Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 05

Der violette Tod – von Bernd Perplies
Die SOL ist nach wie vor im Sphärenlabyrinth unterwegs. Zusammen mit A-Kuatond, Roi Danton und Tess Qumisha schmiedet Perry Rhodan einen Plan. Um hinter die Aktivitäten der Stimme BARILS zu kommen, will der Unsterbliche zusammen mit der Zentrifaal den Diplomaten der Ritter, Semmaru, aufsuchen. Schließlich hatte Perry Rhodan von ihm die Koordinaten des Sphärenlabyrinths erhalten, bzw. erbeutet. Vielleicht weiß der Ritter noch mehr. Roi Danton hingegen will innerhalb der Nebelzone bleiben. Er schleust mit der CALAMAR aus und sucht nach TRAITOR-Standorten, um diese zu infiltrieren.
Die SOL geht nach Verlassen der Nebelzone sofort in den Hypertaktmodus. So hofft man, dass Haldukass das Schiff nicht bemerkt hat. Auf den Rückflug nach Kessaila erhält die SOL die Order, sich zum Planeten Praraytiap zu begeben. Dort ist eine zeitkritische Mission zu unterstützen. Es ist ausgerechnet Semmaru, der hier um Hilfe bittet.
Eine bessere Gelegenheit als diese, lassen sich Perry Rhodan und A-Kuatond natürlich nicht entgehen. Bei Praraytiap eingetroffen, erkennt Perry Rhodan mit Entsetzen, dass auf dem Planeten ein Erntevorgang des Ritters läuft. Semmarus Handeln dient angeblich der Rettung der Planetenbewohner, die an einer Seuche sterben. Rhodan setzt die Hilfsmittel der SOL ein, um den Bewohnern zu helfen. Gleichzeitig begibt er sich auf das Schiff von Semmaru. A-Kuatond begleitet ihn. Sie wollen Informationen erhalten. Während auf dem Planeten die Situation dramatisch wird und auch die SOL gefährdet ist, geraten Perry Rhodan und die Ritterin auf dem Schiff des Diplomaten ebenfalls in Gefahr. Doch nichts ist so wie es scheint. Und der Diplomat im Dienste BARILS hat eine äußerst zweifelhafte Moral.
 
Bernd Perplies steigt mit dem klassischen Szenario einer vertauschten Chronologie in seinen Roman ein. Er schildert ein Ereignis am 25. November an Bord der SOL, und versieht dieses 1. Kapitel mit einem aufschreckenden Ende. Zwei, eigentlich resolute, Besatzungsmitglieder der SOL stehen sich mit tödlichen Waffen gegenüber. Und nun will der Leser wissen, wie es dazu kommen konnte. Dementsprechend springt der Autor ab dem 2. Kapitel vier Tage in die Vergangenheit und schildert die Begebenheiten, die zu dem im Auftakt geschilderten Ereignis führen. Mich hat natürlich eher die Nennung des Namens Mahlia Meyun erschreckt, als die geschilderte Begebenheit an sich. Und weckte irrationale Ängste in mir, da ich mit dieser Figur seit der ersten SOL-Miniserie auf Kriegsfuß stehe. Soviel sei hier schon verraten, dass mich Bernd Perplies mit den weiteren Schilderungen dieser Figur mehr als nur positiv überraschte.
Im zweiten Kapitel macht der Autor Bestandsaufnahme. Geraten diese zuweilen langweilig, kann mich Bernd Perplies auch hier begeistern. Fast schien es mir, als würde ich die Serie und die bisherigen Abläufe erst jetzt richtig verstehen. Außerdem geht der Autor auf die Standardmotive von Schauergeschichten ein, um den gegenwärtigen Standort der SOL zu beschreiben. Diesen literarischen Gegenstand verknüpft er geschickt mit der Situation, in der sich Perry Rhodan mit der SOL aktuell befindet. Und erzeugt mit dieser Brücke mehr Emotionen bei mir, als die beiden vorangegangenen Romane zusammen. Endlich mal ein geschicktes und nachvollziehbares Einfangen von Situationsbeschreibungen und den Emotionen der Figuren darauf. Dementsprechend gelang auch der Brückenschlag zu mir, dem Leser. Dieser Stil, den hier der Autor pflegte, gefiel mir sehr gut.
Auch stilistisch setzt der Autor den einen oder anderen Akzent. Beispielsweise wenn er von der SOL als dem „legendären, in sein goldenes Kleid aus Solonium gehüllten Fernraumschiff der Terraner“ spricht. Die Beschreibungen auf dem Planeten und an den diversen Handlungsorten gerieten ebenfalls nach meinem Geschmack. Mit wenigen Worten schafft der Autor bleibende Eindrücke. Auch die Figurendarstellungen waren gefälliger als in den Romanen zuvor. Die Figur des Perry Rhodan wirkt gelassener als noch in den Beschreibungen der anderen SOL-Romane dieser 2. Serie. Bernd Perplies lässt bei seiner Figur unaufgeregte Emotionen und Überlegungen zu. Sein Perry Rhodan reagiert planvoll und nicht so hektisch. Er ist sarkastisch und hat einige trockene Antworten parat.
Etwas irritierend war der Auftakt zur Hilfe, der die SOL nach Praraytiap bringt. Semmaru fordert explizit die SOL und A-Kuatond an. Die Ritterin freut sich diebisch auf Semmarus Reaktion, wenn sie eintrifft. Und schließlich wundert sich Semmaru, dass A-Kuatond seinem Hilferuf gefolgt ist. Das passte nicht zusammen. Und auch beim Lügendetektortest geht es ein bisschen schnell. Zumindest eine Lüge hätte Perry Rhodan machen müssen, damit Semmaru vom Funktionieren des Geräts ausgehen kann. So aber verkündet Perry Rhodan bei drei Fragen, drei Mal die Wahrheit. Woher will dann der Diplomat wissen, dass der Orbiter nicht lügt?
Aber das sind nur Kleinigkeiten. Die Geschichte überzeugte mich insgesamt. Sie war rund, die Dialoge stimmten und sie hatte Wendungen. Mit dem Thema einer Virusinfektion schien der Exposé-Autor Kai Hirdt in Corona-Zeiten nicht glücklich zu sein. In sozialen Medien bezog er schon vor dem Erscheinen des Romans Stellung. Das Thema des Romans stand lange fest, bevor irgendjemand was von Covid-19 gehört hatte. Man habe sich keinesfalls auf den Sensationszug gesetzt. Mir persönlich wäre das egal. Ich finde SF schon alleine deshalb reizvoll, wenn aktuelle Themen in die Zukunft projiziert werden. Wenn ich es mir recht überlege, ist es sogar die Aufgabe der SF, dies zu tun. Und diese Aufgabe hat Bernd Perplies wunderbar erledigt. Der bislang beste Roman in dieser Reihe!
 

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 04

Im Sphärenlabyrinth – von Hermann Ritter
Roi Danton hat mit seinem Team die Skapalm-Bank GRAGRYLO gekapert. Er tritt als Kalbaron auf und fordert Gehorsam von den Kolonnen-Anatomen. Der Nachfolger Krefferks, der bisherige Stellvertreter Rannkfarr, kooperiert notgedrungen mit dem Terraner. Denn Danton hat das Schiff in die Nebelzone gesteuert. Und findet nicht wieder hinaus. Obwohl die Zone nur 1500 Kilometer durchmisst, scheinen sie darin gefangen zu sein.
An Bord der SOL hat unterdessen A-Kuatond die Expeditionsleitung übernommen, mit Perry Rhodan als ihren Vertreter und Orbiter. Tess Qumisha versteht die Welt nicht mehr. Die von der Ritterin stets vorgetragenen Phrasen über BARIL gehen ihr auf die Nerven. Außerdem hat die Ritterin ihre Schlachtspitze dezentralisiert in die SOL integriert. Sollte A-Kuatond etwas zustoßen, wird der Hantelraumer vernichtet. Da empfängt Perry Rhodan einen Notruf seines Sohnes und die SOL bricht zur Rettungsmission auf. A-Kuatond ist überrascht, denn sie kennt das Zielsystem nicht.
In der Nebelzone lässt Danton eine Kompantin an das Steuer. Das Wesen kann die Wege innerhalb der Nebelzone lesen. Es erscheint ihr als gigantisches Labyrinth aus Kugeln, die allesamt einen Durchmesser von 1126 Kilometern haben und ineinander verschränkt sind. Die Kompantin findet zwar einen Weg nach draußen, es ist jedoch der Ausgang in ein anderes Universum. Den Weg zurück ins angestammte Universum kann sie nicht finden.
Die SOL ist vor Ort eingetroffen und die Stimme BARILS weist ihr einen Auftrag zu. Der Eindringling in der Nebelzone soll ausfindig gemacht werden. Mit einem Kompanten, der an Bord kommt, dringt die SOL in das Sphärenlabyrinth ein. Der Kompant stirbt jedoch unerwartet und die SOL sitzt fest. Tess Qumisha bekommt vom Kuum eine Warnung, dass da draußen etwas schläft. An Bord der SOL kommt es zu Explosionen. Meuterer fordern die Schiffsführung heraus. Perry Rhodan muss in dem Chaos seinen Sohn finden und klären wie sie das Sphärenlabyrinth verlassen können.
 
Der Roman von Hermann Ritter führt die Figuren Roi Danton und Perry Rhodan wieder zusammen. Beide sind ins Sphärenlabyrinth eingedrungen und haben an Bord ihrer jeweiligen Schiffe mit Problemen zu kämpfen. Obwohl die Beschreibungen der Nebelzone und die wenigen Daten darüber interessant sind, die „Kugeln“ haben die schon bekannte Dimension von 1126 Kilometer Durchmesser, sind die Schwierigkeiten der beiden Schiffe weniger auf den Einfluss der Nebelzone zurückzuführen. Zumindest anfänglich. Mit dem „Vielen Einen“ wird dann doch noch ein Konflikt von außen an eines der Schiffe herangeführt. Ansonsten kämpfen die Helden eher gegen ihre inneren Dämonen (Roi Danton) oder gegen die Ritterin BARILS (Perry Rhodan).
Autor Hermann Ritter lässt seinen Protagonisten Roi Danton zu Wort kommen. Genauer gesagt lässt uns der Autor dieser Figur über die Schulter schauen und auch manchmal in den Kopf. Der Einstieg ist eine Zusammenfassung der letzten Ereignisse. Zudem lässt der Autor seine Figur auch moralische Überlegungen anstellen. Einige sind nachvollziehbar, andere wirken befremdlich. Beispielsweise jene, in der Danton sich Gedanken macht, wie auf der Erde mit solchen Versuchen umgegangen würde, wie sie auf der Skapalm-Bank ablaufen. Dort werden 20.000 Lebewesen gezüchtet, um aus dieser Masse ein einziges Wesen zu selektieren, das in der Nebelzone als Navigator dienen kann. Die anderen 19.999 müssen sterben. Ich hatte nun erwartet, dass sich Roi Danton ohne Wenn und Aber von diesen unmenschlichen Experimenten distanziert. Der Roi Danton der Miniserie tut das jedoch nicht. In Bezug auf die Erde kommt er zu dem Schluss, dass man dort die Experimente „höchstwahrscheinlich“ eingestellt hätte, sobald klar geworden wäre, dass die Zahl der Toten in keinem Verhältnis zu den Erfolgschancen stehen würden. Mit dieser Einstellung gibt der Autor seiner Figur eine Hypothek mit, die mir Roi Danton zumindest auf den ersten Seiten nicht unbedingt sympathisch machte.
Allerdings mildert das Handeln Roi Dantons im weiteren Verlauf diese unglückliche Einstellung zum Romanbeginn. Ohne sie allerdings vollständig zu negieren. Als Danton einen Kompanten benötigt, um die Nebelzone zu verlassen, lässt er es zu, dass für eines der Wesen die Experimente zum Abschluss gebracht werden. Und äußert, in Gedanken, dass dies hoffentlich nicht umsonst war und sie nicht nur ein Monster geschaffen hätten. Die Kompantin hat merkwürdigerweise einen Namen. Für die Besatzung, wie auch für Rannkfarr, haben Namen für Kompanten keine Bedeutung. Es erstaunt daher, dass in der Datenbank ein Name eingetragen ist, als Danton danach fragt.
Wurde Roi Danton zuletzt aus der Perspektive eines anderen Besatzungsmitgliedes beobachtet, bzw. geschildert, bekommen wir als Leser nun endlich etwas mehr von diesem Unsterblichen zu lesen. Seine Gedanken, Gefühle und Pläne. Viel ist es nicht. Roi Danton beherrscht oberflächlich betrachtet die Situation. Seine Erfahrung mit TRAITOR erlaubt es ihm, sich zunächst an Bord der GRAGRYLO zu behaupten. Aber so, wie Hermann Ritter diese Figur schildert, geht kein echtes Vertrauen in diese Figur auf den Leser über. Der Autor verwendet Adjektive wie „entmutigt“ und „ungeduldig“ für Danton. Dazu gesellt sich der eingangs erwähnte ethische Konflikt, bei der die Figur nicht eindeutig Stellung bezieht. Und dann setzt der Autor seiner Figur gar Gedanken der Art „wie hätte Perry reagiert“ in den Kopf und geht kurz auf die Schwierigkeiten mit dem Vater in seiner Erwachsenenwerdung ein.
Die Figur Danton wird von Hermann Ritter (und auch anderen Autoren) eigentlich nur mit diesen beiden Aspekten charakterisiert oder vielmehr traktiert. Das sagt eigentlich alles. Es sagt vor allem, dass der Autor mit der Figur wenig anzufangen weiß. Gebt der Figur des Danton endlich ein Gesicht! Oder schreibt sie raus! Es ist langweilig, mit diesen ewig gleichen Platituden konfrontiert zu werden. Nachdem Roi Danton in diesem Roman einmal mehr blass blieb, setzte ich auf Perry Rhodan. Doch der Vater tat es seinen Sohn gleich. Die Figur konnte kaum Akzente setzen.
Der Einsatz der Nebenfiguren in diesem Roman muss auch angesprochen werden. Danton ist mit einem Team unterwegs. Drei Besatzungsmitglieder der SOL begleiten ihn. Die drei finden bis zur Halbzeit des Romans keine Erwähnung. Dann fallen ihre Namen und ein oder zwei Dialoge. Der Rest ist Schweigen. An Bord der SOL spielt Tess Qumisha die Rolle der Blitzableiterin. Wenn etwas nicht passt, dann kommentiert diese Figur die Situation und lässt ihren Emotionen freien Lauf. Aber sie ist auch Kommandantin. Sie sorgt sich um das Schiff und um die Solaner. Trotzdem stehen ihr ihre Emotionen im Weg. Beispielsweise dann, wenn sie durch das Schiff geht, um einen Besprechungsraum aufzusuchen. Sie geht den Zentrifaalrobotern aus dem Weg. Ein wirklich schwach ausgeprägtes Selbstbewusstsein für eine Kommandantin, wie es da geschildert wird.
Wie eingangs erwähnt kämpfen die Figuren eher gegen ihre inneren Dämonen als gegen einen Feind von außen oder von innen, wenn man die Ritterin oder Blitzer auf diese Stufe stellen möchte. Natürlich gibt es diese Bedrohungen, doch sie werden harmlos geschildert. Es wird zu keiner Zeit Spannung aufgebaut. Hatte sich Rhodan zuletzt noch mit der Ritterin schwer getan, sind die nun ein Herz und eine Seele. Na ja, bis zur aus heiteren Himmel kommenden Anweisung von A-Kuatond, doch nun bitteschön das Beiboot mit Roi Danton und den anderen an Bord abzuschießen. BARILS Wille geschehe!
Die Handlung spricht mich wenig an, weil ich einmal mehr mit den Figuren hadere. Und da die Handlung von schwachen Figuren getragen wird, kann auch das Geschehen um BARIL, die Ritter und andere Elemente mich nicht fesseln. In meiner Besprechung des Romans fühle ich mich unwohl. Die Miniserie unterscheidet sich doch erheblich vom gewohnten Bild der Serie. Bisher konnte ich keine „Handschrift“ erkennen, die die Miniserie zu etwas besonderen macht. Etwas Positives vermittelt. Beispielsweise etwas, was die Hauptserie nicht bietet, weil dort der Platz fehlt. Oder etwas ganz Neues, an dem die Miniserie sich erprobt. Die Figuren sind der Hauptunterschied. Sie haben nur den Namen mit den Bekannten gemeinsam. Der Rest ist nicht einfach anders, oder neu, oder breiter erzählt. Es ist einfach nur oberflächlicher. Suche ich das Haar in der Suppe? Ja, das tue ich. Es wird mir aber auch leicht gemacht. Denn da schwimmt leider nicht nur ein Haar in dieser Suppe, sondern deren viele. Ich möchte zu gerne die Serie um die SOL genießen, möchte etwas von dem Flair aufnehmen, das dieses Schiff umweht, wenn es in der EA geschildert wird. Doch die Romane dieser Miniserie zerstören den Mythos um das Schiff, statt ihn am Leben zu erhalten oder auszubauen. Die Figuren stehen sich selbst im Weg, die Emotionen sind sperrig und verhindern ein Eintauchen in die Handlung.

 

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL 2 Heft 03

Zielpunkt Nebelzone – von Olaf Brill
Während die SOL bei der Ritterwelt Kessaila verharrt, ist die CALAMAR, mit Roi Danton an Bord, unentdeckt geblieben. Die besondere Korvette ist mit einem leistungsfähigen Ortungsschutz von Varantir ausgestattet worden. Nun bildet das Schiff die Eingreifreserve, falls die SOL sie benötigt. Etwa 20 Spezialisten bilden die Besatzung. Einer von ihnen ist Ennyas Anchi. Der auf Evolux geborene Solaner-Nachfahre ist mit seinen 22 Jahren ein Frischling. Trotz seiner Unerfahrenheit hat Roi Danton ihn persönlich ausgewählt. Und Anchi hat nicht die geringste Ahnung, warum er ausgesucht wurde. Er hatte sich für die von Roi Danton gegründete Nachwuchsschmiede beworben. Allerdings wurde er abgelehnt.
Er wird Dantons Stellvertreter an Bord, Peet Matabiau, vorgestellt. Der sorgt dafür, dass Ennyas Anchi in den folgenden Tagen eine Ausbildung erhält. Seine Trainerin ist Minon Crompton, eine Positronikspezialistin. Nach Tagen der Ausbildung bekommt die CALAMAR einen Datensatz der SOL zugespielt. Es sind Koordinaten einer geheimen Waffenschmiede von BARILS Rittern, die Perry Rhodan erbeutet hat. Roi Danton soll sich dort umsehen.
Die CALAMAR erreicht nach drei Tagen ein Sternsystem, das noch in der Entstehung begriffen ist. Das Zentralgestirn wird nur von Staubmassen umkreist, die erst in Jahrmillionen Planeten bilden werden. Eine 1500 km durchmessende Nebelzone erregt die Aufmerksamkeit der Solaner. Zahlreiche Raumstationen umkreisen die Zone, die offensichtlich mit Projektoren errichtet wurde. Dazu kommt ein riesiger Schiffsverkehr unterschiedlicher Spezies. In all dem Trubel setzt ein Team von der CALAMAR auf eine der Stationen über, um Informationen zu sammeln. Roi Danton, Peet Matabiau, Minon Crompton und Ennyas Anchi bringen in Erfahrung, dass die Stimme BARILS, also der höchste Ritter in diesem Orden zusammen mit Vertretern der Chaos-Mächte an einem extrauniversellen Portal arbeitet. Das Team kann eine besondere Station erreichen. Dort ist auch eine Skapalm-Bark TRAITORS eingeschleust. Mit dem Eintreffen von Haldukass, der Stimme BARILS und Krefferk, einem Diener des Chaos, gerät das Team in Gefahr und sucht nach einem Ausweg.
 
Roi Danton würde eine stärkere Rolle in dieser zweiten Mini-Serie um die SOL spielen. So glaubte ich. Das Absetzen der CALAMAR mit dieser Figur an Bord deutete dies auch an. Und tatsächlich spielt Roi Danton in diesem Roman von Olaf Brill eine größere Rolle. Größer beinahe, als in den 12 Romanen der ersten Serie zusammengenommen. Und doch ist er nicht die Hauptfigur. Die ist ein anderer. Ennyas Anchi, ein Neuling. Olaf Brill schildert alle Geschehnisse aus der Sicht dieses Jungsolaners.
Und dessen Sicht ist eine emotionsgeladene Sicht. Eine mit Höhen und Tiefen. Ennyas Anchi ist nicht gerade eine Figur, die ich nach den ersten Zeilen als sympathisch einstufte. Was nicht unbedingt gleich zur Abwertung führt. Es gibt genügend andere Figuren, die ich als unsympathisch empfinde. Und deren Auftreten ich dennoch mit Begeisterung folge.
Die Figur des Ennyas Anchi wird an der Seite einer noch jüngeren Figur eingeführt. Der Autor gibt das Alter der beiden mit 22 und 20 an. Junge Erwachsene. Stilmäßig fühlte ich mich eher an Jugendliche erinnert. Und der Roman schien auf den ersten Seiten eher ein Jugendabenteuer zu werden. Die Dialoge und Handlungen wirkten so grün wie ihre Figuren. Dörfler eben, wie der Autor mehrfach betont. Damit folgt die Serie auch im 2. Zwölferblock den schon eingeschlagenen Pfaden aus der ersten Mini-Serie. Man nehme einen Unsterblichen und kombiniere diesen mit einfach gestrickten Figuren vom Land.
Nach den ersten Seiten und nachdem Anchi auf seine Mission geht, verweht dann glücklicherweise weitgehend der Stil des Jugendabenteuers. Passagen, die eher einem Jugendroman glichen, wechselten sich nun ab mit Abschnitten, die näher am Niveau der EA lagen. Ohne dies allerdings zu erreichen. Die Gefühlswelt Anchis nimmt zunehmend eine beherrschende Rolle ein. Die ist anfänglich jugendlich-arrogant. Anchi wird als „gönnerhaft“ beschrieben. Doch er ist auch wissbegierig. Er will auch nicht alles über Hypnoschulung erlernen. Er stellt eigene Recherchen an. Allerdings ist Geduld nicht seine Stärke. Er überschätzt seine Fähigkeiten. Und er verbreitet Lügen, um andere in ein schlechtes Licht zu stellen. Das ist allerdings keine Unerfahrenheit, die er da an den Tag legt. Das ist schlechter Charakter. Aber Figuren sollen ja auch eine Entwicklung machen. Die macht Anchi tatsächlich. Nur ist diese Entwicklung holprig und wirkt an einigen Stellen gekünstelt, bzw. hinausgezögert. Denn Olaf Brill drückt zwischenzeitlich auf die Bremse. Er lässt an entscheidenden Stellen nicht die Reaktionen anderer Figuren zu, die der Entwicklung der Figur des Jungsolaners förderlich gewesen wären. Besonders deutlich wird dies in zwei Passagen. In der einen lügt Anchi über einen Vorfall, während eines Einsatzes von Matabiau. Er behauptet, dies so von Meyun erfahren zu haben. Seine Gesprächspartnerin ist Crompton. Die war dabei und erkennt also, dass der Junge Lügen verbreitet. Doch statt aufzuklären und den Jungen gleich in die Schranken zu weisen, lässt der Autor die Figur eine andere Rolle spielen. Warum eigentlich? Nur damit sie ein wenig eingeschnappt ist? Der Autor lässt nicht die naheliegende Antwort von Crompton zu, bzw. erst ganz am Ende. Und auch da werden die Reaktionen nicht plausibel geschildert. Deutlich wird dies im Gespräch zwischen Anchi und Crompton an Bord der Space-Jet. Anchi will wissen, warum er ausgewählt wurde. Und verspürt bei den „Erklärungen“ Cromptons „kalte Wut“, die in ihm aufsteigt. Dabei sind die Erläuterungen eigentlich geeignet, seinen Stellenwert in der kleinen Gruppe zu erhöhen. Doch Brill will die einfachen Emotionen wohl noch längere Zeit „pflegen.“ Er verzichtet darauf, die Auswahlentscheidung durch Crompton mit dem nötigen Nachdruck zu vertiefen und damit das Selbstwertgefühl von Anchi zu steigern. Stattdessen wird die Figur in ihrer Gefühlswelt „ungeeignet“ für diese Mission zu sein, noch bestärkt. In dieser Szene fehlte es an einer Ohrfeige für den Protagonisten.
Seite 48: „Das verstand Anchi. Als er über Matabiau gelästert hatte, da hatte er in Wahrheit dasselbe Urteil über Crompton gefällt. Deswegen hatte sie so gallig reagiert.“
Nö, lieber Autor. Das war es nicht. Anchi hatte an der Stelle zwar gelästert aber Crompton hätte ohne Probleme seine Lüge mit dem Stolpern auflösen können. Und nicht nur ohne Mühe. Es wäre, das sie ja dabei gewesen war, auch naheliegend gewesen, den Neuling in die Schranken zu weisen. Stattdessen reagiert sie tagelang abweisend. Sorry, aber das sind einfach arg konstruierte Inhalte, die selbst bei Dreifachdummköpfen (Begriff aus dem Roman) deplatziert erscheinen und nur einem einzigen Zweck dienen. Diese unpassenden Emotionen noch eine Zeitlang als ein Makel den Figuren aufzudrücken, statt sie zu entwickeln. Doch die Figur bleibt erst mal wie sie ist. Schade!
Manche geschilderte Emotion oder Reaktion scheint im Widerspruch zum ansonsten geschilderten Gefühlsleben des Protagonisten zu stehen. Nicht falsch, aber irgendwie auch nicht passend. Der gleiche Anchi, der so dumme Lügen verbreitet, weil er glaubt, darüber mit anderen schwätzen zu können, hegt plötzlich aber auch andere, sensiblere Gedanken, als er sich die Zukunft des Mauritiussystems in Jahrmillionen vorstellt.
Anchis Gefühlskurve ist schon eine rechte Zick-Zack-Line. Und seine Überlegungen sind ebenfalls sprunghaft. Manche Schilderung lässt sich natürlich seiner Unerfahrenheit unterordnen. Schließlich schildert der Autor seine Geschichte aus der Perspektive von Anchi. Aber es lässt sich eben nicht alles darunter summieren. Beispielsweise als sie an Bord von S-1 gehen. Die Kontrollen, wenn man sie als solches überhaupt bezeichnen kann, regen Anchi zu der Überlegung an, dass Dantons Zellaktivatorchip entdeckt werden könnte, wenn sie gescannt würden. Auch das ist nicht verkehrt. Allerdings wäre eine andere Überlegung naheliegender gewesen. Nämlich dass sie auffliegen würden, da sie gar keine Fengolyonen sind, sondern eben Terraner. Die haben 1 ID-Karte geklaut, und 1 Schiff und sonst keine Tarnung betrieben. Diese Überlegung, hinsichtlich eines Datenabgleichs zwischen Aussehen und Gästen, kommt vom Autor tatsächlich später noch. Und zwar dann, als sie in die vier zugewiesenen Quartiere angelangt sind. Ich bevorzuge Lektüre, in der die Figuren zu dem Zeitpunkt, in dem etwas geschieht, naheliegende, zur Situation passende Überlegungen anstellen. Olaf Brill hingegen „schiebt“ naheliegende Gedanken und Reaktionen der Figuren zwei Seiten später als Beschreibung oder Beobachtung hinterher. Die Geschichte entfaltet dadurch keine Schlagkraft. Und dann sind die nachgeschobenen Erklärungen auch noch unvollständig. Angefordert waren sieben Fengolyonen. Danton und Co sind jedoch nur vier. Auch hier müssten Interaktionen zwischen Stationspersonal und dem Einsatzteam eingeschoben werden. Um einfach mehr Spannung zu generieren! So bleibt vieles harmlos.
Ich haderte mit dieser Figur. Es gelang mir nicht immer, mich als Leser auf die Figur einzulassen. Und es gab auch andere Passagen, die mich irritierten. Die CALAMAR nähert sich der Nebelzone getarnt. Allerdings macht sie den Anflug durch den Staubgürtel. Nun kenne ich zwar die Wirkungsweise des Ortungsschutzes nicht. Allerdings kennt ihn Danton auch nicht. Von daher könnte sich die Korvette durch den Flug innerhalb des Staubgürtels verraten, weil sie die Materie beeinflusst. Nun, das Manöver blieb ohne Auswirkung. Nur ich machte mir Gedanken darüber.
Die Erfolge des Teams sind übrigens einzig auf lasche Kontrollen zurückzuführen. Der Supermarkt bei mir um die Ecke hat härtere Kontrollen am Einlass und im Markt selbst. Deplatziert wirken auch andere Gedanken, die der Autor seiner Figur Anchi mitgibt. Der beobachtet auf S-1 Wesen, die allesamt ihrer Arbeit nachgingen. Und kommt zu dem Schluss, dass es an Bord offenbar keine Zivilisten gäbe. Schon merkwürdig. Zivilisten arbeiten also nicht!
Am Ende zeigt Anchi Skrupel. Er kann nicht auf Krefferk schießen. Matabiau bescheinigt ihm, dass dies sogar gut sei. Denn wenn er ohne Training auf Krefferk geschossen hätte, wäre er ein kaltblütiger Mörder. Und so einen wollen sie im Team nicht haben. Und was ist jetzt der Umkehrschluss aus dieser Szene? Mit Training wäre es in Ordnung, ein kaltblütiger Mörder zu sein? Oder nur Kaltblütig, weil ein etwaiges Training ihm diese Handlung nun erlaubt? Oder ein Mörder, weil er ein Training genossen hat? Oder erlaubt es das Training zu differenzieren, wen man töten darf und wen nicht?
Mein Fazit: Eine Geschichte und eine Figur, mit der ich leider nicht warm wurde.