Articles for this day of 3. April 2016

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2850

Die Jenzeitigen Lande – von Wim Vandemaan / Christian Montillon – Handlung:

An Bord einer Atopischen Fähre sind der Fauth Than, Atlan, Julian Tifflor, der Pensor, Vogel Ziellos und Lua Virtanen in die Jenzeitigen Lande gereist und haben die Insel der Hiesigkeit erreicht. Von der kleinen Reisegruppe ist nur der Fauth Than befähigt, einen Einblick in die Abläufe der Reise zu nehmen, als die Fähre die Lichtbrückenzeit passiert und er seinen Blick zurück auf den Anbeginn der Welt richtet.

Während Than und der Pensor zurückbleiben, betreten die anderen die Jenzeitigen Lande. Die Atopische Fähre steht in einer riesigen Halle, die Tifflor an einen uralten U-Bahnhof erinnert. Der Bahnsteig ist über hundert Meter breit und die Länge nicht abschätzbar. Mehrere Tunnelöffnungen scheinen ins Nirgendwo zu führen. Die Besucher werden von vier bizarren Konstruktionen empfangen, dem Quarantänekommando. Per Sextaform-Impuls werden die Besucher befähigt, die hiesige Sprache Taukom zu verstehen und zu sprechen. Der Ort an dem sie sich befinden, wird Veste Tau genannt. Sie ist Milliarden Jahre alt und in ihr leben zehn Billionen Bürger. Die Veste Tau ist eine von vielen Inseln der Hiesigkeit, deren genaue Anzahl unbekannt ist. Sie ist tropfenförmig, bei ca. 19.700 Kilometern Durchmesser. Das Universum existiert nicht mehr, Raum und Zeit liegen nicht mehr vor. Das Atopische Tribunal ist das Recht, es ist eine Formel, die Thez aus dem GESETZ abgeleitet hat. Auf die Frage, ob Thez die Einsätze des Atopischen Tribunals koordiniert, reagiert das Quarantänekommando unsicher. Der Anteil von Thez sei nicht zu bemessen. Atopen würden am Atopischen Hof bestellt, der mobil sei und dessen Standort nicht bekannt ist.

Die beiden Unsterblichen trennen sich. Während Tifflor sich auf die Suche nach dem Atopischen Hof macht, will Atlan Thez suchen. Der Arkonide nimmt Vogel und Lua mit. Obwohl sie vereinbaren, sich in fünf Tagen wieder in dieser Halle zu treffen, scheint es ein Abschied auf längere Zeit zu sein. Atlan und die beiden Jugendlichen nehmen einen Tunnel und marschieren los. Eingelassene Fenster oder Holos, gestatten einen Blick auf sehr unterschiedliche und teils fantastische Lebensbereiche der Veste Tau. Die Vielfalt an unterschiedlichen Lebewesen überfordert sogar Atlan. Von Vertretern des Volkes der Langgats bekommen sie zwar keinen Hinweis zum Atopischen Hof oder zum Bürgermeister der Vesta Tau, den Fauth Gondh, aber sie werden an die Mnemo-Händler verwiesen.

Endlich kann Atlan mit seinen Begleitern den Tunnel verlassen. Auf einer weiten Rasenfläche treffen sie auf Faro. Das Pelzwesen bringt sie zu Erriam Erri, einer Mnemo-Händlerin. Atlan verlangt von dem Spinnenwesen eine Wegbeschreibung zum Atopischen Hof. Das kann Erriam Erri nicht leisten aber den Weg zu Bürgermeister Gondh. Als Gegenleistung verlangt sie zwei Erinnerungen von Atlan. Sie bekommt sie und ist von der Qualität begeistert. Atlan muss sich ausruhen, bevor die Reise weitergehen kann. Erri kontaktiert inzwischen die beiden Mnemo-Korsaren Valkuzz und Spaykel. Sie erhofft sich für den Weiterverkauf der Erinnerungen einen höheren Erlös. Valkuzz und Spaykel sind tödliche Gesellen, die ihren Opfern alle Erinnerungen nehmen und sie töten. Die Mnemo-Korsaren verfolgen Atlan.

Julian Tifflor hat eine Mitfahrgelegenheit ergattert. Eine Draisine nimmt ihn mit. Der Fahrer, der sich Dowezkord nennt, weiß allerdings nicht, wo der Atopische Hof zu finden ist. Als Ziel der Fahrt gibt er die Poststelle des Sektor M’naer an. Die Fahrt geht durch verschiedene Sektoren, unter anderem dem Kriegsland Peid. Der Postmeister der Poststelle entpuppt sich als Roboter. Post befördert er eigentlich gar nicht, aber ein Telegramm könnte Tifflor versenden, allerdings nur an sich selbst. Als Julian die Poststelle betritt, sieht er sich selbst in unendlich vielen Spiegelbildern, jeweils zu einer anderen Zeit. In einem Spiegelbild steht er zögernd im Alter von 35 Jahren vor dem Physiotron auf Wanderer. Er überlegt, diesem Tifflor ein Telegramm zu schicken, nicht das Physiotron zu betreten. Der Postmeister behauptet, das Telegramm würde fix zugestellt werden. Tifflor ist fasziniert und entsetzt zugleich, dass ein beliebiger Bürger der Veste Tau einen solchen Eingriff in die Zeit ermöglichen könnte. Als Tifflor schließlich ablehnt, ist der Postmeister enttäuscht. Immerhin wird Tifflor zum Atopischen Archiv verwiesen, im Sektor Tausendfeuerwanne. Sein Ziel erreicht Tifflor über ungewöhnliche Wege. Zwischen Tifflor und dem Archivar Ahnforcht kommt es zu einem längeren Gedankenaustausch über Superintelligenzen. Und Ahnforcht ist es schließlich, der Tifflor den Beweggrund wegnimmt, den Atopischen Hof aufzusuchen. Tifflor wüsste längst, wer als Atope dem Richter Chuv nachfolgt.

Nach dem Geschäft mit den Erinnerungen hat sich Atlan erholt und bricht mit den Jugendlichen zum Sektor Kathoy auf. Sie müssen dazu andere Sektoren durchqueren. Im Sektor Itm-1 werden sie bei einer Rast von Valkuzz und Spaykel angegriffen. Die Mnemo-Korsaren wollen eigentlich Vogel und Lua töten. Da sich jedoch Atlan erfolgreich wehren kann, nehmen sie die beiden ATLANC-Geborenen als Geisel. Atlan will zurück zu Erriam Erri.

Auch Julian Tifflor ist zurück zur Atopischen Fähre gelangt und fordert nun von Than mehr Informationen darüber, was die Jenzeitigen Lande sind und was Thez ist. Der Terraner erfährt, wie die Vögte die erste Superintelligenz, bzw. deren Korpus fanden. Das war nur möglich, weil der Korpus der SI, die nicht aus diesem Universum stammt, sich durch alle Zeiten zog. Thez konnte irgendwann mit diesem Korpus kommunizieren, der dann in die Synchronie umgewandelt wurde. Zu dieser Zeit war Thez so etwas Ähnliches wie eine Superintelligenz, etwas mehr sogar, nämlich eine Triviane Macht, die von Ordnungsmächten und Chaosmächten gleichermaßen respektiert wurde. Thez hat später als Materiequelle länger als andere Materiequelle seinen Dienst für das Universum geleistet. Thez dachte sich in den Abendabgrund ein, schuf die Inseln der Hiesigkeit aus dem Brei und rettete sie hinüber in die Jenzeitigen Lande. Die Jenzeitigen Lande sind Thez.

Tifflor kommt der Gedanke, dass Thez, bzw. das Atopische Tribunal in einer Zwangslage sein könnte. Der Fauth wirft einen weiteren wichtigen Aspekt ein. Er und seinesgleichen glauben, dass der Zeitriss das Ausbleiben des Weltenbrandes kompensiert, so als sehnte etwas, das den Fauthen verborgen bleibt, den Untergang von GA-yomaad herbei. Tifflor entscheidet sich, ein Atope zu werden. Er muss eine Ausbildung machen, die Than leitet und in der Veste Tau, dem Haus von Matan Addaru beginnen wird. Ihm wird ein Richterschiff zur Verfügung gestellt und er könnte einen Trabanten als Begleiter wählen, beispielsweise den Pensor.

Than rekapituliert noch einmal seine Erinnerungen. Er hatte viele große Atopen erlebt. Auch Julian Tifflor hat er in seinem Glanz gesehen und in seiner Verlorenheit. Er ist dankbar, dem ursprünglichen Tifflor zu begegnen. Sonderbar nur, dass Tifflor und Matan aus ein und demselben Sonnensystem stammten. Gerne hätte Than die Sphragis befragt, doch das Siegel ist tief in sich versunken. Dort wo die Sphragis lag, lag die Zeit in den Wehen. Was würde sie gebären?

 

Rezension:

Vergleicht man die Inhalte dieses Zyklus mit den Dateien eines Datenträgers, beispielsweise einer Festplatte, dann stellt man fest, dass diese Dateien als Fragmente, als Bruchstücke weit verstreut liegen. Teilweise ist die Fragmentierung so weit vorangeschritten, dass es schwerfällt, die zusammengehörenden Daten zu identifizieren, ganz abgesehen davon, sie auch logisch verbinden zu können. Wie man weiß führt eine hohe Fragmentierung zu langsamen Laufzeiten. Entsprechend zäh gestalten sich einige Bereiche dieses Zyklus. Und manchmal scheint es so, als ob Daten nicht mehr logisch verknüpft werden können, weil sie nicht mehr zusammenpassen wollen.

Nach 150 Romanen und Daten um das Atopische Tribunal stellt der Band 2850 den Auftakt zur Defragmentierung dar. Die fragmentierten Datenblöcke sollen logisch geordnet und möglichst aufeinanderfolgend strukturiert und abgelegt werden. Dieser Ansatz kommt spät, hoffentlich nicht zu spät. Wir werden sehen, ob es nicht schon beschädigte Sektoren gibt, in denen sich Daten befinden, die nicht mehr rettbar sind.

Die beiden Exposé-Autoren Wim Vandemaan und Christian Montillon haben Band 2850 gemeinsam verfasst und die Defragmentierung angestoßen. Und natürlich sind sie weiterhin dabei, auch neue Daten auf die Festplatte, äh den Zyklus draufzupacken. Nach der Lektüre kann ich sagen, dass der Defragmentierungsprozess langsam beginnt. Die kleinen bunten Datenblöcke beginnen nur zögerlich, sich aneinanderzureihen. Und dazwischen schieben sich wieder neue bunte Datenblöcke.

Die Zeiten, als ich einen Perry Rhodan-Roman noch voll verstehen konnte, scheinen endgültig vorbei. Ich bin zwar noch nicht in der Abenddämmerung meines Seins, dennoch sind einige Inhalte kaum zu verstehen. Oder mein Gehirn ist nur noch ein Brei, so wie das Universum am Ende der Zeit. Na ja, eine Offenbarung ist Band 2850 nicht. Sie könnten wohl anders schreiben, die beiden Exposé-Autoren, nur sie wollen es einfach nicht. Orakelhafte Sprüche wechseln mit Frage-Antwort-Stellungen ab, in denen entweder die Frage mit einer Gegenfrage oder mit zwei gegensätzlichen Antworten beantwortet wird. Oder wie Meister Q-Blau sagen würde: „Klingt einfach, ist es aber nicht.“

Trotz oder vielleicht gerade wegen der teils unverständlichen Formulierungen bietet der Roman dennoch einen faszinierenden Auftakt zu den Abenteuern in den Jenzeitigen Landen. Der Roman strotzt nur so von Details und merkwürdigen Begegnungen mit den Bewohnern einer Sphäre am Ende der Zeit. Der Roman hätte einem Theologen auch gefallen, denn er enthält einige Gleichnisse. Die Geheimniskrämerei höherer Mächte wird ebenso thematisiert. Zahlreiche Neuinterpretationen eigentlich bekannter Elemente ergänzen das fantastische Szenario, sei es, dass Zellaktivatoren nicht nur eine physische Wirkung ausüben, sei es, dass das Späte Bacctourat in den Stand einer Trivianen Macht erhoben wird.

Zum Vorgängerband 2842 hatte ich angemerkt, dass von einer selbstbestimmten Reise keine Rede sein kann. Der Fauth Than hatte sie erwartet. Dies wird in diesem Roman bestätigt. Than wusste, dass Tifflor ein Atopischer Richter ist, denn er kennt sein Wirken. Nun freut er sich darauf, den jungen Tifflor kennenzulernen. Das mutet seltsam an, denn da er der Ausbilder ist, muss dieses Ereignis bereits Teil seiner Erinnerung sein. Seine Dankbarkeit wäre nur dann zu verstehen, wenn die Verkettung von Ursache und Wirkung sich auflöste. Das wird in diesem Roman zwar thematisiert aber in einem anderen Zusammenhang. Nochmal zurück zur Selbstbestimmung. Dieses Korsett, das da geschnürt wird, will mir nicht so recht gefallen. Die Entwicklung oder die Idee, dass da irgendwer, irgendwo hockt, der die Strippen zieht, an der die Figuren hängen oder über alles Bescheid weiß, ist problematisch. Die gesamte Existenz des Universums ist in den Jenzeitigen Landen bekannt, einschließlich der Leben der Protagonisten. Deren Wege sind vorgezeichnet, weil nicht nur bekannt sondern auch zu Ende erzählt, wie der kurze Hinweis zu Luas Schicksal zeigt. Zunächst ist der Gedanke faszinierend, dann doch eher erschreckend, sein eigenes Schicksal nicht bestimmen zu können, wenn am Ende der Zeit alles bekannt ist und nur noch die Strippen gezogen werden. Auch in anderer SF ist das ein Thema, wenn es auch eher lustig präsentiert wird. Star Trek „Das Schiff in der Flasche“ thematisiert das und in Men in Black wird am Ende dieses Motiv ebenfalls humorvoll aufgegriffen. Es stellt sich nur noch die Frage, wer in den Jenzeitigen Landen Atlan auf dem Monitor hat?

Apropos Atlan. An der Seite Tifflors erlebt der Arkonide eher profane Abenteuer in diesem Roman. Vor allem gehen die Erkenntnisse, die Tifflor gewinnt, zunächst an Atlan vorbei. Während Tifflor gelassen und zuweilen amüsiert seine Reise durch die Veste Tau beschreitet, wirkt Atlan verbissener und ob der (für ihn) vergangenen Zeit auch manches Mal wehmütig. Dennoch muss eine Frage gestellt werden, die sich Atlan selbst in dieser Geschichte nicht stellt. Wie sucht man eigentlich Thez? Wim und Christian nehmen das schon ein wenig locker. Eine Superintelligenz zu finden, ist schon schwierig, wenn gar unmöglich. Denn wenn die nicht gefunden werden will, schauen unsere Protagonisten ganz schön alt aus. Eine Materiequelle zu finden, dürfte auch nicht so einfach sein. Einen Kosmokraten findet man auch nicht an jeder Galaxienecke. Wieso glaubt Atlan, dass er Thez finde könnte? Schade, dass er den Vergleich Ameise gegen Menschen in Bezug auf Mensch gegen SI, wie ihn Tifflor vom Archivar erklärt bekommt, verpasst hat.

Fazit: Mit den Inseln der Hiesigkeit haben die beiden Autoren Orte geschaffen, mit denen ich als Leser aus den Niederungen des Lebens tatsächlich etwas anfangen kann. Die Betrachtungen, die der Fauth Than anstellt, gerieten dagegen teilweise zu abstrakt.