Articles for the Month of Juli 2013

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2710

Haluter-Jagd – von Hubert Haensel – Handlung:

Marshall Leza Vlyoth hat einen neuen Körper similiert. Wie jedes Mal bei einem solchen Prozess muss der Jaj einen Verlust an Lebenszeit in Kauf nehmen. Mit seinem neuen massigen Körper betritt er die Zentrale der XYANGO. Der Báalol Peo Tatsanor blickt ungläubig auf die neue Gestalt des Jaj. Es ist ein Uleb, ein 4m-Gigant. Tatsanor erfährt nun, dass der Jäger ein Gestaltwandler ist oder wie Vlyoth es selbst ausdrückt, ein Biokybernetiker. Er kann nicht nur das Aussehen, sondern auch die Eigenarten eines Wesens übernehmen. Auf Befehl des Marshalls setzt die XYANGO, getarnt als Haluterschiff zur Landung auf dem Dunkelplaneten an.

Auf Kamaad haben sich die 3 Haluter vorerst in das Tauchboot zurückgezogen. Ihre Analyse zur Explosion der HALUTA IV kommt ins Stocken. Ob es ein Unfall oder ein Angriff war, können sie aus der Distanz nicht ermitteln. Die drei Riesen kehren zum Wrack zurück. Icho Tolot untersucht die Trümmer ohne Ergebnis. Plötzlich setzt ein Haluterschiff zur Landung an. Zur Überraschung der drei Wissenschaftler werden TARAS ausgeschleust und nähern sich. Über Funk meldet sich Fancan Teik bei Tolot. Als Tolot antwortet, beschleunigen die TARAS und explodieren. Eine Plasmawelle rast auf die Haluter zu. Icho Tolot und der junge Avan Tacrol können rechtzeitig ausweichen, doch Luto Faonad wird trotz Strukturumwandlung schwer verletzt. Tolot kann den Verletzten in das Tauchboot bergen. Auch Tacrol, der zuerst blind vor Wut gegen das fremde Raumschiff anrennt, kehrt ins Tauchboot zurück. Im Boot stirbt der Elter von Tacrol und Tolot hat alle Mühe, den jungen Haluter zu beruhigen, der den Tod Faonads rächen will.

Die Haluter warten im Tauchboot einige Zeit und beschließen dann den Gegner, von dem Tolot mittlerweile vermutet, dass er seinetwegen hier ist, aus dem Schiff zu locken. Sie nähern sich dem kegelförmigen künstlichen Riesenhügel, den sie bislang nicht untersucht haben. Das fremde Raumschiff verfolgt sie und kann nicht verhindern, dass die beiden Haluter in das Bauwerk eindringen. Das Innere der Struktur ist wie das lymphatische System und die Blutgefäße eines riesigen Wesens aufgebaut. Zahlreiche Röhren und Tunnel ziehen sich durch den Hügel. Eine dünne moosartige Schicht bedeckt das poröse Material der Wände und gibt Licht ab. Es gibt auch Stellen ohne Bewuchs, die lichtempfindliche Rezeptoren zu sein scheinen, gewissermaßen Augen eines Riesenwesens. Die Haluter dringen immer tiefer vor und stehen bald in einer Kaverne, in der zwei riesige Skulpturen in der Form von Händen stehen, wie sie sie auch schon auf der Oberfläche von Kamaad entdeckt haben.

Die beiden Jäger folgen mit einer Gruppe TARAS die Flüchtigen. Der Uleb hat aufgrund seiner riesigen Gestalt Probleme in den kleinen Gängen. Wie die Erstkonditionierten auch, kann er allerdings seinen Körper verdichten und die Jagd geht weiter. In der Halle mit den Skulpturen treffen Jäger und Flüchtlinge aufeinander. Der nun wieder vergrößerte Uleb kann Avan Tacrol bewusstlos schlagen. Während Tolot von TARAS abgelenkt wird, verstärkt Peo Tatsanor den Schutzschirm von Vlyoth und beide kehren zusammen mit der Geisel Tacrol zurück an Bord der XYANGO. Dort dringt der Báalol in den Geist des jungen Haluters ein. Die Schmerzensschreie überträgt der Jaj in den Kegelbau, um Icho Tolot zu reizen.

Tolot lässt seinen Helmsender im Kegelbau und kehrt ins Tauchboot zurück. Über Funk kommt es zum Kontakt mit Vlyoth. Der Haluter erfährt vom Atopischen Tribunal und das er als Begleiter des Fraktors Rhodan zahlreicher Verbrechen beschuldigt wird. Natürlich weist Tolot die Beschuldigungen von sich. Er verlässt das Tauchboot, das er zuvor manipuliert. Während der Marschall den Haluter im Kegelbau vermutet und er die TARAS dort nach dem Haluter suchen lässt, schießt das Tauchboot unterhalb der XYANGO in die Höhe und explodiert. Es bilden sich Strukturlücken, durch die Tolot in das Schiff eindringen kann. Nun sieht er auch, dass der fremde Raumer im inneren kein Haluterschiff ist. Tolot scheitert beim Versuch zur Zentrale vorzudringen. Der Uleb überwältigt ihn und setzt ihn in einem Fesselfeld gefangen. Die Temperatur im Raum beginnt zu sinken. Sein Planhirn meldet Tolot einen Wert von minus 268,75 Grad. Tolot wartet auf das Ende.

 

Rezension:

Der Autor Hubert Haensel stand vor einer Herausforderung der besonderen Art. Die bisherigen Schilderungen, insbesondere im Roman der Vorwoche, präsentierten einen haushoch überlegenen Gegner in der Gestalt des Jägers. Auch durch das technische Equipment des Marshalls schien das Ergebnis der bevorstehenden Jagd bereits früh festzustehen. Damit die Haluter-Jagd nicht ein zu schnelles Ende fand, musste der Autor also zahlreiche Bremsen einbauen. Der überlegene Jäger, seiner Beute sicher, entwickelte unter der Schreibe des Autors eine gewisse Überheblichkeit. Dieses Szenario, zur Genüge bekannt, führte in der Folge dazu, dass die Beute ein ums andere Mal entkommen konnte. Überraschen konnte der Autor mit diesem Vorgehen zwar nicht, andererseits war dieser Kniff noch nachvollziehbar. Ein paar Mal jedoch bleibt das Verhalten des Jägers in der Beschreibung des Autors ungenau oder sogar unlogisch.

Beispielsweise als der Jaj nicht auf das Kegelgebäude feuern will, weil er den unbekannten Erbauern Sicherheitsmaßnahmen unterstellt. Andererseits lässt er es zu, dass Tolot und der andere Haluter in den Hügel fliehen, um ihnen anschließend zu folgen und im inneren der Struktur einen Kampf zu beginnen. Seltsam, zuvor wollte er sich nicht mit den fremden Erbauern anlegen?

Auch die Fähigkeit des Jägers als Gestaltwandler wird von Hubert Haensel noch detaillierter ausgeführt, als im Roman der Vorwoche. Am Anfang der Geschichte nimmt sich der Autor viel Zeit, um den Prozess des Similierens zu erläutern. Der Gestaltwandler, der sich selbst eher als Biokybernetiker sieht, übernimmt nicht einfach nur die Gestalt eines anderen Wesens, er „wird“ zu diesem Wesen. Mit allen Fähigkeiten! Der Uleb hat zwei Gehirne und kann seinen Körper strukturverdichten. Trotz der Mühe die sich Hubert Haensel macht, bleibt doch einiges unklar. Es ist ausgerechnet der beschriebene Grad der Perfektion, der zum Problem führt. Wenn die Similierung so perfekt ist, wie es der Autor beschreibt, wie kann dann der Jaj es schaffen, mit den zwei Gehirnen zu denken? Sein eigener Ursprungskörper hat keine zwei Gehirne. Sein Intellekt und seine Erfahrung bauen auf einem einzelnen Gehirn auf. Es ist mehr als unwahrscheinlich, dass er beim similieren eines Ulebs dessen Fähigkeiten übergangslos so beherrscht, wie es im Roman beschrieben ist. Oder anders betrachtet, wäre die Similierung eines fremden Wesens tatsächlich perfekt, dann wäre der Jaj ab diesem Zeitpunkt tatsächlich ein Uleb und würde sein eigenes Denken und seine Erfahrung verlieren. Da er das im Roman nicht tat, kann die Kopie nicht perfekt sein und der Uleb hätte die eine oder andere Schwäche zeigen müssen.

Neben der weiteren Beschreibung des Jägers treibt der Autor aber auch noch andere Handlungselemente voran. Der Roman bot neben der Grundstory, in der es um die Auseinandersetzung des Jaj gegen die Haluter ging auch noch einiges an Hintergrundwissen zum Zyklus. Der Autor vermittelt Informationen zum Atopischen Tribunal in den Dialogen zwischen dem Marshall und dem Báalol und in der Auseinandersetzung zwischen den Giganten werden auch Beobachtungen auf der Dunkelwelt eingebaut. Gerade diese Informationen nahmen allerdings dem „Auftritt“ des Uleb leider einiges an Dramatik. Der Autor lässt den Leser schon früh wissen, welche Form der Jaj angenommen hat. Seine anderen Protagonisten bleiben zunächst im Unklaren über das Aussehen des Gegners. Mit Eintritt in den Kegelbau wird trotz der angespannten Situation der Schwerpunkt zunächst wieder auf wissenschaftliche Beobachtungen gelegt. Als dann der Jaj in Gestalt des Uleb auftritt, war durch die wissenschaftlichen Detailbetrachtungen ein wenig die Spannung wieder raus.

Insgesamt betrachtet lässt der Autor die drei Haluter sehr unglücklich agieren. Gehen sie zunächst planlos vor, was noch verzeihbar ist, denn schließlich wurden sie überraschend angegriffen, tut die Sorglosigkeit der drei Haluter beim zweiten Angriff schon richtig weh. Zwar hat der Leser zu diesem Zeitpunkt einen Wissensvorsprung und weiß um die Gefahr, allerdings gab es genügend Indizien für die Haluter, um misstrauischer zu sein. Der letzte Plan, den der Autor seinen Protagonisten Tolot durchführen lässt, hörte sich zunächst gut an. Er hatte jedoch einen entscheidenden Mangel. Statt den Gegner aus dem Schiff zu locken, dringt Tolot ins Schiff ein. Sein Spielraum war damit begrenzt und jede weitere Aktion zum Scheitern verurteilt.

Die Dialoge der Haluter zu Beginn der Handlung drehten sich ein wenig im Kreise. Wären es Menschen gewesen, die plötzlich ihr Raumschiff auf einer Dunkelwelt verloren hätten und nur mit geringen Aussichten auf eine Rettung, dann wären die Dialoge akzeptabel gewesen. Die Fremdartigkeit der Haluter und insbesondere ihre Fähigkeit mit zwei Gehirnen zu denken wurde vom Autor in diesen Szenen nur selten oder gar nicht vermittelt. Bei der Analyse der Vernichtung der HALUTA IV lässt der Autor die drei Haluter besonders dumm dastehen. Die mehrmalige Erwägung eines Unfalls, gefolgt von Argumenten, die einen Unfall ausschließen und schließlich wieder die Überlegung, es könnte doch ein Unfall gewesen sein, mag auf einen zaudernden Terraner zutreffen, auf die Haluter passte dieses Hin und her nun überhaupt nicht.

Oberflächlich gelesen bot der Roman eine gute Unterhaltung. Die Probleme der Geschichte lagen im Detail. Der Autor musste sich mehrmals verbiegen, damit die Geschichte einigermaßen funktionieren konnte. Die Jagd auf die Haluter in der Gestalt eines Uleb hätte stärker präsent sein müssen. Die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse des Medusenplaneten wirkten eher hinderlich in der Story.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2709

Der perfekte Jäger – von Susan Schwartz – Handlung:

Der Onryone Shekval Genneryc nimmt Kontakt zum Marshall Leza Vlyoth auf. Die Kontaktaufnahme fällt noch in die Zeit vor dem offiziellen Auftritt der Onryonen auf der galaktischen Bühne. Leza Vlyoth, ein Gestaltwandler aus dem Volk der Jaj, ist ein perfekter Jäger. Vlyoth sieht sich in Konkurrenz zum Marshall Caileec Maltynouc, der auf die JULES VERNE angesetzt wurde. Doch als Vlyoth von Genneryc erfährt, auf wen er angesetzt wird, ist er begeistert. Es ist seine größte Herausforderung bisher. Für die Jagd werden ihm 100 bis 120 Tage Zeit eingeräumt, um zu einem Erfolg zu kommen. Leza Vlyoth macht sich umgehend an die Vorbereitungen. Der Jäger überlässt nichts dem Zufall.

Ihm steht mit dem Raumschiff XYANGO und der leistungsfähigen Biopositronik WISTER eine beachtliche technische Ausstattung zur Verfügung. Nicht nur Vlyoth kann seine Gestalt verändern, auch sein Schiff kann andere Schiffe nachbilden. Wie alle Jaj ist Vlyoth süchtig nach der Droge Glasfrost, die seine Sinne stärkt. Bei einem Jülziish-Händler erwirbt der Jaj in der Gestalt eines Mehandor, sechshundert unbewaffnete Nachbauten von TARA-Kampfrobotern. Bei einem anderen Geschäft kauft der Jaj von einem Arkoniden zwanzig riesige Gasflaschen, deren integrierte Plasmakompressoren das Gas auf 148.000 Grad erhitzen können. Nach ein paar weiteren Abstechern führen die Vorbereitungen den Marshall ins Aptut-System. Auf Trakarat will Vlyoth einige Báalols rekrutieren, deren spezielle Parafähigkeiten ihm bei seinen Vorbereitungen helfen sollen. In der Gestalt des Linguiden Yoanu Quont kann der Gestaltwandler problemlos auf der Welt der Báalols landen.

Bei einer Veranstaltung wird er auf den jungen Báalol Peo Tatsanor aufmerksam, der über ungewöhnlich starke Parakräfte verfügt und ein Außenseiter auf seiner Welt ist. Leza Vlyoth lockt den jungen Mann mit Versprechungen in sein Schiff. Nach und nach füttert Vlyoth den Báalol mit Informationen. Der junge Mann, der sich Anerkennung wünscht, wird zu einem wertvollen Helfer. Er soll für den Jaj in ein fremdes Wesen eindringen und es veranlassen, wichtiges Wissen, dass der Marshall benötigt, preiszugeben. Dazu soll der Anti die bei seinem Volk seit langem nicht mehr praktizierte Methode Feuer der Wahrheit anwenden. Während des Fluges zur Zielperson wird der Báalol ausgebildet.

Der Weg führt die beiden Jäger nach Tahun. Auf dem Medo-Planeten liegt seit einiger Zeit der alte Haluter Fancan Teik in einer Art Koma. Die Mediziner können dem sterbenden Haluter nicht mehr helfen. Nun erfährt auch Tatsanor vom eigentlichen Ziel der Jagd. Fancan Teik wurde kürzlich von Icho Tolot besucht, der aus Anthuresta zurückgekehrt ist. Der alte Weggefährte Rhodans ist das eigentliche Ziel des Gestaltwandlers. Peo Tatsanor dringt in den zerfallenen Geist des greisen Haluters ein und stiehlt die Informationen zu Tolots Aufenthaltsort. Bei dieser Aktion kommt Fancan Teik ums Leben.

Der Jaj sichert sich eine genetische Probe des Haluters und kann mit dieser Signatur aus Teiks Schiff, das auf Tahun geparkt ist, weitere Informationen und Geräte entwenden. Im All verwandelt sich die XYANGO in das halutische Schiff Teiks. Dann fliegen die beiden Jäger zum Orion-Nebel, wo sich Icho Tolot aufhält.

Im Orion-Nebel ist derweil Tolot mit der HALUTA IV auf dem Medusenplaneten Kamaad gelandet. Der Dunkelplanet mit einem Alter von 4,8 Milliarden Jahren ist in das junge Sterngebiet gedriftet. Es ist bereits die dritte Dunkelwelt, die Tolot besucht. Sein Auftraggeber ist der Milliardär Viccor Bughassidow. Zusammen mit Tolot ist auch der greise Haluter Luto Faonad mit seinem Kind Avan Tacrol bei der Expedition dabei. Weitab von der HALUTA IV haben die drei Haluter ein Camp eingerichtet. Der Planet weist zahlreiche Geheimnisse auf. Eine Skulptur in Form einer Hand mit acht Fingern, ein gigantisches kegelförmiges Bauwerk mit perfekt aufeinander abgestimmten Maßen und am Grund eines Milchozeans, in dem es von tierischen und pflanzlichen Leben nur so wimmelt, entdecken die Wissenschaftler an einer Membranschicht, die das weitere Vordringen verhindert, merkwürdige Symbole.

Sie machen sich auf den Weg zurück zur HALUTA IV, um diese Symbole weiter zu untersuchen und ggf. zu entschlüsseln. Zur gleichen Zeit haben die beiden Jäger die Spur der Haluter gewittert. Mit einer List überwindet Vlyoth die Positronik der HALUTA IV und kann das Schiff zerstören. Den drei Halutern ist damit die Fluchtmöglichkeit genommen worden. Marshall Leza Vlyoth zieht sich in seine privaten Räume zurück. Dort wartet der Rest seiner Biomasse auf ihn, die er nun benötigt, um ein großes Wesen zu similieren. Die Jagd beginnt.

 

Rezension:

Die Autorin Susan Schwartz hat sich viel Mühe gemacht. Der Roman strotzt nur so von Details. Beinahe jede neue Seite führt zu fremden Welten, fremden Wesen und zu zahlreichen bekannten oder unbekannten Orten. Die Geschichte war abwechslungsreich und überall gab es etwas zu entdecken. Dazu kam der eine oder andere versteckte Hinweis, z.B. auf ein bisher nicht in Erscheinung getretenes Volk im Dienste des Tribunals und ein bisschen Humor. Hin und wieder kann die Autorin ihre bayerische Abstammung nicht verbergen und lässt entsprechende Satzkonstruktionen einfließen, die, nebenbei bemerkt, einem echten Linguiden nicht passiert wären. Auch das Thema um den oder die Gestaltwandler selbst wurde um eine Facette bereichert. Um große oder kleine Wesen similieren (nachbilden) zu können, trennt sich der Jaj bei Bedarf von einem Teil seiner Körpermasse. Dieser Aspekt lässt ältere Geschichten um Gestaltwandler regelrecht alt aussehen, denn andere Gestaltwandler konnten das nicht und hätten, zumindest gelegentlich, über eine Messung ihrer Masse entlarvt werden können. Eigentlich hatte der Roman somit alles, was das Leserherz begehrt. Allerdings geriet die Geschichte an einigen Stellen doch etwas unglaubwürdig. Der Jaj bereitete sich akribisch auf seinen Auftrag vor. Sein umfangreiches Wissen über die aktuellen Gegebenheiten in der Milchstraße war schon sehr dick aufgetragen. Dass der Jäger sich aber auch in Stil und Bauart terranischer Häuser des 17. Jahrhunderts bewandert zeigte und auch in anderen Szenen ein ähnlich profundes Wissen von sich gab, war unglaubhaft. Die Geschichte litt etwas unter dieser, zumindest in diesen Szenen, ausufernden Akribie.

Im zweiten Handlungsstrang hingegen fehlte es ein bisschen an Details zu den Motiven der Haluter. Etwa zur Hälfte des Romans verlässt die Autorin die Erzählebene des Jägers und wechselt zu den Halutern. Hatte Susan Schwartz die Vorbereitungen des Jägers noch übertrieben im Detail ausgeschmückt und die Motive des Jaj behandelt, so hält sie sich bei der Einführung der Haluter, insbesondere bei Fancan Teik und Icho Tolot doch sehr zurück. Den Motiven Tolots geht die Autorin kaum nach, sieht man von einem Satz ab, den sie beinahe beiläufig einstreut. Der Irrläuferplanet, auf dem Tolot seine wissenschaftliche Neugierde befriedigte, wurde dagegen mit einigen sehr interessanten Entdeckungen geschildert. Allerdings muss noch geklärt werden, wie unwahrscheinlich es ist, wenn die Haluter bereits auf dem dritten (!) entdeckten Medusenplaneten von Millionen derartigen Welten solche Funde machen konnten. Natürlich setze ich dabei voraus, dass diese Funde noch eine Bedeutung in diesem Zyklus erlangen.

Auch die Hereinnahme Fancan Teiks blieb weitgehend ohne Hintergrundinformationen. Während jedes „Geschäft“ des Jägers in unterschiedlicher Maske und mit unterschiedlichen Gegenspielern ausführlich beschrieben wurde, belässt es die Autorin im Falle Teiks bei ein paar Sätzen. Die Rolle des Mediziners wird nur angerissen und die Umstände von Teiks Aufenthalt kommen nicht zur Sprache. Wenn der Metabolismus eines Haluters, wie die Autorin schreibt, auch nach 3000 Jahren noch ein Rätsel ist, warum wird er dann von humanoiden Medizinern betreut?

Bewusst oder unbewusst lässt Susan Schwartz wenigstens 1 Satz zu Tolots Beweggründen einfließen. Tolot geht einem wissenschaftlichen Abenteuer nach und nicht einem militärischen, wie er sie sonst mit den Terranern erlebte, schreibt die Autorin. Für den Zyklusfortschritt wäre es zu begrüßen, wenn die wissenschaftliche Neugier der Autoren die Oberhand über den militärischen Konflikt gewinnen würde und wir (Leser) mehr von den Abenteuern, die sich mit den Medusenplaneten beschäftigen, lesen könnten. Natürlich ist es reizvoll, Perry Rhodan und Bostich vor einem Gericht stehen zu sehen. Und ich hoffe, es kommt auch tatsächlich zu einer Verhandlung, sonst wäre dieser ganze Schlagabtausch doch sinnlos gewesen. Je länger jedoch der militärische Part des Zyklus mit der permanenten Bedrohung in die Länge gedehnt wird, desto größer ist die Gefahr, dass sich die Leser langweilen werden, da sich der Zyklus sonst von den Vorgängerzyklen kaum unterscheiden würde.

Noch etwas fiel auf. Der Roman geht ein wenig in die Vergangenheit. Rhodan ist am 19. Juni zum Mond gestartet. Der Jäger, so ist dem Roman zu entnehmen, hat bis zum 01. Juli bereits zwei Wochen in seine Vorbereitungen gesteckt, d.h. er ist schon vor dem offiziellen Auftritt der Onryonen aktiv geworden. Da stellt sich natürlich die Frage aller Fragen. Warum hat das Atopische Tribunal nicht bereits vor Rhodans Flug alle Vorbereitungen getroffen und abgeschlossen und einen oder zwei Jäger auf Rhodan und Bostich angesetzt?

 

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2708

Vier gegen ITHAFOR – von Arndt Ellmer und Christian Montillon – Handlung:

Der Hohe Tamrat Vetris-Molaud strebt danach, einen Polyport-Hof zu kontrollieren. Der Tefroder, der das Neue Tamanium mit einer Politik der Stärke führt, setzt für diesen Plan sein Mutantenkorps ein. Die vier Tefroder, die sich gern als Eroberer bezeichnen, sollen den Polyport-Hof ITHAFOR-5 einnehmen, dessen Leitung vom Galaktikum den Jülziish übertragen wurde. Zum Mutantenkorps gehören die Vitaltelepathin Toio Zindher, der Paradox-Teleporter Lan Meota und Satafar, dessen knabenhafter Körper mit dem Gesicht eines Greises über die Kräfte eines Ertrusers verfügt und der das Team leitet. Vierter im Bunde ist Trelast-Pevor. Als einziger hat er keine Parafähigkeit, allerdings ist er ein Technikgenie.

Agenten des tefrodischen Geheimdienstes, der auch als Gläserne Insel bezeichnet wird, sollen für die notwendige Ablenkung sorgen. Während in der Hauptstadt Apsuma auf Tefor die Vorbereitungen für die Einnahme des Polyport-Hofes laufen, ist der Weddone Ghöllrysch, der das Kommando auf ITHAFOR-5 innehat, mit der Situation ganz zufrieden. Eine starke Flotte der Jülziish sichert den Hof und die Nachricht von der Bedrohung durch die Onryonen mit ihren Linearraumtorpedos ist mittlerweile auch bis in die Eastside vorgedrungen. Nach Ansicht des Kommandanten werden dadurch tefrodische Aktivitäten gehemmt. Ghöllrysch selbst hat Zugriff auf einen A-Controller, mit dem die Station und insbesondere die Transferkamine gesteuert werden. Das Gerät wird zumeist stark gesichert in einem Tresor gelagert. Sein Sicherheitsberater Berháan ter Pikour, ein Akone, ist skeptischer was die Sicherheitslage angeht. Außerdem häufen sich die Ausfälle im Polyport-Netz.

Während die beiden Agenten Benjuber-Wocaud und Holoter-Lyst in der Maske von Blues an Bord von ITHAFOR-5 gelangen, werden die Mitglieder des Mutantenkorps von einem kleinen Raumer einer nach dem anderen von Lan Meota auf die Station teleportiert. Die Fähigkeiten des Teleporters sind einzigartig und wenig erforscht. Messgeräte können den Transport nicht anmessen und er kann auch höherdimensionale Schirme durchdringen. Jede „Passage“ dauert exakt zwei Minuten und neun Sekunden und setzt dem Tefroder physisch stark zu. Nach jeder Passage, die durch eine unbekannte surreale Landschaft führt, muss er sich erholen und die Pausen zwischen den Passagen vergrößern sich bei mehreren Teleportationen hintereinander.

Nachdem alle in der Station in einem Lagerraum sind, hackt sich Trelast-Pevor in die Station-Positronik der Blues. Toio Zindher erwirbt bei einem Händler einen gebrauchten SERUN. Außerdem nimmt sie Kontakt zu einer schwangeren Jülziish auf, mit dem Vorwand, das bei der Geburt auftretende B-Hormon erwerben zu wollen. Die vier Eroberer wollen mit einer Schreckwurmei-Kopie und diesem Hormon die Stationsverantwortlichen bluffen. Zur Täuschung der Stationsbesatzung müssen die beiden Agenten geopfert werden. Eine fingierte Nachricht bringt das Sicherheitspersonal der Station auf die Spur der beiden Agenten, die bei einem Schusswechsel getötet werden.

Zeitgleich hat Satafar eine Droge genommen, die sein Gesicht verjüngt. Er wirkt jetzt wie ein 10-jähriger Junge und wird von Toio Zindher als ihr Sohn ausgegeben, der an einer unheilbaren Krankheit leidet. Dafür benötige sie das B-Hormon. Sicherheitsberater Berháan ter Pikour bekommt Kenntnis von dieser Geschichte und ganz wie es Satafar und Toio Zindher geplant hatten, werden sie gefasst und zu Pikour und Ghöllrysch gebracht, die in den beiden getöteten Agenten zunächst die eigentliche Bedrohung sahen. Zum Bluff der vier Eroberer gehört auch, das Spiel mit dem Schreckwurmei und dem B-Hormon weiterzuspielen und den Verdacht auf einen vermeintlichen Terraner zu lenken. Lan Meota, der den heruntergekommenen SERUN trägt, wird „gefasst“ und ebenfalls zum Kommandanten gebracht. Lan Meota setzt eine weitere Fähigkeit ein, indem er auf die kurze Distanz den Controller aus dem Tresor teleportiert und mit dem Gerät zusammen ins Versteck teleportiert. Satafar kann mit seinen Kräften das Sicherheitspersonal ausschalten und Meota tötet den Sicherheitschef der Station. Trelast-Pevor kontrolliert mit dem Controller die Station, die von den Galaktikern geräumt wird. Tefrodische Schiffe, die in der Nähe gewartet haben, sichern den Polyport-Hof. Auf Tefor verkündet Vetris-Molaud den neuen Namen des ersten tefrodischen Polyport-Hofs. Er lautet WOCAUD.

 

Rezension:

So also fühlt es sich an, wenn man auf der anderen Seite steht. Früher hat das Solare Mutantenkorps solche Handstreiche ausgeführt und dabei fremde Raumschiffe und Technologien für das Solare Imperium erobert. Die Tefroder machen das jetzt nach. Eine recht amüsante Geschichte, die uns das Autorenduo Arndt Ellmer und Christian Montillon hier serviert. Wobei der Begriff amüsant nicht unbedingt auf die letzten Seiten des Romans anwendbar ist. Während sich die beiden Autoren für die Eroberung des Polyport-Hofes einige Gedanken gemacht haben und ihre Figuren mit einem plausiblen Plan in Szene setzen, greift Christian Montillon am Ende doch wieder auf seine übliche Konfliktlösung zurück, nämlich auf die Gewalt.

Das Mutantenkorps wurde geschickt aufgebaut. Nach und nach erfährt man als Leser ein bisschen mehr über die Mitglieder des Teams und über deren Para-Fähigkeiten. Ein bisschen fehlten die Reibungspunkte der vier Teammitglieder, die ein wenig zu perfekt agierten. Andererseits ist natürlich klar, dass es für eine erweiterte Darstellung dieser vier Figuren auch an Platz mangelte. Die Darstellung der vier Teammitglieder hinsichtlich ihrer eigenen Moralvorstellungen hinterließ zunächst ein positives Echo. Allerdings gab es auch anfangs keine Ereignisse, die eine Beurteilung der Figuren nach moralisch schlecht oder moralisch gut zuließen. Erst nach und nach wurde diese positive Wahrnehmung durch negativen Äußerungen oder Gedanken der Figuren abgeschwächt. Da war der immer wieder eingebrachte „Abgesang“ auf die beiden Agenten, die für den großen Plan geopfert werden müssen. Später zeigen die vier Eroberer auch in anderen Situationen, dass sie für die Durchsetzung ihrer Ziele skrupellos vorgehen können. Die Gewaltorgie in der Zentrale am Romanende lässt schließlich keine Zweifel mehr an der Gesinnung der vier Mutanten.

Die Parafähigkeiten, insbesondere die Gabe des Paradoxteleporters hat das Autorenteam anschaulich erzählt. Die Regenerationsphasen, die der Teleporter benötigt, waren glaubhaft und wurden geschickt für den Spannungsbogen genutzt. Den Balance-Akt zwischen glaubhaften Fähigkeiten und aufgesetzt wirkenden oder hingebogenen Begabungen haben die Autoren ganz gut hinbekommen.

Das Ende konnte nicht ganz überzeugen. Zum einen, weil Montillon, wie leider üblich bei ihm, zur Lösung des letzten Konflikts wieder auf Gewalt und wie leider auch üblich bei ihm auf die Zurschaustellung von Gewalt setzt, zum anderen, weil die Übernahme des Hofes durch die tefrodische Flotte dann ein bisschen zu schnell ging. Die im Roman erwähnte große Blues-Flotte, die den Hof sicherte, wird nicht mehr erwähnt als die tefrodischen Einheiten an die Station anlegen. Für die Schilderung einer Geiselsituation und der Übergabe der Station fehlte wohl auch hier der Platz.

Bleibt noch die Frage zu klären, welcher Autor für welche Textpassagen steht. Ich kann keine Romanstellen explizit einem bestimmten Autor zuordnen. Allerdings behaupte ich, dass vor allem Arndt Ellmer von dieser Zusammenarbeit profitiert hat.