Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2961

Der Kepler-Komplex – von Leo Lukas – Handlung:
Einer der führenden Köpfe der Verschwörung gegen das Solsystem ist Colin Heyday, der Leiter des Kepler-Komplexes in Galileo City. In jungen Jahren hat der überdurchschnittlich intelligente Mann seine Vorliebe für den deutschen Naturphilosophen, Mathematiker, Astronomen und Astrologen Johannes Kepler entwickelt. Nur soziale Intelligenz gehört nicht zu Heydays Stärken. Er sieht in seinem Leben Parallelen zu anderen Geistesgrößen, darunter eben auch Kepler. Nach seinem Studium verließ er für seine erste Anstellung das Solsystem. Doch später ergab sich die Chance, im Kepler-Komplex zu arbeiten. Alleine der Name zog ihn an. Als Anhänger des Techno-Mahdis machte er dort die Bekanntschaft von Adam von Aures, mit dem er den Plan eines gigantischen Täuschungsmanövers ausarbeitete und nach jahrelanger Vorbereitung in die Tat umsetzte.
Am 4. April 1552 NGZ treffen Reginald Bull, Toio Zindher, Shinae und Icho Tolot per Transmitter am Neo-Ganymed ein. Genauer gesagt im Kastell, einer Geheimstation der Society of Absent Friends, wo sie bereits von Homer G. Adams erwartet werden. Der Unsterbliche unterrichtet die Ankömmlinge darüber, dass die Aktionen des Techno-Mahdis von Galileo City aus gestartet wurden. Damit steht das Ziel von Bull fest. Von Adams ausgerüstet, geht er zusammen mit seiner Frau und dem Haluter nach Galileo City. Adams gibt ihnen zwei Roboter mit. Einen Roboter vom Typ SHAKTI und einen anderen, der einen Klein-Transmitter in sich trägt und daher Huckepack genannt wird.
Derweil haben sich die anderen führenden Köpfe der Verschwörung nach Terra begeben. Jano Vrinkstetter wäre gerne auf Titan geblieben, aber nun in der Logo-Oase Shonaar auf Terra, 340 km von Terrania entfernt, ist er am Brennpunkt des Geschehens. Er ist dabei, als die GOS’TUSSAN II am Rande des Solsystems erscheint und Adam von Aures Kontakt zu Bostich aufnimmt. Der Ex-Imperator ist kaum noch als Arkonide zu erkennen. Zwei glühend rote Augen beherrschen sein Gesicht und ihm scheint ein drittes Auge auf der Stirn zu wachsen. Adam von Aures geht mit einem kleinen Team, darunter Jano Vrinkstetter, per Transmitter auf Bostichs Schiff. Die Oberflächenaufbauten sind z.T. zerstört. Vrinkstetter vermutet gegenüber Bostich, dass sich dort Haluter ausgetobt haben, die hoffen, den Ausbruch der Haluterpest durch Strukturumwandlung und Drangwäsche zu verzögern. Bostich bestätigt das. Der Ex-Imperator soll helfen, den Unsterblichen Reginald Bull auszuschalten. Im Gegenzug verspricht ihm Adam von Aures ein Heilmittel gegen die Krankheit der Haluter. Zumindest stehen die Chancen gut, ein solches zu entwickeln. Bostich bringt die Anklage der Atopischen Richter ins Spiel. Wenn er und der Adaurest zusammen seien, fehlt nur noch Perry Rhodan, der glücklicherweise auf Reisen ist. Denn diese drei würden den Weltenbrand auslösen. Allerdings weiß Bostich nichts von Enklaven-Rhodan.
Adam von Aures verspricht Bostich eine sichere Passage nach Terra. Angebliches Ziel soll Neu-Atlantis sein, das viele ausgewanderte Arkoniden beherbergt. Nach Plan der Techno-Mahdisten soll Bostich angeben, zu deren Schutz gekommen zu sein. Die Regierung der LFG, die mehr und mehr die Auswirkungen des Virus abschütteln kann, wird Bostichs Ansinnen zurückweisen. Der wird sich daraufhin zum Jupiter zurückziehen und damit in die Nähe von Neo-Ganymed. Adam von Aures erwartet dort Reginald Bull, wenn er nicht bereits dort ist. Der Plan geht auf. Die GOS’TUSSAN II beugt sich dem „Druck“ und weicht zurück.
Bull und seine Begleiter sind inzwischen getarnt in Galileo City eingesickert. Obwohl auch dort noch das Täuschungsmanöver läuft, das eine Invasion Außerirdischer vorgaukelt, gehen die Einwohner gelassen mit der Situation um. Die Gruppe kann mehrere Techno-Mahdisten identifizieren. Caprice Noopila wird als diejenige ausgemacht, die wohl das das Design der Xumushan entwickelte. Und auch Colin Heyday wird demaskiert. Reginald Bull dringt in die Schaltzentrale des Kepler-Komplexes vor und trifft dort auf Heyday. Toio Zindher erkennt, dass der Mann von seinem Handeln zutiefst überzeugt ist. Er will die Simulation, trotz Bulls Aufforderung, nicht abbrechen. Die Vitaltelepathin erkennt auch Bostich, der per Transmitter eintrifft. Nur kurze Zeit später stehen sich zwei kampfbereite Teams gegenüber, denn Bostich hat Kampfroboter und vier Haluter mitgebracht. Zunächst kommt es jedoch nur zu einem verbalen Schlagabtausch. Heyday, der durch die Präsenz der anderen immer mehr in den Hintergrund gedrängt wurde, sieht sich und sein Werk nicht gewürdigt. Er bedroht alle mit einer Neuroschockstrahlung, die er freisetzen wird. Bostich reagiert als erster und dann bricht doch noch ein Kampf aus. Heyday stirbt und Bulls Team kann mit dem mobilen Transmitter entkommen.
Im Kastell wird schnell deutlich, dass durch den Tod Heydays und dem Chaos in seiner Zentrale die Simulation im gesamten Solsystem beendet wurde. Die Situation normalisiert sich. Die schlechte Nachricht ist, dass der Techno-Mahdi im Schatten der Simulation die Kontrolle über den TERRANOVA-Schirm erlangt hat. Der hüllt inzwischen das Solsystem ein. Niemand kommt herein und niemand hinaus. Auf der Erde klatschen sich die Techno-Mahdisten ab. Projekt Genesis kann nun entscheidend vorangebracht werden.
Vor dem Solsystem erscheint die RAS TSCHUBAI mit Perry Rhodan. Das Riesenschiff kommt etwas zu spät.

 

Rezension:
Leo Lukas macht einen ungewöhnlichen Einstieg in seinen Roman. Während ich eine knallharte Eskalation in der Fortsetzung der Okkupation des Solsystems durch den Techno-Mahdi erwartete, wirft der Autor einen verlegenen Blick auf zwei junge Menschen des 52. Jahrhunderts, die sich zu einem Date treffen. Der Mann, der als erstes seine Lebensgeschichte preisgab, wird von Leo Lukas im launigen Stil präsentiert und so geriet der eher unverfängliche Einstieg zu einer willkommenen Abwechslung der für mich ungeliebten Hauptstory. Die Figur, die er hier näher charakterisiert, ist Colin Heyday, der spätere Leiter des Kepler-Komplexes. Und die Verknüpfungen des Wissenschaftlers zu Johannes Kepler, die Leo Lukas hier zeichnet, sind kurzweilig und haben eine andere Note, als die Darstellungen Heydays in den beiden Romanen zuvor.
Etwas störend wirkten die im Glossar-Stil gehaltenen Erläuterungen. Während der Baufortschritt Neo-Ganymeds informativ war, sorgten Begriffsbestimmungen wie etwa zu Tolots zwei Gehirnen und andere Einwürfe für eine Unterbrechung des Leseflusses. Und auch im weiteren Verlauf seiner Geschichte greift Leo Lukas zu etlichen, aus meiner Sicht überflüssigen, Lexikoneinträgen. Das ist etwas untypisch für den Autor.
Nichtsdestotrotz bot der Roman kurzweilige Unterhaltung. Das Hauptthema, nämlich das Invasionsszenario des Techno-Mahdis, wird natürlich weiter fortgesetzt. Diese Story konnte mich in den zwei vorangegangenen Romanen nicht überzeugen. Zu sehr war vieles an den Haaren herbeigezogen. Zu häufig wurden etablierte Strukturen und Handlungen, die man als Leser erwartet, der Dramaturgie geopfert. Und Leo Lukas kann das Szenario, auf dem seine Geschichte aufbaut, gewiss nicht wegschreiben. Allerdings bringt er Humor in die Geschichte. Die beiden Roboter, der Lebenslauf Heydays, der immer wieder Parallelen zum Leben Keplers aufweist und eine schnörkellose Handlung der Figuren, drängten die wenig plausibel erscheinende Rahmenhandlung in den Hintergrund.
Sollte aber irgendwann das angesprochene Projekt Genesis aus diesem Szenario der drei Romane heraus eine größere Bedeutung erlangen, dann war der Grundstein, der dazu mit den letzten drei Geschichten gelegt wurde, nicht gerade überzeugend.

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2960

Hetzjagd auf Bull – von Hubert Haensel – Handlung:
Nachdem der Techno-Mahdi für die Menschen im Solsystem ein gigantisches Täuschungsmanöver gestartet hat, soll nun bald der nächste Schritt folgen. Mit dem Projekt Genesis soll die Menschheit vor den Zugriffen von Superintelligenzen geschützt werden. Adam von Aures rechnet damit, dass die Macht im Solsystem bald auf den Wohlfahrtsrat übergeht, dessen Mitglieder überwiegend Techno-Mahdisten sind. Doch zunächst müssen die drei im Solsystem befindlichen Zellaktivatorträger ausgeschaltet werden.
Einer ist Reginald Bull. Dario Bechtil hat den Unsterblichen nach Hause gebracht. Toio Zindher und Shinae schlafen, während Icho Tolot das Anwesen bewacht. Die Hauspositronik LESLY zeigt zunächst keine Ausfälle. Doch plötzlich greift ein TARA-Kampfroboter das Haus an. Bull, Zindher und Tolot können die Maschine zerstören. Später zeigen sich bei LESLY erste Ausfälle. Die Positronik reagiert nur langsam und Bull versetzt sie in den Diagnosemodus. Dadurch kann das Haus noch weniger geschützt werden. Erneut dringt ein TARA in das Haus ein. Wieder gelingt es nur mit vereinten Kräften, die Maschine auszuschalten. Toio Zindher wird verletzt und zudem paralysiert. Bull baut einen Gleiter auf Handsteuerung um. Erneut bekommt das Haus Besuch. Es ist eine Frau, die sich als Famke Bach vorstellt und die behauptet, von Homer G. Adams geschickt worden zu sein. Bzw. von den Society of Absent Friends. Bull testet sie. Famke hält ein paar Geschichten parat, die nur die beiden Unsterblichen wissen können. Sie brechen mit zwei Gleitern zum Landsitz von Adams auf.
Es erfolgt ein Rückblick auf die Aktivitäten des Techno-Mahdi in der Vergangenheit. Ausgangspunkt der Verschwörung ist der Jupiter-Mond Neu-Ganymed. Dort ist Colin Heyday im Kepler-Komplex tätig. Der Positroniker macht die Bekanntschaft des Genetikers Hank. Für eine kleine Revanche hackt Colin Heyday einige positronische Systeme im Labor des Genetikers. Er hinterlässt keine Spuren. Dennoch, nur kurze Zeit später bekommt Colin Heyday Besuch. Der Fremde stellt sich als Adam von Aures vor. Er ist von Colins Fähigkeiten beeindruckt. Die beiden treffen sich häufiger. Colin wirft eine Idee ein, die ihm schon länger durch den Kopf spuckt. Verändert eine Invasion die vorherrschende Moral? Der Grundgedanke wird von beiden beständig ausgebaut. Die Massenpsychologin Caprice Noopila stößt zum Team, später der führende Positroniker Tango Burosch und die Strategietheoretikerin Truc Moretti. Sie bilden das Kern-Team, das über viele Jahre ein absolut perfektes Invasionsszenario kreiert, das die Menschheit erschrecken und aufrütteln soll. Wenn die Simulation Erfolg hat, soll die Zeit der Technokraten anbrechen.
Wieder in der aktuellen Zeit startet Adam von Aures einen Angriff auf das Anwesen von Homer G. Adams in der Grafschaft Kent. Er wird von Tango Burosch und etlichen Kampfrobotern begleitet. Tango sieht erstmals, wie Adam Nanogenten einsetzt, die die diversen Sicherheitssysteme des Unsterblichen außer Kraft setzen. Doch der Aktivatorträger hat sich abgesetzt. Adam von Aures rekonstruiert eine Aufzeichnung, die besagt, dass Bull mit seiner Familie und Tolot hierherkommen soll. Die Techno-Mahdisten legen sich auf die Lauer.
Der Flug von Bull und seinen Begleitern wird mehrmals unterbrochen. Auf die Hilfe der speziellen Fähigkeiten von Toio Zindher muss der Unsterbliche zunächst verzichten. Die Psi-Gabe der Vitaltelepathie wird durch die Verletzung behindert und kehrt nur langsam zurück. In Homers Haus werden sie bereits von Adam von Aures erwartet und angegriffen. Doch nun zeigt sich, dass Homer noch ein paar Tricks parat hat. Famke Bach entpuppt sich als Roboter, die Adam von Aures hart zusetzt. Mit einem Datenkristall können Bull und seine Begleiter entkommen. Ein Raumschiff steht bereit, das sie von der Erde wegbringt. Per Transmitter gelangen sie nach Neo-Ganymed, wo Homer sie erwarten will. Danach explodiert das Schiff.
Adam von Aures musste einen Rückschlag hinnehmen. Und er hat die Spur der Aktivatorträger verloren. Er erhofft sich nun Hilfe von Bostich. Der Arkonide soll ihm helfen Bull zu fangen. Und als Lockmittel will Adam von Aures etwas für die Freunde Bostichs anbieten. Er hat möglicherweise ein Heilmittel für die Haluter.

 

Rezension:
In diesem Heft von Hubert Haensel sind sie mal wieder zu lesen. Die Losungen des Techno-Mahdis. Dazu fällt mir auch ein Merksatz ein: Ein Zyklus ist dann zu Ende, wenn das letzte Heft dazu erschienen ist. In der Regel ist dann auch zur Hauptstory ein, wie auch immer gearteter, Abschluss erreicht. Es fehlen noch 40 Bausteine zu dieser Hauptstory und somit noch 40 ungeschriebene Geschichten. Gerade bei diesem Roman von Hubert Haensel frage ich mich allerdings, ob die ausstehenden Geschichten es generell schaffen, rückwirkend diesem Baustein einen Sinn zu geben. Zu verworren präsentiert sich der vorliegende Roman für meinen Geschmack. Er setzt da an, wo der Roman der Vorwoche endete. Dem Plot konnte ich nicht allzu viel abgewinnen. Aber immerhin war der Invasionsplot doch ein wenig anders gestaltet. Letzte Woche half diese Andersartigkeit noch über so manche Schwäche der Geschichte hinweg.
In den Schilderungen Hubert Haensels zum aktuellen Geschehen und zum Langzeitplan der Techno-Mahdisten blieb jedoch genügend Leer-Raum, um sich Gedanken zum Grundgerüst der Geschichte zu machen. Was die Darstellung positronischer Systeme, deren Vernetzung oder Abschottung gegen Manipulation betrifft, bewegt sich die Serie (nicht ganz unerwartet) weiter auf niedrigsten Niveau. Eine durchdachte Fortentwicklung heutiger Computersysteme in die Zukunft findet de Facto nicht statt. Das Szenario wird vollständig der Dramaturgie geopfert. Dem Autor ist die Schwäche seines Plots keineswegs entgangen. Er stellt die absurde Überlegung nach Elektronenrechnern an. Das ist schräg! Außerdem spricht er von einer satten, einer trägen Menschheit. Schon merkwürdig. In den 500 Heften zuvor konnte ich davon nichts lesen. Wenn man die Ziele des Techno-Mahdis wirklich von Autorenseite unterstützt haben möchte, dann hätte man früher damit anfangen müssen, der Menschheit die Schwäche zuzuschreiben, die sie momentan zeigt. Oder zeigen soll. Dass das Solsystem von tausenden außerirdischer Raumschiffe besucht wird, blendet der Plot ebenfalls vollständig aus. Deren Positroniken/Computer können nicht befallen sein. Langzeitplan hin oder her. Die Story steht auf schwachen Füßen. Umso mehr wäre es erforderlich gewesen, mit ein oder zwei anderen Handlungsebenen abzulenken.
Diese Handlungsebenen gibt es. Doch ich wurde mit ihnen nicht warm. Die Handlungen der Akteure gehen seltsame Wege. Bull wird verfolgt, mehrmals von TARAS angegriffen und gönnt sich daraufhin eine Dusche und eine gepflegte Unterhaltung über Haustiere mit seiner Frau, während das Töchterchen mit eben jenem Haustier spielt. Toio Zindher scheint ebenfalls nicht gewillt, den seltsamen Ereignissen auf den Grund zu gehen. So muss sie erst von Bull darüber informiert werden, dass das alles gar keine Invasion ist. Und Tolot? Wird wie zumeist in diesem Zyklus als Kindermädchen eingesetzt.
Selbst nach dem dritten Angriff (Bull im Park und zweimal im Haus) bleiben Reaktionen der beiden Unsterblichen aus. Tolot hütet weiterhin das Haus, ungeachtet der Tatsache, dass er zwei Mal das Eindringen von Robotern nicht verhindern konnte und Bull schickt die Tochter ins Bett, was auch nicht geklappt hat und sie zuvor in Gefahr brachte. Dabei lässt der Autor den Terraner unablässig Gedanken wälzen. Allerdings sind sie meist rückwärts gerichtet. Die Flucht von Reginald Bull, die Täuschungen, die Holos, seine Eindrücke, die abhanden gekommene Begleiterin, der „passende“ Ausfall von Toios Fähigkeit. Das war alles so holprig geschrieben, dass ich froh war, endlich „durch“ gewesen zu sein. Eine dürftige Darstellung Reginald Bulls, die ich da durch Hubert Haensel erleben musste.
Es gab nur eine Textpassage, die mir auf Anhieb zusagte. Die Techno-Mahdisten hoffen, dass die Zeit der Technokraten kommt. Sollte das tatsächlich so kommen, dass die Technik der Terraner einen Aufschwung nimmt, hätte ich einen kleinen Tipp parat. Baut als erstes bessere Computer!

Ansichten zu Perry Rhodan Heft 2959

Der Flügelschlag des Schmetterlings – von Oliver Fröhlich – Handlung:
Im Solsystem schreibt man den 31. März 1552 NGZ. Auf dem Titan ist der Mediker Jano Vrinkstetter mit seiner augenblicklichen Situation unzufrieden. Seit zwei Monaten sitzt er mehr oder weniger tatenlos herum und beaufsichtigt den im Koma liegenden Perry Rhodan. Vrinkstetter ist Mitglied des Techno-Mahdi und über die Herkunft des 2. Rhodan informiert. Während jedoch seine Kollegen an der Biophore-Forschung beteiligt sind, kann Vrinkstetter kaum etwas tun. Er beobachtet das Treiben in Los 107, einer öffentlichen Logo-Oase des Techno-Mahdis, als Adam von Aures und Colin Heyday das Labor mit Rhodan betreten. Heyday ist der Chefwissenschaftler des Kepler-Komplexes in Galileo-City und eigens vom Ganymed zum Titan gereist, um Rhodan zu sehen. Jene Version, die Adam aus der Enklave von Wanderer herausholte. Adam von Aures bittet Vrinkstetter, weiterhin als Aufpasser für Rhodan zu dienen. Im Gegenzug bekommt er alle Aktionen des Techno-Mahdis mit. Denn die sind dabei, Geschichte zu schreiben. Der Mediker willigt ein und wird Zeuge, wie die Invasion beginnt.
Auf Terra wird Reginald Bull zum Residenten Hekéner Sharoun gerufen. Er soll sich beeilen und nicht den Transmitter benutzen. Der Unsterbliche wird vom Residenten und vom Positronikspezialist Modij Garuu empfangen. In den vergangenen acht Stunden hat sich die Zahl von Fehlfunktionen in positronisch gesteuerten Geräten signifikant erhöht. Noch sind keine Menschen ernsthaft zu Schaden gekommen, aber die Situation scheint zu eskalieren. Die Positronikspezialistin Hantje Deboum vermutet anhand des Verbreitungsmusters in den Systemen einen Virus. Und der Virus kommt nicht von Außerhalb. Ein Insider muss ihn eingeschleust haben. Nun wird auch noch Raumalarm gegeben. Am Rande des Solsystems ist ein unbekanntes Raumschiff aufgetaucht. Es lässt sich nur schwer orten und antwortet nicht auf Funkanrufe. Zudem scheint sich das Schiff teilen zu können. Plötzlich sind es zwei. Hekéner Sharoun stellt den Fremden ein Ultimatum. Die Ausfälle in positronischen Systemen fordern ein erstes Todesopfer.
Ebenfalls zur gleichen Zeit geht Dario Bechtil seiner Arbeit in der Wetterkontrollstation von Terrania nach. Die Aufgabe des schweigsamen Klimaadapters ist es, das von NATHAN beeinflusste Wetter zu überwachen und in Notfällen einzugreifen. Trotz positronischer Steuerung gibt es immer noch Situation, in denen Menschen mit dem besonderen Blick für das Wetter eingreifen müssen. Und Dario sieht Muster, wo andere nur Chaos erkennen. Während seiner Schicht kommt es tatsächlich zu einem Fall, wo sein Eingreifen notwendig wird. Eigenartig ist, dass NATHAN seine Eingaben erst nach geraumer Zeit akzeptiert.
In der Solaren Residenz kann das Störprogramm isoliert werden und die Zahl der Störungen geht zurück. Von den fremden Raumschiffen geht ein Funkspruch ein. Ein spinnenartiges Wesen vom Volk der Xumushan, das bei allen Betrachtern kreatürliche Angst hervorruft, nimmt das Solsystem im Namen der Yalo XUDDUN in Schutzgewahrsam. XUDDUN tritt das Erbe von ES an. Inzwischen sind es 17 Schiffe, die Kurs auf Terra nehmen. Sharoun lässt das Feuer eröffnen. Aufgrund der beeinträchtigten Ortung haben die terranischen Schiffe das Nachsehen. Und auch die Kommunikation ist inzwischen gestört. Der Virus und seine Behebung waren nur als Ablenkungsmanöver gedacht. Auf Terra wird es ungemütlich. Die fremden Insektoidenraumer erreichen den Planeten und schleusen kleinere Einheiten aus, die auf Terra herabregnen. Die Fremden schießen terranische Gleiter ab und die Menschen suchen Schutz in den Kellern. Die Solare Residenz ist isoliert. Bull schnappt sich einen Gleiter, um zu seiner Familie zu fliegen. Im Chaos des Wetters und verfolgt von den Insektoiden stürzt Bulls Gleiter ab. Bevor der Unsterbliche das Bewusstsein verliert, sieht er zwei der grauenvollen Fremden auf sich zukommen.
Dario Bechtil, der Mann mit dem besonderen Blick, macht eine Entdeckung. Er hat Aufzeichnungen explodierender Gleiter und der fremden Invasoren studiert. Und bemerkt, dass es immer wieder die gleichen Szenen sind. Es sind Täuschungen, die den Eindruck erwecken sollen, überall findet eine Invasion statt. Tatsächlich passiert gar nichts. Nur das Wetter spielt weiter verrückt. Der Klimaadapter macht sich auf den Weg zu seinem Sohn.
Auf Titan wird Vrinkstetter Zeuge der Ereignisse. Ihm ist unwohl, als es Todesopfer gibt. Aber er erhält Einblicke in das Geschehen und erfährt, dass alles nur eine große Täuschung ist. Colin Heyday hat den Virus geschaffen, die Simulation und die Choreografie. Caprice Noopila hat die Xumushan programmiert. Die Inszenierung ist über viele Jahre vorbereitet worden. Den Menschen soll gezeigt werden, was auf sie zukommen kann.
Unterwegs findet Bechtil den verunglückten Reginald Bull und nimmt ihn mit. Über die Medien wird die Botschaft eines gewissen Burosch ausgestrahlt. Der Mann verbreitet das Schreckensszenario einer Übernahme der Macht durch eine fremde Superintelligenz. Und dass der Techno-Mahdi seit Jahren davor gewarnt hatte. Er behauptet, dass die Xumushan die Regierung in ihrer Gewalt hätten. Und nur der Techno-Mahdi leistet noch Widerstand.
Auf Titan ist Jano Vrinkstetter etwas unwohl, als Tango Burosch das Labor betritt und Adam von Aures den nächsten Schritt ankündigt.
Rezension:
Nach einer längeren Pause trägt Oliver Fröhlich wieder einen Baustein zum aktuellen Zyklus bei. Und das Thema dreht sich um die Invasion des Solsystems. Ich gestehe, ich habe beim Blick auf den Untertitel etwas gequält die Augen verdreht. Ich führe zwar keine Strichliste, aber hier wurde sicherlich die gefühlt 100ste Invasion der Heimat der Menschen angekündigt.
Somit lagen für mich keine guten Voraussetzungen für ein ungetrübtes Lesevergnügen vor. Zumindest war ich gespannt, ob der Autor „dieser“ Invasion eine eigene, eine besondere Note geben konnte. Doch zunächst führte Oliver Fröhlich den Mediker Jano Vrinkstetter ein, der sogleich einen Blick aus dem Fenster der Forschungseinrichtung auf Saturn warf. Ich hingegen warf einen Blick auf den unendlich langen Satz, den der Autor zur Wiedergabe von Vrinkstetters Eindrücken benutzte. So lange Sätze liest man selten bei PR. Und mir gefallen lange Sätze. Pluspunkt für den Autor.
Der Autor beschreibt die Invasion aus der Sicht dreier sehr unterschiedlicher Personen. Mit Reginald Bull bekommen wir die Sicht eines Unsterblichen auf die Dinge. Mit Jano Vrinkstetter bekommen wir Erkenntnisse aus erster Hand der Techno-Mahdi. Und mit Dario Bechtil erhalten wir einen Blickwinkel des Menschen von der Straße. Die Bull-Ebene wird von Oliver Fröhlich nicht chronologisch aufeinanderfolgend geschrieben. Er springt ein oder zwei Tage vor und zurück. Normalerweise lockert eine solche „Wie-konnte-es-soweit-kommen“-Sequenz einen Roman schon mal auf. Man bekommt eine Situation, die sich entwickelt und anschließend eine Situation, die durch noch weitere unbekannte Ereignisse offenkundig eskaliert ist. Genau die Begebenheiten, die fehlen, will man als Leser dann schnell erfahren und „bleibt dran“ am Stoff. Bei mir hat das nicht ganz so funktioniert. Ich empfand es etwas holprig.
Holprig ist auch ein gutes Stichwort für die Handlungsebene Titan. Auf der einen Seite gewährt uns die dortige Handlung einen Einblick in die Strukturen des Techno-Mahdis. Auf der anderen Seite erhält man als Leser einen Wissensvorsprung vor den anderen Handlungsebenen. Denn die Komödie im Krankenzimmer von Enklaven-Rhodan war ein wenig zu offensichtlich als Element der Leserinformation platziert worden.
Und gerade diese Ebene lässt mich etwas ratlos zurück. „Technik ist Erlösung“, so eine der Losungen der Anhänger. Und nun wird den Menschen vorgeführt, wie anfällig die Technik sein kann. Die Sammlung von Ereignissen, die sich weltweit ereigneten macht deutlich, wie abhängig der Mensch von der Technik inzwischen geworden ist. Interessanterweise war darunter kein Fall, der nicht auch in unserer realen Welt auftreten könnte. Und obwohl die Ausfälle der Positroniken sogar Menschleben forderten, empfand ich die Fälle zu keiner Zeit als Bedrohung, teilweise waren sie sogar komisch. Aber wie passt das zu den Losungen? Welche Ziele verfolgt der Techno-Mahdi? Nach vielen Jahren der Vorbereitung wird den Menschen die eigene Verletzlichkeit vor Augen geführt. Und wenn es die Absicht der Techno-Mahdi sein sollte, etwas im kollektiven Bewusstsein der Menschheit zu platzieren, dann ist das Mittel, das hier angewandt wird, denkbar schlecht aufgezogen. Denn der Techno-Mahdi propagiert ja, dass die Technik die Erlösung bringen soll.
In der Solaren Residenz macht sich ein wenig Hilflosigkeit breit. Wie immer, wenn binnen Stunden flächenmäßig alles ausfällt, warte ich als Leser auf die Notfallpläne der Invasionsverwöhnten Terraner. Aber die tun jedes Mal so, als wären sie von allen guten Geistern verlassen. Die Einfachheit, mit der systemweit positronische Systeme infiltriert werden können, wird trotz der Erklärung, die Viren wurden von Insidern eingeschleust, nicht plausibel.
Bevor ich mir dazu allerdings zu viele Gedanken machen konnte, entwickelte sich die Geschichte in eine andere Richtung. Es war gar keine Invasion, sondern eine Verschwörung von Innen. Die noch dazu von Spitzenwissenschaftlern ausgeführt wird. Und meine eingangs gestellte Frage, ob Oliver Fröhlich dem Invasionsplot eine besondere Note geben könne, wurde beantwortet. Es war tatsächlich mal was anderes.