckys Eindrücke wurden von Germo abgelöst. Dann war die Larin dran, deren Empfindungen etwas lang gerieten, dann wieder Gucky. Das Zwischenwo, wie es der Autor in den Kapitelüberschriften nannte, wollte einfach kein Ende nehmen. Das Gute ist, der Hyperfrost hat nun ein Ende.

Der nächste Roman von Michael Marcus Thurner wird besser. Garantiert!