Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3017

Terra Incognita – von Susan Schwartz
Die politischen Institutionen der LFG haben Perry Rhodan die Zustimmung gegeben, nach dem Verbleib Terras zu forschen. Reginald Bull bricht mit der THORA und Perry Rhodan an Bord zum Solsystem auf. Der von den Cairanern abgeriegelte Raumsektor durchmisst 17 Lichtjahre. Mindestens 5000 Augenschiffe patrouillieren in dem Gebiet. Perry Rhodan hat seinen Vitalimpuls-Tarner aktiviert. Der Resident seinen nicht. Die Cairaner wissen nicht um diese Technologie. Reginald Bull fordert für sich und sein Schiff Einflug ins Solsystem. Er verhandelt mit Qad Boukkanatal und bindet dem cairanischen Subkonsul eine Lügengeschichte auf. Als Resident der Liga will er den brüchigen Frieden wahren und vor dem zurückgekehrten Rhodan ins Solsystem fliegen und Untersuchungen anstellen. Das würde seine Position, die des Residenten, stärken. Und die Cairaner lassen sich darauf ein. Mit einer Eskorte geht es zu einer Strukturschleuse im Clausum. Ein fremdes Objekt, von Bull als Raumfahrzeug der Zain-Konstrukte identifiziert, sorgt für überraschende Ablenkung. Die THORA passiert den Schutz um das Solsystem. Die TERRANOVA-Technik wird von den Cairanern weiter genutzt und einige LORETTA-Tender sind mit cairanischer Technik ergänzt. Die Außenposten bei Jupiter zeigen kein Leben. Die cairanischen Schiffe im System ignorieren die THORA. Der Anflug auf den dritten Planeten Iya mit seinem Trabanten Vira ruft insbesondere bei den beiden Unsterblichen Erstaunen hervor. Iya, rund 600 Kilometer kleiner als Terra, wirkt wie eine Sicherheitskopie der Erde. Die Kontinente sehen bekannt aus, doch sehr verschoben. Der cairanische Raumhafen liegt an der Nordwestküste Shushuuris. In der Neuzeit wäre dies die Sahara gewesen. Die THORA darf dort landen. Auf dem Planeten leben die Ayees, die einen primitiven Stand der Technik erreicht haben. Es gibt Luftschiffe und einfache Energieemissionen.
Perry Rhodan begibt sich mit Hilfe eines beim Anflug heimlich abgesetzten Transmitters auf die Oberfläche. Er wird von einem Einsatzteam begleitet, dem u.a. Zemina Paath, der Siganese Tenga, die Oxtornerin Siad Tan mit ihrem Okrill Phylax und der Geologe Rubart Tersteegen angehören. Der Unsterbliche und seine Begleiter erkunden unbemerkt von den Cairanern die fremde und doch irgendwie vertraut wirkende Welt mit ihrer sehr merkwürdigen Flora und Fauna. Insbesondere Tersteegens Forschungen und sein Abgleich mit den Daten, die ihm von der RAS TSACHUBAI zur Verfügung stehen, bringen Erstaunliches zu Tage. Und dann treffen Rhodan und sein Team auf die ersten Ayees. Und auch diese Begegnung hält für den Unsterblichen und seine Begleiter Überraschungen bereit.
 
Der Roman von Susan Schwartz ist der erste Teil eines Doppelbandes der Autorin. Die Geschichte selbst besteht auch aus zwei Teilen. Im ersten Teil geht es darum, einen Weg ins Solsystem zu finden. Im zweiten geht es um die Erforschung von Iya. Wäre ich Perry Rhodan gewesen, dann hätte mich im ersten Teil eine Frage gequält. Die Frage nämlich, warum Reginald Bull diesen Flug nicht schon vor langer Zeit durchgeführt hat?
Natürlich ist die Situation durch den zurückgekehrten Perry Rhodan eine andere geworden. Tatsächlich findet Susan Schwartz für die Überzeugungsarbeit ihres Protagonisten Bull, das Solsystem gerade „jetzt“ zu bereisen, plausible Argumente. Und sie vergisst hier auch nicht, ihre zweite Hauptfigur danach fragen zu lassen, wie ernst die Geschichte von Bull gemeint war, die der Resident den Cairanern auftischt. Allerdings tut die Autorin dies mit einem trockenen humorigen Dialog, der ein Nachbohren der Figur Rhodan verhindert. Als Leser kann ich das jedoch tun und frage mich, wie ehrlich es Reginald Bull tatsächlich meinte, als er gegenüber den Cairanern davon sprach, dass Rhodan das fragile Gebilde des Friedens in der Galaxis destabilisieren und alles schlimmer machen könnte?
Meine Frage nach der Ernsthaftigkeit von Bulls Äußerungen gegenüber den Cairanern und Rhodans nicht gestellte Frage, warum dieser Flug nicht schon früher angetreten wurde, liefert eine eindeutige Antwort. Bull hat sich verändert. Nicht soweit, dass er dem Freund die Unterstützung versagen würde. Aber noch ist Perry Rhodan auch nicht in der Lage, Terra zurückzuholen oder die alten Verhältnisse wieder herzustellen. Wir werden sehen, wie weit Bulls Unterstützung gehen wird.
Ich war bislang von dem Misstrauen, das Rhodan bei verschiedenen, meist unpassenden Gelegenheiten gegenüber Bull äußerte, nicht so überzeugt. Meist fehlte es den Dialogen oder Ereignissen an Substanz. Susan Schwartz liefert hier eine bessere Geschichte zu dem Thema. Dazu passt auch, dass Bull bei der Begegnung mit den Cairanern eine interessante Frage stellt. Er fragt nämlich, warum sich die Cairaner für den Frieden in der Milchstraße interessieren, aus der sie gar nicht stammen. Im folgenden Dialog werden Aussagen gemacht, die nicht nur Perry Rhodan neu sind. Auch Bull kennt sie nicht. Und auch hier hätte sich Rhodan die Frage stellen müssen, warum der alte Freund noch nicht mal das in den vergangenen Jahrhunderten in Erfahrung gebracht haben wollte. Mit dem Weltenbrand und seinen Nachwirkungen lässt sich vieles erklären, warum Bull auf bestimmte Themen ausweicht oder Fragen dazu nur unbestimmt beantwortet. Aber die Cairaner kamen viel später.
Die Situation ist für Perry Rhodan nicht unähnlich zu früheren Okkupationen der Milchstraße. Ob nun die Invasoren aus eigenem Antrieb handeln oder gesteuert sind, spielt keine Rolle. Neu ist für Rhodan, dass er wahrscheinlich nicht auf die breite Unterstützung zählen darf. Weder in der Bevölkerung, die Terra sowieso für einen Mythos hält, noch im engsten Freundeskreis der Aktivatorträger. Ich bin gespannt darauf, wie der Held reagieren wird. Er dürfte ähnlich hin- und hergerissen sein, wie es die Autorin im ersten Abschnitt ihres Romans eingefangen hat.
Die Geschichte geht aber noch weiter. Denn Rhodan gelangt ins Solsystem und auf eine kuriose Welt. Die Spannung beziehen die Handlungen auf Iya aus einer merkwürdigen Mischung aus Fakten, nicht Erzähltem und den Spekulationen der Figuren. Das nicht Erzählte hat mich anfangs geärgert. Die THORA ist das beste Raumschiff, das man sich unter diesen Umständen vorstellen kann. Und doch werden die Möglichkeiten des Schiffes zum sondieren des Planeten so gut wie gar nicht genutzt. Das berühmte Einsatzkommando muss die Informationen beschaffen. Klar, wegen der Dramaturgie und dem Show, don’t tell-Ansatz ist das auch nicht verkehrt. Aber eine gesundere Mischung wäre schön gewesen. Besser gefielen mir dann die Erkenntnisse des Wissenschaftlers. Der Geologe Rubart Tersteegen darf Fakten beisteuern. Endlich mal wieder ein Wissenschaftler, der sammelt, misst, untersucht und analysiert. Der kausale Zusammenhänge aufzeigt und auf die Gesetzmäßigkeiten in der Natur eingeht. Und der Theorien und Hypothesen aufstellt. Dieser Part der Geschichte ist der Autorin gut gelungen. Das hat Spaß gemacht.
Ich freue mich auf die Fortsetzung.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3016

In den Augen des Riesen – von Michael Marcus Thurner
Perry Rhodan genießt den Aufenthalt auf Rudyn. Er ist in der Solaren Residenz untergebracht und mit Olio wurde ihm ein persönlicher Roboter zur Seite gestellt. Wichtige Entscheidungen stehen an. Die politischen Gremien der LFG wollen sich ein Bild des Unsterblichen machen. Reginald Bull stellt den zurückgekehrten Freund zunächst im kleinen Kreis den Ministern vor. Obwohl Stillschweigen vereinbart wurde, dauert es nicht lange, bis die Nachricht von der Rückkehr einer Legende die Runde macht. Hatte Rhodan schon vor den Ministern betont, dass er alles tun würde, um die Erde zu finden, ist es umso wichtiger, die Parlamentarier auf seine Seite zu ziehen. Perry Rhodan und Reginald Bull gelingt das. Er bekommt das Mandat nach Terra zu forschen. Dazu werden ihm die RAS TSCHUBAI und die THORA und weitere Mittel zur Verfügung gestellt. Nun hat Perry Rhodan Zeit, um sich auch mit Icho Tolot zu treffen.
Derweil hat Thosen Musay in Neu-Terrania auf Rudyn einen neuen Auftrag. Er ist Informationsmediator und liefert seinen Kunden Wissen. Vor allem beschafft er Informationen, die nicht allgemein zugänglich sind. Seine Auftraggeber, die pilzähnlichen Alborganer, sollen für die mächtige Familie Dawanger eine verlorene alte terranische Ahnenhaube finden. Und Thosen Musay soll das bewerkstelligen. Der Informationsmediator leidet an Psychosen und hat mitunter Wahnvorstellungen. Eine immer wieder auftauchende Phantasiegestalt ist Saessbekker, eine knallrote dämonartige Gestalt. Trotz seines Handicaps macht sich Musay an die Arbeit. Seine Recherchen erfordern es, dass er sich in die Festung Icho Tolots begeben muss. Er beschafft sich eine Tarnidentität. In den Augen des Riesen ist auch Perry Rhodan angekommen und trifft sich dort mit Icho Tolot. Die Wege Thosen Musays und Perry Rhodans kreuzen sich.
Es dauert ein bisschen, bis sich die Geschehnisse in die Augen des Riesen verlagern. Etwas mehr als die Hälfte des Romans lässt mich Michael Marcus Thurners zappeln, bis sich schließlich einer der Protagonisten, nämlich Perry Rhodan, aufmacht, seinen alten Freund Tolotos zu begrüßen. Die erste Hälfte widmet der Autor dem politischen Entscheidungsprozess. Dem Helden wird die Legitimation zur Suche nach der Erde erteilt. Das freut mich und ich habe ein wenig nach vorne geblickt. Bereits im nächsten Roman wird von Rhodans Reise in ein verändertes Solsystem gesprochen. Über die Erteilung für Rhodans Auftrag lohnt es sich, ein wenig nachzudenken. Aus dem letzten Roman wissen wir, dass Terra und Luna am 5. Januar 1614 verschwunden sind. Und natürlich haben Bull und die Terraner alles getan, um diesen Vorgang zu untersuchen. Und der letzte Roman brachte endlich auch Aufschluss darüber, wie es zur Legendenbildung kam. Zwei Jahre nach dem Verschwinden kam es zur psychoplastischen Deformation, die dazu führte, dass eine Erinnerung sich fremd anfühlt, dass sie falsch wahrgenommen wird, eher als Erzählung oder als ein Gerücht. Selbst Bull, mentalstabilisiert, berichtete, dass er nicht frei von den Erinnerungsfälschungen sei. Terra, Rhodan und anderes geriet zur Legende, zum Mythos. Und nun, im Jahre 2045 und somit über 400 Jahre nach dem Raub, erhält die Legende Rhodan die Absolution. Innerhalb weniger Stunden werden ihm Ressourcen zur Verfügung gestellt, um nach der Erde zu suchen. Nein, nicht von Bull. Sondern von Terranern, von Politikern, die mehrere Generationen nach Erinnerungsfälschung und Posizid diese Entscheidung fällen. Das geriet mir wenig plausibel. Avancierten mir die ersten Romane im Zyklus zu langsam, wird hier nun der Turbo gezündet. Die Serie ist, was das betrifft, irgendwie momentan nicht im richtigen Takt.
Aber Thurners Roman wartet noch mit einer anderen Geschichte auf. Der Österreicher schildert mit Thosen Musay einen Hypochonder. Oder doch einen Geisteskranken? Am Anfang war nicht so recht klar, in welche Richtung es mit dieser Figur gehen würde. Aber der Autor schaffte eine reizvolle Handlung. Die Psychosen seines Protagonisten waren gut beschrieben, die Figur ging mir nicht auf die Nerven und ich war neugierig, wie sich das entwickeln würde. Noch bevor Musay seinen Ausflug in Tolots Festung antrat, mehrten sich die Zeichen, das ein Organoid im Spiel sein könnte. Musays Aktivitäten nutzte der Autor zudem, um Land und Leute der zivilen Gesellschaft Rudyns an die Leser zu bringen. Mit vielen netten Details. Die Alborganer, ihr bedrohliches Auftreten und natürlich die Informationsbeschaffung von Musay. Krikkit sagt: Das ist dem Autor gut gelungen.
Gerieten die „Wiedersehen“ zwischen alten Freunden zuletzt nicht so nach meinem Geschmack, zeigt Michael Marcus Thurner, wie man das richtig macht. Für die Begegnung zwischen Tolot und Rhodan hatte der Autor das richtige Händchen, fand die passenden Worte und schilderte nachvollziehbare Emotionen. Hier stimmte alles.
Nach dem Roman der Vorwoche wird wieder etwas auf die Bremse getreten. Das störte mich allerdings nicht. Der Vorteil dieses Romans ist eindeutig der oder die Handlungsorte. Es ist entscheidend, wo die Romane spielen. Aus der Nähe zum Zentrum der Macht und zu den Unsterblichen bezieht die Geschichte ihre Brisanz. Dies ist ein weiterer Punkt, warum mich die ersten Romane nicht so überzeugten. Ich fiebere eher mit, wie sich das Geschehen entwickelt, wenn Ereignisse sofort eine wie auch immer geartete Wirkung entfalten können. Und dies ist auf Rudyn explosiver, als wenn die Geschehnisse auf irgendeinen Hinterwäldlerplaneten passiert wären. Zum Zyklusbeginn wurde meiner Ansicht nach Potential verschenkt.
Die Geschichte mit dem Organoid in Perry Rhodans Schulter kann auch Michael Marcus Thurner nicht richtig aufklären. Hier liegt einiges im Argen. Immerhin ist er der erste Autor nach Band 3011, der erwähnt, dass Rhodan ein solches Gerät im Körper trägt, bzw. damit konfrontiert wurde. Bulls „Leibarzt“ hatte das Organoid entdeckt und als Rhodan im Habitat der Träume die Absicht äußerte, das Gerät, das seine Vitalwerte las und sendete, wieder loswerden zu wollen, bezeichnete Tuomistuin, Bulls Verbindungsmann auf Gongolis, dies als Plan B. Plan A war die THORA, auf die sich alle begeben wollten. Und seitdem wird das Organoid in Perry Rhodans Schulter ignoriert.
Insgesamt betrachtet ein unterhaltsamer Roman mit tollen Figuren.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 3015

Raptus Terrae – von Leo Lukas
Perry Rhodan ist auf Rudyn im Ephelegonsystem eingetroffen. Der Unsterbliche brennt darauf, zu erfahren, wie Terra und Luna verschwunden sind und warum Terra in den Erinnerungen der Menschen nur noch ein Mythos ist. Und Reginald Bull berichtet. Hulio Kørkgaard bereitet sich 1552 NGZ auf die Aufnahmeprüfung im Flottendienst vor. Der schüchterne junge Mann lernt Romy Sastra kennen, die kurz zuvor diese Prüfung geschafft hat. Und auch Hulio schafft die Prüfung geradeso. Dann tritt der Weltenbrand ein und verändert sein Leben und das Leben der Menschen ab dem 25. April 1552 rigoros. Erst gegen Ende des Jahres 1552 verbesserte sich die Lage etwas. Dennoch fanden weiterhin Fluchtbewegungen statt. Hulio Kørkgaards erster Posten war auf dem Schulschiff NSONGO, das zum Verband des von Reginald Bull gegründeten RAS TSCHUBAI-Suchkommandos gehörte. Im Sektor, wo Wanderer und das Trägerschiff verschwanden, suchte die GALBRAITH DEIGHTON VII unter dem Kommando von Anna Patoman mit anderen Schiffen monatelang erfolglos nach Spuren. Währenddessen kam es im Solsystem zu einem merkwürdigen Ereignis. Eine DREYER-Sonde materialisierte antriebslos im Kuiper-Gürtel. Derartige Sonden erforschen autark unbekannte Regionen der Milchstraße. Die Sonde wurde geborgen. Bei der Untersuchung stellte sich heraus, dass sie zwar in einer Werft auf Luna gefertigt worden war, aber 1556, zwei Jahre in der Zukunft!
NATHAN fand keine Erklärung, deshalb wurde die Zeitforscherin Aichatou Zakara zu Rate gezogen, die zusammen mit Opiter Quint im Dolan JASON zum Titan reiste. Im Solsystem kam es ab dem 20. Mai 1556 NGZ zu einem Phänomen, das später als Prä-Raptische Phase bezeichnet wurde. Im Weltall entstanden Singularitätsstreifen. Die zweidimensionalen Objekte, die auf tausende Kilometer sich ausbreiteten, übten starke Gravitationskräfte auf die Umgebung aus und erschwerten zusehends die Raumfahrt. Zakara entdeckte, dass in den Streifen die Zeit rückwärts verlief und nannte das ein retrochrones Raumzeitexzerpt. Monate nach dem Erscheinen der Singularitätsstreifen wölbten sich diese zu dreidimensionalen Würfeln von bis zu 1275 Meter Kantenlänge auf. Alles, was in diese Hyperlokationswürfel einflog, wurde per Transition versetzt. Mal nur Lichtsekunden, mal Hunderte von Lichtjahren. Aichatou Zakara und Opiter Quint flogen mit JASON in einen Kubus, um die retrochronen Phänomene zu erforschen. Sie tauchten 446 Jahre später im Jahr 2002 NGZ wieder auf. Terra wurde zusehends zu einem gefährlichen Ort. Der Posbi Ganud wurde von Vetris-Molaud nach Terra geschickt. Der Tefroder gab vor, das Toio Zindher geschützt werden müsse. Ganud jedoch gab an, aus eigenen Antrieb gekommen zu sein. Der Posbi freundete sich mit Shinae an. Die Tochter Bulls gab zu dieser Zeit auch an, einen traurigen Freund namens Opeth Ezenzer zu haben. Im Januar 1557 kam es in Grönland zu einem weiteren sehr merkwürdigen Ereignis. Wie aus dem Nichts erschienen in Nuuk kurzzeitig fremdartige Tiere, die einem Albtraum zu entstammen schienen und durch die Straßen trotteten. Die Tiere interagierten nur mit unbelebter Materie.
Auch die Thesanit, zu denen augenscheinlich auch Opeth Ezenzer gehörte, waren Teil der Begleitphänomene auf Terra. Der traurige Freund warnte Shinae. Wenn es schlimmer würde, solle sie in die Stadt Allerorten fliehen. Und es wurde schlimmer. Am 2. März 1557 NGZ erklang ein Ton, der allen Intelligenzwesen auf Terra und Luna durch Mark und Bein ging. Der „Schrei“ dauerte mit 2 Minuten und 9 Sekunden genau so lange, wie eine Schmerzensteleportation. An dem Tag flohen Toio und Zindher durch die wieder offene Breviatur in Rhodans Haus, wo die Familie wohnte. Per Brief baten sie Bull, ihnen zu folgen. Doch Reginald Bull konnte die Menschheit nicht im Stich lassen. Die Breviatur war später wieder unpassierbar. In den Folgejahren nahmen die hyperphysikalischen Irritationen weiter zu und Hekéner Sharoun ließ die Solare Residenz mit der Regierung nach Rudyn verlegen. Auch deshalb, weil dort ein Kristallschirm modernerer Art zur Verfügung stand. Diese Maßnahme wurde in Teilen der Bevölkerung kritisiert. 1572 NGZ kam es zu einem Anschlag auf den Residenten und Bull. Sharoun starb und Bull wurde am 25.11.1572 kommissarischer Resident. Hulio Kørkgaard lebte inzwischen mit seiner Freundin Romy Sastra auf der Erde, als seine Eltern bei einem Gleiterabsturz starben. Sie waren nicht die einzigen Opfer. Die Hyperkorrosion war überall in der Milchstraße wirksam und verminderte dramatisch die Lebensdauer von Hypergeräten.
Am 2 Januar 1614 NGZ nahm schließlich das Raptus-Ereignis seinen Anfang. Mehrere der Hyperlokationswürfel, die sich Jahre zuvor gebildet hatten, nahmen Kurs auf Terra und ließen sich nicht aufhalten. Die Evakuierung wurde eingeleitet. Etwas mehr als drei Milliarden Menschen auf Terra und Luna konnten nicht mehr in Sicherheit gebracht werden. Die Hyperlokationswürfel hatten sich um Erde und Mond gelegt und ein Einflug war nicht mehr möglich. Homer G. Adams blieb bei den Eingeschlossenen bis zuletzt, als der Funkkontakt abbrach. Am 5. Januar 1614 verschwanden Terra und Luna. Am 19. April 1614 erschien innerhalb der Raptus-Zone ein neuer Planet mit einem Mond. Die Begleiterscheinungen vernichteten viele LORETTA-Tender und der Kristallschirm fiel aus. Später flackerte der Schirm jedoch wieder auf unbekannte Art und Weise auf und die Wissenschaftler befürchteten, dass man im Solsystem eingeschlossen werden könnte. Reginald Bull befahl die Evakuierung des Systems und der Flotte. Die Menschheit gab das Solsystem auf. Der Verschluss des Systems folgte, inzwischen als Clausum bezeichnet. Die Cairaner traten erst Ende des 17. Jahrhunderts auf. Sie sind dennoch verdächtigt, am Raub der Erde beteiligt gewesen zu sein. Und wie wurde die Erde zum Mythos? Ende 1615 NGZ kam es zur psychoplastischen Deformation. Erinnerungen werden Lemurerabkömmlingen plötzlich fremd. Eine Art umgekehrtes Déjà vu. Die Erinnerung fühlt sich fremd an, als Erzählung, als Gerücht. Die Sextadim-Psychomedikerin Laila Tennester entdeckte in der ÜBSEF-Konstante der Betroffenen ein bestimmtes Frequenzmuster. Das Terranische Odium. Das T-Odium löst ein Unbehagen, eine Starre aus, bei Gedanken an Terra und Luna. Ausgangspunkt der Veränderung der Sextadim-Resonanz war das Solsystem und erfasste nach und nach alle Wesen in der Milchstraße. Die Veränderung ist keine Krankheit und kann medikamentös nicht behandelt werden. Perry Rhodan ist überzeugt, dass Terra und Luna noch existieren. Er will sie samt Homer G. Adams zurückholen.
Der Roman wartet mit einigen Überraschungen auf. Das beginnt schon mit dem Titelbild, das ausnahmsweise von Dominic Beyerler gestaltet wurde. Gastautoren sind inzwischen schon mehrmals tätig geworden. Gastzeichner noch nicht so häufig. Das TiBi hebt sich wohltuend von den anderen Grafiken der Serie ab. Die Arbeit des Artwork-Künstlers ist zwar nicht unbedingt mein Geschmack aber weil sie anders ausfällt begrüße ich die Veränderung.
Mit dem Romantitel wird auch auf ein Ereignis hingewiesen, das dann tatsächlich im Roman behandelt wird. Und die Ankündigung der Ereignisse im Untertitel, ich reibe mir verwundert die Augen, werden dann auch so im Roman behandelt! Dieser neue Stil, den Leser nicht schon mit Titel und Untertitel in die Irre zu führen, kann gerne beibehalten werden.
Seinen Einstieg legt Leo Lukas zunächst sehr zurückhaltend, eher konservativ an. Er ruft die letzten Ereignisse in Erinnerung und bietet dem (Neu)Leser ein paar Informationshäppchen, die aus meiner (Alt)Leser-Sicht nicht unbedingt notwendig gewesen wären. Zumal die im Glossarstil gemachten Aussagen, beispielsweise zu den Halutern, einfach wenig geeignet sind, dem Ereignis gerecht zu werden, um das es in diesen Momenten der Erzählung eigentlich gehen sollte. Nämlich dem Zusammentreffen von zwei Freunden, die sich seit Jahrtausenden kennen und lange nicht gesehen haben. Aber irgendwie reiht sich Leo Lukas an der Stelle in die misslungenen Zusammentreffen der letzten Zeit ein. Emotionen werden so leider nicht transportiert.
Dann endlich geht der Autor auf jene Geschehen ein, die uns seit Band 3000 in atemloser Spannung gefangen hielten. Sorry, dieser kleine Ausflug ins Sarkastische musste einfach sein. Leo Lukas greift sich eine Figur, die bei den damaligen Ereignissen zugegen war und lässt uns an ihren Erinnerungen teilhaben. Damit kommt der Österreicher vordergründig auch dem Stil „Show, don’t tell“ („Zeigen, nicht erzählen“) nach. Natürlich ist Bull der Erzähler, aber in den Kapiteln können wir an den Abenteuern von Hulio Kørkgaard teilnehmen. Wie schon zuletzt von mir beobachtet, wird dann aber dennoch weniger gezeigt, als vielmehr erzählt. Woran liegt das? Nun, Leo Lukas sucht sich eine einfach gestrickte Figur aus. Eine, die nicht an vorderster Front kämpft. Eine, die aus Sicht des kleinen Mannes agiert. Eine, die dadurch zwangläufig bei den „großen“ Ereignissen gar nicht vor Ort ist. Somit wird ein Großteil der Geschichte dann doch wieder vom Erzähler übertragen. Hier wäre es geschickter gewesen, entweder die Zahl der handelnden Figuren auszuweiten oder Hulio Kørkgaard vollständig auf die Erde zu verbannen und alle Ereignisse aus seiner Sicht voranzutreiben. Wie er die Tiere in Nuuk erlebt, wie er den Abzug der Residenz verfolgt, wie er das Attentat verfolgt, vielleicht weil er in der Nähe zugegen war, usw. usw.
Die Figur Hulio Kørkgaard war mir nicht unsympathisch, aber durch ihre Einfachheit und ihre Zurückhaltung und der Begrenzung auf sie, gepaart mit den eben erwähnten Schwächen im Erleben oder Erzählen, konnte bei mir nicht die Begeisterung für die Story entfacht werden, die ich mir gewünscht hätte. Dabei wäre es langsam an der Zeit, denn es ist bereits der 16. Roman des Zyklus.
Was folgte war ein Potpourri an merkwürdigen Ereignissen, die mal Terra/Luna betrafen, dann das ganze Solsystem und schließlich einige auch die ganze Milchstraße und alle darin lebenden Wesen. Als Aichatou Zakara ins Spiel kam und der Begriff des retrochronen Raumzeitexzerpts fiel, zuckte ich ein wenig zusammen. Wenn Wim Vandemaan am letzten Wochenende in Osnabrück nicht im Brustton der Überzeugung von sich gegeben hätte, dass die Scherung keine Rolle spielen würde, könnte ich angesichts des retrochronen Raumzeitexzerpts an eine Nachwirkung denken. Oder die Dys-chrone Drift ist noch nicht zu Ende erzählt.
Es folgte die Erklärung zur Mythenbildung. Und die hat mir gefallen. Nicht die fiktionalen wissenschaftlichen Erklärungen. Sondern die Beschreibung des Fremdfühlens einer Erinnerung. Eines umgekehrten Déjà vu. Als jemand, der schon öfters eine solche Erinnerungstäuschung (Déjà vu) erlebt hat, finde ich die von Lukas gemachten Beschreibungen dieser psychoplastischen Deformation plausibel. Der Begriff ist fürchterlich, aber die Erläuterungen dazu, dass eine Erinnerung sich fremd anfühlt, dass sie falsch wahrgenommen wird, eher als Erzählung oder als ein Gerücht, das finde ich eine anschauliche Erklärung.
Ich hoffe nun, dass die Phase der Erzählungen abgeschlossen ist und Perry, Reginald und Atlan den Hammer schwingen. Der Zyklus muss nun endlich losgehen!