Articles for the Month of August 2013

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2714

Das Ultimatum der Onryonen – von Uwe Anton – Handlung:

An Bord des vom Neuen Tamanium eroberten Polyporthofes ITHAFOR-5, von den Tefrodern WOCAUD getauft, ist die Situation angespannt. Der tefrodische Hyperenergieexperte Famather Myhd steht vor einem Rätsel. Alle Versuche, die Transferkamine auf ein Ziel zu programmieren, scheitern. Er vermutet, dass die Schattenmaahks diese Aktivitäten unterbinden. Allerdings zeigen die hyperenergetischen Röhren seltsame Erscheinungen. Bei einem Aufenthalt auf dem Transferdeck beobachtet Myhd, wie alle Transferkamine in einem von Myriaden feinster Risse durchzogenen rötlichen Glühen erstrahlen. Der Wissenschaftler hat den Eindruck, dass sich gleichzeitig in allen vier Röhren ein Schatten auf ihn zubewegt. Er meint sogar, von etwas gestreift zu werden. Auch die Sicherheitseinrichtungen des Hofes erkennen eine Gefahr und geben Alarm. Doch bevor Sicherheitskräfte eintreffen erlischt das Licht. Myhd entdeckt auf dem Boden die versteinerten Teile eines Fingers, zwei Glieder ohne Kuppe.

In seinem Labor untersucht der Hyperenergieexperte den Fund. Die Altersbestimmung bringt ein sensationelles Ergebnis. Der versteinerte Fingerteil ist älter als das Universum selbst. Mit einem Alter von ca. 19,442 Milliarden Jahren ergibt sich eine Diskrepanz von ca. 4 Milliarden Jahren. Mit der Genehmigung des Stationskommandanten Gornen Kandrit zieht Famather Myhd den weddonischen Chefwissenschaftler Projjid Tyx hinzu, der nach der Eroberung der Station in Haft kam. Die beiden Wissenschaftler stellen diverse Theorien auf. Wenn das Fingerglied aus einem anderen älteren Universum stammt, müsste sich eine abweichende Strangeness feststellen lassen. Diese Untersuchungen verlaufen jedoch ohne Ergebnis. Möglicherweise stammt der Fund aus der Zukunft des eigenen Universums. Bei einem Transport in die Vergangenheit müsste sich jedoch ebenfalls ein abweichender Strangeness-Wert nachweisen lassen. Die Wissenschaftler sind ratlos. Auf WOCAUD gibt es unterdessen Alarm. Eine Flotte der Blues versucht den Hof zurückzuerobern, scheitert aber an den starken tefrodischen Flottenverbänden. Die Tefroder erhalten zudem Verstärkung. Truppentransporter mit Geleitschutz erscheinen im Ghatamyz-System und bereiten die Besetzung der inneren Welten vor, die von Blues besiedelt sind. An Bord der GALBRAITH DEIGHTON V, einem Schiff der Liga, muss den Operationen hilflos zugesehen werden.

Plötzlich erscheint ein Raumrudel der Onryonen im System. Der Onryone Ghonvar Toccepur, der die 450 Schiffe kommandiert, untersagt allen Parteien jegliche Kampfhandlungen im System. Verstöße würden vom Atopischen Tribunal geahndet werden. Die Schiffe der Tefroder ziehen sich zunächst zurück. Doch nur kurze Zeit später erscheint eine starke tefrodische Flotte unter dem Kommando von Vetris-Molaud persönlich. Mit gleichen Worten wie zuvor Toccepur, stellt der Hohe Tamrat den Onryonen ein Ultimatum zum Verlassen des Systems. Da die Onryonen nicht reagieren, greifen die Tefroder an und setzen dabei Transitionstriebwerke ein, um den gefürchteten Linearrumtorpedos zu entgehen. Die Onryonen erleiden hohe Verluste und fliehen aus dem System. Doch nur wenige Stunden später kehrt Ghonvar Toccepur mit seinem Schiff CHARILL zurück. Er richtet ein neues Ultimatum an die Tefroder. Binnen 6 Tage müssen sie das Ghatamyz-System verlassen, andernfalls würde der Gerichtshof von Luna in den Orbit von Tefor verlegt. Zudem wird das Polyport-System unzugänglich geschaltet.

In QUINTO CENTER, dem Hauptquartier der USO diskutieren Ronald Tekener und Monkey die politische Lage. Sie stellen auch die Vermutung an, dass das bisherige Auftreten der Tefroder unter Vetris-Molaud durchaus einen zeitlichen Bezug zu den Aktivitäten des Atopischen Tribunals aufweist. Möglicherweise paktiert der Hohe Tamrat mit dem Tribunal. Die gewonnene Schlacht im Ghatamyz-System könnte ein geschenkter Sieg sein. Tekener und Monkey wäre es durchaus recht, wenn Luna aus dem Solsystem abgezogen würde, denn Terra wäre damit nicht mehr unmittelbar bedroht. Die beiden Unsterblichen wollen jedoch nicht darauf warten, dass die Tefroder von sich aus das Ultimatum ignorieren, notfalls soll die USO einen solchen Gegenschlag selbst inszenieren. Die Zeit eilt. Mit einem Spezialistenteam will Tekener über den Handelsstern JERGALL nach WOCAUD reisen. Der Transfer verläuft ungewöhnlich. Tekener hat das Gefühl, dass eine lange Zeit vergeht und sich ein Druck auf seine Brust legt. Als er schließlich WOCAUD erreicht, spürt er sein Herz nicht mehr schlagen. Bevor er ohnmächtig wird, meldet sein SERUN, dass sein Herz irreparabel beschädigt sei. Es ist nur noch ein funktionsloser Gewebeklumpen.

 

Rezension:

Ein unterhaltsamer und abwechslungsreicher Roman, den Uwe Anton nach einer längeren Pause als Autor präsentiert. Der Autor verfolgt 3 Handlungsstränge. Ein gutes Viertel des Romans widmet Uwe Anton der Entdeckung und Untersuchung des seltsamen Fossils, älter als das Universum selbst. Die Konflikte Tefroder/Blues, bzw. Tefroder/Onryonen werden in einem weiteren Viertel behandelt, wobei der Autor dabei die Perspektive wechselt. Wurde die Raumschlacht gegen die Blues aus tefrodischer Sicht geschildert, ist die Liga beim zweiten Konflikt gegen die Onryonen Beobachter der Geschehnisse. Den umfangreichsten Part nahmen allerdings die Aktivitäten oder vielmehr die Gespräche und Überlegungen der beiden Unsterblichen von der USO ein. Dieser Part war allerdings auch recht unergiebig. Die Rolle der USO ist, obwohl der Autor einiges dazu schreibt, sehr unklar geblieben. Natürlich könnte es auch sein, dass die Rolle der USO nur deshalb unklar bleibt, weil die beiden verantwortlichen Figuren der USO ihr eigenes Süppchen kochen und die Rolle ihrer Organisation individuell interpretieren.

Auffallend in den Schilderungen des USO-Abschnitts ist, dass Prävention ein Begriff ist, der im Sprachgebrauch der Autoren nicht vorkommt. Beispiele dafür liefert der vorliegende Roman von Uwe Anton zuhauf. Vordergründig liefert der Autor einen interessanten und Einblicke gewährenden Roman zur Lage der Galaxis. Die USO ist von den Ereignissen, wie alle anderen Organisationen, Völker und Einzelpersonen auch, völlig überrascht worden. Zu diesem immer wieder aufgewärmten Szenario hatte ich schon einiges geschrieben. Von längeren Zeitabläufen profitieren immer nur die Elemente der Bedrohung. Alle Verteidiger beginnen immer beim Stande Null. Es mag noch akzeptabel sein, dass es dem Atopischen Tribunal gelungen ist, bestimmte Aktivitäten, die einen längeren Vorlauf benötigt haben müssen, erfolgreich vor der Öffentlichkeit zu tarnen. Dass insbesondere Geheimdienste und geheimdienstähnliche Organisationen vollständig überrascht werden, ist eine wenig glaubhafte Darstellung. Insofern muss die USO nach Schilderung des Autors in der Analyse des Gegners bei null beginnen. Dümmlich wirken zudem Schilderungen, die den Tefrodern einen brillanten Schachzug unterstellen, nur weil die auf Transitionstriebwerke zurückgegriffen haben. Solche Pläne müssen bei jedem galaktischen Volk in der Schublade liegen und bei der USO sowieso.

Wenig gelungen sind auch Darstellungen, dass es bei der USO kein Dossier über den Hohen Tamrat gibt. Dass die USO auch bei aktuellen galaktischen Krisenherden bei null beginnt, ist ein weiterer nicht nachvollziehbarer Plot der Autoren. Zum Lebenslauf bekannter Politiker (oder Despoten) liegen keine Dossiers in der Datenbank und die Agenten müssen mühsam ihr Wissen erst aufbauen. Der Plan der USO, eine Reaktion der Tefroder auf das onryonische Ultimatum herbeizuführen, um Luna aus dem Solsystem zu bekommen, passt schon mehr in die (kruden) Abläufe dieser Organisation. Über die 1 Milliarde Terraner, die auf Luna leben, machen sich die beiden Fraktoren, äh Unsterblichen auch keine Gedanken. Die Eckdaten des Plans, nämlich das Polyport-Netz zu benutzen, ist dagegen wieder stümperhaft. Angesichts der bekannten Phänomene ist eine Benutzung nicht einfach als risikoreich zu bezeichnen, sondern schlicht dumm. Tekener wird uns zumindest im nächsten Heft noch erhalten bleiben. Dazu war der betreffende Abschnitt am Romanende einfach zu kurz gehalten.

Fazit: Trotz der merkwürdigen USO-Darstellung bot der Roman gute Unterhaltung. Einige Beschreibungen gerieten zu lang und der Aktionsplan der USO dagegen zu kurz.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2713

Im Wolkenmeer – von Christian Montillon – Handlung:

Der perfekte Jäger Leza Vlyoth hat in Erfahrung gebracht, dass der lunare Widerstand Interesse am Mare Nubium, dem Wolkenmeer, zeigt. Dort liegt das von den Tolocesten verwaltete Synapsenpriorat. Einem Mitglied dieses Volkes war Vlyoth nie begegnet. Vlyoth ersucht bei Fheyrbasd Hannacoy um Unterstützung, die ihm der Onryone nach einigem Zögern auch gewährt. Der Jäger hat beim gescheiterten Attentat auf den Administrator dem dabei verletzten Widerstandskämpfer Angh Pegola einen biogenen Sender in den Körper geschleust. Über die Signale der Sonde kann der Jäger Pegola aufspüren. Leza Vlyoth similiert den Körper eines Onryonen und baut im Mare Nubium eine Falle für den Widerstand auf. Als Shekval Genneryc von diesem Vorhaben erfährt, ist er verärgert. Leza Vlyoth ist sein Mann und es missfällt ihm, dass Hannacoy ihn erst spät in Kenntnis setzt.

Mit einem getarnten Fahrzeug, einem Mondwurm, fahren Pia Sipiera, Angh Pegola, Errest Coin, Fionn Kemeny, Shanda Sarmotte und Toufec zum Mare Nubium. Am 30. Juli 1514 NGZ erreicht die Gruppe ihr Ziel. Nanogenten Toufecs erkunden einen Schacht, der den Widerstandskämpfern einen Zutritt unterhalb des Wolkenmeers ermöglicht. Während Errest Coin im Fahrzeug zurückbleibt, durchstoßen die anderen die Technokruste. Shanda espert einige Onryonen und auch die Gedanken einer unbekannten Lebensform. Deren Gedanken sind zu fremd, als dass die Telepathin damit etwas anfangen kann.

Dem Jäger Leza Vlyoth ist das Eindringen der Gruppe nicht unbemerkt geblieben. Er legt einen Köder aus und schickt den Eindringlingen drei onryonische Techniker entgegen. Tatsächlich werden die Onryonen von den Eindringlingen überwältigt und verhört. Vlyoth verfolgt das Geschehen über eine Drohne und identifiziert die Mitglieder des Trupps. Lediglich Shanda Sarmotte ist ihm unbekannt. Die Techniker verweisen auf ihren Vorgesetzten, der mehr über die Vorgänge im Synapsenpriorat wüsste. Und genau diesen Vorgesetzten hat der Jäger similiert. Er wartet auf seine Beute.

Die Widerstandskämpfer wollen sich trennen. Mit Genehmigung von Pia Sipiera wird sich Angh Pegola von der Gruppe trennen und Sabotageakte durchführen. Die anderen dringen zum Vorgesetzten der onryonischen Techniker vor. In letzter Sekunde kann Shanda Sarmotte in den Gedanken des Gestaltwandlers lesen und erkennt die Falle. Da die Gruppe bereits zu tief in feindliches Gebiet vorgedrungen ist und von Soldaten und Kampfrobotern umringt ist, bleibt nur der sofortige Angriff auf den Gestaltwandler als Lösung. Leza Vlyoth wird vollkommen überrascht. Bei den folgenden Kämpfen wird er verletzt. Erst jetzt identifiziert er Shanda Sarmotte als Telepathin. Angh Pegola erreicht ein Hilferuf von Shanda und er greift mit Sprengkörpern in das Gefecht ein. Während die anderen fliehen, kann Pegola ihren Rückzug decken. Sein SERUN ist schwer beschädigt, dennoch kann sich der Widerstandskämpfer ebenfalls absetzen und dringt dabei unbeabsichtigt in eine Kernregion des Synapsenpriorats vor. Dort trifft Angh Pegola auf ein seltsames Wesen, das annähernd Humanoid geformt ist und von dessen kugelförmigen Kopf ein Leuchten ausgeht.

Leza Vlyoth hat seine Wunden behandeln lassen und folgt Angh Pegola, von dessen Körpersonde er nach wie vor Signale empfängt. Um sich vor der Telepathin zu schützen similiert er das Gehirn einer Spezies, die immun gegen Psikräfte ist. Pegola hat unterdessen über den Translator Kontakt zu dem Tolocesten aufgenommen, der sich als Bei dem Röntgenhaus vorstellt. Die Verständigung ist sehr schwierig, dennoch erfährt Pegola vom dem Wesen, dass er eine Körpersonde in sich trägt. Der Widerstandskämpfer richtet seine Waffe gegen sich selbst und zerstört die Sonde. Vlyoth verliert daraufhin den Kontakt. Shanda bekommt einen gerafften Funkspruch von Pegolas SERUN, mit dessen bis zu diesem Zeitpunkt gesammelten Informationen. Die Gruppe eilt Pegola zu Hilfe. Dort angekommen, erkennen sie, dass der Mann seine schweren Verletzungen kaum überleben wird. Fionn Kemeny kann sich mit Bei dem Röntgenhaus einige Zeit lang unterhalten. Trotz der Verständigungsschwierigkeiten bekommt der Wissenschaftler genügend Informationen, die seine eigenen Beobachtungen und Erkenntnisse bestätigen.

Das Synapsenpriorat dient als Triebwerk für ganz Luna. Über tausende Transpositoren kann der Mond Transitionen ausführen. Die Onryonen haben keine Ahnung von der Technik, sie verwalten sie nur. Mitten in diese überraschenden Erkenntnisse erfolgt der Angriff des Gestaltwandlers und onryonischen Soldaten. Pegola opfert sich, indem er alle Sprengkörper, die er noch bei sich hat, gleichzeitig zur Explosion bringt. Die anderen können entkommen und diskutieren die Frage, wohin die Besatzer den Mond bringen wollen.

Leza Vlyoth erwacht schwerstverletzt in einer Klinik. Shekval Genneryc besucht ihn und ist zornig darüber, dass das Transpositor-Netz in Gefahr gebracht wurde. Noch schlimmer als der Zorn des Mondbefehlshabers ist jedoch die Tatsache, dass Vlyoth seine similierte Gestalt nicht halten konnte und nun in seiner Ursprungsgestalt von Genneryc gesehen wird.

 

Rezension:

Da Christian Montillon nunmehr der Fraktion (d.i. übrigens die Mehrzahl von Fraktor) der Exposé-Autoren angehört, die maßgeblich die Zukunft des Perryversums beeinflussen, muss er sich natürlich gefallen lassen, dass man bei seinen Romanen etwas genauer hinsieht als bei den Werken der reinen Team-Autoren.

Die Handlung ist zwar recht einfach gestrickt aber flott geschrieben. In den zwei, drei geschilderten Kampfszenen hält sich der Autor erfreulicherweise mit blutrünstigen Darstellungen zurück. Obwohl Shanda und Toufec und auch die Anführerin des Widerstands vom Autor eingesetzt werden, steht ein anderes Mitglied des Widerstands, nämlich Angh Pegola, im Mittelpunkt der Geschichte. Die anderen Figuren bleiben zumeist blass. Oder um es anders auszudrücken, ein weiterer Toufec-Roman ohne Toufec. Es gibt ein paar moralische Diskussionen in der Geschichte. In der einen Szene geht es um die Behandlung, bzw. Tötung von Gefangenen, in der anderen Szene um die Entscheidung, ob ein einzelnes Leben mehr wiegt als weitere Erkenntnisse über die Technologie des Synapsenpriorats. Obwohl in beiden Szenen die Mitglieder der Gruppe ständig der Gefahr einer Entdeckung  ausgesetzt waren und der Autor somit zu schnellen Entscheidungen neigte, hätte gerade das Dilemma um den Erkenntnisgewinn oder der Rettung Pegolas noch ein bisschen mehr ausgebaut werden können.

Insgesamt bot der Roman nur Durchschnittskost. Ab dem Zeitpunkt, an dem der Widerstandstrupp die Falle des Gestaltwandlers erkennt und zum Gegenangriff übergeht, konnte der Roman gefallen. Die Aktionen lassen den etwas unausgegorenen Überbau in den Hintergrund treten. Die Geschichte litt allerdings ein wenig unter zahlreichen kleineren handwerklichen Fehlern. Sehr zum Glück oder zum Pech des Protagonisten Angh Pegola kennt der Autor nicht die Wirkungsweise eines Desintegrators. Der Figureneinsatz selbst ist ebenfalls unglücklich. Nimmt man Toufec die Flasche weg, kann man die Figur gleich mitentsorgen. Es ist sehr schade, welche „Entwicklung“ diese Figur seit Richard Dübells Roman genommen hat. Auch die Fähigkeiten von Shanda Sarmotte scheinen einen Down grade erfahren zu haben. Weshalb die Informationsextraktorin nicht auf die wirklich wichtigen Personen angesetzt wird, bleibt das Geheimnis der Autoren. Welcher Teufel den Autor geritten hat, die Widerstandskämpfer im Feindgebiet die Tarnung aufgeben zu lassen und sich offen zu zeigen, bleibt ebenfalls ein Geheimnis. Wahrscheinlich sollte dabei den Mondbefehlshabern lediglich die Identität von Toufec und Shanda preisgegeben werden. Weitere Aktionen, wie der geschilderte Einsatz, werden so unmöglich oder zumindest schwieriger gemacht.

Es tritt ein weiteres Volk auf, das im Dienst des Atopischen Tribunals steht und in einem Nebensatz versteckt der Autor die Information, das sich die Onryonen aus Sicht des Jaj in der Milchstraße nicht nur zu Hause fühlen, sie mochten hier gar zu Hause sein.

Obwohl die Lunarer eine sehr lange Zeit, nämlich nach ihrem Zeitablauf viele Jahrzehnte, mit den Onryonen verbracht haben, wird dieser Umstand von Montillon nicht genutzt, bzw. ist er nicht in der Lage, diesen Faktor ausreichend für seine Geschichte zu nutzen. Das beginnt damit, dass die Onryonen auch den Menschen auf Luna vollständig fremd sind. Es wäre verständlich, wenn das Gros der (zivilen) Bevölkerung, den Geschehnissen ohnmächtig und distanziert gegenüber geschildert wird. Dass auch die Widerstandkämpfer sich in allen Dingen arglos und uninteressiert zeigen, wird vom Autor nicht plausibel erklärt. In den ersten Heften des Zyklus sind diese Ungereimtheiten noch erklärbar gewesen. Denn zunächst mussten spannende Stories geschrieben werden, die den Schwerpunkt im Aufbau des Gegners hatten, da blieb für solche Feinheiten wenig Platz. Nun sind allerdings schon 14 Wochen ins Land gegangen und die Schilderungen des lunaren Widerstands hätten jetzt dringend auf eine solidere, sprich plausiblere Basis gestellt werden müssen. Da dieser Roman keine weiteren Ansätze bietet, ist zu befürchten, auch aus Kenntnis ähnlicher Entwicklungen früherer Zyklen, dass da nicht mehr viel kommen wird. Vor dem Durchgang durch den Schacht war Luna mit NATHAN und zahlreichen Raumschiffswerften sehr wahrscheinlich einer der größten Militärstützpunkte der Liga. Vor dem Hintergrund solcher Fakten sind die bisherigen Schilderungen, nicht nur dieses Romans, nicht nachvollziehbar.

Christian Montillon mag sich trösten, in diese Falle sind schon frühere Exposé-Autoren getappt und gescheitert. Auf der einen Seite mussten lange Zeitabläufe herhalten, um Änderungen, wie sie momentan beschrieben werden, nachvollziehbar gestalten zu können, auf der anderen Seite sind es ausgerechnet diese langen Zeitabläufe, die andere Ereignisse hingegen wenig durchdacht erscheinen lassen.

Eine letzte Anmerkung noch. Über die Gehirnumwandlung des Jägers ließe sich eine Menge schreiben. Montillon fand es sicherlich gut. Er dürfte der Einzige sein.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2712

Die Attentäter von Luna City – von Marc A. Herren – Handlung:

Die Solare Premier Cai Cheung wird von Sichu Dorksteiger über einen Funkspruch Rhodans informiert. Der Unsterbliche ist auf der Flucht und will vorerst nicht zurückkehren, um das Solsystem nicht in Gefahr zu bringen. Er warnt vor Gestaltwandlern und ihren ebenfalls die Form ändernden Schiffen. Cheung informiert militärische und zivile Stellen über die neue Bedrohung.

Zu gleichen Zeit fliegt die XYANGO getarnt als Raumschiff der Linguiden die Venus an. Das Schiff von Leza Vlyoth hat beim Kampf gegen die KRUSENSTERN erhebliche Beschädigungen davongetragen. Dem Jaj ist das Risiko zu groß, unter diesen Umständen Luna direkt anzufliegen. Er tarnt sich als Linguide, der wegen einer Krankheit auf der Venus behandelt werden will. Mit einem Trick kann er landen. Während sich die XYANGO selbst repariert, geht Vlyoth über einen Transmitter an Bord eines onryonischen Schiffes und landet auf Luna. Er erstattet den beiden Machthabern Shekval Genneryc und Ryotar Hannacoy Bericht. Der Jaj wünscht zudem den Richter Matan Addaru Dannoer zu sprechen. Er wird zunächst vertröstet und verbringt die Wartezeit mit der Regeneration. Einen Tag später ist seine Ungeduld gewachsen. Er beschäftigt sich mit dem Lunaren Widerstand, lässt Persönlichkeitsprofile von Personen erstellen, die sehr wahrscheinlich zum Widerstand oder dem Umfeld angehören und nimmt schließlich die Stelle einer dieser Personen ein.

Shanda Sarmotte unternimmt mit Pri Sipiera, der Anführerin der Widerstandsbewegung, einen Erkundungsflug zum Schwarzen Palast im Petavius-Krater. Seit Rhodans kurzem Intermezzo auf Luna leidet Pri an Selbstzweifeln. Zwar hatte Rhodan die Arbeit der Anführerin nicht offen kritisiert, allerdings sind die Mängel beim Widerstand dennoch deutlich geworden. Sipiera sucht nach Zielen und hat sogar Kontakt zu einem Psychologen aufgenommen, mit dem sie ihre Probleme bespricht. Zunächst aber will sie die besonderen Fähigkeiten Shandas nutzen. Dem Widerstand sind verschiedene Regionen des Mondes bekannt, an denen sich merkwürdige Strukturen gebildet haben. Eine befindet sich in der Nähe des Mare Nectaris und wird die Nectarische Struktur genannt. Ein Schachbrettmuster aus roten und schwarzen Feldern durchzieht den Krater. Eine andere Struktur ist der Schwarze Palast. Aufklärungssonden haben bei der Untersuchung dieses Phänomens versagt. Beim Anflug auf den Krater wird der Telepathin übel. Sie empfängt keinerlei Signale aus dem Petavius-Krater, so als wäre das Gebiet aus ihrer Wahrnehmung ausgestanzt. Mit einem unwohlen Gefühl kehren die beiden Frauen um.

In der Privatwohnung von Pri Sipiera treffen sich Toufec, Shanda, Fionn Kemeny und Angh Pegola, ein erfahrener Widerstandskämpfer, um eine Rede von Antonin Sipiera zu verfolgen. Die Rede des Administrators des Mondes ist eine große Enttäuschung. Antonin betreibt onryonische Propaganda. Er verdreht die Fakten und stellt die Onryonen als Retter dar. Die Atopische Ordo soll für einen umfassenden Frieden stehen.

Im Zuschauersaal selbst wird viel Beifall für die Rede gespendet. Ein Mann namens Laurence Wu hingegen bekundet offen seine gegensätzliche Meinung und wird von den Ordnungskräften des Raumes verwiesen. Die Widerständlerin Moana Tapu folgt ihm und nimmt Kontakt zu Wu auf. Laurence will ein Attentat auf Antonin Sipiera verüben. Als Tapu bei Pri um Erlaubnis bittet, lehnt die Anführerin die Pläne ab. Angh Pegola, der Moana Tapu ausgebildet hat, trifft sich heimlich mit Moana und Laurence. Zusammen mit Rob Fuentes, einem Designer für Traumsequenzen, wollen die Widerstandskämpfer Antonin Sipiera entführen. Der Plan misslingt. Auf der Flucht werden Laurence Wu, Moana Tapu und Rob Fuentes von Wachleuten erschossen. Nur Angh Pegola kann verletzt entkommen und muss eine Standpauke von Pri Sipiera über sich ergehen lassen.

Die Anführerin der Widerstandsbewegung gibt das Mare Nubium als Exkursionsziel aus. Dort soll das Rätsel der Nubischen Struktur gelöst werden. In der Onryonenstadt Iacalla ist Leza Vlyoth mit seinem Einsatz zufrieden. In der Gestalt des Laurence Wu hat er den Widerstand genarrt. Nun nimmt der Jaj Kontakt zu einem Genifer auf, einem speziell ausgebildeten Onryonen, der mit onryonischen Positroniken verbunden ist. Der Genifer teilt ihm mit, dass es ein erhöhtes Interesse am Mare Nubium gibt, wo das Synapsenpriorat liegt.

 

Rezension:

Der Autor Marc A. Herren setzt mit dem vorliegenden Heftroman seine eigene Geschichte aus Heft 2702 fort. Damit ergibt sich auch der erste größere Sprung in der Handlung, was dazu führt, dass der Autor stärker als üblich auf die nunmehr 10 Lesewochen zurückliegenden Ereignisse eingeht, um sie wieder in Erinnerung zu rufen. Grundsätzlich lässt sich jedoch festhalten, dass, anders als in den vergangenen Zyklen, die Haupthandlung enger verwoben ist. Auf diese Weise wird eine deutlich dichtere Atmosphäre erzeugt. Auch die Tatsache, dass einer der Handlungsstränge aus 2702, nämlich der um die Figur Perry Rhodan, seitdem mit kleineren Unterbrechungen, fortgeführt wurde, trägt zu einem intensiveren Leseerlebnis bei. Der Autor kehrt im vorliegenden Roman zu den Gefährten Rhodans zurück, die auf Luna blieben, um den Widerstand zu unterstützen.

Dem Roman von Marc Herren mangelt es zunächst an einer zündenden neuen Idee, um den Jäger in einer Weise einzusetzen, die noch nicht von den Autorenkollegen geschrieben wurde. Nachdem der Schwerpunkt der letzten Hefte auf Leza Vlyoth lag, wäre ein vierter Roman in Folge, der den Gestaltwandler in den Mittelpunkt stellt, etwas zu viel des Guten gewesen. Von daher baut der Autor zunächst verschiedene andere Szenarien auf. Es beginnt mit Kurzauftritten der Solaren Premier und Sichu Dorksteiger, es werden ein paar Mondgeheimnisse gestreift, Sitzungen beim Psychologen abgehalten, gefolgt von Propaganda des Lunaren Administrators, dazu ein paar Befindlichkeiten von Shanda und Toufec. Allesamt nicht schlecht geschrieben, aber fesseln konnten diese Kapitel nicht. Erst im letzten Viertel kommt der Autor auf die Geschehnisse zu sprechen, die dem Roman wohl zum Titel verholfen haben.

Spannung erhoffte ich mir vom einsickern des Gestaltwandlers in den Lunaren Widerstand. Ab dem Zeitpunkt, an dem sich der Gestaltwandler für eine neue Figur entschieden hatte, war das weitere Geschehen eher nebensächlich, da es hauptsächlich um die Beantwortung der Frage ging, welche Figur der Gestaltwandler kopiert hatte. Um diese Frage möglichst lange offen zu halten, mussten einerseits viele Personen zur Auswahl gestellt werden, was den Überblick nicht einfach machte, andererseits musste der Autor die Leser ködern, in dem er Verhaltensweisen an seinen Figuren beschrieb, die Spielraum für Interpretationen zuließen. Beispielsweise baut er ein Szenario auf, in dem er Pri Sipiera in den Focus des Jägers rücken lässt und die Anführerin in anderen Szenen Shanda darum bittet, nicht in ihren Gedanken einzudringen. Als dann die Auflösung vom Autor auf der vorletzten Romanseite präsentiert wurde, war ich zwar nicht enttäuscht aber richtig zufrieden auch nicht.

Die Darstellung des Jägers war eine andere als zuletzt. Trotz der Niederlage gegen Perry Rhodan zeigte der Jaj bislang kaum Schwächen. Er zeigte eine gewisse Arroganz und seine mangelnden Fähigkeiten in der Improvisation ließen ihn zuletzt scheitern. Hat die Figur hingegen ausreichend Zeit der Vorbereitung, können es selbst drei Haluter nicht gegen ihn aufnehmen. Insofern überrascht es, dass der Jaj so schnell in den Widerstand eindringt, denn dazu musste er einiges improvisieren. Aber auch die ersten Aktionen des Jaj gerieten unnötig kompliziert. Der Autor entwickelt dazu einen recht merkwürdigen Plot. Statt an einem anderen abgelegenen Ort zuerst sein Schiff zu reparieren und sich zu regenerieren, lässt er Leza Vlyoth zur Venus fliegen. Dies setzt den Marshall unnötig der Gefahr einer Entdeckung aus. Der Jaj hatte sich in den vergangenen Romanen bei seinen Vorbereitungen stets bedächtig und durchaus auf seine Sicherheit achtend gezeigt. Dieses Verhalten passt nicht ganz zu bisherigen Schilderungen der Figur.

Sein Schiff ausgerechnet auf der Venus reparieren zu lassen, könnte aber auch seiner Überheblichkeit geschuldet sein. Die Absichten des Autors in beiden Kapiteln war es sicherlich, die Figuren und somit die Leser über die aktuelle Bedrohungslage in Kenntnis zu setzen und mit dem Szenario Venus nochmal eine Schippe oben drauf zu setzen. Nichts macht Leser so unruhig wie ein Feind, der im Solsystem schalten und walten kann, wie es ihm beliebt.

Die Aktion Venus und der Auftritt des Gestaltwandlers auf Luna gerieten jedoch auch noch auf anderer Weise merkwürdig. Während also im Solsystem ein Linearflugverbot existiert, macht der Jäger einen Fehler und fliegt direkt ins Solsystem. Da müssten doch bei den zuständigen Stellen alle Alarmglocken schrillen, warum ein Schiff von den Onryonen unbehelligt einfach so den Linearraum benutzt. War zuletzt zu lesen, dass der Jaj seinen Körper alle 36 Stunden mit der Restmasse verbinden muss, um die Similierung aufrechtzuerhalten, scheint dies in Herrens Roman keine Bedeutung zu haben. Es wird nicht geschildert, dass Leza Vlyoth seinen Rest-Körper mitgenommen hat, als er über einen Transmitter auf ein onryonisches Schiff wechselt und damit nach Luna fliegt. Dort wartet er mehr als einen Tag auf eine Audienz beim Richter, bevor er sich mit dem Lunaren Widerstand beschäftigt. Insgesamt dürften locker mehr als die 36 Stunden vergangen sein. Außerdem wechselt er auf Luna vom Körper eines Linguiden in den Körper eines Terraners. Auch dazu hätte er nach den bisherigen Schilderungen in sein Körperbad zurückgemusst.

Diese Ungenauigkeiten sind ärgerlich. Ein so mächtiger Spieler wie der Gestaltwandler wurde eben genau mit diesen wunden Punkten eingeführt. Abgesehen davon, dass die Geschichte unter diesen Fehlern etwas litt, wurde auch deutlich, dass der Roman eher Aufbauarbeit für die nächsten Hefte leisten sollte.