Articles for the Month of März 2013

Ansichten zu PR 2693

Meuterei auf der BASIS – von Susan Schwartz – Handlung:

Während Perry Rhodan weiter nach Wegen sucht, die Pläne QIN SHIS zu stören sind die ehemaligen Besatzungsmitglieder und Passagiere der BASIS zum Nichtstun verurteilt. Seit dem Abflug Rhodans sind zwar erst wenige Tage vergangen, dennoch rechnet Oberst Derrayn Anrene ständig damit, dass die Situation eskaliert. Der Militärführer, der das Kommando von Erik Theonta übernommen hat, verfolgt insbesondere die Nachrichten vom Bord der CHISHOLM. Dort scheint sich etwas zusammenzubrauen.

Am 14.Januar 1470, Oberst Anrene hat gerade seinen Dienst in der Zentrale angetreten, nehmen seine Befürchtungen Gestalt an. Die CHISHOLM schert aus dem Verband aus und fliegt den Planeten an, in dessen Orbit die kleine Flotte die Rückkehr Rhodans abwartet. Anrene lässt sofort Funkkontakt herstellen. Es meldet sich Sigma Essibili, der sich als Sprecher des Dreizehner-Rats der Interessenvertretung der Passagiere bezeichnet. Anrene fordert ihn auf, den Flug der CHISHOLM zu stoppen, sonst werde das Feuer eröffnet. Essibili präsentiert die Kommandantin der CHISHOLM, Oberst Pauk, als Geisel. Nach einem Wortgefecht bleibt Anrene nichts anderes übrig als die CHISHOLM auf dem Planeten landen zu lassen.

Nach einer Stunde meldet sich Sigma Essibili wieder. Seine Forderungen sind sehr einfach. Sie wollen endlich nach Hause. Die Meuterer wollen niemanden schaden und verlangen, dass Anrene Kontakt zu Perry Rhodan aufnimmt. Offenbar erhalten die Passagiere auch Unterstützung von der regulären Besatzung des Tenders.

Drei Tage zuvor geht das Leben an Bord der CHISHOLM scheinbar seinen gewohnten Gang. Die TLD-Agentin in Ausbildung, Heatha Neroverde, hat da so ihre Zweifel. Sie beobachtet verstärkt Grüppchenbildung und geheimnisvolle Gespräche. Die Passagiere haben einen Rat gebildet, eine Empfehlung Mondra Diamonds. Der Rat hält regelmäßige Treffen ab, zu denen zahlreiche Galaktiker strömen. Die Veranstaltungen sind zumeist harmlos, dennoch glaubt die junge TLD-Agentin, dass sich etwas zusammenbraut.

Ein Mann fällt ihr besonders häufig auf. Es ist Sigma Essibili. Sie verfolgt ihn und tappt in eine Falle. Sie wird niedergeschlagen und erwacht gefesselt wieder. Die Zivilisten wollen das Schiff übernehmen. Heatha wird unter Drogen gesetzt und liefert so unfreiwillig wichtige Informationen an die Aufrührer, die sich ansonsten recht kultiviert verhalten. Sie wollen keine Gewalt anwenden. Den Meuterern gelingt es, die Kontrolle über die CHISHOLM zu übernehmen und Electra Pauk, die Kommandantin, gefangen zu nehmen. Die Forderungen an Anrene werden konkreter. Er soll Schiffe aussenden, die Kontakt zu Rhodan herstellen sollen. Es müssen nach Ansicht der Meuterer Koordinaten vereinbart worden sein, wo man sich im Notfall treffen kann. Anrene geht auf die Forderungen ein.

Kurz vor Ablauf eines von Essibili gesetzten Zeitpunkts kommt es tatsächlich zum Kontakt mit Rhodan. Der Unsterbliche berichtet begleitet von Funkstörungen, dass er Kontakt zu Reginald Bull hatte und eine Heimkehr ins Solsystem in den nächsten Tagen möglich wäre. Die Meuterer sind glücklich, dass ihre Forderung erfüllt wurde und geben die Schiffsführung ab. Was sie nicht wissen können, die Übertragung war ein Bluff Anrenes. Nun steht der Oberst allerdings unter Druck. Kommt keine Verbindung mit Rhodan zustande, könnte die Situation wieder kippen. Da erscheint zur Erleichterung des Militärführers das Weltenschiff unter dem Kommando von Alaska Saedelaere. Alle Einheiten docken an das Weltenschiff an und der Flug geht zur Steuerwelt Sholoubwas.

Dort angekommen ist das BOTNETZ aktiv und zwischen dem Dimensionstunnel und dem Planeten ist eine Raumschlacht im Gange. Zapfenraumer kämpfen gegeneinander und dazwischen operieren auch terranische Einheiten. Während die ehemaligen BASIS-Schiffe im Sonnenorbit versteckt werden, wollen Saedelaere und Anrene herausfinden, was das zu bedeuten hat.

Rezension:

Dass Romantitel nicht immer etwas mit dem Inhalt zu tun haben, ist nichts Neues. Eingestellt habe ich mich auf einen Roman, der an Bord der BASIS spielt. Da das Schiff längst zum Universum-Okular umfunktioniert wurde, war zu vermuten, dass der Titel lediglich unscharf formuliert war. Abgesehen davon hätte „Meuterei auf dem Universum-Okular“ auch nicht so toll geklungen. Doch sind diese Überlegungen nach der Lektüre sowieso egal, denn es gab gar keine Meuterei auf der BASIS und übrigens auch nicht auf dem Universum-Okular.

Stattdessen beschäftigt sich Gastautorin Susan Schwartz mit dem Aufstand der Unzufriedenen, die es zusammen mit Rhodan nach Escalian verschlagen hat und das Stillhalten leid sind und einfach nur nach Hause wollen. Hier ergab sich nun die Möglichkeit, die Geschehnisse einer Meuterei im 51. Jahrhundert zu schildern. Der Einstieg mit Oberst Anrene und die Schilderung der ersten Ereignisse sind der Autorin gut gelungen. Ein wenig übertreibt sie es, als sie daran ging Anrenes Selbstreflexion, d.h. sein Versagen bei, bzw. vor dem Coup auszuwalzen. Ein paar Zeilen dazu hätten gereicht, stattdessen geht das Thema über drei Spalten. Zunächst bleibt das Ziel der Meuterer unklar. Die Autorin blendet nach der Einleitung einige Tage zurück und schildert die Ereignisse, die zur Übernahme der CHISHOLM führten.

Einige Passagen, darunter die Kapitel um die TLD-Agentin Heatha Neroverde sind der Autorin ebenfalls gut gelungen. Insgesamt zog sich der Mittelteil, also die Rückblende der Ereignisse jedoch etwas. Ein paar Schwierigkeiten mehr hätte die Autorin schon einbauen können und statt der erhofften Zuspitzung der Situation war die Geschichte dank eines Taschenspielertricks dann plötzlich zu Ende. Man traf sich noch zu Sekt und Champagner und das war’s dann. Die Geschichte war zwar gefällig geschrieben aber es fehlte das Salz in der Suppe. Ein paar Szenen aus der Sicht der Aufständischen und nicht nur Szenen aus Sicht der „Guten“ hätten etwas Würze in den Roman gebracht.

Die Geschichte mangelte es einfach an Brisanz. Zu keiner Zeit schien irgendeine echte Gefahr zu drohen. Alle Protagonisten waren ständig darauf bedacht, dass bloß nichts Schlimmes passiert. Einige Beschreibungen muten kurios an, als hätte die Autorin anderes im Kopf gehabt, als ein Abenteuer in fremder Galaxis. Peter Hartz hätte seine Freude gehabt an diesen Menschen, die beabsichtigt hatten, 650 Millionen Lichtjahre weit über das Polyport-Netz zu reisen und nun Stütze an Bord eine Raumschiffes der LFT benötigen. Mir sind die Tränen gekommen!

Eine Merkwürdigkeit will ich allerdings noch erwähnen. Susan Schwartz lässt gleich zu Beginn ihres Romans eine Bemerkung fallen, die zu einer Eskalation der Geschehnisse hätte führen können. Es geht um die Aussage von Oberst Anrene, das Kriegsrecht zu verhängen. Und weiter führt die Autorin aus, dass dadurch „demokratische Verhältnisse“ außer Kraft gesetzt würden. Entweder ist Susan Schwartz nur schrecklich naiv und hat keinerlei Ahnung, was sie da schreibt oder die LFT hat sich zumindest in dieser Hinsicht zu einem Unrechtstaat entwickelt. Natürlich muss nicht jede Entwicklung der Menschheit in der Zukunft automatisch eine positive Entwicklung sein. Bisher gaben die Schilderungen der Gesellschaft im 51. Jahrhundert allerdings keinen Anlass zur größeren Besorgnis. Die Autorin stellt das allerdings jetzt auf den Kopf. Ich kann mir zwar vorstellen, unabhängig vom Gebrauch der Vokabel „Kriegsrecht“, dass gewisse Rechte, sogar Grundrechte im 51. Jahrhundert eingeschränkt werden können, sie aber außer Kraft zu setzen, wäre schon eine negative Entwicklung. Da weitere entsprechende Schilderungen in der Serie fehlen, abgesehen von den ebenfalls naiven Schilderungen der Regierung Terras in der Anomalie, ist allerdings zu vermuten, dass die entsprechenden Zeilen in diesem Roman einzig der Unkenntnis der Autorin anzulasten sind. Von daher ist Susan Schwartz zu empfehlen, sich doch mal an einer Definition der Begriffe Kriegsrecht, Kriegsvölkerrecht, Notstandsrechte etc. zu versuchen und sich mit den Unterschieden zwischen „außer Kraft setzen“ und „einschränken“ auseinanderzusetzen.

Exposé für Band 875

Ich zeige mal wieder ein Sammlerstück der besonderen Art. Das Exposé für den Band 875 wurde 1977 verfasst, als Abgabetermin für den Roman wird auf der ersten Seite der 11.01.1978 genannt. Der Roman der Autorin Marianne Sydow, der nach diesem Konzept geschrieben wurde, ist im Mai 1978 erschienen. Das Exposé umfasst insgesamt 13 einseitig beschriebene Schreibmaschinenseiten, wovon 7 Seiten Angaben für die Romanhandlung enthalten, weitere 3 Seiten auf Technische Daten und Charakterisierungen entfallen und 3 Seiten dem Perry Rhodan Computer gewidmet sind.

In der Perrypedia ist zu lesen, mit Quellenhinweis auf den Werkstattband von 1986, dass William Voltz (WiVo) für den Roman als Exposé-Autor zeichnete und Karl-Herbert Scheer (KHS) für die Datenexposés zuständig war. Das vorliegende Romankonzept trägt die Signatur „KHS/WiVo“ am Ende des Romanteils auf Seite 7, während der Technikteil mit „KHS“ unterzeichnet ist.

Die erste Seite des Exposés trägt eine Signatur von Clark Darlton mit Datum von 2003. Der Autor war einer der Empfänger des Exposés, wie man auch dem Verteiler auf der ersten Seite entnehmen kann. Damit immer alle Beteiligten auf dem Stand der Handlung waren, bekamen die Autoren auch jene Exposés, die nicht für sie selbst bestimmt waren. Für Fans hat sich Clark Darlton hin und wieder von seinen Exemplaren getrennt. Und so ist es in meinen Besitz gelangt.

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(© Pabel-Moewig Verlag GmbH, Rastatt)

Der Roman, der später unter dem Titel „Der Psionen-Strahler“ in den Handel kam, spielt in der Galaxis Algstogermaht. Die beiden terranischen Fernraumschiffe BASIS und SOL sind dort eingetroffen und Perry Rhodan ist auf der Suche nach der PAN-THAU-RA. Im Roman geht es darum einen ersten Kontakt zu den Wyngern herzustellen. Man täuscht eine Havarie auf einem Planeten vor, um die Wynger von der Harmlosigkeit der Besucher zu überzeugen. Hauptperson ist die Mutantin Irmina Kotschistowa.

Der Exposé-Autor führt kurz in die Handlung ein. Wichtige oder mutmaßlich bedeutende Wörter sind unterstrichen. Der Autorin werden diverse Hinweise gegeben, die sie unter allen Umständen beachten soll. Bereits im Exposé wird eine Gliederung nach Handlungsebenen gemacht. Getrennt werden diese Ebenen durch das Wort „Umblende“ im Exposé. Grob lassen sich drei Ebenen identifizieren. Die Space-Jet BALTHUS mit ihrer Besatzung, darunter die Mutantin, die Wyngerschiffe in Beobachtungsposition und als dritte Ebene die SOL. Aus dem Handlungs-Exposé habe ich zur Verdeutlichung folgende kurze Auszüge zusammengestellt:

„Rhodan knobelt einen Plan aus, um das bestimmt vorhandene Misstrauen der Fremden gegen diese terranische Überpräsenz abzubauen. Man will versuchen, auf dem tiefsten gemeinsamen Nenner eine Begegnung herzustellen, sozusagen von Mensch zu ‚Mensch‘.“

„Anführerin des Unternehmens soll die Mutantin Irmina Kotschistowa sein. (Schilderung Exposé Nr. 521, Seite 4 und 5, evtl. anfordern). Die Metabiogruppiererin ist mittlerweile 178 Jahre alt, sie besitzt keinen Zellaktivator. Sie ist also auch im Sinne der PR-Serie schon älteren Semesters aber noch ungewöhnlich vital und rüstig.“

„Man will ihr in die Space-Jet ein paar freundlich-friedliche, trotzdem aber hochqualifizierte Menschen mitgeben.“

„Man einigt sich auf den Kosmopsychologen Bark Mun-Yang, sowie auf vier weitere Spezialisten, die von der Autorin nach Bedarf gewählt werden können.“

Umblende zu den Wyngern. Der Exposé-Autor erläutert die Schiffe der Fremden, macht Angabe zur Psyche der Wynger und welche Abfolgen dazu führen sollen, dass die Wynger auf die „Havarie“ der terranischen Space-Jet, Eigenname BALTHUS, hereinfallen. Aus diesem Abschnitt habe ich die folgenden Auszüge gewählt:

„Im Gegensatz zu Rhodan jedoch stellt er eine Mannschaft von zehn hartgesottenen Lufken zusammen, die so ziemlich das härteste und rauhbeinigste sind, was die 3-TRÄTON aufzubieten hat.“

„Rhodan allerdings konnte nicht ahnen, dass die andere Partei zehn ‚Eisenfresser‘ losschicken würde.“

Umblende zu den Terranern in der BALTHUS. Hier wird jetzt die Gefahr auf dem Planeten beschrieben, die das ganze Unternehmen scheitern lassen könnte:

„Doch da spielt eine nicht vorhersehbare Institution eine Rolle – ein Kollektivorganismus, der auf dieser Welt existiert. Er kann sich innerhalb des Sees oder sonstwo befinden, die Autorin hat dabei freie Hand.“

„Dabei verliert sie nicht nur (vorübergehend, bis zum Ende der Geschichte!!!) ihre Parafähigkeiten, sondern sie wird auch im höchsten Maße aggressiv.“

Am Ende des Handlungskonzepts gibt der Exposé-Autor weitere Informationen an die Autorin:

„Die Laire-Hintergründe, die den Wyngern nicht bekannt sind, bleiben den Menschen natürlich ebenfalls verborgen.“

„Er (Rhodan) kann ja nicht ahnen, dass sich an anderer Stelle bereits einschneidende Dinge ereignen, die alles wieder in Fluss bringen sollen: Borl, Demeter und Plondfair sind über Transmitter als Gefangene unterwegs und sie werden (was dem Leser nicht verraten werden darf) in der PAN-THAU-RA herauskommen, wo sich phantastische Entwicklungen abzeichnen.“

„Die Autorin hat, was den wilden Planeten mit seinem seltsamen Kollektivorganismus angeht, freie Hand. Dort kann sie ihre Phantasie spielen lassen – diese Welt wird später keinerlei Rolle mehr spielen.“

Aus dem Datenkonzept zu Band 875 habe ich diesen Auszug gewählt:

„Im Handlungsexposé, Seite 3, werden darüber keine näheren Angaben gemacht. WiVo spricht von einem ‚mehrere Lichtjahre‘ entfernten System. Hinsichtlich der Datenangaben in Exposé 872, Seite 10, ist das sehr gut, denn in den Daten 872 wird ausgesagt, dass sich der Dunkelplanet im Bereich einer nur 11,9 Lichtjahre durchmessenden Turbulenzzone befindet. Es wird ferner erwähnt, dass ‚First Impression‘, der einzige, nicht von sich aus leuchtende Himmelskörper ist. Er kann also keine Sonne sein, sondern ein Planet ohne aufhellende Sonneneinstrahlung. Außer der Dunkelwelt stehen in der Turbulenzzone nur noch 14 Sterne, die aber alle keine Planeten besitzen.

Ich erwähne das an dieser Stelle, um Irrtümern vorzubeugen. Auf Grund dieser Angaben muss die Space-Jet BALTHUS ein System anfliegen, das sich nach wyngerischen Begriffen zwar noch in dem tabuisierten Raumsektor der Galaxis Tschuschik befindet, auf keinen Fall aber innerhalb der oben erwähnten Turbulenzzone.

Obwohl es der Autorin freigestellt wird, die Verhältnisse auf dem mittleren, also dem zweiten Planeten des kleinen Systems nach eigenem Dafürhalten zu entwickeln, weil dort keine weitere Handlung mehr spielen wird, müssen doch einige Entfernungsangaben gemacht werden. Es könnte sonst geschehen, dass die Anwesenheit der wyngerischen Beobachtungsschiffe den Angaben in Nr. 872 widersprechen.“

Es folgen nun weitere detaillierte Entfernungsangaben. Außerdem macht der Datenexposé-Autor Angaben, wie die Ortungen der Wynger und Terraner abzulaufen haben. Schließlich folgt noch eine längere Abhandlung zu den Psionen der Kollektivintelligenz. Daraus dieser Abschnitt:

„Der Begriff ‚Psionen‘ wurde in sehr frühen PR-Bänden schon einmal, teilweise auch in sprachlich abgewandelter Form gebraucht. Hier noch einmal die Erklärung zum Zwecke der Information.

Psionen sind in ihrer utopisch-spekulativen Begriffserfassung Teilcheneinheiten des übergeordneten Hyperraums. Sie sind, technisch gesprochen überlichtschnell, oder auch, wie wir früher sagten, typisch ‚gedankenschnell‘.

Es handelt sich um jene Frequenzschwingungen, die bei der reinen Telepathie vorrangig auftreten. Von einem mutierten Gehirn werden sie in besonders starken Maße erzeugt und mit dem Gedankengut des Aussenders abgestrahlt.“

Der Perry-Rhodan-Computer für Band 875 wurde lt. Perrypedia von Kurt Mahr verfasst. Im Exposé findet sich keine Angabe zum Autor. Der Text entspricht im Übrigen exakt der späteren Veröffentlichung im Roman.

Copyright der Abbildungen und der Texte aus dem Exposé und Roman liegen beim Pabel-Moewig-Verlag GmbH Rastatt.

 

Ansichten zu PR 2692

Winters Ende – von Leo Lukas – Handlung:

Die Auswanderung jener Menschen, die Delorians Versprechungen Glauben schenken, ist beinahe abgeschlossen. Ca. 35.000.000 Menschen wollen im Neuroversum bleiben und sind in das Weltenkranzsystem übergesiedelt. Auch in der Familie Estmon-Winter ist Delorians Angebot ein Thema. Irmayi, die älteste Tochter von Yugen und Rabienne ist seinerzeit den Verlockungen der Sayporaner gefolgt und neuformatiert worden. Rabienne will ihrer Tochter folgen. Yugen, ein Terra-Nostalgiker, kann seine Frau nicht verstehen. Es kommt deswegen zu Streit zwischen ihm und Rabienne. Und da ist noch die jüngere Tochter Aria, 8 Jahre alt, die nicht Delorian folgen darf. Nur wer über 16 Jahre ist, darf diese Entscheidung treffen. So zumindest hat es die Regierung festgelegt.

Dennoch begleitet Yugen seine Frau nach Saypor und auch Aria fliegt mit. Yugen hofft, dass die Begegnung der beiden Schwestern etwas bewirkt. Irmayi hat Aria sehr geliebt. Und letztlich hofft er, dass diese Begegnung auch einem Umschwung bei Rabienne auslöst, die sich sonst für eine ihrer Töchter entscheiden müsse.

Auf Terra tritt derweil das Kabinett zusammen. Es liegen wissenschaftliche Beobachtungen vor, wonach die Anomalie insbesondere an den Rändern instabil wird. Mitten in die Sitzung platzt die Meldung, dass die Spenta die Zündung der Sonne für den nächsten Tag um 12:00 Uhr ankündigen.

Yugen ist mit seiner Familie auf Saypor eingetroffen. Mit Irmayi kommt zunächst kein Kontakt zustande. Die Familie wird in einem Wohnturm untergebracht. Auf dem Weg dorthin, wird Yugen heimlich eine Nachricht zugesteckt. Als seine Frau am Abend zu Bett gegangen ist, verlässt Yugen den Wohnturm und trifft sich mit Widerständlern. Deren Absichten sind ihm allerdings zu radikal. Mit Gewalt will er nichts zu tun haben. Allerdings besorgt er sich doch eine Waffe.

Auf der Erde bricht der neue Tag an und gegen 12:00 Uhr versammeln sich die Menschen, um die Zündung der Sonne zu bejubeln. Pünktlich ist es soweit, Sol erstrahlt im alten Glanz, die Kunstsonnen können abgeschaltet werden. Mitten in den Feiern wird in der Solaren Residenz Alarm gegeben. Die Anomalie löst sich an einem Randpunkt auf. Bull fliegt mit der LEIF ERIKSSON IV und einer kleinen Flotte zu diesem Randpunkt. Dort angekommen beobachten die Terraner einen Tunnel, der sich im Randbereich der Anomalie gebildet hat. Delorian meldet sich von der TOLBA. Er hat diesen Tunnel geschaffen und teilt Bull mit, dass von nun an mit einem Angriff QIN SHIS gerechnet werden muss. Das Solsystem sei durch den Sextadim-Schleier geschützt. Delorian fliegt mit der TOLBA durch den Tunnel, weil er, wie er sagt, noch anderswo zu tun habe.

Bull zögert keinen Augenblick und folgt Delorian. Allerdings erkennen die Orter am Ende des Tunnels starke Konzentrationen von Zapfenraumern in einem kleinen Sonnensystem. Bull kehrt wieder um, lässt allerdings die Tunnelöffnung von einer starken Flotte bewachen, die weiterhin die andere Seite orten kann. Deshalb bekommen die Terraner auch mit, dass auf der anderen Seite nun ebenfalls ein Tunnel in die Anomalie vorangetrieben wird.

Auf Saypor kommt es zu einer Tragödie. Yugen hat in den Katakomben mit den Suspensionsbänken seine Tochter Irmayi entdeckt. Die formatierte Jugendliche will nicht auf ihn hören, also will er sie mit vorgehaltener Waffe dazu zwingen, ihn zum Raumhafen zu begleiten. Als seine Frau dazukommt, löst sich bei einem Handgemenge mit einem anderen Sayterraner ein Schuss. Die Explosion einer Suspensionsbank verletzt Rabienne und Aria so schwer, dass sie nur durch die sofortige Suspension gerettet werden können. Demoralisiert will Yugen Saypor den Rücken kehren. Am Raumhafen fallen dem Terra-Nostalgiker einige Strophen eines alten terranischen Liedes ein. Er tritt zu seiner Tochter Irmayi und entscheidet sich auf Saypor zu bleiben.

Rezension:

Mit dem von der ersten Seite an doppeldeutigen Romantitel läutet Leo Lukas den entscheidenden Schritt zur Verschmelzung der Handlungsebenen des aktuellen Zyklus ein. Im Vorgängerroman von Wim Vandemaan kritisierte ich den Schluss, weil er in Teilbereichen zu oberflächlich geriet. Delorian lockt die Menschen mit Bildern in ein Paradies und keiner hinterfragt die Aussichten im versprochenen Garten Eden unbehelligt von den bekannten Bedrohungen leben zu können.

Leo Lukas holt diese Elemente nun in seinem Roman nach. Störend wirkte dabei, dass der Roman von Vandemaan auf den letzten Seiten eine endgültige Komponente enthielt. Das Kapitel der Auswanderer, die im Neuroversum ihre Chance sehen, erschien abgeschlossen. Insofern kamen die Meinungsfindungen und Nöte der Familie Winter zum falschen Zeitpunkt. Gut geschrieben war es allerdings, zumindest am Anfang. Später gerieten die Dialoge weniger gut und die Geschichte entwickelte sich doch sehr vorhersehbar. Trotz allen Konfliktpotentials geriet die Geschichte der Familie Winter im weiteren Romanverlauf teilweise zu einer leidenschaftslosen Angelegenheit. Die im Hauptpersonenkasten angekündigte Zwangslage der Mutter Rabienne wurde vom Autor überhaupt nicht geschildert. Der Autor weicht diesem Thema, nämlich dass sich Rabienne zwischen ihren Töchtern entscheiden müsse, aus. Durchgehend wird Rabienne von Leo Lukas „zu“ eindimensional geschildert, was nicht nur ihren Mann, sondern auch den Leser gegen sie aufbrachte. Yugen wurde von Leo Lukas hingegen differenzierter dargestellt, nur dass er den Konflikten zunächst aus dem Weg ging, was dazu führte, dass der Leser nun auch gegen ihn war. Der dramatische Höhepunkt war somit unvermeidlich. Absehbar, allerdings auch versöhnlich war dann das Ende.

Auch die andere Ebene mit Bull konnte mich nicht so recht überzeugen. Der Autor spult sein Programm ab, so wie Bull seine Konferenzen abspult. Da war kein Feuer in den Szenen. Die Kapitel mit Bull gestaltete der Autor sehr nüchtern. Daran änderten auch manche Anspielungen und Sprüche nichts. Ausnahmsweise kommen mal wieder Wissenschaftler zu Wort, ein selten gewordenes Element innerhalb der „Science-Fiction-Serie“ Perry Rhodan. Dumm nur, dass sie nichts zu sagen hatten, insofern hätte sich Leo Lukas diese Parts sparen können.

Die Sonnenzündung wird endlich vorgenommen. Auch hier wurde das Thema über zu viele Romane künstlich gestreckt. Am Ende von Hubert Haensels Band 2685 wäre die beste Gelegenheit gewesen, drei weitere Romane der Sol-Ebene später ist es nun soweit. Emotionen setzte auch die Sonnenzündung nicht frei, dazu geriet die Szene mit minutiöser Vorankündigung, den befohlenen Partys, der versammelten Führungsriege und dem Festhalten an Etiketten einfach zu formal.

Was ist sonst noch erwähnenswert? Die Spenta erteilen den Ratschlag, die Kunstsonnen zu dämmen, wenn Sol wieder scheint. Normalerweise ein überflüssiger Ratschlag. Angesichts der o.a. erwähnten Dampfplauderei der terranischen Wissenschaftler war der Ratschlag aber offensichtlich notwendig.

Ein paar Überlegungen will ich noch zu den Auswanderern abgegeben. Die Auswanderungsquote mit 0,3% ist nicht signifikant höher als in der Realzeit die Abwanderung und Zuwanderung der Bundesrepublik. An seinem angestammten Platz in der Milchstraße wäre im Solsystem unter normalen Umständen vermutlich mit einer ähnlich hohen Auswanderungsquote jährlich zu rechnen. Dort würde allerdings auch eine entsprechend hohe Zuwanderungsquote den Auswanderern gegenüberstehen. Nichtsdestotrotz sind die nackten Zahlen, bei näherer Betrachtung, nicht ungewöhnlich. Ungewöhnlich ist allerdings, dass angesichts der Ereignisse der letzten 3000 Jahre doch relativ wenig Terraner (Fremdwesen im Solsystem mit eingeschlossen) die Schnauze voll haben und sich nach Alternativen umsehen. Das sollte eigentlich den „Sayterranern“ nicht verborgen geblieben sein, wird vom Autor jedoch nicht thematisiert.

Überhaupt wird den Formatierten mal wieder wenig Raum eingeräumt. In den wenigen Szenen dienen diese Menschen lediglich dazu, die anderen Protagonisten und damit die Leser zur Weißglut zu reizen. Der Autor wendet dieses Stilmittel recht häufig an, die Formatierten sprechen mit sanfter Stimme, haben immer das letzte Wort und sind von ihrer Sache 100% überzeugt.

Fazit: Den eigentlichen Konflikt, dass eine Mutter sich für eine ihrer Töchter entscheiden muss, geht der Autor trotz Ankündigung nicht an. Die „andere“ Lösung des Autors war vorhersehbar. Ansonsten war der Roman routiniert und wie immer bei ersten Romanen nach einem Blockwechsel mit Rückblenden auf den letzten Viererblock versehen und als Aufbauroman für die nächsten Hefte gedacht. Überraschungen blieben aus.