Articles for the Month of Juni 2013

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2706

Sternengrab – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Die JULES VERNE ist in die Nähe des galaktischen Zentrums geflogen und nähert sich vorsichtig dem Black Hole Tephaya, wo sich angeblich ein Richter des Atopischen Tribunals aufhalten soll. Reginald Bull sucht zum zweiten Mal den gefangenen Onryonen auf, nachdem das erste Gespräch keine Ergebnisse brachte. Marshall Caileec Maltynouc wird nahe der Medostation in Isolationshaft gehalten. Caileec Maltynouc ist gesprächiger und zeigt sich über die Situation in der Milchstraße, über die Terraner und auch über den Unsterblichen gut informiert. Reginald Bull fällt während des Gesprächs auf, dass der Onryone unterschiedliche Gerüche absondert. Mal riecht er nach Salbei, wenig später meint Bull einen Schwefelgeruch wahrzunehmen. Maltynouc zeigt sich sehr zum Ärger von Bull überaus selbstbewusst und fordert die Übergabe des Schiffes. Das Gespräch wird unterbrochen, weil Reginald Bull die Information bekommt, dass ein einzelnes onryonisches Schiff entdeckt wurde.

Auf dem Weg zurück zur Zentrale fallen Bull ungewöhnlich viele Patienten auf, die zur Medostation streben. Das geortete Schiff ist ein Raumvater, eine 2100m-Einheit des Feindes. Das Schiff hat Probleme im aufgewühlten galaktischen Zentrum seinen Kurs zu halten. Bull lässt den Onryonen ziehen und weiter Kurs auf Tephaya halten. In der Zentrale wirken die Besatzungsmitglieder müde und abgespannt. Ein Offizier bricht zusammen und wird aus der Zentrale geschafft. Ersatzleute aus der 2. Schicht haben sich ebenfalls krank gemeldet. Bull ahnt Schlimmes. Er sucht erneut die Medostation auf. Die Mediker haben immer mehr Patienten mit unterschiedlichen Symptomen. Bull befiehlt, Ghiyas Khosrau zu wecken. Der TLD-Agent kann Bull nur mitteilen, dass sein Unterarm während des Polyport-Transports ersetzt wurde. Bull lässt nach Gewebespuren des Arms suchen und die Atmosphäre des Schiffes analysieren. Die Situation verschlimmert sich. Immer mehr Besatzungsmitglieder werden krank. Die JV-1 wird isoliert, dennoch breitet sich die Epidemie weiter aus.

Der Mediziner Kendrest nimmt sich schließlich den Onryonen vor und bekommt erste Hinweise zum Ursprung der Epidemie. Der Gefangene strömt das Gift, genauer gesagt Komponenten des Gifts aus. Die Komponenten werden erst in menschlichen Körpern aktiv und werden chemisch umgewandelt. Zwar hat es noch keine Toten gegeben, doch die Situation ist ernst. Unterdessen ist Tephaya erreicht und wird in sicherer Distanz untersucht. Ein unbekanntes Objekt hält sich nahe des Ereignishorizonts des Black Hole auf. In der Zentrale erscheint das Hologramm des Metaläufers Ilz Namib. Die Erscheinung möchte etwas mitteilen, findet aber offensichtlich keinen Weg zur Kommunikation. Plötzlich erschüttern Explosionen das Schiff. Die Medostation wird größtenteils vernichtet, Caileec Maltynouc ist verschwunden. Die Bordpositronik NEMO liefert Bildmaterial, das zeigt, dass die Menschen selbst zu Bomben wurden. Eine biochemische Veränderung ihrer Körper ließ sie explodieren. Von Überlebenden wird der Verdacht genährt, dass Maltynouc eine Komplizin an Bord hat.

Reginald Bull ist trotz der Situation an Bord nicht bereit, seinen ursprünglichen Plan fallen zu lassen. Während das fremde Objekt näher an das Black Hole rückt, lässt er die JULES VERNE gegen den Widerstand der Kommandantin folgen. Kaum beginnt der Anflug, eskaliert die Lage erneut. Unter den Besatzungsmitgliedern bricht Panik aus, sie sind nicht mehr Herr ihrer Sinne. Ein Emotionaut, der NEMO beeinflusst, muss getötet werden. Dann kommt es auch in der Zentrale zu einer Explosion. Jawna Togoya schützt mit ihrem Körper Bull vor dem sicheren Tod. Auch die Posbi überlebt den Anschlag. Mehr als 3600 Besatzungsmitglieder werden fremdgesteuert in zwei Korvetten gelotst, die zum Black Hole fliegen. Das fremde Objekt zieht die Korvetten an das Schwarze Loch.

Caileec Maltynouc ist mit dem Erreichten zufrieden. Nachdem er Khosrau aus dem Polyport-Transit genommen und mit einem neuen Unterarm versehen hatte, sind alle seine Pläne aufgegangen. Lediglich Togoya, die Bull schützte und das seltsame Wesen Ilz Namib sind Faktoren, die er nicht richtig berücksichtigen konnte.

Die JULES VERNE folgt den Korvetten. An Bord des Hantelraumers sind nur noch Reginald Bull und Jawna Togoya. Auch Caileec Maltynouc vermutet Bull noch an Bord. NEMO übernimmt alle Funktionen. Ilz Namib meldet sich. Er stellt die Trafitron-Weiche, eine Art Transmitter zur Verfügung. Bull lässt 4 Beiboote, darunter die beiden Solonium-Hypertakt-Kreuzer ausschleußen. Jawna Togoya geht an Bord der NAUTILUS I. Und wieder eskaliert die Lage. Ein Kampfverband der Onryonen erscheint. Ilz Namib erzeugt einen Hypervastor-Blitz, der die gegnerischen Schiffe blendet. Die JULES VERNE zerstört alle 22 Feindschiffe. Die Korvetten werden an Bord geholt und die Besatzung der VERNE per Transmitter und mit Unterstützung der Trafitron-Weiche zu den vier Beibooten abgestrahlt. Während NEMO das Schiff kaum noch vor den Auswirkungen Tephayas schützen kann, sucht Bull den Weißen Saal auf, weil er hofft, damit dem Schiff noch letzte wichtige Sekunden zu verschaffen. Er trifft auf Khosrau, doch schnell erkennt Bull, dass es Maltynouc ist. Der vermeintliche Onryone ist eine Art Gestaltwandler aus dem Volk der Jaj, der Khosrau similiert. Maltynouc und Bull betreten den Weißen Saal, der beide einlässt. Die beiden Gegner spüren, dass in dem Saal etwas oder jemand ist, das ihnen Widerstand leistet.

Bull erkennt in dem Saal eine fremde Entität, die ihm hilft, die Zerstörung des Schiffes solange zu verhindern, bis alle Besatzungsmitglieder das Schiff verlassen haben. Bull hört die Entität ein letztes Mal zu ihm sprechen: „Viele Leben werden gegeben, zwei werden genommen.“

An Bord der NAUTILUS I beobachtet Jawna Togoya das Ende der JULES VERNE. Aus den Tiefen des Black Hole tauchen Trümmerstücke auf. Mitten im Raum materialisieren gewölbte Flächen, die sich zu einer 950 Meter durchmessenden Kugel zusammensetzen. Das unbekannte Objekt zieht die Trümmer der VERNE in sein Inneres. Die Posbi funkt das Objekt an. Quick Silver von der Paddler Station KO-selbstlos meldet sich. Er rät Togoya zu verschwinden, Reginald Bull sei nicht mehr hier. Dann schrumpft das unbekannte Kugelschiff und verschwindet.

 

Rezension:

Im letzten Teil der Trilogie gelingt Michael Marcus Thurner nicht nur eine deutliche Steigerung gegenüber den ersten beiden Teilen, die Qualität des dritten Bands lässt insbesondere die dummen Fehler aus Band 1 der Trilogie vergessen. Der Abschlussband war auf hohen Spannungsniveau und hatte ein fulminantes Finale. In einigen Szenen erinnerte mich die Geschichte an ein Heft aus dem Neuroversum-Zyklus vom gleichen Autor. Es war der Roman über die letzten Tage der GEMMA FRISIUS, in dem auch eine Schiffsbesatzung gegen einen unbarmherzigen Gegner kämpfte und verlor. Damals ging die ganze Besatzung unter, ganz so drastisch sind die Folgen diesmal nicht. Wie damals nistet sich ein mitleidloser und in seinem Vorgehen unbarmherziger Feind an Bord ein. Nach und nach wird die Bedrohung zur Gefahr aufgebaut und die Gegenmaßnahmen der Schiffsbesatzung immer wieder von der nächsten Eskalationsstufe zunichte gemacht.

Ein solcher Aufbau verlangt vom Leser einiges an Entgegenkommen. Hätten sich Bull und die Besatzung der JULES VERNE alle Erfahrungen der letzten 3000 Jahre in Erinnerung gerufen und daraus die notwendigen Schlussfolgerungen gezogen, hätte die Geschichte nicht diesen Fortgang und dieses Ende gefunden. Von daher muss man sich als Leser auf gewisse Elemente der Geschichte einlassen. Michael Marcus Thurner hat also zugunsten einer spannenden Story auf manches spannungstötende Element bewusst verzichtet. Allerdings erklärt das nicht, dass Bull auf dem Höhepunkt der Krise, d.h. nachdem menschliche Bomben hochgegangen sind, den SERUN gegen die bequeme Bordkombi eintauscht! Und warum am Ende alle Besatzungsmitglieder plötzlich keine Krankheitssymptome mehr zeigen, lässt sich auch nicht schlüssig aus der Handlung herleiten.

Die Infizierung der Besatzung mit verschiedenen chemischen Komponenten, die der vermeintliche Onryone ausdünstet, ist ein wirklich perfides Vorgehen. Die Geschwindigkeit der Verbreitung und der Umwandlung und das breite Spektrum der Waffe von Gedankenmanipulation bis hin zu Körperbomben waren schon etwas dick aufgetragen. Und es muss die Frage erlaubt sein, warum im Heft der Vorwoche von Trümpfen die Rede war, die Bull noch in der Hinterhand hatte. Entweder gab es die nicht oder sie wurden nicht ausgespielt oder die Trümpfe werden erst in der Fortsetzung dieser Handlung eingesetzt. Denn eine Fortsetzung wird es geben. Die JULES VERNE aufgeben ist eine Sache, Reginald Bull aufgeben wird das Autorenteam (noch) nicht wagen. Der Auftritt Quick Silvers nährt die Hoffnung, dass wir noch nicht alles erfahren haben.

Im letzten Zyklus schrieb ich noch, dass es mich nervt, wenn Besatzungsmitglieder mit SERUN aufs Klo oder schlafen gehen, obwohl keine unmittelbare Gefahr droht. In diesem Zyklus werden Kinder auf tödliche Missionen entsendet und SERUNS trotz drohender Lebensgefahr gegen bequeme Bordkombis getauscht. Warum müssen Autoren immer solche Gegensätze schreiben? Der Figur Reginald Bull hätte ich in der Geschichte etwas mehr an Rationalität gewünscht. Bull entscheidet viel zu häufig nach seinem Bauchgefühl. Und gerade das hat ihn in der Trilogie mehrmals im Stich gelassen. Für einen Unsterblichen mit 3000 Jahren Erfahrung passt das nicht so richtig. Es gab in der Vergangenheit nur wenige Autoren, die Bull auch mal anders geschildert haben.

Während in vergangenen Zyklen ein übermächtiger Gegner zum Zyklusbeginn aufgebaut wurde, der dann mitunter in nicht mehr nachvollziehbaren Ereignissen oder mit spezieller Wundertechnik in die Passivität gedrängt und schließlich besiegt wurde, scheint das Expo-Team in diesem Zyklus Interesse an einem gewissen Gleichgewicht der Kräfte zu haben. Die Trilogie liefert zwar nicht die besten Hinweise auf diese Vermutung, dennoch drängt sich dieser Eindruck auf. Die Entsorgung der JULES VERNE passt ebenfalls in das neue Schema des Zyklus. Zwar spielte der Hantelraumer zuletzt im Neuroversum keine große Rolle, allerdings waren dort die umfunktionierte BASIS, die MIKRU-JON, die TOLBA, das Weltenschiff, die Lichtzelle, die LEUCHTKRAFT und etliche andere Hightech Vehikel aus Kosmokratenfertigung im Einsatz. Nun sind diese spannungskillenden Elemente weg und das wird der Serie guttun. Denn dadurch käme den handelnden Figuren mehr Gewicht zu und Handlungsfortschritte werden vielleicht mal wieder mit dem Köpfchen und weniger mit technischen Wunderwerken erreicht. Ganz werden die Autoren zukünftig auf solche Hightechschiffe nicht verzichten wollen, wie die letzten Textpassagen andeuten.

Fazit: Dem Autor gelingt im letzten Band der Trilogie eine deutliche Steigerung. Ganz schlüssig sind seine Handlungsabfolgen nicht. Dennoch war Heft 2706 sehr spannend und bot gute Unterhaltung.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2705

Die Sippe der Würdelosen – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Der Onryone Shekval Genneryc schickt den Marshall Caileec Maltynouc los, um der JULES VERNE eine Falle zu stellen. Währenddessen ist die Mehandor-Sippe der Tusnetz im Solsystem gestrandet. Das Linearflugverbot verschlimmert die wirtschaftliche Situation der Springer, die auch die Sippe der Würdelosen genannt wird, da sie selbst unter ihresgleichen einen schlechten Ruf genießen. Patriarch Audunt lässt seinen Stellvertreter Abanell Kontakt zu den Onryonen aufnehmen. Unter dem Vorwand, das Trümmerfeld der von den Onryonen zerstörten Schiffe ausbeuten zu wollen, bieten die Mehandor auch an, die Terraner bei Gelegenheit an die Onryonen zu verraten.

Während auf Terra und anderswo die Auslobung eines Zellaktivators zahlreiche Menschen um den Verstand bringt, verbirgt sich die JULES VERNE im Ortungsschutz einer Sonne. Der TLD-Agent Gjyas Khosrau, von dem alle an Bord davon ausgehen, dass er ein Spion der Onryonen ist, wird streng bewacht und untersucht. Khosrau schlägt Bull vor, die JULES VERNE an Bord einer Space-Jet zu verlassen. Sollte er tatsächlich, ohne es zu wissen, Teil einer 5.Kolonne der Onryonen sein, dann will er Köder spielen. Bull willigt in den Plan ein. Doch bevor er in die Tat umgesetzt werden kann, erscheint ein Verband von 20 Schiffen der Onryonen in der Nähe der JULES VERNE.

Im Solsystem hat Sichu Dorksteiger eine Flotte von Space-Jets zur Suche nach der Blackbox der HILDEGARD VON BINGEN erhalten. Im Zielgebiet wird ihr von den Onryonen der Flug in das Trümmerfeld untersagt. Die Wissenschaftlerin wendet sich an die Sippe der Würdelosen. Sie geht einen Deal mit den Mehandor ein. Die Sippe beschafft die Blackbox und wird dafür fürstlich entlohnt. Dorksteiger ist jedoch unsicher, ob die Mehandor die Absichten der Terraner nicht doch noch an die Onryonen verraten. Doch Abanell täuscht die Onryonen mit einer Lüge über die Absichten der Terraner.

An Bord der JULES VERNE wird die Flotte der Onryonen beobachtet. Die Nähe zur Sonne wird allgemein nicht für einen Zufall gehalten. Die Schiffe scheinen einer kleineren Einheit im Zentrum des Pulks Geleitschutz zu geben. Bull ist sich bewusst, dass es eine Falle sein könnte, dennoch lässt er die JULES VERNE unter Tarnung des ATG-Feldes an die Onryonen heranfliegen und schließlich angreifen. Nach einer kurzen heftigen Schlacht sind 19 Schiffe der Onryonen vernichtet oder kampfunfähig. Das kleine Schiff wird geentert und ein Onryone schwer verletzt gefangen genommen. Noch bevor eine weitere Flotte der Onryonen in das Geschehen eingreift, kann sich der Hantelraumer absetzen.

Während der Kampfhandlungen wird der TLD-Agent Khosrau in seine Unterkunft eskortiert. Aus den Fingerspitzen seiner linken Hand lösen sich Energiestrahlen, die seine Bewacher töten und die TARAS zerstören. Schließlich fällt sein ganzer linker Unterarm ab und einer der Finger richtet sich auf ihn. Mit letzter Kraft kann Khosrau den Arm bei der Schussabgabe zur Seite treten. Es gibt eine Explosion und der Agent wird schwer verletzt. Die Aufräumkommandos können aus der Spurenlage zunächst keine Erkenntnisse zu dem ungewöhnlichen Vorfall ziehen.

Aus den Daten, die auf dem onryonischen Schiff erbeutet wurden, geht hervor, dass der gefangene Onryone ein Marshall namens Caileec Maltynouc ist, der als enger Vertrauter von Atop Chuv gilt. Der Richter residiert in der Nähe des Black Hole Tephaya in der Nähe des galaktischen Zentrums. Die Daten wirken wie eine Einladung und Reginald Bull ist klar, dass es eine Falle sein muss. Dennoch geht er auf das Spiel ein, mit ein paar Trümpfen in der Hinterhand. Er besucht Maltynouc, doch der Onryone gibt sich schweigsam und abweisend. Maltynouc ist zufrieden. Er ist wie geplant an Bord der JULES VERNE.

 

Rezension:

Die Sippe der Würdelosen geriet dem Autor Michael Marcus Thurner etwas besser als der Roman der Vorwoche. Nicht nur, dass die Geschichte deutlich weniger Fehler enthielt, sie war auch nachvollziehbarer angelegt und dadurch lesbarer. Letzte Woche wirkte vieles an Bord der Paddler-Plattform und später in der JULES VERNE aufgesetzt, die Mehandor-Szenen dieses Romans wirkten dagegen authentischer. Auffallend ist nach wie vor, dass die Autoren fremde Gesellschaften besser schildern können, als die menschliche Gesellschaft in der Zukunft. Zwar enthält die Beschreibung der Springer kein Detail, das gänzlich abnorm wäre und manche Sitten und Gebräuche sind nicht so weit von menschlichen Gewohnheiten entfernt, dennoch ist der Wille erkennbar, etwas anderes zu beschreiben. Die Gesellschaft der Erde hingegen zeigt sich in den Beschreibungen der Serie im 52. Jahrhundert lediglich als ein mit ein paar anderen Begrifflichkeiten aufgepepptes Abbild der deutschen (oder österreichischen) Gesellschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts Realzeit. Daran ändert auch nichts, dass Thurner seine Figur Bull in Reaktion auf die Wiedergabe von Statements in den Medien sagen lässt, dass sich die Menschen geändert haben. Einen Beweis dafür bleibt uns der Autor schuldig, zumal er sich in den Szenen, die den Anlass zu dieser Aussage gaben, nur mit den bizarren Auswüchsen Einzelner beschäftigt.

Die Serienwirklichkeit sieht anders aus. Die Menschen haben sich nicht geändert. Zumindest gibt es keine Beschreibung in den Heften dieses Zyklus, die etwas anderes beweist. Es gab einen grandios gescheiterten Versuch von William Voltz nach dem Heft 1000 eine Menschheit zu schildern, die sich in machen Entwicklungen von der realen Gegenwart unterschied. Als Stichwort sei der letzte Verbrecher genannt. Die Geschichte war damals wenig durchdacht, eine derart radikale Schilderung von Eingriffen in die Soziologie der Menschen hat es seitdem nicht mehr gegeben. Möglicherweise hat dieses Experiment noch immer Einfluss auf die Serienentwicklung. Verlag und Autoren trauen sich nicht andere Formen als die vorherrschenden sozialen Haltungen in die Romane einfließen zu lassen. Im Grund genommen werden die verschiedenen Ausprägungen unserer Gesellschaft lediglich mit einer anderen Jahreszahl in den Romanen versehen. Der Autor unterstreicht diesen Eindruck, wenn er Sichu Dorksteiger später sagen lässt, dass die Terraner in den letzten Jahrtausenden nichts hinzugelernt hätten. Schwingt in diesen Sätzen die Resignation Thurners mit, der von den Vorgaben im Exposé enttäuscht ist? Oder ist das seine Reaktion auf die immer gleiche (und ungeliebte) Frage der Leser, die sich ebenfalls zu jedem Zyklusauftakt fragen, warum die Menschheit mal wieder nichts dazugelernt hat.

Doch zurück zum Roman. Nach dem Einstieg, der eine wenig aussagekräftige Sicht auf onryonisches Denken beinhaltete, konnten die Mehandor-Kapitel am meisten überzeugen, abgesehen vom Anlass, sich mit der Sippe der Würdelosen überhaupt zu beschäftigen. Doch dazu unten mehr. Das Duell Bull – Khosrau war nur anfänglich interessant. Als Nerv tötend erwiesen sich die zahlreichen Untersuchungen und Sicherheitsmaßnahmen, von denen erkennbar war, dass sie sowieso nichts bringen würden. Und in jedem dieser Kapitel begleitete uns mindestens einmal zu viel der Hinweis alles und jeden ständig zu bewachen. Auf der einen Seite wird vermutet, dass Khosrau ein Spion ist, auf der anderen Seite sind die Untersuchungen, nach Verlautbarung des Chef-Mediziners nur oberflächlich. Dass passt nicht zusammen. Dazu streute der Autor seine Schlaglichter in den Roman, die, wie oben beschrieben, eben nur die bizarren Auswüchse einiger Individuen zeigten. Der Ideenreichtum des Autors in allen Ehren aber weniger wäre mehr gewesen.

Die Suche nach der Blackbox beschäftigt die Autoren nun bereits seit mehreren Romanen. Die immer wieder beschriebenen Schwierigkeiten, diese Box überhaupt zu finden, nerven ebenfalls. Zumal man sich fragen muss, warum überhaupt nach der Box gesucht wird. Man sollte meinen, dass die JULES VERNE bessere Daten liefern könnte, da sie einen Angriff der Linearraumtorpedos selbst erlebt und überlebt hat. Die Daten könnten längst auf Terra und in der Hand der Wissenschaftler sein, wenn, ja wenn der Autor daran gedacht hätte. Hat er aber nicht und so wirkt das Geschehen unlogisch. Die Krönung der Unlogik ist jedoch, dass die Signale der Blackbox beim Eintreffen der Suchtrupps angemessen werden können. Die Ortsbestimmung in einem dreidimensionalen Raum ist den Wissenschaftlern jedoch nicht möglich! Ein peinlicher Patzer. Für die Fehler letzte Woche hat Michael Marcus Thurner in seinem Blog ein paar Erklärungen abgegeben. So wie es aussieht bedarf es einer Fortsetzung dieser Erläuterungen.

Wieder besser zu lesen, weil mit einem Spannungsbogen versehen, waren die Abschnitte, die der Autor dem Duell Bull – Onryonen gewidmet hat. Wir wissen von der Falle der Onryonen und wir wissen, dass Bull weiß, dass es eine Falle ist. Zum Schluss weiß auch der Onryone, dass Bull weiß, dass es eine Falle ist. Denn Bull begrüßt den Onryonen mit den Worten, dass er sich auf das kleine Spiel freue. Damit ist eine gute Überleitung zum nächsten Roman geschaffen.

 

Ansichten zu PR 2704

Die Rückkehr der JULES VERNE – von Michael Marcus Thurner – Handlung:

Die JULES VERNE unter dem Kommando von Jawna Togoya und mit Reginald Bull an Bord, ist in Andro-Delta unterwegs. Der Hantelraumer ist auf KO-selbstlos gelandet und die Besatzung nutzt die Freizeitangebote der Paddler-Plattform. Die gigantische Station hat ihren Standort im Apheé-Sonnensystem, wo auch der Polyport-Hof DARWAG den fünften Planeten umkreist. Der Chefwissenschaftler Joska Oter von der JULES VERNE untersucht die mittlerweile 22 Vorfälle, die auf dem Polyport-Hof aufgetreten sind. Es kommt immer häufiger zu nachweisbaren Zeitverlusten beim Transport und es gibt seltsame Erlebnisse während des Durchgangs.

Der Herr der Station KO-selbstlos, Koyl, lässt sich während des Aufenthalts nicht blicken. Seine Geschäfte werden von seinem Diener, dem Roboter Quick Silver, der jede Form annehmen kann, wahrgenommen. Als Bull und seine Offiziere an Bord der VERNE zurückkehren, wird Alarm gegeben. Ein Raumschiff kommt über DARWAG und der Transport scheint mit Schwierigkeiten verbunden.

Auf Terra hat die Solare Premier Cai Cheung unruhige Zeiten. Der Erste Terraner entsendet die Erste Mobile Kampfflotte mit 2500 Einheiten der QUASAR-Klasse, die auf Einlassung Cheungs jedoch außerhalb des Solsystems Stellung beziehen. Oberst Girma Teshale, eine Hardlinerin, will den Mond mit einem Paratronschirm umgeben. Schließlich fordert sie gar, dass die Onryonen das bekommen sollen, was die verlangen. Cheung hat Angst, dass es weitere Menschen geben könnte, denen das Schicksal Rhodans egal ist. Sie lässt den TLD-Agenten Gjyas Khosrau zu sich kommen. Die JULES VERNE soll zurückbeordert werden und Khosrau soll die Botschaft überbringen. Der TLD-Agent fliegt mit einer Minor Globe, der MORGIANA über den Polyport-Hof GALILEO nach DARWAG.

Kaum ist der Agent abgereist, meldet sich der Onryone Genneryc bei Cai Cheung. Er verbietet weitere Transporte über das Polyport-Netz. Cheung empfängt Sichu Dorksteiger. Die Wissenschaftlerin unterrichtet die Premier über ihre Absicht, das Trümmerfeld der Schiffe, die von den Onryonen vernichtet wurden, nach einem Datenspeicher zu durchsuchen. Über Rhodans Rückkehr vom Mond und den Balg schweigt sich Dorksteiger aus. Die Wissenschaftlerin untersucht die Überreste des Balgs, kann allerdings kaum etwas herausfinden. Die winzigen Reste zersetzen sich. Als Dorksteiger nachlässig wird, kann ein winziger Bestandteil des Balgs die Sicherheitssysteme überwinden und kommt in Kontakt mit Dorksteigers Haar. Die Wissenschaftlerin kann die Zellklumpen wieder einsperren, wo sie endgültig zerfallen. Das Haar schneidet sie an der Stelle ab, an der sie berührt wurde.

Gjyas Khosraus Flug verläuft merkwürdig. Der Agent erkennt beim Transport durch das Polyport-Netz Ausfallerscheinungen bei sich und bei der Positronik des Schiffes. Seine Gedanken zerfasern in einzelne Fragmente, in denen ein Richter Denifs vorkommt, Cai Cheung und ein Ding, das gleich explodieren wird. Nach mehr als zwölf Stunden erreicht die MORGIANA Andro-Delta. Der Flug hätte eigentlich nur 26 Minuten dauern dürfen. Das Schiff verlässt unkontrolliert den Polyport-Hof DARWAG und kann von der JULES VERNE eingefangen und geborgen werden. Reginald Bull hat schlechte Erinnerungen an Khosrau. Der Agent hat den Tod mehrerer Menschen verursacht, wurde aber freigesprochen.

Nachdem Bull über die Situation zu Hause unterrichtet ist, nimmt die VERNE Kurs auf das Holoin-Fünfeck. Vorher kommt Quick Silver kurz an Bord. Er ist der Meinung, dass die VERNE in eine Falle fliegt. Der seltsame Roboter hat zudem nachweislich eine unbekannte Tätigkeit an Bord ausgeführt. Reginald Bull ist gewarnt. Die JULES VERNE materialisiert im Kharag-Sonnentransmitter und fliegt im Trafitron-Modus zum Solsystem. Als das Schiff die letzte Strecke in den Linearraum wechselt, erkennen die verbesserten Halbraumspürer Torpedos, die Kurs auf den Hantelraumer nehmen. Die Emotionauten können den meisten Torpedos ausweichen und die Dreifachschale der Hawk-IV hält auch direkten Treffern stand. Schließlich stürzt die VERNE in der Höhe des Saturns in den Normalraum zurück. Eine große onryonische Flotte mit mehreren 2100m-Einheiten eröffnet sofort das Feuer. Bull lässt zunächst das Feindfeuer über die JULES VERNE ergehen, um mehr über die Schlagkraft des Gegners zu erfahren. Als es brenzliger wird, erwidert der Hantelraumer das Feuer und kann mehrere Raumväter der 2100m-Klasse vernichten. Schließlich kann die VERNE, die Hilfe von Terra ablehnt, dem Druck der mehreren hundert onryonischen Schiffe nicht mehr standhalten und setzt sich im Trafitron-Modus ab.

Der Onryone Shekval Genneryc verlangt die Auslieferung der JULES VERNE. Cheung lehnt dies ab. Daraufhin wendet sich der Onryone an alle Sender im Solsystem. Er hält einen eiförmigen Zellaktivator in der Hand und will damit denjenigen belohnen, der die JULES VERNE an einen Richter des Atopischen Tribunals ausliefert.

 

Rezension:

Der Roman von Michael Marcus Thurner ist der erste von drei Romanen des Österreichers hintereinander. Und gleich der Auftaktband stellt auch eine Besonderheit dar. Er macht Schluss mit dem starren Konzept der Viererblocks. Auch wenn Redaktion und Autorenteam nie müde wurden zu betonen, dass die Viererblocks keine Spannung rauben würden, war es leider so. Nun werfen wir im vorliegenden Band einen Blick nach Andromeda und kehren anschließend an den heimischen Herd zurück. Dem Autor sei es im vorliegenden Heft übrigens verziehen, dass er die JULES VERNE etwas intensiver beschrieben hat. Die Wiederholungen hielten sich in Grenzen. Der Einstieg in Andromeda geriet bunt, ein wenig lokales Ambiente und ein paar neue Gesichter, bzw. Roboter gelangen dem Autor recht gut, auch wenn es etwas unrund zu lesen war. Für eine Milieustudie geriet das Kapitel zu oberflächlich, zumal der Autor sich bei seiner Absicht, dem Leser möglichst viele Informationen zu geben und dabei die Beschreibung des Ambientes nicht zu kurz kommen zu lassen etwas verzettelte. Der Figur Reginald Bull gefiel die Atmosphäre nicht so gut und als Leser empfand ich es genauso.

Auffallend war, dass es diverse Anknüpfungspunkte zu den Vorgängerromanen gab, die nicht ganz so gut funktionierten. Manche Information hat Thurner falsch herübergebracht, sei es beispielsweise der Gesundheitszustand von Spiteri oder die Beschreibung der Raumschiffe der Onryonen als Doppelkugel. Und auch in anderen Szenen schlichen sich zahlreiche Fehler ein, beispielsweise als Dorksteiger überlegt, warum sie der Solaren Premier keine Infos zu dem Balg gegeben hat. Da sie kurz zuvor bereits entschieden hatte, keine Infos zu Rhodan an die Politikerin zu geben, waren die Überlegungen zum Balg natürlich überflüssig, bzw. falsch. Dorksteiger kann keine Forschungsergebnisse an Cheung weiterreichen ohne dass diese fragt, woher denn der Balg stammt. Für das Expo-Team und die Autoren ist die Aufgabe des Viererblocks natürlich mit der Herausforderung verbunden nahezu zeitgleich an mehreren Romanen der gleichen Ebene zu schreiben. In früheren Zyklen hätte Thurner den ersten Band der zweiten Handlungsebene geschrieben und müsste sich nicht so viele Gedanken zu den Vorgängerromanen machen. Das ist jetzt anders geworden.

Die Geschichte des TLD-Agenten und die Berührungspunkte zu Bull gerieten zumindest in einem Punkt zweifelhaft. Bei der ersten Begegnung der beiden Männer tötet der Agent drei Menschen, ein Ereignis, das Bull dem Agenten nicht verziehen hat. Dennoch kommt Bull später zu dessen Beförderung und gratuliert ihm. Das passte nicht zusammen. Die Beschreibungen des Angriffs auf die JULES VERNE im Linearraum und insbesondere die „Ausweichmanöver“ des Schiffes passten ebenfalls nicht. Das Polyportnetz ist also gestört, diese Informationen begleiten uns nun schon seit Beginn dieses Zyklus. Die Schattenmaahks, die als Betreuer dieser Transporteinrichtung eingesetzt wurden, werden weder in diesem noch in den Romanen davor erwähnt. Wurden die vergessen? Nun ja, vielleicht spielen die tatsächlich keine Rolle mehr, die anderen Ungenauigkeiten und Fehler im Roman waren jedoch ein Ärgernis und sei es nur, dass die riesige JULES VERNE angeblich über den Polyporthof DARWAG nach Andro-Delta gelangt war. Blöd nur, dass das Schiff dafür viel zu groß ist. Und es gibt weitere grobe Logikfehler und inhaltliche Fehler. Michael Marcus Thurner hat schon bessere Romane geschrieben.

Auch zum Zyklus sollten ein paar Worte verloren werden. Die ersten Romane des Atopischen Tribunals haben mir gut gefallen. Insbesondere der Einsatz der Figur Perry Rhodan hat zu dieser Empfindung beigetragen. Das neue Exposé-Team hat, so der erste Eindruck, aus den Fehler des Neuroversum-Zyklus gelernt und setzt den Titelhelden nicht nur präsenter sondern auch deutlich agiler ein, als es unter Uwe Anton der Fall war. Dieses Verhalten ließ hoffen, dass die neuen Expokraten vielleicht auch andere Stilelemente im Zyklusaufbau anders interpretieren, bzw. angehen würden. Christian Montillon ist auf dem Con in Garching nicht müde geworden, die Onryonen nicht als Bedrohung darzustellen. De facto ist die Bedrohung nicht nur da, sie ist zu einer handfesten Gefahr geworden und es hat bereits unzählige Tote gegeben. Das übliche Bedrohungsszenario hat also auch das Team Montillon/Vandemaan nicht zu den Akten gelegt.

Ebenfalls nicht verzichten will das neue Team auch nicht auf die üblichen Zyklusschemata zum Zyklusauftakt. Nachdem die Fronten aufgebaut wurden, folgt die Demontage der eigenen Kräfte. Hilflosigkeit an der Heimatfront sollen Ohnmachtsgefühle bei den Lesern auslösen. Wenn die Onryonen und Atopen im Heft 2798 und 2799 dann endlich vertrieben werden, macht es gleich doppelt so viel Spaß, wenn’s zwei Jahre bis dahin gedauert hat. Oder? Diese Formel hat jedoch beim Neuroversumzyklus nicht funktioniert und sie funktioniert auch jetzt nicht. Die Serie scheint in ein Korsett gepresst zu sein, dass keiner der Verantwortlichen beim Verlag und keiner der Autoren oder Expokraten durchbrechen will oder kann. Alles ist vorgezeichnet. Die groben Handlungsstränge halten keine Überraschungen mehr bereit. Allenfalls in kleinen Ausschnitten, wie die Präsentation des Zellaktivators, der am Romanende für die Ergreifung der JULES VERNE ausgelobt wird, kommt noch ein etwas müder Aha-Effekt zustande.

Die Darstellungen der Politik und der Entscheidungsträger entwickeln sich ähnlich wie im Neuroversumzyklus zu einem echten Ärgernis. Die wenigen skizzierten Punkte aus Heft 2700 ließen hoffen, dass mit dem Aufbau neuer Ämter und der Einführung neuer Figuren in diesen Ämtern auch eine Änderung im Handeln dieser Amtsinhaber einhergehen würde. Bereits nach wenigen Heften zeigt sich jedoch, dass die Serie lediglich die Namen getauscht hat. An den Abläufen politischen Handelns hat sich nichts geändert. Eine Flottenkommandeurin erlaubt sich der Solaren Premier einige Vorschläge zu machen. Das ist akzeptabel. Die Solare Premier vermutet hinter dem Vorschlag, Rhodan auszuliefern, gleich ein Komplott. Die Solare Premier macht sich sogleich auf die Suche nach „Verbündeten“. Statt über politische oder diplomatische Kanäle die Rückkehr der JULES VERNE zu beauftragen, wird der Kontakt zum Geheimdienst gesucht und gefunden, der, wen überrascht es, die Schwierigkeiten der Solaren Premier mit der Militärführerin voraussah. Na das sind ja tolle gelungene Spannungselemente im 52. Jahrhundert! Auf der einen Seite ist es verständlich, dass der Autor die Mission der Person, die Bull zurückholt, interessanter gestalten will. Auf der anderen Seite verliert der Background der Serie durch solche dummen Beschreibungen an Glaubwürdigkeit. Das hätte man besser lösen können.

Fazit: Thurner wollte viel, möglicherweise zu viel, mit seinem Roman erreichen. Er verzettelt sich und baut zahlreiche Fehler ein. Der Zyklusaufbau enttäuscht zum jetzigen Zeitpunkt und was viel schlimmer ist, es scheint auch keine Besserung in Sicht!