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20.5.2012 von Uwe Bätz.
Die Seele der Flotte – von Christian Montillon – Handlung:
In der MIKRU-JON wird ein früherer Pilot des Museumsraumers aus dem Bewusstseinspool des Schiffes getrennt und mit einem Körper versehen. Der Pilot hat Probleme, sich zu erinnern. Es könnten tausende von Jahren vergangen sein. Schließlich fällt ihm sein Name ein, Numenkor-Bolok. Mikru zeigt ihm sein Ebenbild. Er ist ein Lare. Numenkor-Bolok erkennt, dass sich andere Wesen an Bord befinden. Er betrachtet Perry Rhodan, Nemo Partijan, Ramoz und die anderen als Konkurrenten. Als Teil des ewigen Informationsstroms des Schiffes hat er erkannt, dass die Fähigkeiten des Museumsraumers lange Zeit vergeudet wurden. Er wird eine neue Ära einläuten und will die Rivalen um den Posten des Piloten ausschalten.
Es ist eiskalt in der Zentrale der MIKRU-JON, als Rhodan wieder das Bewusstsein erlangt. Die unbekannte mentale Stimme, die sich an ihn und Ramoz gewandt hatte, ist nicht mehr zu vernehmen. Die MIKRU-JON hängt weiterhin in dem seltsamen Raum, der mit einer gewaltigen Wolke aus Hyperkristallen angefüllt ist, fest. Zwischen den Staubschwaden aus blauen Chanda-Kristallen zeichnen sich die schemenhaften Reflexe tausender Schiffe ab. Bis auf Nemo Partijan, Gucky und Rhodan sind alle anderen Besatzungsmitglieder des Obeliskenraumers nach wie vor bewusstlos. Der Wissenschaftler scheint von den Hyperkristallen fasziniert zu sein. Er bezeichnet die Kristalle als Schlüssel. In Rhodan reift der Entschluss an Bord des fremden Schiffes zu gehen, an den die MIKRU-JON angedockt hat, um die Dinge selbst in die Hand zu nehmen.
Als auch Ramoz zu sich kommt, entsteht in der Zentrale ein Holo mit dem Abbild eines fremden Wesens, das sich unter einer Kutte verbirgt. Die Erscheinung erinnert Rhodan an die Oracca, die er im Verzweifelten Widerstand kennengelernt hat, nur dass dieses Wesen größer zu sein schien. Der Fremde fordert Ramoz auf zu erklären, wie er den Kalten Raum gefunden und warum er Fremde mitgebracht hat. Ramoz kann sich jedoch nicht erinnern. Der Fremde kündigt an, dass er herausfinden will, ob Ramoz der sei, der er vorgibt zu sein. Dann löst sich das Holo auf. Der Zustand der MIKRU-JON verschlechtert sich. Die SERUNS funktionieren nicht mehr und Nemo Partijan, der sich vor Schmerzen am Boden krümmt und immer wieder von einem Schlüssel spricht, fordert die anderen auf, zu ihm zu kommen und ihn zu berühren. Ramoz und Rhodan brechen bewusstlos über dem Wissenschaftler zusammen.
Als nächstes beobachtet Rhodan eine fremde Gestalt, die im Antigravschacht nach unten schwebt. Er folgt dem Fremden, wird aber von den beweglichen Wänden des Schiffes an der Verfolgung gehindert. Schließlich gelingt ihm der Wechsel an Bord des fremden Raumers. Er folgt Symbolen, die ihn tiefer in das Schiff führen, wo er schließlich auf den Kuttenträger trifft, der ihn begrüßt und mit Ramoz anspricht. Als Rhodan erklärt, nicht Ramoz zu sein, will der hochgewachsene Oracca seine Identität prüfen. Die ganze Szenerie erscheint Rhodan sehr unwirklich. Als er auf einem Operationstisch liegt, verwandelt sich der Oracca für kurze Zeit in Nemo Partijan. Nachdem der Oracca wieder erscheint, führt er Rhodan tiefer in das Schiff. In Spiegeln erkennt Rhodan seine Gestalt. Er sieht aus wie Ramoz. Nichts scheint wirklich zu sein. Er fordert den Oracca auf, ihn zu den Kristallen zu bringen. Unterwegs wird Rhodan von einem Laren angegriffen. Er kann den Gegner abwehren. Während Numenkor-Bolok in der Zentrale der MIKRU-JON zu sich kommt, ist Rhodan sicher, dass alles nur ein Traum ist. Schließlich erreichen sie eine kleine Schaltzentrale. Der Oracca verschwindet und an seiner statt erscheinen Nemo Partijan und Ramoz. Der Wissenschaftler behauptet, dass dies nicht die Realität sei. Er führt Rhodan und Ramoz zu einem Transmitter. Als sie hindurchtreten sind sie wieder in der Realität und an Bord der MIKRU-JON.
Nemo Partijan behauptet den Schlüssel gefunden zu haben. Dazu müssten sie erneut an Bord des fremden Schiffs. Diesmal in der Realität. Er hat erkannt, dass die Kristalle die Energie der Flotte in sich binden. Er könne diese Energie wieder zurückführen. Zurück an Bord des Schiffes nimmt der Wissenschaftler die notwendigen Schaltungen vor. Rhodan wundert sich einmal mehr, warum der Stardust-Wissenschaftler die fremden Anlagen bedienen kann. Als die Kristalle sich formieren erkennt Nemo, dass zu viel Zeit vergangen ist. Die Energie reicht gerade mal für ein Schiff. Nemo behauptet, dass er über die Kristalle Zugriff auf die Fernortung des Schiffes bekommen hat. An der Werft APERAS KOKKALA, zu der eine Schleuse aus dem Kalten Raum führt, sei der Umbau der BASIS fast abgeschlossen. Rhodan werde dort gebraucht. Ramoz und Mondra bleiben auf dem Schiff zurück. Bevor die MIKRU-JON das Miniaturuniversum verlässt hilft Rhodan Numenkor-Bolok. Er tötet den ohnehin im Sterben liegenden Laren und sorgt somit dafür, dass dessen Bewusstseinssplitter zurück in den Informationspool des Obeliskenraumers gelangen kann.
Rezension:
Ein schwaches Exposé, das Christian Montillon zu einem Roman verarbeiten musste. Am Ende bekommt Rhodan die Flotte (vorerst) nicht, die er so gerne gehabt hätte und Nemo Partijan bekommt urplötzlich den Anstrich des Geheimnisvollen verpasst.
Um dieses Ziel zu erreichen schuf der Autor einen Laren, der aus unerfindlichen, äh hyperphysikalischen Gründen aus dem Bewusstseinspool von MIKRU-JON gelöst wurde und aus gleichen unerfindlichen, ´tschuldigung hyperphysikalischen Gründen mit einem organischen Körper versehen wurde. Als Bewusstseinssplitter ist sich der Lare anschließend seiner Selbst soweit bewusst, dass er mordend durch die Gegend zieht, zumindest in einer Traumwelt. In der gleichen Traumwelt sind Rhodan und Ramoz unterwegs. Diese Traumwelt kann Partijan beeinflussen und die Beteiligten in die reale Welt zurückführen. Immerhin hat er sich was ausgedacht, der Autor, könnte ich jetzt sagen, auch wenn es nicht besonders originell war. Wenn Filmemachern und Theaterschaffenden nichts mehr einfällt, zeigen sie zumeist viel nackte Haut. Wenn Perry Rhodan-Autoren nichts einfällt, dann werden die handelnden Figuren in Traumwelten versetzt oder durch irgendwelche unbekannten, ´tschuldigung hyperphysikalische Einflüssen in ihren Handlungen soweit beeinträchtigt, dass es irgendwie nicht mehr vorrangeht mit der Geschichte aber letztlich 60 Seiten gefüllt sind und das ganze Elend auf die nächste Woche vertagt wird.
Der Roman entwickelt sich zum Ende hin zu einer Wundertüte. Da sind die Fähigkeiten, die Partijan urplötzlich entwickelt und nicht erklärt werden, die Fernortung des Schiffes, das problemlos aus dem Mikru-, äh Mikrouniversum die Werft beobachten kann, eine Schleuse, die direkt zum Schauplatz der nächsten Woche führt und so manches an Ungereimtheiten mehr.
Herausgekommen ist also ein schwer zu lesender Roman mit einer Mischung aus realen Erlebnissen und Traumsequenzen. Zu dieser Melange rührt der Autor unermüdlich kryptische Botschaften und nervige, weil in der Regel nichtssagende Auskünfte der Beteiligten. Da schafft es also eine hochstehende Technologie tatsächlich mehrere tausend Raumschiffe in einem Miniaturuniversum über Äonen zu konservieren und den Ankömmlingen dann ein Holo zu projizieren (Energie muss also vorhanden sein) und verpasst es einfach eine klare Botschaft zu hinterlassen.
Nun ja, dieses altbekannte Element wird in der Serie seit Band 1 beginnend immer wieder eingesetzt und so alle 20 bis 30 Romane empfinde ich es eben als nerv tötend. Und zu guter Letzt auch eine Wiederholung von mir: Nächste Woche kann es nur besser werden!
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14.5.2012 von Uwe Bätz.
Der Umbrische Gong – von Leo Lukas – Handlung:
Im Zoo von Terrania gerät die kleine Gruppe von Widerständlern in einen Hinterhalt, dem Urs von Strattkowitz zum Opfer fällt. Sharoun Beffegor wirft sich in einen Abflussgraben und duckt sich unter den Schallwaffen der Fagesy. Die Schlangensternwesen schießen jedoch auf den plötzlich aufgetauchten Schatten. Der Fremde zieht die Aufmerksamkeit der Angreifer auf sich. Dies gibt der Ex-TLD-Agentin die Chance, sich unbehelligt vom Ort des Geschehens zu entfernen.
Auf dem Weg zum vereinbarten Rückzugsort am Giraffengehege gabelt sie noch den Mattenwilly Snacco auf und beide treffen schließlich mit Barisch Chada und dem Fagesy Oachono zusammen, der von seinen Fesseln befreit ist. Chada informiert sie über seine Rettung durch die ehemalige Geisel. Plötzlich erscheint der Schatten und gibt sich als Toufec zu erkennen. Der Fremde gibt zu verstehen, dass er der Gruppe nicht immer helfen könne. Er sei nur ein Emissär, ein Vorbote, der die Ankunft von Rhodan vorbereiten würde. Die Gruppe geht in den Untergrund von Terrania. Sharoun Beffegor sucht Hilfe bei der TLD-Agentin Undine Comerell, mit der sie vor Jahren die Ausbildung zusammen gemacht hatte.
In der Solaren Residenz werden die Aufzeichnungen der Attacke Toufecs im Dolan Memorial Park von Marrghiz analysiert. Er gibt das Ziel aus, den Schatten unbedingt zu fassen. Insbesondere Riordan fühlt sich herausgefordert und ersinnt einen Plan.
Reginald Bull im Kastell ist von seiner Rolle wenig angetan. Am liebsten würde er schnellstmöglich nach Terra zurückkehren. Die Schläfer der BOMBAY werden noch immer behandelt, ohne Fortschritte. Die Nanomaschinen wurden untersucht. Diese Technologie scheint nicht von den Fagesy zu stammen, da sie deren Technologielevel übersteigt. Nachtaugs Beisohns Genesung schreitet voran. Adams, der auf der Erde weilt, informiert Bull über die neuesten Entwicklungen. Die Position der Abwesenden Freunde würde sich ständig verbessern. Toufec stellt für die beiden Unsterblichen ein Rätsel dar. Adams fordert die LADY LAVERNA mit Don Monwiil zu einem Einsatz an.
Auf Terra findet am 18. November 1469 NGZ die erste Sitzung des Umbrischen Rats statt. Die Veranstaltung gerät zur Farce. Vor 3000 geladenen Gästen, in der Mehrzahl Jugendliche, verkündet Anicee ein neues Staatswesen mit dem Namen Republik Formatiertes Terra Umbra, abgekürzt FTU. Sie ruft die Jugendlichen auf, sich auf Saypor formatieren zu lassen. Sol würde vorerst so bleiben und die Kunstsonnen würden in der Leistung zurückgefahren werden, um eine rote Sonne zu simulieren. Zudem würde an prominenter Stelle der Umbrische Gong errichtet werden.
Über ein Transitparkett werden Bauteile geliefert, die zusammengesetzt eine kreisförmige Scheibe von elf Meter Durchmesser ergeben. Der Umbrische Gong wird über der Solaren Residenz stationiert und schlägt schließlich das erste Mal. Der Klang erreicht nur Menschen und beeinflusst deren Gehirne. Auch Toufec hört den Umbrischen Gong. Sein Dschinn Pazuzu konstruiert für ihn Ohrstöpsel, die die Schwingungen ausfiltern und ihn vor Beeinflussung schützen.
Unterdessen ist Riordan auf die Spur der Widerstandsgruppe gekommen. Der Kontakt zu Undine Comerell hat ihm die entscheidende Information geliefert. Er benutzt ein psibegabtes Kind, um den Aufenthaltsort der Gruppe auf einer Raumstation ausfindig zu machen. Doch sein Einsatzkommando kommt zu spät. Undine Comerell ist auch Mitglied von Adams Geheimorganisation und die Widerstandsgruppe kann mit der LADY LAVERNA entkommen.
Als der Umbrische Gong das nächste Mal schlägt und den Menschen ein besänftigendes Gefühl vermittelt, lässt Toufec das Gebilde vernichten. Marrghiz trifft sich mit Riordan, als plötzlich eine Trividsendung ausgestrahlt wird. Phaemonoe Eghoo überträgt ein Exklusiv-Interview mit Toufec. Der Fremde teilt mit, den Umbrischen Gong zerstört zu haben, außerdem berichtet er von QIN SHI, die ihre Hand nach dem Solsystem ausstrecken würde. Toufec teilt weiter mit, dass die Rettung naht. Rhodan wäre bereits im Solsystem. Diese Nachricht schlägt ein wie eine Bombe. Die Menschen brechen überall in Jubel aus.
Toufec lässt von seinem Dschinn ein kleines Raumschiff erschaffen. Er und Phaemonoe Eghoo gehen an Bord und verlassen Terra, um Rhodan entgegenzufliegen. Im Kastell erreicht Bull eine Nachricht im alten Morsekode. Hier ist die TOLBA. Bitte um Einflugerlaubnis. Gezeichnet Rhodan. Eine transparente 110 Meter durchmessende Sphäre, in der eine kleinere Kugel mit 75 Meter Durchmesser eingebettet ist, legt am Kastell an.
Rezension:
Den Einstieg in seinen Roman wählt Leo Lukas sehr geschickt. Er greift die Geschehnisse im Zoo von Terrania auf, als die kleine Gruppe von Widerständlern um Barisch Chada in einen Hinterhalt geriet. Dass Barisch Chada und der Fagesy Oachono vorerst entkommen konnten wissen wir aus dem Roman von Verena Themsen. Leo Lukas schildert die Ereignisse nun aus der Sicht von Sharoun Beffegor. Diesen Einstieg und die Ankündigung Toufecs, der vorgibt im Auftrag Rhodans tätig zu sein, kann man als gelungen bezeichnen.
Es folgt eine Vielzahl an kleineren Szenen, denen es irgendwie an einem Zusammenhalt mangelt. Wie schon im Roman der Vorwoche sind die einzelnen Erzählstränge lesenswert und gut geschrieben aber letztlich fehlt es einfach an einer den Roman beherrschenden spannenden Story.
Der Invasionsplot krankt weiterhin am völligen Fehlen von nachvollziehbaren Folgen der geschilderten Handlungen. Oder anders ausgedrückt, die beschriebenen Ereignisse, nämlich Entführung des Solsystems, Auswirkungen der Anomalie, Ausknipsen der Sonne, Entführung der Jugendlichen, die Gehirnwäsche dieser Terraner, die Besetzung der Erde, die Zerstörungen durch Angriffe der Nanomaschinen, die Bluttaten der Fagesy, die Veränderung der Kunstsonnen, und und und entfalten keine Nachhaltigkeit in der Gesellschaft der Terraner.
Jedes Ereignis, dass von den Autoren geschildert wird, entfaltet allenfalls eine temporäre Empörung, die zudem lokal begrenzt ist. Die unmittelbaren Reaktionen der Beteiligten sind in etwas so, wie man es erwarten kann. Empörung, Wut, Ärger, Ohnmacht etc. werden kurz bei einzelnen Figuren geschildert. Dazu ein paar wütende Blicke anderer Beteiligter. Der Rest der Menschheit befindet sich trotz fortschrittlichster Berichterstattung und Aufklärung in einem geradezu lächerlichen Zustand der Agonie. Es gibt keine Regierungsmitglieder, die sich, mit welchen Ansichten auch immer, an die Bevölkerung wenden. Keine Opposition, die gegen die Besatzer rebelliert, keine Demonstrationen aufgebrachter Bürger, keinen effektiven Widerstand, keine Kundgebungen der Eltern der formatierten Jugendlichen, keine Nachrichtensender, die diesen Eltern Gehör verschaffen oder die offen zum Widerstand aufrufen. Stattdessen werden die Autoren nicht müde, den „normalen“ Alltag einer Gesellschaft zu schildern, die ihren Höhepunkt offensichtlich längst überschritten hat.
Auswirkungen und nachhaltige Wirkungen auf die Gesellschaft treten nicht ein, bzw. werden diese Effekte von den Autoren nicht geschildert. Hin und wieder wird auf ein bestimmtes zurückliegendes Ereignis reflektiert, jedoch ohne Tiefgang und ohne die Folgen intensiv zu beschreiben und sich mit dem Geschehen echt auseinanderzusetzen. Dadurch wirkt diese Handlungsebene trotz interessanter Elemente leider insgesamt sehr unglaubwürdig, um nicht zu sagen stümperhaft. Das Hauptaugenmerk richten die Autoren auf die üblichen rätselhaft anmutenden Zutaten. Einen Schatten, eine Geheimorganisation, ein seltsames Fremdwesen, ein geheimnisvolles Raumschiff mit einer ebenso geheimnisvollen Botschaft.
Ich bin mir bewusst, dass die Handlungen in der Serie aus Sicht der agierenden Figuren geschildert werden müssen und ein Epos über gesellschaftliche Auswirkungen wohl keine Käufer finden würde. Nichtsdestotrotz ist der Hintergrund nach wie vor die Bühne, auf der diese Einzelfiguren ihre Darstellung abliefern. Und dieser Background ist von den Autoren zu wenig durchdacht.
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6.5.2012 von Uwe Bätz.
Die Tage des Schattens – von Leo Lukas – Handlung:
Phaemonoe Eghoo arbeitet nun bereits einen Monat als Regierungssprecherin für Marrghiz. Die Macht des Sayporaners gründet sich auf die Nano-Maschinen, die in der Erdkruste eingesickert sind und jederzeit die Städte der Menschen vernichten können. Bei einem Gespräch mit Marrghiz, der die Rückkehr der ersten Jugendlichen für den 15. November 1469 NGZ ankündigt, kommt es zu einer Unterbrechung. Der sayporanische Machthaber wirkt plötzlich geistesabwesend und Eghoo wird von ihm quasi vor die Tür gesetzt.
Bei Marrghiz meldet sich die Superintelligenz QIN SHI. Sie zeigt sich ihm mit seinem eigenen Antlitz. In der sayporanischen Geschichte werden solche Kontakte zwar beschrieben, für den Sayporaner ist es jedoch das erste Mal, dass die SI in Kontakt zu ihm tritt. Marrghiz meldet die Fortschritte, die sie gemacht haben. Die Extraktion von ARCHETIMS Korpus geht voran und die Rückkehr der formatierten Jugendlichen steht bevor. Nachdem QIN SHI ihn verlassen hat, genießt Marrghiz noch eine Weile die Machtfülle, die die Präsenz der SI vermittelt hat. Anschließend beauftragt er Fydor Riordan mit der verstärkten Suche nach dem Schatten. Zudem hat es erneut eine unerlaubte Benutzung eines Transit-Parketts gegeben. Nach dem Besuch Riordans nimmt Marrghiz Kontakt zu den Spenta auf. Ein direktes Gespräch ist nicht möglich. Die Kommunikation läuft über einen sogenannten Explikator, einen Chour aus einer archaischen Ära der sayporanischen Kultur. Chourwayrs, so lautet der Eigenname des uralten Sayporaners, der sich an Bord eines Nagelraumers der Spenta im inneren der Sonne aufhält, kommuniziert mit den Spenta über seine Psi-Begabung. Marrghiz und Chourwayrs sind sich einig, dass der Korpus ARCHETIMS in die Matrix eingebunden werden muss, bevor es die Anomalie zerreißt. An anderen Fundstellen konnten drei weitere SI-Leichen bislang ebenfalls nicht geborgen werden.
Derweil hat Kornel Krisch, der als Kellner im Café Triest in Terrania arbeitet, einen seltsamen neuen Gast. Toufec, so nennt sich der bärtige Terraner, zieht schnell die Aufmerksamkeit der anderen Gäste auf sich. Während er ein Mahl zu sich nimmt, unterhält er die Café-Besucher mit kryptischen Sprüchen. Als er das Café Triest schließlich verlässt, bezahlt Toufec mit 4500 Jahre alten Perlen aus echtem Weihrauchquarz. Toufec sieht sich weiter in Terrania um. Er will die Terraner dieser Epoche näher kennenlernen. Außerdem erschafft der geheimnisvolle Mann seltsame Wesen, die er als Kampfkamele bezeichnet. Toufec wird, wie es scheint, von einem unsichtbaren Wesen begleitet, das er als Pazuzu bezeichnet. Sein Dschinn ist unzweifelhaft technischer Natur und verfügt über erstaunliche Fähigkeiten.
Auch der Schatten hat wieder einen Auftritt. Er verhöhnt die Besatzer und spielt förmlich mit ihren Truppen. Alle Versuche von Fydor Riordan und seiner Assistentin, der Stillen Ve, den geheimnisvollen Schatten in einen Hinterhalt zu locken, scheitern. Die Fagesy geraten zunehmend unter Druck. Bei einer Aktion der Usurpatoren in der Waringer Akademie richten die Fagesy ein Blutbad unter den Studenten an. Phaemonoe Eghoo versucht im Auftrag von Marrghiz die Öffentlichkeit von dieser Tat und den Aktionen des Schattens abzulenken. Mit einem Volksfest soll die Rückkehr der ersten Jugendlichen gefeiert werden. Toufec trifft auf die Regierungssprecherin und warnt sie davor, zu dicht an das Transit-Parkett zu treten.
Schließlich kommt der Tag der Wiederkehr. Im Dolan Memorial Park versammeln sich tausende Terraner und Hundert Medienvertreter. Auch Henrike Ybarri nimmt teil. Über ein Transitparkett kommen 31 Jugendliche. Darunter ist auch Anicee. Die Begrüßung mit ihrer Mutter ist zurückhaltend. Anicee wendet sich an die Bevölkerung. Sie bezeichnet sich als Sayterranerin und als Sprecherin des Umbrischen Rats, der nicht der Autorität der gewählten terranischen Regierung unterstehen würde. Als sich die Menge langsam zerstreut, kommen plötzlich weitere Kolonnen junger Terraner, die unter dem Einfluss der Phenuben von Sayporanern zum Transitparkett geführt werden. Noch bevor die Kolonnen ihr Ziel erreichen, stürmen Kreaturen, die riesenhaften Kamelen mit Löwenmäulern ähneln, das Gnauplon. Die Chimären verwandeln sich in riesige Bohrtürme und zerstören das Transitparkett. TARA-Kampfroboter können sie nicht aufhalten.
Nachdem die Attacke vorbei ist erscheint der Schatten und lässt seine Tarnung fallen. Toufec wendet sich an Phaemonoe Eghoo. Er sei ein Emissär, ein Vorbote. Er wurde geschickt, um zu verkünden, dass weder die Auguren, noch die Fagesy über das Solsystem herrschen werden. Der Kampf hätte eben erst begonnen. Dann verschwindet Toufec auf einem fliegenden Teppich, ohne dass ihn Riordans Truppen aufhalten können.
Rezension:
Traumangebot Nr. 555: Leser-Sehnsucht
Du tauchst ein in einen Zyklus ohne Invasion des Solsystems. Die Hohen Mächte und ihre Handlanger spielen keine Rolle. Die im Zyklus behandelten Phänomene haben einen wissenschaftlichen-technischen Bezug und keinen magischen, transzendenten oder spirituellen Charakter. Die Erzählweise verbindet Hard-SF und Soft-SF miteinander, d.h. sie ist zum einen faktendominiert und zum anderen mit nachvollziehbaren Charakterisierungen der handelnden Personen ausgestaltet.
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Nun ja, meine Ansichten zum x-ten Aufguss einer Invasion des Solsystems hatte ich bereits von mir gegeben. Mit dem Plot habe ich mich zwar arrangiert, so richtig warm, werde ich damit allerdings nicht. Da kann auch ein Leo Lukas trotz eines stellenweise gut verfassten Einzelromans und seinem Ausflug in die Märchenwelt von tausendundeiner Nacht nichts daran ändern. Der Autor selbst spricht übrigens in seinem Roman von einem „invasionsverwöhnten“ Solsystem. Recht hat er.
Die aktuelle Invasion ist, im Vergleich zu früheren ähnlichen Szenarien, sicherlich vielschichtiger angelegt worden. Diese verflochtenen und komplexen Handlungen erhöhen zwar den Reiz der Geschichte, haben leider aber auch einen nicht unerheblichen Nachteil. Eben weil die Inhalte so komplex sind, weil die Autoren unterschiedlichste Aspekte aus ständig wechselnden Blickwinkeln behandeln, führt dieser Plot dazu, dass wesentliche und in früheren Zeiten dominierende Aspekte nur mehr ein Nischendasein führen. Gemeint ist zum einen das Militär, präziser die Flotte. Da stehen also mehrere zehntausend schwer bewaffnete Schiffe im Sol-System und keiner kommt auf den Gedanken, mal ein paar Schiffe losfliegen zu lassen und sich in der Anomalie umzusehen. Schließlich kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Systeme der Sayporaner und anderer Beteiligter an der Usurpation sich ebenfalls in der Anomalie befinden. Mag ja sein, dass es den Autoren daran gelegen war, die Flotte eben mal nicht als das darzustellen, als dass sie in der Vergangenheit gedient hat, nämlich als Allheilmittel. Sie aber gänzlich zu missachten, ist ein Fehler in diesem Handlungsstrang.
Zum anderen vermisse ich die wissenschaftlichen Betrachtungen. Bis auf wenige Ausnahmen abgesehen, kommen Wissenschaftler bislang gar nicht zu Wort. Und das Wenige, was sie von sich geben, hat keinen Stellenwert. Obwohl ich es begrüßen würde, wenn statt militärisch-wissenschaftlicher Lösungen, wie in der Vergangenheit gezeigt, mal eine andere, eine politische (?) Lösung dieser Handlungsebene angegangen würde, so unlogisch erscheint mir das Ausbleiben wissenschaftlicher Überlegungen. Bleibt noch etwas, dass ich ebenfalls merkwürdig finde. Der gesunde Menschenverstand im 51. Jahrhundert bereitet mir Sorge. Er ist nämlich nicht vorhanden. Zu sorglos, zu arglos werden die Menschen beschrieben.
Der Geschichte von Leo Lukas mangelt es anfänglich ein wenig an Substanz und obwohl sie reichlich Zündstoff enthält wird die vom Autor beschriebene Handlung dieser Brisanz nicht gerecht. Die mangelnde Substanz wird in der Vielzahl der eingeschobenen Traumangebote deutlich. Dies betrifft allerdings nur die ersten dieser Einschübe. Bei den späteren Einschüben veränderte der Autor den Charakter dieser Einlagen.
Die Zykluseminenten Zusammenhänge, die vom Autor geschildert wurden, sind weiter vertieft worden. Die Figur des Toufec ist interessant. Dass die Sayporaner zweigeteilt sind, konnte man letzte Woche lesen, als Chourtaird von Usurpatoren der sayporanischen Kultur erzählte. Der sayporanische Namensbestandteil „Chour“ bekam in diesem Heft zudem eine Bedeutung.
Dem Roman fehlt es jedoch insgesamt betrachtet an einer klaren Linie. Manches wirkt etwas albern, manche Szene zeigt die schonungslose Brutalität der Usurpatoren und wiederum andere Kapitel strahlen eine Arglosigkeit aus, die deplatziert wirkt. Allerdings unterstelle ich Leo Lukas, aufgrund seines Könnens, dass gerade bei den so naiv geschriebenen Kapiteln eine Intention dahinter steht. Beispielsweise lässt Leo Lukas unter der Kapitelüberschrift „Tagwerk eines Tyrannen“ ein scheinbar belangloses Gespräch zwischen Marrghiz und Riordan ablaufen. Dieses Gespräch spottet natürlich der Situation und ist typisch für den Humor des Österreichers.
Ein Fazit fällt mir schwer. Einerseits enthält der Roman Passagen, die für sich betrachtet, sehr gut geschrieben sind und in denen der hintergründige Humor des Autors voll zur Geltung kommt. Andererseits bleiben diese speziellen Kapitel nur Stückwerk. Der Roman überzeugt nicht mit einer tollen, spannungsgeladenen Handlung oder einen genialen Idee. Auch überraschende Wendungen blieben aus.
Traumangebot Nr. 666: Leser-Paranoia
Perry Rhodan Heft 3200 liegt aufgeschlagen vor Dir. Das Solsystem wird von widerlichen Invasoren besetzt. Du versuchst zu fliehen. Die Invasoren verfolgen Dich. Alle Aliens tragen das Gesicht von Leo Lukas. Sein fieses Grinsen verfolgt Dich.
Ausgesucht beklemmende existentielle Bedrohung! Auf Wunsch und gegen Aufpreis können die Aliens auch die Gesichter anderer Team-Autoren annehmen.
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29.4.2012 von Uwe Bätz.
Die Stadt ohne Geheimnisse – von Wim Vandemaan – Handlung:
Shamsur Routh hat Anboleis, die Stadt ohne Geheimnisse, erreicht. Während sich die fliegende Landschaft Vae-Bazent wieder entfernt, dringt der Journalist zwischen die gläsernen Daakmoy tiefer in die Stadt ein. Selbst das Gras in den Anlagen scheint aus Glas zu sein. Nur schemenhaft erkennt Routh Bewegungen in den teils in schwindelerregender Höhe aufragenden Geschlechtertürmen der Sayporaner. Die Stadt ist riesig und seine Chancen Anicee zu finden sind gering. Nach Tagen, in denen er eine Begegnung mit Sayporanern vermeidet, trifft Routh die erste Terranerin. In dem kurzen Gespräch spricht die Jugendliche vom Erwachen des Neuroversums, dem sie entgegenfiebert.
Mit Pucs Hilfe findet Routh endlich eine junge Frau, die mit Anicee zusammen war, bevor sie Whya verließ. Chensit, so heißt das Mädchen, trägt keinen Blaustern mehr. Shamsur Routh kann nicht herausfinden, ob seine Beobachtung etwas mit der Formatierung zu tun hat. Chensit spricht in Saypadhi, der Sprache der Sayporaner. Anicee, so gibt sie Auskunft, würde bald mit dem Universalen Spainkon in Verbindung treten. Routh erfährt auch den Aufenthaltsort seiner Tochter. Der Geschlechterturm wird von Junkern bewacht. Routh zieht das Schemenkleid über, das er von Spiegelin 1113 Taomae vor ihrem Tod erhielt. Im Schutze des Symbionten kann er in das Gebäude schleichen. Das Gespräch mit seiner Tochter verläuft schwierig. Anicee hat sich sehr weit von ihm entfernt. Ihr Gehirn wurde empfänglich gemacht für das Universale Spainkon, dem kollektiven Gedächtnis der sayporanischen Kultur. Ein uraltes, alles umfassendes Archiv, das helfen wird, den Raum, in dem sie sich befinden zu einer neuen Heimat zu transformieren, ihn zum Neuroversum zu erheben. Bald wird Anicee im Daakmoy Spainkaud ihre Neuformatierung abschließen.
Shamsur Routh begibt sich zum Daakmoy Spainkaud. Mit einigen Schwierigkeiten kann er in den weitgehend leeren Geschlechterturm eindringen. Auf einer Ebene kommt er in Kontakt mit einem seltsamen Gebilde, das ihn an ein großes Organ, ein Gehirn erinnert. Routh wird in Gedanken Millionen Jahre in die Vergangenheit versetzt. Er beobachtet eine eigenartige Szenerie. Käferartige Wesen gehen seltsamen Tätigkeiten nach. Zu seinem Erstaunen trifft er in dieser unwirklichen Welt auf einen Terraner. Der Mann stellt sich als Zachary Cranstoun vor. Cranstoun erzählt ihm seine Geschichte. Er war Mitglied der BOMBAY-Expedition und kam bei einem Einsatz ums Leben. Sein Gehirn wurde in einem komplexen neuronalen System integriert, dem Totenhirn. Dieses Totenhirn schafft ein eigenes Universum, das Mnemoversum. Er und z.Z. auch Routh, sind Bestandteil dieses Mnemoversums. Cranstoun vermutet, dass es einen Grund gibt, warum Routh diesen Ort und diese Zeit im Mnemoversum aufgesucht hat. Hier sind womöglich entscheidende Informationen zum Verständnis der Zukunft gespeichert. Cranstoun und Routh lassen sich die entscheidenden Erinnerungen der Ahnen vor Augen führen.
Die Käferwesen, die sich Chaom nannten, herrschten über ein gewaltiges Sternenimperium. Eines Tages gelang ihnen die Integration eigener Hirnsubstanz in einer Positronik. Die Mentronik war geboren. Mentroniken wurden in Sternenschlachtschiffen eingebaut. Mit ihrer Hilfe wurde der Krieg gegen das Samdoranische Imperium gewonnen. Ein genialer Chaom, namens Bucphol, der eine eigene Manufaktur namens ALLDAR & IMMERFORT betrieb, konnte die Mentroniken entscheidend fortentwickeln. Die Totenhirne entstanden aus der Implantation und Vernetzung kompletter Gehirne. Das erste Totenhirn, das Bucphol schuf, erhielt den Namen Alldar. Die Totenhirne wurden immer selbständiger und integrierten bald auch Gehirne anderer Völker. Schließlich zogen die Totenhirne aus, um sich zu verbinden. Sie stießen bei ihren Reisen auf die Utrofaren, deren Zerebralstrukturen sie zur Orientierung in transdimensionalen Räumen befähigten. Und sie stießen auf die Ezuzareh, die an einer Septadim-Technologie arbeiteten. Alldar schuf eines Spezies namens Fagesy, eine Eingreiftruppe, die unter dem Namen Alldars Allgegenwärtige Vorhut bekannt wurde.
Schließlich stieg Alldar zu einer Superintelligenz auf. ALLDAR wählte seine Residenz im Orbit eines Schwarzen Lochs. Nachdem die SI im Laufe ihrer Existenz an einem Punkt gelangt ist, wo sie meint, alles gesehen und erlebt zu haben, beschließt sie zu sterben. Alle raumfahrenden Völker in der Umgebung des Schwarzen Lochs werden evakuiert. Zur Beerdigung reisen Zuschauer an. Darunter ist auch ein Vertreter eines neuen Volks, das einmal eine bedeutende Rolle spielen wird, die Sayporaner. Dann zündet ALLDAR das Schwarze Loch zu einem Quasar und stirbt. Die Fagesy tragen den Leichnam zu Grabe.
Shamsur Routh bekommt weitere Informationen aus dem Mnemoversum. Ein Fato’Fa erläutert, dass in ein bestehendes Universum implantierte neue Universum benötige einen Anker. Der Korpus einer SI könnte ein solcher Anker sein. Es werden jedoch etliche solcher Korpora benötigt. Shamsur Routh erkennt nun auch mit Cranstouns Hilfe, welche Aufgabe das erwachende Totenhirn der Brückenwelt hat. Es soll das Universum von innen lenken. Ein Universum mit einem Gehirn, ein Neuroversum. Wenn das nicht gelingt, wird die Anomalie untergehen und mit ihm das Solsystem.
Als der Journalist das Mnemoversum verlassen hat, sind vier Tage verstrichen. Puc kann ihn gerade noch rechtzeitig warnen. Sayporaner, Junker und Zofen sind ihm auf die Schliche gekommen. Trotz der Tarnung durch das Schemenkleid können sie ihn aufspüren. Routh entkommt knapp. Ein Funkspruch einer unbekannten Person führt in auf einem Platz in Anboleis. Ein kleines raketenförmiges Schiff landet. Routh kann sich in das Schiff retten, bevor die Verfolger ihn erreichen. Das Schiff startet und verlässt das sayporanische System. Zu seiner Überraschung gehört das seltsame Gefährt mit dem Namen ANÄIRY seinem Ziehvater Chourtaird. Der alte Sayporaner teilt ihm mit, dass Anicees Leben nicht in Gefahr sei. Sie sei zu wichtig für das Konzept der Akademie für Logistik auf Druh geworden. Chourtaird bezeichnet die Akademie auf Nachfrage Rouths als heimliche Regierung des Weltenkranzsystems und als Usurpatoren der sayporanischen Kultur. Die ANÄIRY fliegt nach Terra.
Rezension:
Einmal mehr hatte ich alle Mühe eine halbwegs verständliche Zusammenfassung von Wims Roman zu schreiben. Der Autor schreibt nicht einfach eine Geschichte mit dem üblichen Vokabular des Perryversums. Das wäre wohl zu einfach. Gerade die Erinnerungen, die Routh aus dem Mnemoversum erhält, haben es in sich. Für sehr viele typische Perry-Rhodan-Begriffe werden von Wim Vandemaan neue Begriffe und Vokabeln eingeführt. Die machen das Lesen nicht einfach aber hochinteressant.
Wim Vandemaans Roman beschäftigt sich nur teilweise mit der Welt der Sayporaner. Die Handlung entwickelt sich anfänglich sehr träge. Nicht nur, dass seine Figur Shamsur Routh bei der Suche nach seiner Tochter kaum Erfolge verbuchen kann auch der Schreibstil stellt dem Leser die eine oder andere kleine Falle. Vordergründig kommt Vandemaans Roman im Schreibstil seiner letzten Serienbeiträge daher. Allerdings sind uns die meisten Elemente, die er anfänglich beschreibt nicht mehr unbekannt und so tut man sich doch schwer, den ganzen Merkwürdigkeiten, die seiner Figur begegnen, noch etwas abzugewinnen. Im ersten Romandrittel beginnt beinahe jedes Kapitel, jeder Absatz, jede Szene mit irgendeiner Beschreibung aus der Stadt ohne Geheimnisse. Das war dann doch auf die Dauer etwas anstrengend. Die sehr verspielte Sprache ließ mich zuweilen an ein bekanntes Spottgedicht denken. „Dunkel war‘s der Mond schien helle …“ ist ein Sprachspiel, das von seinen offensichtlichen Widersprüchen lebt. Ähnlich, wenngleich nicht so drastisch sind Vandemaans Widersprüche in diversen Textstellen natürlich nicht, dennoch fanden sich gelegentlich regungslose Junker, die sich mal nach links mal nach rechts bewegten, verschlungene Pfade, die geradeaus liefen, Sayporaner, an denen Shamsur Routh vorbeikam, denen er aber nicht begegnete, durchsichtige Wände, die eingetrübt waren, etc.
Mit der Entdeckung Anicees bekommt der Roman eine Wende, die mit zunehmendem Verlauf an Faszination kaum noch zu überbieten war. Plötzlich und geradezu überfallartig versetzt uns der Autor mit seiner Geschichte in das Neuroversum, also in jenes Gebilde, das diesem Zyklus den Namen verleiht. Zeit wurde es ja, man stelle sich vor im Zyklus Kosmische Burgen wäre die erste Burg im Heft 945 erwähnt worden oder im Stardust-Zyklus wäre das Stardust-System im Heft 2545 mal genannt worden.
Der Roman war große Klasse. Weniger gut finde ich, dass Superintelligenzen eine immer größere Rolle spielen. Es gibt möglicherweise eine weitere SI zu vermelden. IMMERFORT heißt die Gute J. Natürlich nur, wenn sich aus der Manufaktur Bucphols auch der zweite Namensbestandteil zu einer SI entwickelt hat. Wenn das so weitergeht, dann könnte ich mir vorstellen, dass im Verlauf des Zyklus einige Perry Rhodan-Leser, die diesem Plot wenig abgewinnen können, eine neue Superintelligenz bilden. BINDANNMALWEG könnte Rhodan (der Serie) ziemlichen Schaden zufügen!
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22.4.2012 von Uwe Bätz.
Die Guerillas von Terrania – von Verena Themsen – Handlung:
Der Fagesy Chossom fordert vom Sayporaner Marrghiz mehr Härte gegen die Terraner. Immer wieder verschwinden Mitglieder seines Volks, während sie auf Patrouille sind. Marrghiz will jedoch keine Gewalt anwenden. Er hat andere Pläne. Sorge bereitet ihm allerdings, dass ein Transitparkett unautorisiert benutzt wurde. Der Sayporaner beauftragt Fydor Riordan, der nun den TLD führt, mit der Untersuchung.
Barisch Chada übernimmt eine Führungsrolle im Widerstand. Zusammen mit der Ex-TLD-Agentin Sharoun Beffegor, den beiden Studenten Eudo Misper und Xanno Piegasch sowie Bhacc, einem Robotdesigner und Snacco, einem Mattenwilly, plant er einen Anschlag auf die Besetzer. Beffegor setzt auf Unterstützung durch den Topsider Chakt-Vachtor, ebenfalls ein ehemaliger TLD-Agent und ihr früherer Ausbilder.
Der Topsider, der ein Antiquitätengeschäft führt, besorgt der Gruppe Materialien für Waffen. In der Wohnung von Barisch Chada lassen sich die Widerständler von Beffegor ausbilden. Fydor Riordan sucht wegen seiner Sammelleidenschaft für alte terranische Münzen Chakt-Vachtors Laden auf. Er wird von seiner Assistentin Kekolor, genannt „die Stille Ve“, begleitet. Die Halbferronin ist Mutantin und erkennt in den Gedanken des Topsiders den Namen von Beffegor, die bei Chakt-Vachtor Waffen gekauft hat.
Die Widerstandsgruppe hat als Anschlagsort eine Freizeitplattform zwischen den Zwillingstürmen des Terrania Silberbridge gewählt. Eine Gruppe Fagesy wird angegriffen, die den Luftraum von Terrania mit ihren Rüstgeleiten durchkreuzen. Beim folgenden Gefecht werden zwar mehrere Fagesy getötet aber auch Xanno und Bhacc sterben. Ein Fagesy wird gefangengenommen. Die Flucht gelingt nur, weil ein geheimnisvoller Schatten in das Geschehen eingreift. Fydor Riordan untersucht den Vorfall, kann aber über den Schatten nichts herausfinden.
Barisch Chada kann sich nach einiger Zeit mit dem gefangenen Fagesy, der sich Oachono nennt, unterhalten. Er wird mit dem Vorwurf konfrontiert die Terraner hätten den Leichnam von ALLDAR gestohlen. Oachono kommen im Laufe des Gesprächs ebenfalls Zweifel. Er berichtet von Ungereimtheiten, dass die Allgemeine Nachhut die Fagesy täuschen würde und dass sich eine Widerstandsgruppe, die Glückswaisen, gebildet hätte. Sharoun Beffegor erfährt vom Tod des Topsiders Chakt-Vachtor und will daraufhin den Gefangenen töten. Sie kann von dem Vorhaben abgebracht werden.
Die Gruppe will Oachono im Tausch gegen ein entführtes Kind freilassen. Minister Urs von Strattkowitz soll den Tausch arrangieren. Im Zoo von Terrania soll der Austausch stattfinden. Fydor Riordan, der von dem Treffen erfahren hat, stellt der Widerstandsgruppe eine Falle. Wieder greift der Schatten ein, trotzdem stirbt der Minister. Barisch Chada wird von Oachono durch ein Loch im Zaun des Affenreservats gezerrt. Der ehemalige Gefangene begleitet ihn auf der Flucht.
Riordan bekommt etwas mehr Informationen über den Schatten. Ein Bruchteil einer Nanomaschine konnte sichergestellt werden. Es entspricht keinem auf Terra bekannten Bauprinzip. Er wird vom Sayporaner Marrghiz darüber informiert, dass in elf Tagen die ersten Jugendlichen zurückkämen. Sie würden allerdings nicht in ihre Familien zurückkehren. Diese Bindungen hätten keine Bedeutung mehr. Vielmehr würden die Jugendlichen die Führung der Terraner übernehmen.
Rezension:
Verena Themsen setzt die Geschichte von Terras neuen Herren fort. Da diesmal nur 10 Wochen seit Hubert Haensels letzten Zeilen des Invasionsplots vergangen sind, gelang die Wiederaufnahme dieser Handlungsebene relativ problemlos. Verena Themsen hat zudem großen Wert darauf gelegt, den Einstieg für die Leser verträglich zu gestalten. Das erste Kapitel knüpft auf seinen knapp eineinhalb Seiten direkt an das letzte Kapitel von Hubert Haensel an und beschäftigt sich mit den beiden Machthabern Marrghiz und Chossom und den Meldungen über verschwundene Fagesy. Danach bringt die Autorin auf zwei Seiten den ebenfalls bereits bekannten Fydor Riordan ins Spiel bevor sie sich schließlich den Mitgliedern der Widerstandsgruppe zuwendet und damit das Hauptthema angeht.
Was kann man von einem Roman erwarten, der in den ersten Tagen nach der x-ten Besetzung Terras in der Serie spielt? Das ist von verschiedenen Faktoren abhängig. Wesentlicher Faktor ist, wann im Zyklusverlauf die Besetzung stattfindet. Da die Okkupation zum Ende des ersten Drittels stattfand, werden wir wohl noch 40 bis 60 Hefte mit diesem Szenario auskommen müssen. Dieser Umstand diktiert also die Geschwindigkeit, mit der gegen die Besetzer vorgegangen wird. Der Roman von Verena Themsen konnte also eines mit Sicherheit nicht erfüllen: Einen Fortschritt in der Handlung!
Nach dem gelungenen Einstieg stellt uns Verena Themsen die Mitglieder des Widerstands vor. Hier hatte ich Probleme, mir zum einen die Namen und zum anderen die Lebensläufe der Figuren zu merken. Irgendwie konnte mich keine der Figuren in besonderer Weise ansprechen. Sie blieben relativ blass. Die Motive waren, wen wundert’s, natürlich immer gleich. Der „Ausflug“ in das Topsiderviertel hätte einem Reiseführer entstammen können und nicht einer Gruppe von Widerständlern, die gerade planen, Anschläge gegen die Besetzer auszuführen. So detailliert diese Schilderungen auch waren, sie passten einfach nicht ins Geschehen.
Danach schien es mir so, als würde gerade die Detailverliebtheit im Topsiderviertel ihren Tribut zollen, denn die weitere Planung des Anschlags wird recht zügig übergangen und wir befinden uns dann schon unmittelbar vor der Ausführung. Die folgenden Ereignisse, die mit dem Tod zweier Mitglieder der Gruppe enden, waren flott geschrieben aber irgendwie fehlte auch hier das Salz in der Suppe. Mitfiebern konnte ich mit den schwachen Figuren leider nicht. Wesentliches Problem an diesem Roman war leider auch die Vorhersehbarkeit der Ereignisse.
Leider bringt der Roman auch zu wenig Licht ins Dunkel der Aktivitäten der Sayporaner und Fagesy. Die etwas konfusen Dialoge aus Hubert Haensels Roman 2634 zwischen Marrghiz und Chossom werden insgesamt neu geordnet und bewertet. Viel ist es allerdings nicht, was uns die Autorin zur Zyklusfortentwicklung darreicht. Auch die Sayporaner wissen nicht, wer für die Versetzung des Sol-Systems verantwortlich ist. Interessanterweise scheint dieser Vorgang, ebenso wie der Diebstahl ALLDARS und die Verdunkelung der Sonne sie in ihren Plänen überhaupt nicht zu stören. Von daher könnten die Sayporaner trotz der Nutzung der Transittechnologie ein von den bisher bekannten Machtkonstellationen unabhängiger Faktor sein.
Soweit mein kurzer Ausflug in das Reich der Spekulation. Das Problem bei diesem Zyklus ist leider, dass selbst zum Spekulieren zu wenige Informationen vorhanden sind.
Geschrieben in Perry Rhodan | Keine Kommentare »