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Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2809

Heimsuchung – von Oliver Fröhlich – Handlung:

Die erste Auseinandersetzung mit den Tiuphoren ist geschlagen. An Bord des Flaggschiffs der Tiuphorenwacht, der GALBRAITH DEIGHTON V, stehen viele Besatzungsmitglieder noch unter dem Eindruck der Geschehnisse. So auch Topper Chimes, Sitor Tapanuli und Myala Làs-Therin vom Leichten Kreuzer GAL-LK 19. Topper Chimes ist der erste des befreundeten Trios, dem erste Merkwürdigkeiten an Bord auffallen. Er beobachtet Ausfälle der Technik und er sieht Schatten, wo andere nichts sehen. Zudem schläft er schlecht und hat seltsame Träume.

Die Arkonidin Heydaran Albragin analysiert nochmals die Abläufe während des Gefechts. Sie kann sich keinen Reim auf das Manöver eines Tiuphorenschiffs machen, das lediglich einen Schuss auf die GAL abgegeben hatte und dann plötzlich abdrehte. Auch USO-Spezialist Pino Gunnyveda ist misstrauisch. Ihm fallen ebenfalls Ausfälle der Technik an Bord auf.

Anna Patoman, die Kommandantin wird informiert. Zunächst wird vermutet, dass der Kampf gegen die Tiuphoren doch mehr Schäden verursacht hat, als zunächst angenommen. Aber die Ausfälle nehmen zu. Positonisch gesteuerte Schiffssysteme wenden sich gegen die Besatzung. Antigravschächte fallen aus, Roboter drehen durch und Beiboote eröffnen das Feuer.

Patoman, Albragin und Gunnyveda erkennen schließlich, dass es den Tiuphoren irgendwie gelungen sein muss, Schadprogramme an Bord einzuschleusen, die nach und nach die GALBRAITH DEIGHTON V unter Kontrolle bringen.

Mit Hilfe des KATSUGO Dirikdak, den Heydaran Albragin mit an Bord brachte, will man Schlimmeres verhindern. Der KATSUGO schleust Miniroboter aus, sogenannte Schulterreiter, deren Aufgabe dem Virus der Tiuphoren nicht unähnlich ist. Sie sollen helfen, verschiedene Systeme des Schiffes wieder unter Kontrolle zu bringen, beispielsweise den Hyperfunk, um andere Schiffe der Tiuphorenwacht zu alarmieren. Da die GALBRAITH DEIGHTON V inzwischen eine Linearraumetappe eingeleitet hat, sollen auch die Hawk-Konverter zerstört werden, um zu verhindern, dass das Schiff in die Hände der Tiuphoren fällt.

Die Kommandantin Anna Patoman überzeugt den unter fremder Kontrolle stehenden Logik-Programm-Verbund der GAL davon, die Angriffe auf die Besatzung einzustellen. Sie gibt vor, zu kapitulieren und alle Besatzungsmitglieder würden sich dazu unbewaffnet in der Zentralekugel des 1800m-Raumers sammeln. Der LPV geht darauf ein. Währenddessen übernehmen die Schulterreiter des KATSUGOS einige Systeme. Von den Beibooten wird das Feuer auf die Überlichttriebwerke eröffnet. Die GALBRAITH DEIGHTON V wird von mehreren Explosionen zerrissen. Die autarke Zentralzelle kann dem Untergang entgehen und fast alle der 7000 Besatzungsmitglieder werden von anderen Schiffen der Tiuphorenwacht aufgenommen.

 

Rezension:

Oliver Fröhlich fügt der Tiuphorenthematik ein weiteres und aus verschiedenen Gründen auch nicht notwendiges Kapitel hinzu. Das an und für sich klassische Thema einer fünften Kolonne, hier in Form von Computerviren, verlor seinen Reiz schon alleine dadurch, weil es gerade einmal 9 Hefte her ist, dass Perry Rhodan und dem MINERVA-Kreuzer ISHY MATSU genau das Gleiche passierte. Unter ähnlichen Vorzeichen im Übrigen. In beiden Fällen werden die Terraner vom Einsatz der ihnen unbekannten Indoktrinatoren überrascht. Im Falle Rhodans stand ihm mit dem Ilt ein fähiger Mutant und mit Sichu Dorksteiger eine versierte Wissenschaftlerin zur Seite. Oliver Fröhlich musste mit „Nebendarstellern“ das Thema durchziehen. Der Autor legt sich auch mächtig ins Zeug und reichert das bekannte Thema mit den üblichen Zutaten an. Als da wäre der Warner, der als erster merkt, dass etwas nicht stimmt. Dann die Figuren in mehr oder weniger verantwortlichen Positionen, die dem Warner zunächst kein Gehör schenken. Und schließlich die eine oder andere selbstlos agierende Figur, die in dem Chaos den Überblick behält und sich in die Schlacht wirft.

Oliver Fröhlich umrahmt seine Geschichte mit Auszügen einer alten arkonidischen Sage. Einem Element aus dieser Überlieferung verdankt der KATSUGO der Arkonidin Heydaran Albragin seinen Namen Dirikdak. Den ersten Auszug aus dieser Sage platziert der Autor gleich zu Beginn seines Romans. Dieser Abschnitt geriet sehr stimmig und harmonierte auch gut mit den beiden folgenden Kapiteln, in denen Fröhlich seine Hauptakteure einführt. Zuerst die drei Freunde von der GAL-LK 19. Danach Heydaran Albragin, Pino Gunnyveda und Anna Patoman. Das Trio des Leichten Kreuzers war einfach aber gut charakterisiert. Der USO-Spezialist Gunnyveda ist angesichts der Bedrohung nicht ganz so nervig dargestellt, wie in den beiden Romanen zuletzt. Und Anna Patoman wird von Oliver Fröhlich eher zurückhaltend eingesetzt.

Im zunehmenden Verlauf der Geschichte streut der Autor weiter seine Auszüge aus der Sage ein, deren Inhalte zwar einen Bezug zur Handlung darstellen sollten, die aber nicht mehr so harmonisch zum Rest des Romans wirkten. Inzwischen kämpfte nämlich die Besatzung der GAL um ihr Leben. Der Kontrast zu den Geschehnissen an Bord geriet durch die Einblendungen zu hart.

Wie schon erwähnt treten die in solchen Geschichten üblichen Elemente auf. Statt eines Warners sind es bei Oliver Fröhlich gleich deren drei. Chimes und Gunnyvedas Misstrauen wird durch deren feine Instinkte geweckt, bei Albragin ist es der analytische Verstand, der sie die Gefahr erkennen lässt. Die Reaktionen der Verantwortlichen fallen, wie ebenfalls üblich, zunächst zurückhaltend aus. Was der Geschichte fehlte, waren klar definierte Ziele, auf die die Figuren hätten hin zusteuern müssen. Um solche Ziele auszugeben, hätte der Autor allerdings einen deutlich größeren Background zu seiner Geschichte schaffen müssen. Er hätte Sicherheitsmaßnahmen schildern müssen, wie mit Fällen einer Infiltration des Schiffes umzugehen ist. Die Spannung wäre dann daraus entstanden, dass alle Gegenmaßnahmen der Besatzung von den Indoktrinatoren zerschlagen worden wären.

Der Autor erklärt seinen Lesern aber so gut wie nichts über die Technik des LPV. Außer die Besatzung irgendwie von Bord zu bringen, scheint es im 51. Jahrhundert keinen wirksamen Plan zu geben, die eine virengesteuerte Übernahme des Schiffes verhindern könnte. Dadurch geriet die Geschichte im weiteren Verlauf einfallslos, da sie erkennbar einem weiteren Muster folgte. Dem Muster nämlich, dass die Terraner sich am Anfang eines Zyklus beängstigend dumm anstellen.

Statt sich also mit Erläuterungen zu Positroniken, Betriebssystemen, Netzwerken, Notfallszenarien etc. zu beschäftigen, setzt Oliver Fröhlich andere Schwerpunkte und steuert seine Protagonisten von einer gefährlichen Situation zur nächsten. Aber auch seine Figuren lassen zuweilen Reaktionen erkennen, die nicht zur jeweiligen Situation passten und grotesk wirkten. Nachdem Chimes und Tapanuli nicht nur selber Opfer der positronischen Ausfälle geworden sind, sondern auch Zeuge von Todesfällen, baut der Autor zu diesem Zeitpunkt völlig abstruse Dialoge ein. Die beiden Männer haben sich zu ihrem Beiboot durchgekämpft, haben Menschen sterben sehen und wenige Meter vor dem Ziel werden sie von den Waffen des eigenen Schiffes unter Feuer genommen. Und was macht Oliver Fröhlich? Der Autor lässt Chimes seinen Freund Tapanuli fragen, ob der wieder zurück in die Medo-Abteilung der GAL möchte. Also wieder zurück durch das ganze Schiff!

Letztlich und mit viel „Entgegenkommen“ der (über)mächtigen Indoktrinatoren schaffen die Terraner es immerhin, ihr Schiff zu sprengen und dem Untergang zu entkommen. Nächste Woche darf nun auch Ex-Exposé-Autor Uwe Anton seinen Tiuphorenbeitrag abliefern. Danach kann man nur hoffen, dass dieses Thema längere Zeit ruht oder besser noch, nicht wieder aufgegriffen wird.