Articles for the Month of April 2012

Ansichten zu PR 2642

Der Maskenschöpfer – von Michael Marcus Thurner – Handlung:
Alaska Saedelaere will nun auch den Rest von TANEDRARS Lebensgeschichte erfahren. Insbesondere interessiert ihn die Sache mit dem Kosmonukleotid TRYCLAU-3. Die SI hatte angedeutet, dass ihre Schwierigkeiten mit dem Kosmonukleotid in Zusammenhang standen. TANEDRAR hat jedoch die Lust an der Unterhaltung mit dem Terraner verloren und schickt einen ihrer Avatare. Der Bewusstseinssplitter namens Fartokal Ladore erzählt die Geschichte seines Lebens und die Geschichte der Superintelligenz aus seiner Sicht weiter.
Vor mehr als zehntausend Jahren war Fartokal Ladore ein Maskenschöpfer, wohl der Beste seiner Zeit. Der Lirbal fertigte insbesondere Masken für die Mitglieder des Geldadels. Seine Masken enthielten jede Raffinesse und besaßen einen hohen Schutzfaktor, der aufgrund der hohen Strahlungswerte in der postapokalyptischen Ära der Lirbaler auch benötigt wurde. Seine Gewinne machte der Lirbal jedoch mit Massenware. Dennoch hat der Maskenschöpfer seinen Zenit längst überschritten. Eines Tages meldet sich sein Escaran, der bisher nie zu ihm gesprochen hat. TANEDRAR möchte den Maskenschöpfer aufnehmen und als Avatar nutzen. Er soll am Wissen anderer teilhaben und quasi unsterblich werden. Fartokal Ladore geht in TANEDRAR auf. Aber sein Bewusstsein bleibt unabhängig. Er ist nicht vollständig Teil der SI geworden. TANEDRAR versetzt sein Bewusstsein in den Körper eines anderen Lirbal. Der Name des eher einfältigen Mannes ist Morrceta. Der Lirbal war zwar ein geschickter Techniker aber in der Hierarchie weit unten angesiedelt. Um das Wissen einzusetzen, das er im Geistespool der Superintelligenz erworben hatte, war der Geist Morrcetas zu schwach. Ladore sinniert nur kurz über moralische Bedenken dann verdrängt er den Verstand Morrcetas und übernimmt die Herrschaft über dessen Körper.
Obwohl einige hundert Planetenjahre vergangen waren seit er gestorben ist, kann sich Fartokal Ladore recht schnell zurechtfinden. Er setzt sein Geschick als Maskenschöpfer und sein Wissen aus dem Geistespool geschickt ein und wird berühmt. Er gibt seinem Volk Visionen und finanziert ein Raumfahrtprojekt zum Nachbarplaneten. Seine Heimatwelt Lirbe entwickelt sich prächtig. Nach einem langen Leben nimmt ihn TANEDRAR wieder auf, nur um ihn im nächsten Körper, einen Avoiden namens Bkelle wieder auszusetzen. Ein neuer Auftrag erwartet ihn, er soll dieses Volk fördern.
Nach Bkelle führen ihn weitere Aufträge in die vier Galaxien des Reiches. Er wird auch wieder in den Körper eines Lirbal, noch dazu eines Maskenschöpfers versetzt. Er erlebt, wie die Masken, seine Masken, auch von anderen Völkern getragen werden. Diese Entwicklung betrachtet er mit Sorge. Schließlich wird Fartokal Ladore Zeuge der Ankunft eines Boten der Hohen Mächte. Seine Individualität erlaubt es ihm, TANEDRAR zu warnen. Er wird nicht gehört. Angeführt von TAFALLA sind alle Teile der SI bereit für Aufgaben der Hohen Mächte. Als TAFALLA dem ersten Auftrag nachgeht ist sein Weggang nur schwer von TANEDRAR zu kompensieren. Dazu fordert Konstrukteur Sholoubwa mit seinen Technogarden Ressourcen zum Bau einer Waffe gegen die Mächte des Chaos. Das BOTNETZ wird geschaffen. Sholoubwa gewinnt an Präsenz, indem er Teile seiner selbst auf Mitglieder der Technogarden überträgt und an jedem der 4096 Verwaltungspaläste als Berater zur Verfügung steht.
Die Zusammenarbeit mit den Hohen Mächten forderte Tribut und das Reich begann auszubluten. Endlich waren die 48 Blütenblätter der Zeitrose fertiggestellt. TAFALLA sollte sie abtransportieren und Fartokal Ladore begleitete ihn. Die Reise führte zur Zwerggalaxis Tyr, wo mehrere kobaltblaue Walzen der Kosmokraten und andere Schiffe das Kosmonukleotid TRYCLAU-3 sicherten, belauert von Einheiten der Terminalen Kolonne TRAITOR. Renyi-Hemdebb überbrachte Informationen zur Installation der Zeitrose. Endlich, nach vielen Jahren des Baus steht die Aktivierung bevor. TAFALLA spürt eine Gefahr, die von der Zeitrose ausgeht. Er befürchtet, dass die Aktivierung mehr Schaden anrichtet als Nutzen. Als er sich zu nahe heranwagt, wird er durch einen Sog in das Innere des Kosmonukleotids gezogen. Das Geistwesen erlebt Visionen von Zukünften. Die Teil-Superintelligenz wird mit ausgesonderten Negapsiqs infiziert. Trotzdem kann TAFALLA dem Kosmonukleotid entkommen. Zurück in TANEDRAR wird die gesamte SI infiziert. TANEDRAR kann TAFALLA wieder ausstoßen, doch durch diesen Prozess leiden alle Bewohner Escalians und TAFALLA tötet Renyi-Hemdebb.
TANEDRAR kann schließlich TAFALLA von den Negapsiqs befreien. Die abgetrennte negative Komponente bildet das Geistwesen Tafalla, das im Leerraum verschwindet. Bei TANEDRAR bleiben Spuren zurück, die sich über die Escaran auf alle Bewohner der vier Galaxien auswirken. Misstrauen, Pessimismus und Paranoia beherrschen die Escalianer. Eines Tages begleitet Fartokal Ladore die Teil-SI ARDEN. Im Leerraum haben sie eine seltsame Begegnung. ARDEN spürt die Anwesenheit einer Superintelligenz namens KASSORR, die sich mit einem Boten der Hohen Mächte trifft. Seltsam ist, dass ARDEN von der anderen Superintelligenz und dem Boten nicht wahrgenommen wird. Die vier Teile der SI beraten die merkwürdige Begegnung. Sie finden keine Erklärung, warum ARDEN unentdeckt blieb und sehen sich betätigt in ihren Zielen das Reich der Harmonie nach außen abzuschotten.
Fartokal Ladore ist erschöpft. Er hat seine Lebensgeschichte dem Terraner erzählt und endlich erfüllt ihm TANEDRAR seinen Wunsch. Er geht endgültig in der SI auf. Alaska hat viele Fragen. Wie viel negative Substanz steckt noch in TANEDRAR? Was hat der Aufenthalt TAFALLAS in TRYCLAU-3 bewirkt? Wie war Renyi-Hemdebb gestorben? TANEDRAR wendet sich über die Puppe Arden wieder an den Maskenträger. Er soll einen Auftrag erledigen.

Rezension:
In der Fortsetzung der Lebensgeschichte TRANEDARS liegt der Schwerpunkt diesmal bei den Beobachtungen einer einzelnen Person. Das tut der Geschichte und dem Erzählfluss gut, wenngleich insbesondere die Darstellungen bei den Interaktionen zwischen einem Wesen niederer Ordnung und einer Superintelligenz die PR-typischen Ungenauigkeiten aufweisen. Das Leben folgt bestimmten Regeln, daran müssen sich die Wesen niederer Ordnung halten. Letztlich haben es die Autoren nie verstanden, den „höheren Wesen“, die sie so gerne schildern, ebenfalls eine Ordnung mitzugeben. Vielleicht wollen sie es ja auch gar nicht. Das erleichtert das Schreiben ungemein und so manche Dinge bleiben dadurch einfach herrlich unbestimmt. Die Geisteswesen die ich rief werde ich nicht mehr los! Goethes Gedanke leicht abgewandelt ging mir das eine oder andere Mal während der Lektüre durch den Kopf.
Nichtsdestotrotz hatte Michael Marcus Thurners Roman deutlich mehr Substanz als die Erzählung der vergangenen Woche. Die von mir letzte Woche noch schmerzlich vermisste Aufarbeitung der Entstehungsgeschichte des Maskenkults wird vom Autor jetzt ausreichend gewürdigt. Der Einstieg in die Welt der Lirbal und die Zeichnung des Maskenschöpfers Fartokal Ladore gelangen anfangs wirklich gut. Der Autor benötigt nur wenige Zeilen um dieses Szenario einer atomar verseuchten Welt lebendig werden zu lassen.
Danach verliert der Roman etwas an Fahrt ohne allerdings langweilig zu werden. Die diversen Erlebnisse seiner Figur Fartokal Ladore werden von MMT geschickt zu Papier gebracht. Zum Ende hin bemüht der Autor für meinen Geschmack die Hochstelltaste seiner Tastatur ein wenig zu häufig, soll heißen zu den eben nicht wenigen höheren Wesenheiten, die diesen Zyklus eh schon bevölkern, werden noch ein paar neue Namen hinzugefügt.
Am Ende geht es mir wie Alaska Saedelaere. Das Resümee, das der Autor auf Seite 60/61 seine Hauptfigur ziehen lässt, entspricht haargenau auch dem Fazit, das ich zu diesem Roman, bzw. zum Stand des Zyklus ziehe: Diese Erzählung bringt mich zwar ein wenig weiter und hilft mir die Verhältnisse im Reich der Harmonie zu verstehen … Aber all das täuscht nicht darüber hinweg, dass sich neue Fragen auftürmen und Unklarheiten bestehen bleiben.

 

Ansichten zu PR 2641

TANEDRARS Ankunft – von Michael Marcus Thurner – Handlung:
Alaska Saedelaere hat von der SI TANEDRAR einen Splitter erhalten. Nun hört er ihre Geschichte. Die SI wirft einen Blick zurück in die Vergangenheit. Die Bilder entstehen in Saedelaeres Gehirn und überlasten den Terraner anfänglich. Die Geschichte TANEDRARS ist auch die Geschichte der vier Sterneninseln Netbura, Tafalla, Arden und Dranat. Netbura, symbolisiert durch den alten König wurde zum Teil durch die Sterneninsel Tafalla, dem Kanzler, durchdrungen. Wesentlich kleiner, kollidiert Arden, die Prinzessin, mit einem Teil Netburas, während Dranat, der Hofnarr, die beiden Großgalaxien in ihrem Überlappungsgebiet schon vor langer Zeit durchstoßen hatte. Das war 9,8 Millionen Jahre her. In Netbura hatte sich ein Geistwesen entwickelt, das sich den Eigennamen NETBURA gab. Das Geistwesen unterstützt die einheimischen Völker gegen Aggressoren aus Tafalla. Eines der Völker, die Schwanta befindet sich auf der Flucht vor den insektoiden Krol. Als NETBURA sich den Krol in den Weg stellt, um sie mit Harmonie-Impulsen zu besänftigen, tritt ein anderes Geistwesen auf den Plan. Es nennt sich TAFALLA und steht hinter den Aktionen der Krol.
NETBURA und TAFALLA stehen sich im Kampf gegenüber. NETBURA droht dem deutlich stärkeren Geistwesen zu unterliegen. Da kommt es zu einem Einbruch höherdimensionaler Energien. Die Flotten der Schwanta und Krol werden ausgelöscht. NETBURA kann sich nur mit Mühe retten und zieht sich zur Regeneration für Jahrtausende auf die verlassene Heimatwelt der Schwanta zurück. In einem von den Wissenschaftlern der Schwanta mit einem Aufrissprojektor künstlich geschaffenen Miniaturuniversum verharrt NETBURA. Etwa 200.000 Jahre später „entdeckt“ der Liba Lanistar von Breugelt das Geistwesen und wird von diesem aufgenommen. NETBURA bedient sich Lanistars als Avatar. Er schickt die Peaner als Emissäre zu TAFALLA. Allerdings kehrten sie niemals zurück. Die Peaner verweigerten NETBURA daraufhin jede Unterstützung. NETBURA ging auf Reisen und stellte fest, dass er nicht alleine war. In allen 4 Galaxien hatten sich Geistwesen gebildet. ARDEN definierte sich als weiblich. Dazu gesellte sich DRANAT. Die drei Geistwesen harmonierten prächtig und entwickelten eine Vision von einem Zeitalter des Friedens und der Harmonie. Endlich willigte auch TAFALLA zu einem Gespräch ein. Es kam zu mehreren Zusammenkünften. Schließlich vereinigten sich die vier Geistwesen und wurden zur Superintelligenz TANEDRAR. Allerdings wurde durch Zufall (?) die Zusammenkunft so nachhaltig gestört, dass die SI weiterhin aus vier Teilen bestand. Zur Gewinnung von mentaler Substanz sonderte die SI Splitter ihrer selbst ab und verlieh sie an Lebewesen niedriger Ordnung. Von dort floss mentale Energie zurück.
Die Lirbaler erregten die Aufmerksamkeit TANEDRARS und wurden zu Günstlingen der SI. Ein Lirbaler namens Morrceta trägt seine Schutzmaske, die ihm das Überleben sichert auch beim Kontakt mit anderen Zivilisationen. Daraus entstand zunächst ein Modespleen, der sich rasch verbreitete und an Symbolik gewann. Vor 8700 Jahren konnten endlich alle Hochzivilisationen der vier Galaxien auf eine gemeinsame Linie eingeschworen werden, subtil beeinflusst durch die Splitter, die TANEDRAR nun an jeden Bewohner Escalians vergab. TANEDRAR war sich ihrer Viergeteiltheit und ihrer Instabilität bewusst. Von Zeit zu Zeit spaltete sich ein Teil von der SI ab. Der Vorgang verursachte Trennungsschmerz aber auch so etwas wie Erleichterung. Der Reihe nach vollzogen die vier Geistwesen die Abspaltung und kehrten nach einiger Zeit zurück. Das Ritual von Aufbruch und Ankunft entstand. Vor 8500 Jahren erhielt TANEDRAR Besuch von Renyi-Hemdebb, der vorgab im Dienste der Hohen Mächte zu stehen. Er machte TANEDRAR den Vorschlag, dass sich das freie Viertel der SI im Multiversum engagiert. Der Sontaron-Generator des Konstrukteurs Sholoubwa würde den Splitterkreislauf und die Abtrennung des Vierten unterstützen. TANEDRAR willigte nach langer Überlegung ein. TAFALLA konnte den ersten Auftrag erfolgreich beenden. Die SI war im Spiel der kosmischen Mächte angekommen. Auf Alaskas Frage, warum der Auftritt Renyi-Hemdebbs im Schauspiel so schlecht beurteilt wurde und was schief gelaufen sei, erhält er von TANEDRAR die Auskunft: „Da war die Sache mit dem Kosmonukleotid TRYCLAU-3“.

Rezension:
Im Reiseführer „Per Anhalter durch die Galaxis“ gibt es auch einen „Adults Only“ Bereich. Hat man sich ausreichend legitimiert, führt einen der Reiseführer auch in die zügellosesten Gegenden des Universums. Die 4 Galaxien der Escalianer firmieren darin unter dem größten Swingerclub des Universums, bzw. unter dem wenig schmeichelhaften Begriff der „Vier f…enden Galaxien“. Die versauten SI’en NOTNA und RENRUHT gehen dort ein und aus. Werbeslogan: „Seien sie dabei, wenn sich nicht nur Galaxien durchdringen“! Interessanterweise passt es überhaupt nicht zu dem zügellosen Treiben, dass sich die Bewohner Escalians ausgerechnet beim Sex die Masken herunterreißen, also in einer Situation in der angesichts der Umstände Anonymität gefragt sein sollte. Und nebenbei bemerkt, subtil ist das nicht, wie die Splitter der SI da auf die Bewohner Escalians wirken!

Nicht zum ersten Mal wird die Lebensgeschichte einer höheren Entität in der Serie zum Besten gegeben. Da sich diese Ereignisse über lange Zeiträume erstrecken, bieten solche Romane die wunderbare Gelegenheit alte Handlungsfäden in neuem Licht erscheinen zu lassen und Verknüpfungen zu den Ereignissen in der aktuellen Seriengegenwart zu bilden.
Von alledem ist in Michael Marcus Thurners Roman nur wenig zu lesen. Mal eben die Jahreszahl 9,8 Millionen eingeworfen und Saedelaere darüber sinnieren lassen, ist dürftig. Ansonsten wechseln sich Episoden aus dem 4-Galaxien-Swingerclub der Escalianer mit den Begebnissen einzelner Vertreter raumfahrender Zivilisationen in der Frühzeit von Escalian ab. Jede Episode, jedes Intermezzo beginnt mit einer anderen Figur, einem anderen Volk, in einer anderen Zeit. Nicht weniger als 22 (!) Episoden mutet uns der Autor zu. Michael Marcus Thurner bringt darin zwar eine Vielfalt an unterschiedlichen Fremdwesen-Szenarien unter, die damit geschilderten Begebenheiten hinterlassen allerdings nur selten einen Eindruck. Einige Episoden wiederholen sich, so dass zusätzliche Längen entstehen. Der Roman, der an sich eh schon durch die Vielfalt der einzelnen Lebensgeschichten zerfasert wirkt, gerät damit stellenweise unlesbar. Es gibt keine Handlung, keinen echten roten Faden. Natürlich war schnell klar, dass TANEDRAR am Ende entstehen würde. Doch der Weg dorthin war – im wahrsten Sinne des Wortes – unharmonisch. Nichts in Thurners Roman hatte länger als 1-2 Seiten Bestand. Intermezzo 8 war bereits vergessen, noch bevor Intermezzo 9 zur Hälfte gelesen war. Die Geschichte(n) entwickelte(n) keinerlei Nachhaltigkeit.
Da passt es leider auch zu diesem Roman, dass Thurner die Erklärung, warum die Escalianer Masken tragen in einigen wenigen Sätzen abhandelt. Beinahe hätte ich die Aufklärung über die Masken überlesen. Aus einer Schutzmaske wurde ein Modespleen, daraus entwickelte sich eine Symbolik, das war’s. Wie sich eine solche Symbolik hat entwickeln können, gerade darüber etwas mehr zu erfahren wäre interessant gewesen.