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Ansichten zu PR 2669

Wettstreit der Konstrukteure – von Marc A. Herren – Handlung:
Der junge Mowener Cholaquin Port’aldonar kämpft für sein Sternenreich in einem Jahre währenden Krieg gegen die Orfenar. Gegen den Willen seines Vaters und von Patriotismus beseelt, hat er sich zu den Bodentruppen einziehen lassen. Und das, obwohl er ein technisches Genie ist. Aber auch seine dichterischen Fähigkeiten sind weit fortentwickelt. Sein Versepos, verfasst unter dem Pseudonym Sholoubwa, in dem er die bedingungslose Liebe zur Heimat zelebrierte, hatte eine ganze Generation inspiriert. Auf dem strategisch bedeutungslosen Planeten Nunngar wird Cholaquin Port’aldonar schwer verletzt. Die Medodrohne Emhochzehn rettet ihm das Leben.
Die Ärzte im Lazarett müssen seine inneren Organe mit einem Zellgitter fixieren. Zeit seines Lebens wird er von Medikamenten abhängig sein. Cholaquin kauft die Robotdrohne Emhochzehn und verbessert ihre Fähigkeiten mit Materialien aus dem Lazarett. Am Krankenbett wird Cholaquin von seinem Vater Martun besucht, der dem Werdegang seines Sohnes ablehnend gegenübersteht. Zudem will Cholaquin die Nachfolge im Konzern des Vaters nicht antreten. Erneut prallen die gegensätzlichen Charaktere von Vater und Sohn aufeinander. Sein Vater kündigt an, ihn zu enterben.
Zwei Jahre später füllt der Dichter Cholaquin Port’aldonar ein Auditorium mit 36.000 Mowenern. Angekündigt hat Cholaquin ein patriotisches Werk, doch er will die Veranstaltung nutzen, um seinem Publikum die Wahrheit über den Krieg zu sagen. Er zieht über den Staat her und provoziert damit seine Zuhörerschaft. Es kommt zu einem Handgemenge und die Veranstaltung endet im Chaos. Tage später verstirbt sein Vater und Cholaquin befindet sich an einem Wendepunkt in seinem Leben. Er beendet sein Leben als Dichter und strebt fortan nach Höherem. Von Emhochzehn lässt er seine Bücher und Aufzeichnungen vernichten. Nur sein Name als Dichter soll weiterleben. Er nennt seinen robotischen Begleiter künftig Sholoubwa.
In den nächsten 15 Jahren entwickelt Cholaquin Port’aldonar die erste kommerziell nutzbare Transmittertechnologie. Sein Konzern steht wertmäßig in der ersten Liga. Auf einer Veranstaltung begegnet ihm Etana Husen, die Frau des Oberkonstrukteurs des Reiches. Der Kybernetiker Husen ist Erfinder der Husenbrücke, einer Schnittstelle von Positronik und Biopolblock, das die Robotertechnologie revolutionieren soll. Cholaquin behauptet gegenüber Husen, dass er in der Lage wäre, aus seinem alten Servo einen Roboter zu bauen, der Husens Robotern überlegen sei. Er setzt seinen Konzern als Wetteinsatz und fordert als Gegenleistung die Frau des Chefkybernetikers.
Mit einem Trick gewinnt Cholaquin die Wette. Er ist Erfinder des Nullkanals, einer Übertragungsmöglichkeit in einem dem Hyperraum übergeordneten Medium. Der Nullkanal kann nicht angemessen werden. Allerdings tritt beim Gebrauch eine tödliche Strahlung auf. Cholaquin baut Sholoubwa so um, dass dieser ständigen Kontakt zu einer Großpositronik über den Nullkanal hat. Der Roboter hat damit eine immense Rechenleistung erlangt und bezwingt Husens Roboter.
Die Ehe mit Etana ist nur von kurzer Dauer. Nach einem Jahr verlässt sie ihn und er wendet sich einem technischen Problem zu. Völlig überraschend hilft ihm Sholoubwa bei der Lösung. Cholaquin ist von der plötzlich kreativ denkenden Maschine begeistert. Die tödliche Strahlung des Nullkanals hat halborganische Platinen in Sholoubwa mutieren lassen. Leider kann der Vorgang von Cholaquin nicht reproduziert werden. Sholoubwa bleibt einzigartig. Da der Roboter immer selbständiger wird, baut Cholaquin zwei Sicherungen in die Maschine ein.
Eines Tages erhält Cholaquin Port’aldonar Besuch von einem Boten der Hohen Mächte. Mit der Technologie des Nullkanals hätte er sich für eine Arbeit für die Mächte der Ordnung qualifiziert. Der Konstrukteur schmettert das Angebot ab.
Viele Jahre später ist Sholoubwa immer unabhängiger geworden. Cholaquin wird aufgefordert, seinen Konzern dem Staat für einen Krieg gegen die Feinde der Mowener zur Verfügung zu stellen. Cholaquin lehnt das ab und Sholoubwa ermordet die Abordnung der Regierung. Der Konstrukteur und Sholoubwa fliehen und stellen fortan ihre Leistungen anderen raumfahrenden Zivilisationen zur Verfügung. Cholaquin muss eines Tages widerwillig anerkennen, dass Sholoubwas Lösungen seinen eigenen weit überlegen sind.
Cholaquins Leben nähert sich dem Ende. Als letzte Leistung möchte er seinen Geist, sein Genie erhalten. Er möchte mit Sholoubwa eine biopositronische Verzahnung eingehen. Sholoubwa soll die notwendigen technischen Voraussetzungen schaffen, doch der Roboter hintergeht seinen Schöpfer. Die erste Sicherung, die Cholaquin eingebaut hat, bleibt wirkungslos. Und auch die zweite Sicherung, die ihn zerstören soll, hat Sholoubwa entdeckt. Der Impuls zur Selbstzerstörung kann von ihm zwar nicht verhindert werden, er verlangsamt die Zeitabläufe jedoch so stark, dass der Impuls ewig währt.
Cholaquin Port’aldonar stirbt. Seine letzten Gedanken sind seinem persönlichsten Epos gewidmet, den Gesängen des Untergangs.

Rezension:
Die Lebensgeschichte Sholoubwas, die Marc A. Herren auch noch nächste Woche fortsetzen wird, überzeugte vor allem damit, dass Sholoubwa selbst zunächst nur eine Erscheinung am Rande war. Der Autor hat lange offen gelassen, wer Sholoubwa ist und wie er sich entwickeln wird. Als langjähriger Perry-Rhodan-Leser kann man sich einiges zusammenreimen, nichtsdestotrotz hatte die Geschichte einige überraschende Wendungen.
Insbesondere in der ersten Romanhälfte kann der Roman überzeugen. Geschickt führt der Autor die Figur Cholaquin Port’aldonar ein. Der Patriotismus der Figur und seine Kriegserlebnisse werden überzeugend dargestellt. Natürlich hätte Marc A. Herren noch ein bisschen mehr aus den ersten Kapiteln holen können, noch tiefgehender beschreiben können, was es genau bedeutet in den Krieg zu ziehen, wie es sich anfühlt, jemanden zu töten und welche Greul die Soldaten erleben. Aber für eine Unterhaltungsliteratur wie Perry Rhodan sind Herrens Beschreibungen als gelungen zu betrachten.
Auch der Konflikt seiner Figur mit dem Vater ist überzeugend dargestellt. Der Bruch von Cholaquin Port’aldonar mit dem Staat und seine Abkehr vom bisherigen Leben sind ebenfalls plausibel vom Autor beschrieben worden. Die Erzählweise und die Dialoge sind ausgefeilt, zumal Herren auch kontroverse Gedanken in seiner Geschichte unterbringt. Die Namensvergabe des Dichterpseudonyms Sholoubwa an den Roboter war amüsant.
Auf den nächsten 15 bis 20 Seiten kann der Autor das Niveau der ersten Romanhälfte nicht ganz halten. Ausschlaggebend dafür war, dass es neben der Figur Cholaquin Port’aldonar keinen zweiten tiefergehenderen und längerfristigen Charakter in der Geschichte gab. Natürlich waren die Anzeichen da, dass Sholoubwa einen Gegenpart spielen würde, allerdings erst zum Romanende hin. Der Figur Cholaquin Port’aldonar erwuchsen in seinem neuen Lebensabschnitt keine nennenswerten Hindernisse. Es gab keinen ernsthaften Gegner, keinen echten Widerstand, der seine Karriere beeinflusste. Sicher, es gab Rückschläge. Aber die waren wenig folgenschwer. Binnen weniger Jahre schaffte es Cholaquin Port’aldonar, diese Rückschläge zu verkraften und immer wieder aufs Neue mit Hilfe rückständiger Technologien Wunder zu erschaffen. Im Handumdrehen wurden Monde und Asteroiden am Fließband ausgehöhlt und mit Großpositroniken gefüllt. Am Anfang waren die dazu notwendigen Ressourcen noch glaubhaft dargestellt, stand doch ein ganzes Sternenreich dahinter. Später aber waren es rückständige Zivilisationen, die wohl kaum die beschriebenen Ressourcen zur Verfügung hatten. Genie hin oder her, diese Erfolge waren nicht mehr so glaubhaft beschrieben.
Das Romanende konnte hingegen wieder voll überzeugen. Auch hier baute der Autor eine Wendung ein, die ich so nicht erwartet hatte. Sholoubwa löst sich vollständig von Cholaquin Port’aldonar. Er geht keine Verbindung mit seinem Schöpfer ein.
Ich bin auf die Fortsetzung gespannt.