Ansichten zu Perry Rhodan Olymp Heft 9

Rückkehr ins Chaos – von Olaf Brill – Handlung:
Auf Olymp schreibt man den 14. Mai 1550 NGZ. In Ram Nanukus Anwesen treffen sich Gucky, Piri Harper, Frank Sulu, Derin Paca und Krystophar, sowie der Hausherr selbst. Der Ilt zeigt sich von Derin Paca und Krystophar keineswegs überrascht. Er kennt die beiden offensichtlich. Und Piri Harper, die bis vor kurzen noch einen Trivid-Medienkanal betrieben hat, kann es nicht ganz glauben, als Paca und Krystophar die Masken fallen lassen. Die beiden sind das frühere Kaiserpaar Indrè Capablanca und Martynas Deborin. Harper entgeht auch nicht, dass sich die beiden Olymper, die zu ihrer Zeit zu den schillerndsten Figuren der jüngeren Geschichte zählten, auseinandergelebt haben. Deborin ist sehr schweigsam und hält Abstand zu Capablanca.
Nun interessiert alle, wie das Kaiserpaar nach so langen Jahren an diesen Ort zurückkehrte. Und Indrè Capablanca ist die erste, die erzählt, wie das damals war, vor 32 Jahren, als sie entmachtet wurde und Beryn Mogaw den Thron bestieg. Zu jener Zeit, im Juni 1518 NGZ, war die Bevölkerung Olymps aufgerufen, sich per Wahl zu entscheiden. Dem Anschluss an das Tamanium der Tefroder oder dem Verbleib in der LFT. Indrè Capablanca und Martynas Deborin waren bereit, jede Entscheidung zu respektieren. Öffentlich hatte Martynas Deborin seine Sympathie für das Tamanium ausgedrückt. Mit Perry Rhodan gab es den Plan, sollte der Entscheid zugunsten der Tefroder ausfallen, dass Capablanca und Deborin als Agenten der LFT operieren würden.
Die Entscheidung der Olymper war eindeutig. Sie votierten mit überwältigender Mehrheit für den Verbleib in der LFT. Capablanca war glücklich. Doch bei ihrem Mann war sie sich nicht sicher. Er schien von der Entscheidung des Volkes enttäuscht. In der Folgezeit mehrten sich die Signale. Das Kaiserpaar lebte sich auseinander. Indrè Capablanca machte die Bekanntschaft mit Ram Nanuku. Der 150 Jahre alte Mann war als Politberater tätig. Martynas Deborin hingegen schien sich nicht mehr für olympische Politik zu interessieren. Er blieb beruflichen Terminen immer häufiger fern und überließ die Geschäfte seiner Frau. In dieser Situation betrat der Unternehmer Beryn Mogaw die Bühne. Er war ein Paradiesvogel und in der sehr freizügigen Gesellschaft der Olymper wurde seine Kritik am Kaiserpaar immer häufiger beklatscht. Mogaw nutzte seine wirtschaftliche Macht, um der Regierung immer häufiger die Beteiligung der Wirtschaft an Projekten zu entziehen, die dann er umsetzte. In diese Zeit fiel der Tod Ftempars, des Symbionten der Kaiserin. Ihr erschien es wie ein Symbol des Untergangs. Schließlich waren die Parlamentarier derart unterwandert, dass sie einem Antrag auf ein Amtsenthebungsverfahren stattgaben. Kaiser und Kaiserin entschieden, sich dem Verfahren nicht zu stellen. Sie gaben die Erklärung ab, sich ins Privatleben zurückzuziehen. Aber auch ihre Bindung zerbrach an dem Tag endgültig.
Indrè Capablanca zog es nach Aurora, dem Sitz des Galaktikums. Dort lebte sie weitgehend anonym, bis sie die Bekanntschaft eines Arkoniden aus der kleinen Baronie Saka machte. Die Baronie drohte zu verarmen. Die dortige junge Regierungschefin, die nicht dem Adel angehörte, hatte einen schweren Stand. So kam Indrè Capablanca nach Saka. Sie freundete sich mit Amira Renu, der Baronin, an. Die Arkonidin hat einen erbitterten Feind, den adligen Satoran on Torasai. Amira Renu kennt die Identität der ehemaligen Kaiserin. Gemeinsam suchen sie eine neue Identität. Capablanca wird zu Derin Paca und zur Beraterin der Baronie. Gemeinsam suchen sie nach Auswegen aus der Wirtschaftskrise und finden sie in den Hon’kantari. Die riesigen Meerestiere haben einen den  Haluter ähnelnden Konvertermagen und reinigen die Meere des Planeten sehr effektiv. Man kommt auf die Idee, die Tiere zu anderen Planeten zu exportieren. Eine Sippe der Mehandor wird für den ersten Transport auf einen Testplaneten gewonnen. Doch der Transport einiger Tiere per Transmitter geht schief. Satoran on Torasai ist es gelungen, die Tiere abzufangen. Er will sie für andere Zwecke missbrauchen. Doch Derin Paca alias Indrè Capablanca, kann die Machenschaften des Arkoniden vereiteln. Die Baronie kommt in den nächsten Jahren zu Wohlstand. Eines Tages bekommt Derin Paca jedoch die schlechten Nachrichten von Olymp und kehrt nach Hause zurück.
Die Gruppe, die bislang gebannt der Geschichte Capablancas gelauscht hat, muss den Standort wechseln. Tefrodische Soldaten sind auf dem Weg. Gucky bringt alle in das Privatquartier von Capablanca. Dort erzählt nach langem Zögern nun auch Martynas Deborin, wie es ihm seitdem ergangen war. Tatsächlich war er enttäuscht gewesen, als sich die Olymper gegen das Tamanium entschieden. Als er später seinen Rücktritt erklärte, verließ er in Maske und ohne zu zögern Olymp, um nie mehr zurückzukehren. Wie ein Mehandor sprang er von Planet zu Planet. Er wurde zu einem Vagabunden. Eines Tages beschloss er, nach Tefor zu reisen. Er wollte in Erfahrung bringen, ob die Tefroder wirklich so übel waren, wie es Indrè und andere behaupten. Er tarnt sich als Tefroder und erreicht Tefor. Als angeblicher Prospektor will er einen draufmachen. Er verspielt Unmengen an Geld und beginnt zu trinken. Die tefrodische Polizei verhaftet ihn, den alkoholsüchtigen Vagabunden. Als er nach der Entlassung mal wieder in der Gosse liegt, wird er von Crystalla aufgelesen. Die Tefroderin findet, wie es scheint, einen Narren an ihm. Er entsagt dem Alkohol und baut ein Beratungsunternehmen auf. Eine Schwierigkeit, denn die Regierung Tefors kontrolliert alles. Doch er hat Erfolg und berät bald andere Tefroder.
Doch die Gläserne Insel verhaftet ihn und zerstört sein Unternehmen. Er wird gefoltert und soll seine Identität preisgeben. Krystophar, wie er sich nennt, ist nicht bereit, seine Herkunft zu verraten. Doch der Geheimdienst weiß längst Bescheid. Und Crystalla entpuppt sich als Agentin. Er soll nach Adarem gebracht werden. Doch auch Martynas Deborin hat immer noch gute Kontakte, die ihm vorher zur Flucht verhelfen. Auch er kehrte nach Olymp zurück.
Gucky hat genug gehört. Er ist sicher, dass sich Perry Rhodan auf dem Gefangenplaneten Adarem befindet. Er teleportiert auf die IBANI GALOA und berichtet Sichu Dorksteiger von Adarem. Die Ator will nach dem Planeten suchen lassen. Da kommt ein Funkspruch von der ETSI. Die Tefroder haben damit begonnen, Shoraz zu beschießen. Sichu beschließt, den Archäologen dort zu Hilfe zu kommen.

 

Rezension:
Olaf Brills zweiter Beitrag zur Miniserie Olymp beginnt mit dem Running-Gag. Gucky hat sich in den vergangenen Jahrzehnten aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. So der Autor. Nicht jeder Bewohner der Milchstraße mochte ihn daher erkennen. Eine geschickte Formulierung. Sie ist korrekt, plausibel, nicht angreifbar. Doch warum wird dieses Element immer und immer wieder durchgekaut? Möglicherweise macht sich Olaf Brill hier einen Spaß. Wenn es zum Zeitpunkt, als er seine zweite Geschichte schrieb, schon Leserreaktionen zu den ersten Bänden Olymps gab, dann hat er es mit Absicht nochmal aufgegriffen. Und wenn es nicht so ist, bleibt es weiterhin merkwürdig. Jedenfalls musste ich über den Einstieg schmunzeln.
Ansonsten knüpft der Roman an Heft 7, Land der Seligen, an. Darin hatte Madeleine Puljic die Figuren zusammengeführt, von denen Olaf Brill nun zwei davon ihre Vorgeschichten erzählen lässt. In Band 2 der Miniserie Olymp wurde kurz die Absetzung des Kaiserpaars thematisiert. Seitdem werden die beiden zu Hoffnungsfiguren hochstilisiert. Dass sich hinter Derin Paca die Kaiserin verbirgt, habe ich nicht erkannt. Das Anagramm des Vornamens zwar schon, aber ich habe da eher eine Tochter Capablancas vermutet. Doch das war zu kompliziert gedacht. Olymp ist einfacher gestrickt.
Nach der Enthüllung wird der Roman von zwei Erzählungen beherrscht. Die beiden ehemaligen Herrscher Olymps berichten, wie es ihnen ergangen ist. Während Indrè sich wieder fangen konnte, hatte Martynas einen Abstieg zu verkraften.
Die Geschichte, wie sich das ehemalige Kaiserpaar auseinanderlebte, bot für mich nur anfänglich einen gewissen Reiz. Die Frage des „Wie“ wurde recht schnell geklärt. Und obwohl sich der Autor für den „Werdegang“ dazwischen einiges hat einfallen lassen, interessierte ich mich dann eher wieder für das „Wie“ der Rückkehr. Für eine Serie, die am Anfang mit der Museumswelt, der Shoziden-Box, dem Auftreten der Tefroder und einigem mehr, zahlreiche Rätsel aufwirft, zeigt der Roman für mich zu wenig Bereitschaft, an diese Themen anzuknüpfen. Vergeblich wartete ich auf einen stärkeren Bezug zu Shoraz, zu den aktuellen Tefrodern, zu irgendetwas, das den Geschichten der beiden Protagonisten mehr Bedeutung geben würde.
Ganz am Ende fällt das Stichwort Adarem. Und schnipp haben wir ein neues Ziel. Na ja, nicht ganz. Shoraz hat Probleme und Sichu gibt ihrem Mann noch ein paar Stunden mehr zum Überleben. Zum Ende hin gab nur noch eine Textstelle, die mir besonders gefiel. Das war Olaf Brills Hommage an den Film Casablanca.
Die Serie dümpelt so dahin. Sie ist nicht Fisch und nicht Fleisch. Sie hat keine Würze und keinen Pep. Die einzelnen Romane zeigen einen Schreibstil auf der Höhe der Zeit für eine Romanheftserie. Und auch dieser Roman von Olaf Brill ist gut geschrieben aber bietet erneut zu wenig Substanz für die Serie.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2959

Der Flügelschlag des Schmetterlings – von Oliver Fröhlich – Handlung:
Im Solsystem schreibt man den 31. März 1552 NGZ. Auf dem Titan ist der Mediker Jano Vrinkstetter mit seiner augenblicklichen Situation unzufrieden. Seit zwei Monaten sitzt er mehr oder weniger tatenlos herum und beaufsichtigt den im Koma liegenden Perry Rhodan. Vrinkstetter ist Mitglied des Techno-Mahdi und über die Herkunft des 2. Rhodan informiert. Während jedoch seine Kollegen an der Biophore-Forschung beteiligt sind, kann Vrinkstetter kaum etwas tun. Er beobachtet das Treiben in Los 107, einer öffentlichen Logo-Oase des Techno-Mahdis, als Adam von Aures und Colin Heyday das Labor mit Rhodan betreten. Heyday ist der Chefwissenschaftler des Kepler-Komplexes in Galileo-City und eigens vom Ganymed zum Titan gereist, um Rhodan zu sehen. Jene Version, die Adam aus der Enklave von Wanderer herausholte. Adam von Aures bittet Vrinkstetter, weiterhin als Aufpasser für Rhodan zu dienen. Im Gegenzug bekommt er alle Aktionen des Techno-Mahdis mit. Denn die sind dabei, Geschichte zu schreiben. Der Mediker willigt ein und wird Zeuge, wie die Invasion beginnt.
Auf Terra wird Reginald Bull zum Residenten Hekéner Sharoun gerufen. Er soll sich beeilen und nicht den Transmitter benutzen. Der Unsterbliche wird vom Residenten und vom Positronikspezialist Modij Garuu empfangen. In den vergangenen acht Stunden hat sich die Zahl von Fehlfunktionen in positronisch gesteuerten Geräten signifikant erhöht. Noch sind keine Menschen ernsthaft zu Schaden gekommen, aber die Situation scheint zu eskalieren. Die Positronikspezialistin Hantje Deboum vermutet anhand des Verbreitungsmusters in den Systemen einen Virus. Und der Virus kommt nicht von Außerhalb. Ein Insider muss ihn eingeschleust haben. Nun wird auch noch Raumalarm gegeben. Am Rande des Solsystems ist ein unbekanntes Raumschiff aufgetaucht. Es lässt sich nur schwer orten und antwortet nicht auf Funkanrufe. Zudem scheint sich das Schiff teilen zu können. Plötzlich sind es zwei. Hekéner Sharoun stellt den Fremden ein Ultimatum. Die Ausfälle in positronischen Systemen fordern ein erstes Todesopfer.
Ebenfalls zur gleichen Zeit geht Dario Bechtil seiner Arbeit in der Wetterkontrollstation von Terrania nach. Die Aufgabe des schweigsamen Klimaadapters ist es, das von NATHAN beeinflusste Wetter zu überwachen und in Notfällen einzugreifen. Trotz positronischer Steuerung gibt es immer noch Situation, in denen Menschen mit dem besonderen Blick für das Wetter eingreifen müssen. Und Dario sieht Muster, wo andere nur Chaos erkennen. Während seiner Schicht kommt es tatsächlich zu einem Fall, wo sein Eingreifen notwendig wird. Eigenartig ist, dass NATHAN seine Eingaben erst nach geraumer Zeit akzeptiert.
In der Solaren Residenz kann das Störprogramm isoliert werden und die Zahl der Störungen geht zurück. Von den fremden Raumschiffen geht ein Funkspruch ein. Ein spinnenartiges Wesen vom Volk der Xumushan, das bei allen Betrachtern kreatürliche Angst hervorruft, nimmt das Solsystem im Namen der Yalo XUDDUN in Schutzgewahrsam. XUDDUN tritt das Erbe von ES an. Inzwischen sind es 17 Schiffe, die Kurs auf Terra nehmen. Sharoun lässt das Feuer eröffnen. Aufgrund der beeinträchtigten Ortung haben die terranischen Schiffe das Nachsehen. Und auch die Kommunikation ist inzwischen gestört. Der Virus und seine Behebung waren nur als Ablenkungsmanöver gedacht. Auf Terra wird es ungemütlich. Die fremden Insektoidenraumer erreichen den Planeten und schleusen kleinere Einheiten aus, die auf Terra herabregnen. Die Fremden schießen terranische Gleiter ab und die Menschen suchen Schutz in den Kellern. Die Solare Residenz ist isoliert. Bull schnappt sich einen Gleiter, um zu seiner Familie zu fliegen. Im Chaos des Wetters und verfolgt von den Insektoiden stürzt Bulls Gleiter ab. Bevor der Unsterbliche das Bewusstsein verliert, sieht er zwei der grauenvollen Fremden auf sich zukommen.
Dario Bechtil, der Mann mit dem besonderen Blick, macht eine Entdeckung. Er hat Aufzeichnungen explodierender Gleiter und der fremden Invasoren studiert. Und bemerkt, dass es immer wieder die gleichen Szenen sind. Es sind Täuschungen, die den Eindruck erwecken sollen, überall findet eine Invasion statt. Tatsächlich passiert gar nichts. Nur das Wetter spielt weiter verrückt. Der Klimaadapter macht sich auf den Weg zu seinem Sohn.
Auf Titan wird Vrinkstetter Zeuge der Ereignisse. Ihm ist unwohl, als es Todesopfer gibt. Aber er erhält Einblicke in das Geschehen und erfährt, dass alles nur eine große Täuschung ist. Colin Heyday hat den Virus geschaffen, die Simulation und die Choreografie. Caprice Noopila hat die Xumushan programmiert. Die Inszenierung ist über viele Jahre vorbereitet worden. Den Menschen soll gezeigt werden, was auf sie zukommen kann.
Unterwegs findet Bechtil den verunglückten Reginald Bull und nimmt ihn mit. Über die Medien wird die Botschaft eines gewissen Burosch ausgestrahlt. Der Mann verbreitet das Schreckensszenario einer Übernahme der Macht durch eine fremde Superintelligenz. Und dass der Techno-Mahdi seit Jahren davor gewarnt hatte. Er behauptet, dass die Xumushan die Regierung in ihrer Gewalt hätten. Und nur der Techno-Mahdi leistet noch Widerstand.
Auf Titan ist Jano Vrinkstetter etwas unwohl, als Tango Burosch das Labor betritt und Adam von Aures den nächsten Schritt ankündigt.
Rezension:
Nach einer längeren Pause trägt Oliver Fröhlich wieder einen Baustein zum aktuellen Zyklus bei. Und das Thema dreht sich um die Invasion des Solsystems. Ich gestehe, ich habe beim Blick auf den Untertitel etwas gequält die Augen verdreht. Ich führe zwar keine Strichliste, aber hier wurde sicherlich die gefühlt 100ste Invasion der Heimat der Menschen angekündigt.
Somit lagen für mich keine guten Voraussetzungen für ein ungetrübtes Lesevergnügen vor. Zumindest war ich gespannt, ob der Autor „dieser“ Invasion eine eigene, eine besondere Note geben konnte. Doch zunächst führte Oliver Fröhlich den Mediker Jano Vrinkstetter ein, der sogleich einen Blick aus dem Fenster der Forschungseinrichtung auf Saturn warf. Ich hingegen warf einen Blick auf den unendlich langen Satz, den der Autor zur Wiedergabe von Vrinkstetters Eindrücken benutzte. So lange Sätze liest man selten bei PR. Und mir gefallen lange Sätze. Pluspunkt für den Autor.
Der Autor beschreibt die Invasion aus der Sicht dreier sehr unterschiedlicher Personen. Mit Reginald Bull bekommen wir die Sicht eines Unsterblichen auf die Dinge. Mit Jano Vrinkstetter bekommen wir Erkenntnisse aus erster Hand der Techno-Mahdi. Und mit Dario Bechtil erhalten wir einen Blickwinkel des Menschen von der Straße. Die Bull-Ebene wird von Oliver Fröhlich nicht chronologisch aufeinanderfolgend geschrieben. Er springt ein oder zwei Tage vor und zurück. Normalerweise lockert eine solche „Wie-konnte-es-soweit-kommen“-Sequenz einen Roman schon mal auf. Man bekommt eine Situation, die sich entwickelt und anschließend eine Situation, die durch noch weitere unbekannte Ereignisse offenkundig eskaliert ist. Genau die Begebenheiten, die fehlen, will man als Leser dann schnell erfahren und „bleibt dran“ am Stoff. Bei mir hat das nicht ganz so funktioniert. Ich empfand es etwas holprig.
Holprig ist auch ein gutes Stichwort für die Handlungsebene Titan. Auf der einen Seite gewährt uns die dortige Handlung einen Einblick in die Strukturen des Techno-Mahdis. Auf der anderen Seite erhält man als Leser einen Wissensvorsprung vor den anderen Handlungsebenen. Denn die Komödie im Krankenzimmer von Enklaven-Rhodan war ein wenig zu offensichtlich als Element der Leserinformation platziert worden.
Und gerade diese Ebene lässt mich etwas ratlos zurück. „Technik ist Erlösung“, so eine der Losungen der Anhänger. Und nun wird den Menschen vorgeführt, wie anfällig die Technik sein kann. Die Sammlung von Ereignissen, die sich weltweit ereigneten macht deutlich, wie abhängig der Mensch von der Technik inzwischen geworden ist. Interessanterweise war darunter kein Fall, der nicht auch in unserer realen Welt auftreten könnte. Und obwohl die Ausfälle der Positroniken sogar Menschleben forderten, empfand ich die Fälle zu keiner Zeit als Bedrohung, teilweise waren sie sogar komisch. Aber wie passt das zu den Losungen? Welche Ziele verfolgt der Techno-Mahdi? Nach vielen Jahren der Vorbereitung wird den Menschen die eigene Verletzlichkeit vor Augen geführt. Und wenn es die Absicht der Techno-Mahdi sein sollte, etwas im kollektiven Bewusstsein der Menschheit zu platzieren, dann ist das Mittel, das hier angewandt wird, denkbar schlecht aufgezogen. Denn der Techno-Mahdi propagiert ja, dass die Technik die Erlösung bringen soll.
In der Solaren Residenz macht sich ein wenig Hilflosigkeit breit. Wie immer, wenn binnen Stunden flächenmäßig alles ausfällt, warte ich als Leser auf die Notfallpläne der Invasionsverwöhnten Terraner. Aber die tun jedes Mal so, als wären sie von allen guten Geistern verlassen. Die Einfachheit, mit der systemweit positronische Systeme infiltriert werden können, wird trotz der Erklärung, die Viren wurden von Insidern eingeschleust, nicht plausibel.
Bevor ich mir dazu allerdings zu viele Gedanken machen konnte, entwickelte sich die Geschichte in eine andere Richtung. Es war gar keine Invasion, sondern eine Verschwörung von Innen. Die noch dazu von Spitzenwissenschaftlern ausgeführt wird. Und meine eingangs gestellte Frage, ob Oliver Fröhlich dem Invasionsplot eine besondere Note geben könne, wurde beantwortet. Es war tatsächlich mal was anderes.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2958

Jede Zeit hat ihre Drachen – von Wim Vandemaan – Handlung:
Opiter Quint und Ernst Ellert haben Wochen gebraucht, um sich von den Nachwirkungen des Protokolls zu erholen, an dem sie Anteil genommen hatten. Eine Sache beschäftigt die beiden Männer besonders. Viele Wege höchst unterschiedlicher Wesen und Völker kreuzen sich. Und neuerdings sind die Haluter von einer Krankheit bedroht. Und die Haluter sind auf die Thoogondu gestoßen. Die wiederum die Terraner ansprachen. Beiläufig wirft auch Homunk ein, dass Informationen zu diesen Themen im Sokarsystem zu finden sind.
Die NEÈFOR mit dem Dolan JASON bricht dorthin auf. 2000 Lichtjahre liegt das System vom Zentrum der Milchstraße entfernt und nur wenige Hundert Lichtjahre von Halut. Aus alten Daten eines Explorers geht hervor, dass Begriffe in dem System dem Arkonidischen entstammen und andere dem Kraahmak. Die ROBERT GRUENER mit zwei weiteren Schiffen hält sich vor Ort bereit, als Quint und sein Team Nachforschungen anstellen. Der vierte Planet ist ein Gasriese namens Sokambur. Dort finden die Sonden ein Feld mit zylindrischen Gebilden. Sehr wahrscheinlich haben Maahks zur Zeit der Mathankriege den Planeten für die Besiedlung vorbereitet. Das Vorhaben wurde jedoch abgebrochen. Auf einem der Monde Sokamburs, Kaikiark genannt, finden die Sonden ein altes arkonidisches Kugelraumschiff. Die VRITRA MADIA liegt dort seit Jahrtausenden im ewigen Eis, was Homunk in Erstaunen versetzt. Das Schiff, sagt er, ist noch da.
Opiter Quint, Ernst Ellert und Mahnaz Wynter verschaffen sich Zugang zur VRITRA MADIA, die gut erhalten aber ohne Besatzung ist. Und sämtliche positronische Speicher sind gelöscht. Nachdem sie das Schiff gründlich durchsucht haben, finden sie in einer Kabine die konservierte Leiche einer Arkonidin. Und neben der Leiche uralte Schriftstücke. Sie sind ein Tagebuch und Mahnaz Wynter liest daraus vor. Es sind die Aufzeichnungen der Essoya Suuna, Kriegspsychologin in den Tagen des Methankriegs im Jahr 10.854 da Ark.
Suuna stammt aus einfachen Verhältnissen. Das, und eine körperliche Behinderung machen es ihr schwer. Aber sie hat eine Beziehung mit Trebon da Minterol, dem Kommandanten der VRITRA, die gleichzeitig Flaggschiff eines von da Minterol befehligten Verbandes ist. Und die Flotte hat gerade einen Sieg gegen die Maahks eingefahren. Doch schon wartet der nächste Auftrag im Kumugiasystem. Dort sammeln sich maahksche Verbände. Auf dem Gasplaneten des Systems steht eine Station der Cwuaur und dort soll an einer neuen Waffe gebaut werden. Die Maahks und ihre Verbündeten stehen auch hier auf verlorenen Posten. Brisant wird der Einsatz, weil sich zwei Haluterschiffe im System aufhalten. Die Haluter unterstützen häufig den Unterlegenen. Ein Stoßtrupp der Arkoniden soll die Waffenunterlagen sicherstellen und deren Verbreitung verhindern. Außerdem soll Kontakt zu den Halutern hergestellt werden. Die Arkoniden, unter ihnen Suuna, dringen in die Station der Methans auf Dvornux ein. Abstürzende Wrackteile lassen die Aktion ins Chaos abgleiten, das durch fünf wildgewordene Haluter noch verschärft wird.
Die Arkoniden zünden eine Arkonbombe auf Dvornux. Später erscheint am Rande des Systems ein unbekannter Kugelraumer. Ein Mann, möglicherweise Kolonialarkonide, namens Lethuur bietet eine Waffe gegen die Haluter an. An Bord des Schiffes gibt sich Lethuur als den Caluriern zugehörig aus. Zum Gespräch mit Trebon da Minterol und Suuna stoßen zwei weitere Gäste. Sie verschweigen ihre Herkunft. Opiter Quint tippt angesichts der Beschreibung in den Tagebuchaufzeichnungen auf Galkiden. Und schließlich nimmt noch ein Thoogondu namens Tomoughash an der Besprechung teil. Die Waffe, um die es geht, ist genetischer Natur. Und es ist eine Langzeitwaffe. Sie zielt auf die besondere Evolution der Haluter. Da sie eingeschlechtlich sind, sind ihre Nachkommen genetische Kopien. Das stets gleichbleibende Genom birgt Nachteile. Eine Krankheit könnte tatsächlich alle Haluter betreffen. Also haben die Haluter einen Genpool angelegt. Gibt es Entwicklungen, weil ein äußerer Einfluss einen Haluter verändert hat und ist dieser interessant, dann wird der Genpool angereichert und alle Haluter können bei Bedarf darauf zugreifen. Die Waffe soll in den Genpool eingeschleust werden. Zu gegebener Zeit soll dann ein Impuls ausgelöst werden, der die implantierte Genmodifikation ausbrechen lässt.
Nun wird auch klar, warum so viele Haluter vor Ort sind. Der Genpool ist in diesem System oder in der Nähe versteckt. Die Arkoniden ziehen sich zur Beratung zurück. Suuna begegnet ein weiteres Wesen an Bord, das sie nie zuvor gesehen hat. Auf einer Zeichnung im Tagebuch erkennen Quint und seine Begleiter einen Gemen.
Suuna wird mehr und mehr von den Entscheidungsprozessen isoliert. Mit drei gekaperten Maahkraumer führen die Arkoniden die Aktion gegen den Genpool durch, der sich damals auf dem Mond Kaikiark des Planeten Sokambur befand. Das Vorhaben gelingt, die Viren werden eingeschleust. Doch damit die Haluter zu gegebener Zeit auf den Genpool Zugriff nehmen, muss der Hauptpool vernichtet werden. Und die Arkoniden, die an dem Angriff beteiligt sind, dürfen nicht als Arkoniden identifiziert werden. Trebon da Minterol schafft Suuna von Bord und setzt sie als seine Erbin ein. Mit anderen gelingt ihm der Schlag gegen den Hauptpool und die Haluter erfahren nicht, wer die Angreifer waren.
Jahre später kauft Suuna ein Schiff und nennt es VRITRA MADIA. Mein Drache. Sie reist wieder nach Kaikiark. Dort stirbt sie. Die Leser des Tagebuchs wissen nun die Vorgeschichte der Krankheit der Haluter. Da erscheint Homunk, der wohl auch für die Löschung der Speicher verantwortlich ist. Der Androide will auch das Tagebuch vernichten. Die anderen halten ihn ab. Sie lassen das Tagebuch zurück, als sie das Schiff verlassen.

 

Rezension:
Ganz am Anfang seiner Geschichte gibt Autor Wim Vandemaan einen Vorgeschmack dessen, was den Leser erwartet. Seine Figuren Quint und Ellert sinnieren über die vielen Völker, deren Wege sich kreuzen. Tatsächlich packt Wim Vandemaan zu den Thoogondu und den Halutern und den Menschen eine weitere Spezies dazu. Es sind die Gemeni, die hier mit den Thoogondu wohl gemeinsame Sache machen. Und als wäre das nicht genug, ist auch ES in die Sache verstrickt. In seltener Deutlichkeit zeigt der Autor die Verstrickungen der Helfershelfer der SI in die damaligen und aktuellen Machenschaften. ES ist der Plan zur Infizierung der Haluter bekannt. Und ES scheint die Infizierung zu billigen und lässt Homunk dazu alle Spuren beseitigen. Andererseits bringt Homunk allerdings die Menschen erst wieder auf die Spur dieser Machenschaften. Es bleibt spannend, was sich die SI dabei gedacht hat.
Nicht alleine durch dieses zyklusbestimmende Geschehen hat mich der Roman des Exposé-Autors fasziniert. Die Geschichte hat mich auch auf andere Weise in ihren Bann gezogen. Es fängt mit dem Romantitel an, auf den der Autor zu unterschiedlichen Zeitpunkten in seiner Erzählung immer wieder zurückkommt. Und dem Titel durch seine Figuren unterschiedliche Bedeutungen zukommen lässt. Und der Titel bleibt, trotz der eingeflochtenen Erläuterungen, bis zum Ende geheimnisvoll und mehrdeutig.
Überhaupt ist es ja nicht nur eine Geschichte, die Wim Vandemaan erzählt. Es sind deren zwei. Da sind die Entdecker, die, angeführt von Opiter Quint, einem alten Geheimnis auf die Spur kommen. Und da ist die Geschichte einer fernen Epoche, die plötzlich wieder lebendig wird.
Ich konnte in beide Geschichten eintauchen. Die Figuren, die Orte, die Handlungen bargen eine Magie, der ich mich nicht entziehen konnte. Der Roman setzte starke Emotionen bei mir frei. So müssen Geschichten sein!