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Kaowens Entscheidung – von Arndt Ellmer – Handlung:
Protektor Kaowen beobachtet an Bord seines Flaggschiffs RADONJU den Untergang der Werft APERAS KOKKAIA. Der Ort des Wandels hat sich in ein Energie speiendes Ungeheuer verwandelt. Kaowen ordnet den Rückzug an. Doch noch immer befördern die Kugeln aus Chandakristallen Schiffe der Invasionsflotte in diesen Raumsektor. Der Untergang der Werft zieht viele Schiffe der Xylthen mit in den Untergang. Schließlich ist die Werft zerstört. Die Anomalie hingegen erscheint unversehrt. QIN SHI, die in die Anomalie eingedrungen ist, meldet sich nicht und Kaowen muss eigene Entscheidungen treffen.
Unterdessen gelingt es Ramoz, das Schiff, auf dem er und Mondra ausharren, mit Energie zu versorgen. Die Ortungen zeigen erstmals die anderen Schiffe im Kalten Raum. Sie sind von unterschiedlicher Größe aber stets von gleicher Form. Ein Würfel, auf dessen sechs Seiten Vierkant-Pyramiden aufgesetzt sind. Durch die Strukturschleuse des Kalten Raums kann Mondra andere Schiffe erkennen.
In Kaowens Bewusstsein taucht ein Gedanke auf. Er soll sich nach Shikaqin begeben. Der Ort liegt im Shikaqin-Viibad auf der anderen Seite der Materiebrücke, knapp 60.000 Lichtjahre entfernt. Die RADONJU macht sich auf den Weg dorthin.
Rhodan trifft am Ort des Kalten Raums ein. Endlich zeichnet sich ein Sternschiff am Ende des Korridors ab. Mondra und Ramoz kommen an Bord der MIKRU-JON. Rhodan erhält von Mondra deren Aufzeichnungen von Ramoz Erzählungen aus seinem früheren Leben. Die Flotte im Kalten Raum umfasst nach Angaben des Zasas 765.000 Schiffe. Das BASIS-Versorgungselement soll mit seinen Hypertropzapfern die Energieversorgung dieser Schiffe ermöglichen.
Kaowen erreicht Shikaqin. Der Ort verbirgt hinter einer Barriere ein unbekanntes Objekt. Eine Schutzflotte der Chanda-Völker ist im Auflösen begriffen. Kaowen exekutiert mehrere Dutzend Kommandeure und übernimmt das Kommando. Da zeigt sich plötzlich QIN SHI. Die SI befiehlt einigen Schiffen, sich der Invasionsflotte nach Escalian anzuschließen und Kaowen solle den Befehl über die zurückbleibenden Einheiten bei Shikaqin übernehmen. Gleichzeitig treffen weitere Flottenverbände ein, unter anderem von Meloudil.
Das BASIS-Versorgungselement hat nach langen Berechnungen Ryans damit begonnen die Chanda-Kristalle im Kalten Raum mit Energie aufzuladen. Diese Energie soll bei einer Sättigung an die Sternschiffe weitergegeben werden. Bei Untersuchungen des Sternsaphirs wird deutlich, dass der Kristall eine Fälschung ist und bei weitem nicht die Funktionen beinhaltet, die ein solches Sternjuwel normalerweise hat. Ein schwerer Unfall bei der Untersuchung des Kristalls wird von Nemo Partijan schadlos überstanden. Ennerhahl und Rhodan haben keine Erklärung. Die starke Hyperstrahlung müsste den Wissenschaftler eigentlich getötet haben. Partijan verweigert eine medizinische Untersuchung.
Bei einer Konferenz mit Vertretern des Widerstands zeigt sich Ramoz misstrauisch gegenüber den Oracca. Seine Frage, ob die Oraccameo ihre Vorfahren seien, wird von den anwesenden Oracca verneint. Doch Ramoz traut den Aussagen nicht. Rhodan selbst wird von den Oracca vor Ramoz gewarnt. Er hätte eigene Pläne.
Bei Shikaqin treffen auch Dosanthi von Meloudil ein, unter ihnen Tokun Gavang. Die Dosanthi verbreiten Panikstrahlung. Die Schiffe der Schutzflotte beschießen sich gegenseitig. Über eine Sicherheitsschaltung kann Kaowen Schiffe explodieren lassen auf denen die Dosanthi außer Kontrolle geraten. Doch das Chaos nimmt zu. Das Tarnfeld um Shikaqin erlischt und zeigt einen sonnenlosen kleinen Planeten, auf dessen Oberfläche sich riesige knöcherne Gesichter zeigen.
Auch bei Rhodan gibt es Schwierigkeiten. Der Durchgang zum Kalten Raum wird instabil. Die MIKRU-JON beginnt sich aufzulösen.

Rezension:
Einmal mehr bietet Arndt Ellmers schöpferischer aber nicht immer sinniger Schreibstil Anlass zu einiger Kritik. Zugute halten muss man dem Autor, dass er immer etwas „Neues“ schreiben will, was aber meistens dazu führt, dass der Autor die Handlungsweisen seiner Figuren nach Belieben wechselt und eigentlich harmlose Situationen unnötig aufbläht. Der Autor hat wohl auch das Bestreben, seine Figuren unkonventionell agieren zu lassen. Leider wirken diese Handlungen meist eher antiquiert als fortschrittlich. Darüber hinaus dreht der Autor für Kleinigkeiten viele unnütze Runden und in vielen Szenarien gerät die zeitliche Abfolge der Ereignisse durcheinander. Enthalten sind auch wieder die sehr häufig vom Autor verwendeten abrupten Szenenwechsel und die ebenso typische plötzlich auftretende Veränderung in der Gefühlswelt seiner Figuren. Ebenso typisch für Arndt Ellmer ist seine Art Fakten zu schaffen. Seine Figuren verbreiten überraschende Erkenntnisse, die sich nicht aus seiner Erzählung noch aus den vorausgegangenen Geschichten herleiten lassen. Der Autor versucht in jede noch so kleine Szene einen Spannungsbogen einzubauen. Leider misslingen die meisten dieser Aktionen, den Leser über mehrere Zeilen oder gar Kapitel zu fesseln. Akute Bedrohungssituationen meistert der Autor noch am besten. Bei den Versuchen weiter gefasste Spannungsbögen zu schaffen, mit sich langsam entwickelnden bedrohlichen Elementen, scheitert der Autor. Ein einfaches Spannungselement ist das Vorenthalten von Informationen. Der Autor setzt das recht häufig ein, allerdings geraten diese Elemente meist zu plump.
Textstellen für die Ellmertypischen Fehler finden sich in „Kaowens Entscheidung“ leider zuhauf. Hier einige Beispiele:
Das Zusammentreffen der Kommandeure mit Kaowen bei Shikaqin bündelt gleich mehrere der oben genannten Schwächen des Autors. Umständlich werden die Kommandeure von tausenden von Schiffen zu einer Konferenz eingeladen. Der Autor möchte etwas Unkonventionelles schreiben, tatsächlich gerät die Aktion zu behäbig. Um die Spannung (?) zu erhöhen, schreibt der Autor zunächst als harten Fakt, dass die Widerspenstigen unter den Kommandeuren sich nicht blicken lassen. Ein paar Zeilen weiter treffen die Widerspenstigen dann doch ein. Die Spannung war bereits nach dem ersten Fakt vorbei. Sie wäre aufrechterhalten worden, wenn Kaowen und damit der Leser durch Formulierungen des Autors im Unklaren darüber geblieben wäre, ob die wahrscheinlichen Widersacher nicht vielleicht dennoch eintreffen oder vielleicht etwas in Schilde führen. Der Autor lässt jedoch einfach Informationen weg, um sie dann doch noch zu präsentieren. Dieser Schreibstil des Autors ist fade. Die Szene geht jedoch noch weiter. Kaowen beansprucht den Oberbefehl. Die widerspenstigen Kommandeure lehnen das ab. Die Begründungen des Autors sind wirr. Einerseits schreibt er, dass Kaowen als Kommandeur der QIN SHI Garde für alle Beteiligten bekannt unumschränkte Macht besitzt, andererseits lässt der Autor seine Figuren zu einer Schmierenkomödie zusammenkommen. Völlig unmotiviert lässt der Autor seinen Hauptdarsteller schließlich einen Gewaltausbruch durchlaufen und mehrere Dutzend Kommandeure exekutieren. Auf dem Höhepunkt der Auseinandersetzung entwickelt Kaowens Klonkörper ungeahnte Fähigkeiten. Seinen Handrücken (?) kann Kaowen so strecken, dass er fast so schmal wie eine Messerklinge wird. Damit bezwingt er einen Gegner im Zweikampf. Abgesehen davon, dass sicherlich die Handkante gemeint sein sollte, ist diese Fantasie des Autors an der Stelle einfach nur übertrieben und wirkt deplatziert. Ein gut geschriebener längerer Zweikampf wäre noch akzeptabel gewesen, statt einer Massenexekution und einer genetischen Handveränderung.
Das Zusammenspiel der Figuren Ramoz und Mondra ist hektisch und von willkürlichen Gefühlsschwankungen durchsetzt ohne dass der Autor diese Umstände schlüssig herleitet. Beim Zusammentreffen Rhodans mit Ramoz und Mondra geraten der zeitliche Ablauf und die Übermittlung von Informationen zu den Geschehnissen im Kalten Raum durcheinander. Rhodan erwähnt einen Bericht von Ramoz, doch davon war vorher nichts zu lesen. Erst nach dem Gespräch mit Ramoz kommt Rhodan dazu, einen Speicher Mondras mit den Aufzeichnungen der Erinnerungen von Ramoz zu sichten. Doch schon zuvor hatte der Autor Rhodan Informationen überlegen lassen, die diese Figur zu dem Zeitpunkt unmöglich haben konnte.
Übrigens ist bei Ellmer der Kalte Raum bei einer blauen Sonne angesiedelt, während es bislang eine grüne Sonne war. In der Nähe dieser Textstelle bekommt Rhodan die Information vom Verzweifelten Widerstand, dass die Anomalie noch existiert und der Durchgang nach Escalian reibungslos funktioniert. Da aber niemand durchgeflogen ist und aus Escalian auch nicht zurückkehrte kann das gar nicht stimmen, was der Autor hier schreibt. Diese beiden Fehler stehen stellvertretend für dutzende derartige Fehler im Roman, die alle aufzuzählen schlicht unmöglich ist.
Ennerhahls Darstellung über seine Angaben, er sei eine Inkarnation der Zeitrose kann Rhodan ebenfalls nicht wissen. Wenn ich mich recht entsinne, dann hat Ennerhahl dies gegenüber Alaska Saedelaere bei ihrem ersten Zusammentreffen behauptet, möglicherweise um den Maskenträger zu täuschen.
Die Fähigkeiten des BASIS-Versorgers geraten zu einer Wundertüte. Selbst wenn das Schiff Hypertropzapfer hat, um damit die eigene Energieversorgung und die der anderen BASIS-Zelle zu sichern, soll das plötzlich die Versorgung von eben mal 765.000 Schiffen der Flotte im Kalten Raum sicherstellen. Eine „Beurteilung“ dieser Darstellung fällt schwer, da der Autor gerade bei diesem Geschehen einmal mehr wichtige Informationen zum Verständnis einfach weglässt, was den Eindruck einer Wundertüte noch verstärkt.
Ein ums andere Mal lässt Ellmer Kaowen Überlegungen anstellen, QIN SHI nach Escalian zu folgen, um die beiden Gegenstände (Anzug und Okular) zu beschaffen. Weder in diesem, noch in den vorherigen Romanen sind jedoch Aussagen gemacht worden, die den Protektor zu solchen Gedanken inspirieren könnten. Kaowens Überlegungen können noch nicht einmal spekulativ sein. Denn auch dafür gibt es keinen Anlass. Wenn mich meine Erinnerung nicht trübt, dann sind die beiden BASIS-Teile durch Transitionen aus der Werft entkommen. Die Auswirkungen der Transition haben, abgesehen von der Sonnenbombe aus Escalian, zur Zerstörung der Werft beigetragen. Sie sind also mitnichten in die Anomalie eingeflogen. Am Anfang des Romans schreibt Ellmer sogar, dass nun auch die andere BASIS-Zelle die untergehende Werft per Transition verlassen hat.
Fehler schlichen sich auch bei der Hereinnahme des Dosanthi Tokun Gavang ein. Die Figur wurde zuletzt in den Heften 2630 und 2631 verwendet. Tokun Gavang hatte seinerzeit über die zivilen Kommunikationsnetze die Bewohner Meloudils zum Widerstand aufgerufen. Zwar erwähnt Ellmer anfänglich, dass Gavang in den Untergrund gehen musste aber bei der Mobilmachung ist er doch wieder unter seinem Namen an Bord eines Xylthenschiffes. Ein merkwürdiger Umstand, dass der öffentlich und namentlich genannte Anführer der Verzweifelten Widerstands eines Planeten so einfach an Bord eines Xylthenschiffes gelassen wird. Und noch merkwürdiger ist der Umstand, dass diese Figur vom Kommandanten sogar in die Zentrale gebeten wird. Wohlgemerkt von einem Xylthen, der nicht Mitglied des Widerstands ist. Das hat man davon wenn man sekundäre Figuren nach so langer Zeit wieder hervorzaubert. Arndt Ellmer versucht sich mit einer Erklärung, dass dem Kommandanten der Xylthen nicht bekannt sei, dass Gavang versucht hat Kaowen zu töten. Das sind jedoch Ereignisse vor dem Geschehen auf Meloudil, sie liegen über 90 Jahre zurück. Die Ereignisse auf Meloudil blendet der Autor weitgehend aus. Die folgenden Handlungen um die Dosanthi bei Shikaqin sind allerdings so wirr geschrieben, dass der Fehler eh kaum auffällt.
Die letzten Seiten habe ich nur noch überflogen. Aktionen, Beteiligte, Motivationen, Ursachen und Wirkungen des Tumults bei Shikaqin werden zu einer zähen Melange zusammengerührt. Dem konnte und wollte ich nicht folgen.
Fazit: Ein Roman mit zahlreichen Fehlern inhaltlicher und schreibtechnischer Natur. Im Übrigen wurde mir während und nach der Lektüre nicht klar, um welche Entscheidung es bei „Kaowens Entscheidung“ ging.