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Ansichten zu PR 2661

Anaree – von Uwe Anton – Handlung:
Ennerhahl ist dabei den Sternsaphir zu untersuchen, der beim Tod von Samburi Yura zurückblieb. Als Rhodan das Sternjuwel berührt wird eine Botschaft in seinen Kopf gesendet. Rhodan erfährt die Geschichte von Anaree.
Anaree ist fünf Jahre alt als sie beim Spielen am Fluss das erste Mal den blauweißen Kristall bemerkt, der am untersten Zweig eines Baumes hängt. Der Kristall zieht sie magisch an, doch ihn zu berühren, wäre ein Tabu-Bruch. Die Morgenschwester hat dem Tag-Volk verboten diese Gegenstände zu berühren. Tara Marate, ein alter Jäger des Dorfes warnt das Mädchen. Diejenigen, die den Sternsaphir berühren, altern und verschwinden. Das Mädchen ignoriert die Warnung und berührt den Kristall. Wissen strömt in sie ein und die Morgenschwester, die Göttin des Tag-Volks tritt ihr gegenüber. Mit den Worten „du wirst für mich sterben“ lässt sie das Mädchen verwirrt zurück. Anaree stellt verblüfft fest, dass sie gealtert ist. Sie ist jetzt mindestens 15 Jahre alt, als sie ins Dorf zurückkehrt. Dort nimmt niemand Notiz von ihrer Wandlung.
Nach einem Jagdausflug mit Tara Marate, bei dem Anaree einem seltsamen Kaninchen begegnet, vergehen mehrere Tage bis die Morgenschwester ins Dorf kommt und Anaree mitnimmt. Die Göttin des Tag-Volks führt Anaree in einen fremden Bereich. Ein Gegenstand, der dort nicht hinzugehören scheint, fesselt ihre Aufmerksamkeit. Von ihrer Herrin befragt, was das sei, antwortet Anaree ohne zu zögern. Eine Nekrophore. Das Wissen dazu ist aus dem Sternsaphir in ihr übergegangen. Auch die weiteren Fragen der Morgenschwester kann Anaree beantworten. Die Morgenschwester ist mit dem Ergebnis zufrieden und eröffnet Anaree, dass sie als Leibwächterin dienen soll. Sie soll ein Hypergespinst, einen Kampfkokon bedienen lernen, damit sie für die Morgenschwester kämpfen und sterben kann.
In der Folgezeit lernt Anaree weitere seltsame Bereiche und fremde Welten kennen. Sie weiß nun, dass sie in einem Raumschiff mit dem Namen LEUCHTKRAFT reist. Jedes neue Ereignis und jeder neue Ort rufen in ihr das Wissen dazu wie aus einer Enzyklopädie ab. Sie begegnet der Androiden-Besatzung. Einer von ihnen, der Offizier M’ian Mor, wird ihr Ausbilder. Sie lernt Ultradim-Fenster und andere technische Einrichtungen zu bedienen. Und sie lernt den Kampfkokon zu bedienen, mit dem sie in den Hyperraum rotieren kann. Das Hypergespinst kann sich über Feinde stülpen und sie in den Hyperraum abstrahlen. Außerdem kann Anaree mit dem Kampfkokon andere Existenzebenen betreten. Das Hypergespinst ist so mächtig, dass es sogar den Sensoren der LEUCHTKRAFT entgehen kann.
Eines Tages wird Anaree zur Morgenschwester gerufen, die sich in einem Lagerraum mit hunderten von Sternjuwelen aufhält. Als ihre Herrin abgelenkt ist, entwendet Anaree einen Sternsaphir und hofft, dass der Diebstahl unbemerkt geblieben ist. Sie versteckt den Sternsaphir am Ufer des Flusses und kehrt in der Folgezeit immer wieder dorthin zurück, um die Funktionen des Sternjuwels zu erforschen. Schließlich kommt der Tag, an dem Anaree ihren ersten Einsatz hat. Sie begleitet unsichtbar für alle Beteiligten die Morgenschwester und fünf Androiden an Bord der ROTOR-A zum Schauplatz des Mahnenden Schauspiels vom See der Tränen. Die Entität Tafalla widersetzt sich und tötet die Androiden. Anaree kann mit ihrer Herrin entkommen. An Bord der LEUCHTKRAFT erscheint Sholoubwa und verbietet die Vernichtung der Schauspielplattform. Die LEUCHTKRAFT zieht sich unverrichteter Dinge zurück.
Anarees Ausbildung geht weiter und nicht nur ihre Fähigkeiten wachsen, sondern auch ihre Neugierde. Mit dem Hypergespinst macht sie Streifzüge durch die LEUCHTKRAFT. Ihre Beobachtungen zeichnet sie auf dem Sternjuwel auf. Eines Tages wird sie Zeuge einer Unterhaltung zwischen der Morgenschwester und einem alten Mann, der sich kurz darauf in einen jungen Mann verwandelt und als Delorian angesprochen wird. Die Unterhaltung dreht sich darum, dass Delorian und die Morgenschwester QIN SHIS Idee nutzen wollen. Dazu benötigen sie das BOTNETZ, das Okular, den Anzug und einen Zellaktivator. Anaree trifft auch auf Alaska Saedelaere und auf Monkey, dem sie das Leben rettet.
Irgendwann trifft Anaree mit DAN zusammen. Der Bordrechner hat ihre Aktivitäten doch verfolgen können. Er bezeichnet sich selbst als Gefangenen, so wie alle an Bord. DAN nimmt beim Gespräch mit Anaree die Gestalt des jungen Delorians ein. Anaree erinnert sich, diese Gestalt gesehen zu haben, was bei DAN scheinbar Besorgnis hervorruft. DAN hat den Wunsch nach Anthuresta gebracht zu werden. Er spricht davon, dort ein schlimmes Schicksal zu erleiden. DAN führt sie zu einem weiteren Sternsaphir, den Anaree an sich nimmt. Beide wollen das Zusammentreffen gegenüber der Morgenschwester verschweigen.
Ein weiterer Einsatz führt Anaree an der Seite der Morgenschwester zur immateriellen Stadt Ultramarinblau. Die Herrin hinterlässt dort eine Botschaft für Saedelaere und lässt zwei Proto-Enthoninnen dort zurück. Schließlich erreicht die LEUCHTKRAFT Kopters Horst, wo das BOTNETZ versteckt ist. Die Morgenschwester und Anaree begeben sich in eine der 48 Raumstationen, die eines der 48 Blütenblätter der Zeitrose enthält. Die Morgenschwester macht jedoch keine Anstalten, das BOTNETZ zu bergen. Wenn es an Bord der LEUCHTKRAFT gelangt, wäre es in den Händen der Kosmokraten, sagt sie. Und das darf nicht geschehen. Als QIN SHI erscheint, lässt die Morgenschwester Anaree, die durch das Hypergespinst nicht von QIN SHI identifiziert werden kann, zurück. Bevor sie geht, macht sie den Sternsaphir, den ihr seinerzeit Anaree entwendet hat, unbrauchbar. Sie hatte es doch bemerkt. QIN SHI nimmt Anaree in ihrem Hypergespinst, im Glauben es sei Samburi Yura, gefangen. Anaree stirbt. Ihr bleibt ein letzter Triumph. Sie hat die Morgenschwester überlistet. Ihre Erinnerungen hat sie auf dem zweiten Sternsaphir gespeichert.
Perry Rhodan kennt nun die Erinnerungen der Proto-Enthonin. Mikru soll das Sternenjuwel untersuchen. Rhodan ist um Saedelaere besorgt. Der Freund wird von Samburi Yura offensichtlich hintergangen.

Rezension:
Uwe Antons Roman gliedert sich in 3 Teile. Im ersten Drittel wird die Figur Anaree eingeführt. Im zweiten Drittel verknüpft der Autor das Geschehen um diese Figur mit bekannten Fakten aus dem aktuellem Zyklus und der Serienvergangenheit und im letzten Drittel fügt der Autor einige neue Aspekte zur aktuellen Zyklushandlung dazu.
Das erste Romandrittel war nicht schlecht geschrieben auch wenn gleich zu Beginn etwas zu viel Theatralik eingeflossen ist, als Rhodan den Sternsaphir berührt. Auf den folgenden 20 bis 25 Seiten führt Uwe Anton die Figur Anaree ein und schließt dieses Kapitel mit dem ersten Einsatz der Proto-Enthonin ab. Leider war der erste Einsatz seiner Figur auch der erste Einsatz von Samburi Yura, und diese Geschichte kennen wir schon. Zwar wird die Wiederholung aus einer anderen Perspektive erzählt, allerdings kann der Autor dem Geschehen keine neuen Gesichtspunkte hinzufügen. Insofern empfand ich den Aufbau des Romans bis zu dieser Stelle nur als durchschnittlich. Statt jetzt auf dem Geschehen aufzubauen, macht der Autor auf den folgenden Seiten erst mal wieder einen Schritt zurück und schildert erneut die Ausbildung Anarees. Das geriet etwas zu langatmig.
Zudem fehlte der Darstellung der Proto-Enthonin einfach ein interessantes Element. Uwe Anton, bekennender Fan von Philip K. Dick hat eine gute Gelegenheit verpasst, seinem Vorbild nachzueifern und seinem künstlichem Geschöpf besondere Eigenschaften, Wesenszüge oder Emotionen mitzugeben. Anaree bleibt während des gesamten Romans nur eine Dienerin ihrer Herrin und Schöpferin. Anders als Dick gelingt es Anton nicht, seinem künstlichen Geschöpf Leben einzuhauchen. Anaree bleibt blass, im wahrsten Sinn des Wortes. Wenn es doch Ansätze gibt, die über die Schilderung der Ausbildung hinausgehen, dann sind sie misslungen. Eine Schlussfolgerung, zu der der Autor seine Figur beispielsweise kommen lässt, ist seltsam. Die Neugierde Anarees soll ein Beleg dafür sein, dass sie keinen freien Willen hat. Das wäre wirklich überraschend, denn dann hätten die meisten Menschen keinen freien Willen!
Im letzten Drittel wird es interessanter und der Autor kann stellenweise mit neuen Informationen fesseln. Leider schleichen sich auch hier einige Fehler ein, die unnötig sind. So wird ein ums andere Mal wiederholt, wie sich Anaree mit den Sternjuwelen beschäftigt und langsam lernt, sie einzusetzen. Das hatte sie bereits in den Kapiteln zuvor getan.
Der Autor geht an einer Stelle auf ein Stilelement ein, das in der Serie weit verbreitet ist. Wesen höherer Art und solche, die sich dafür halten, hinterlassen für Personen, deren Hilfe sie benötigen, kryptische Botschaften. Da ein Teil des Romans in der Stadt Ultramarinblau spielt, die Alaska Saedelaere betreten hatte und dort eine Botschaft Samburi Yuras fand, bot sich nun die Gelegenheit, die Aufzeichnung der Botschaft aus einer anderen Perspektive zu schildern. Dem Autor Uwe Anton fiel jedoch nichts Gescheites ein und er hat seine Figur Samburi Yura allen Ernstes in den Mund gelegt, für Saedelaere Lügen und Halbwahrheiten zu hinterlassen, um es ihm nicht zu einfach zu machen. Selbst wenn dies Ausdruck dessen sein soll, dass die Enthonin Saedelaere hintergeht, ist es dumm. Auch hier hat Uwe Anton eine gute Gelegenheit verpasst, um eine schlüssige Begründung für den umständlichen Inhalt dieser Botschaft zu liefern. Oder anders ausgedrückt, an dieser Romanstelle verstrickt sich der Autor im eigenen gesponnenen Netz!
Im Epilog schließlich verpasst der Autor erneut eine gute Gelegenheit. Die Echtheit des Sternjuwels wird von seiner Figur Rhodan angezweifelt und damit einhergehend werden auch die Erinnerungen Anarees in Zweifel gezogen. Das ist aus zweierlei Gründen schade. Erstens sät der Autor erneut Zweifel auf der Handlungsebene Rhodan, statt einmal Fakten wirken zu lassen und zweitens sind die Schlussfolgerungen, die Anton seine Figur Rhodan ziehen lässt, falsch. Rhodan fragt sich, ob der Sternjuwel echt sei, den Anaree entwendet hat. Wenn Rhodan allerdings gerade erst die ganze Geschichte Anarees erfahren hat, dann kann ihm nicht entgangen sein, dass der Sternjuwel nicht der ist, den Anaree entwendet hat, sondern ein zweiter, der ihr von DAN gegeben wurde. Samburi Yura hatte als letzte Aktion den zuerst von Anaree entwendeten Sternjuwel, bzw. das, was Anaree für einen Sternjuwel hielt, unbrauchbar gemacht. Und Anaree hatte den unbrauchbaren Sternjuwel im Kampf gegen QIN SHI eingesetzt.
Fazit: Mit dem Roman kann (muss ?) man wohl zufrieden sein. Mehr kann Uwe Anton derzeit nicht schreiben. Wie wäre wohl die Figur Anaree von einem Wim Vandemaan gestaltet worden, mit welchen Worten hätte er die Proto-Enthonin die Wunder der LEUCHTKRAFT erleben lassen? Uwe Anton bleibt in vielen Bereichen sehr oberflächlich. Seine Story punktet mit den Informationen und den geschilderten Zusammenhängen. Mit der Schilderung der Figur Anaree hat Uwe Anton jedoch Potential verschenkt und im Epilog schafft der Autor wieder nur Verwirrung.
Spekulation: Mache ich selten aber die zwei Erscheinungsbilder Delorians und DANs seltsames Verhalten könnten Ausdruck dafür sein, dass es zwei Delorians gibt. Einen alten Delorian, ehemals Chronist von ES und einen jungen Delorian, möglicherweise im Dienst von TALIN.