Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 12

Der Würfel fällt – von Kai Hirdt
Im Susmalsystem empfängt Perry Rhodan den Algorrian Curcaryen Varantir an Bord der SOL. Der geniale Wissenschaftler ist mit der Korvette, die ihm Rhodan vor Wochen überlassen hatte, zurückgekehrt und macht dem Unsterblichen und den Solanern massive Vorwürfe. Durch den Situationstransmitter sind Chaospartikel zurück nach Evolux geflossen. Der Transmitter wurde zwar inzwischen abgeschaltet, aber in der Proto-Chaotischen Zelle in Evolux wurden die Partikel inzwischen vervielfacht und fließen über andere Transmitterverbindungen zu ähnlichen Hinterlassenschaften der Chaosmächte, wie im Susmalsystem. Nach Aussage Varantirs bilden sich nun in 180 bewohnten Sonnensystemen Proto-Chaotische Zellen. Die Kosmokraten werden ähnliche Einheiten wie die NEUBEGINN entsenden und rücksichtslos diese Chaoszellen auslöschen und damit Milliarden Wesen töten.
Perry Rhodan sieht nur einen Ausweg. Die Proto-Chaotische Zelle in Evolux muss vernichtet werden. Der Terraner hatte zunächst das Mittelteil der SOL retten und danach fliehen müssen. Aber nun will er seinen ursprünglichen Plan umsetzen. Die Proto-Chaotische Zelle in Evolux wird von acht Stationen stabilisiert. Damit sie zerstört werden kann, müssen drei Stationen vernichtet werden. Als die SOL mit Varantirs Hilfe per Situationstransmitter nach Evolux zurückkehrt, sperrt sich der Sequenz-Rat gegen diesen Plan. Die Technik der Werftwelt ist an die hyperphysikalischen Emanationen, die der Kern aussendet, angepasst. Eine Zerstörung würde die Werftwelt für Jahrhunderte lahm legen. Der Sequenz-Rat verfolgt stattdessen den Plan, die sich bildenden Chaos-Zellen mit Initiatoren, wie der NEUBEGINN, zu vernichten.
Den Solanern bleibt nichts anderes übrig, als selbst die Initiative zu ergreifen und Kommandos zu den acht Stationen auf Evolux zu entsenden. Doch die Ordnungsmächte erwarten sie dort bereits. Mit neuen Verbündeten verfolgt Perry Rhodan einen neuen Plan. Drei der acht Sonnen, die Evolux mit Energie versorgen, sollen vernichtet werden. Das würde die Proto-Chaotische Zelle auflösen, allerdings auch die Werftwelt zerstören. Den Bewohnern bliebe jedoch genug Zeit für eine Evakuierung. Auch diesem Plan setzen die Herrscher des Systems Widerstand entgegen. Noch dazu zeigt sich ein Verräter an Bord der SOL, dem Mahlia Meyun auf die Spur kommt. Perry Rhodan und die Heilerin kämpfen an zwei Fronten um das Leben von zahllosen Intelligenzwesen in Tare-Scharm.
 
Für die Besprechung des letzten Bands der Miniserie ist es leider unumgänglich, sich verstärkt mit Inhalten auseinanderzusetzen. So gerne ich einiges in der Kurzzusammenfassung offen lasse, um nicht zu viel zu spoilern, so gerne will ich allerdings auch auf den Stoff eingehen. Ich beginne mit einem Zitat von Mahlia Meyun aus diesem 12. Heft:
„Wow“, sagte Mahlia zu niemanden Bestimmten. „Noch ein Verräter?“
Dieser Satz charakterisiert wie ich finde sehr gut nicht nur diesen Abschlussband, sondern auch die ganze Serie. Es ging beständig um Betrug und vor allem um Verrat. Die Eoracten begingen Verrat, an Bord der SOL wurde Verrat begangen. Auf Evolux sowieso.
Doch zum Roman. Kai Hirdt steigt mit einem in Ich-Form erzählten Rückblick auf die Historie der SOL in den Abschlussband der Miniserie ein. Fee Kellind ist es, die sich an die Täuschungen erinnert, die sie und das Schiff in den letzten zweieinhalb Jahrhunderten begleitet haben. Dabei wollten die Solaner der SOL immer einer großen Sache dienen und wurde mehr als einmal getäuscht. So auch diesmal. Die SOL hat dazu beigetragen, dass etwas freigesetzt wurde, das nun eine ganze Galaxis bedroht. Dieser kurze prägnante Rückblick hat die folgende Handlung sehr gut eingeleitet.
Danach setzt Kai Hirdt die Handlung mit Perry Rhodan und Mahlia Meyun fort. Mit den beiden Protagonisten, die die letzten 11 Romane bestimmt hatten, geht der Autor auch ins Finale. Während in der Perry Rhodan-Ebene gleich die Weichen zurück nach Evolux gestellt werden, wird die Heilerin wie schon so häufig zum Beginn eines neuen Lebensabschnittes geschildert. Der wievielte war das doch gleich? Ich habe aufgehört zu zählen. Und auch Kai Hirdt wurde nicht müde, einige der vorangegangen finsteren Kapitel von Mahlia Meyun nochmals in Erinnerung zu rufen. Beinahe schon gebetsmühlenartig sind sie geraten, diese Rückschauen. Nachdem im vorletzten Band Mahlia Meyun noch diverse Außeneinsätze absolvierte, schickt sie Kai Hirdt zunächst zurück an den Herd. Die Heilerin bezieht ein neues Quartier und ist für ihre Kinder da.
In den folgenden Kapiteln erhöhte sich der Kontrast zwischen den Erzählebenen Rhodan und Meyun drastisch. Rhodan agiert auf der Weißen Welt, attackiert Einrichtungen zur Zerstörung der Proto-Chaotischen Zelle, hantiert mit dem Gesetzgeber CHEOS-TAI und setzt künstliche Elemente der Kälte ein, um Sterne zu zerstören. Derweil kocht Mahlia Meyun einen Eintopf, kümmert sich um den Kräuteranbau und hat ein nettes Wort für ein paar Patienten auf der Medostation. Als ich schon glaubte, dass mit Mahlia Meyun nicht mehr zu rechnen sei, holt der Autor diese Figur zurück und setzt sie in Szene. Endlich, wie ich fand. Die letzten zwanzig Seiten zeigen eine Mahlia Meyun, die keine Überkämpferin ist, die aber den Verrat, vielmehr den mehrfachen Verrat durchschaut und handelt. Zwanzig Seiten im letzten Roman von Zwölfen reißen nicht viel raus. Dennoch, Kai Hirdt kann einer eigentlich schon verbrannten Figur wieder Leben einhauchen.
Der Aufbau des Finales konnte überzeugen. Die Hürden werden ein ums andere Mal für die Figuren höher gelegt. Und wenn man als Leser glaubte, eine Auflösung erhalten zu haben, entpuppte sich das ein Kapitel weiter als Irrweg und der Autor baute eine weitere Wendung ein. Ganz am Ende gibt es dann die letzte Wendung. Perry Rhodan kehrt doch (noch) nicht zurück in die vom Weltenbrand bedrohte Milchstraße. Er soll für seine Taten Buße tun und mit der SOL eine weitere Reise antreten. So, wie es aussieht und vom Verlag bereits angekündigt wurde, eröffnet sich mit diesem Kniff eine Fortsetzung der Miniserie um das Raumschiff SOL. Im Frühjahr 2020 soll es weitergehen.
Das Finale löst alles auf und der Roman hat mir, insbesondere in der zweiten Hälfte vom Aufbau und vom Figureneinsatz her, gut gefallen. Vielleicht schreibe ich noch ein Fazit zur Serie, denn da ist doch einiges, was mir nicht so zugesagt hat. Beispielsweise Rhodans Problemlösungsstrategien. Irre ich mich, oder setzt Rhodan beinahe durchgängig auf den Einsatz von Gewalt, um seine Ziele zu erreichen?
 

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 11

NEUBEGINN – von Dietmar Schmidt
Die SOL ist ins Susmalsystem zurückgekehrt und dort in die Verbotene Zone eingeflogen. Der schwarze Chaos-Fleck konnte unter den besonderen Bedingungen des chaotischen Mischraums entfernt werden. Allerdings ist die Gefahr für das Schiff noch nicht vorbei. Denn die SOL sieht sich zwei Ksuni-Flotten gegenüber. Regierungstruppen und Rebellen bekämpfen einander. Und die SOL ist für beide Parteien ein Feind. Zudem haben die Ksuni Traitanks reaktiviert. Im begrenzten Raum der Verbotenen Zone werden die Schiffe des Chaos zur Gefahr für die SOL. Und die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende. Die Raum-Zeit entartet erneut zum Chaotischen. Durch den aktiven Situationstransmitter findet ein Austausch zur Proto-Chaotischen Zelle in Evolux statt. Der Transmitter muss unbedingt abgeschaltet werden und die Fraktale Aufriss-Glocke um die Verbotene Zone ebenfalls.
Roi Danton geht mit einem Einsatzteam, dem auch Mahlia Meyun freiwillig angehört, an Bord des Kolonnen-Docks. Sein Ziel ist die Zentrale und mit seinen Kenntnissen der TRAITOR-Technologie hofft er, die SOL unterstützen zu können. Mahlia Meyun hingegen hat noch eine Rechnung offen, die sie an Bord des Kolonnen-Docks begleichen will.
Perry Rhodan an Bord der SOL bekommt von Colwin Heltamar in der Zwischenzeit die wahre Geschichte der Eoracten zu hören und von Eoract selbst, jenem starken Geist, den Roi Danton und Pravo Ylapp im inneren der Proto-Chaotischen Zelle gespürt haben. Und als wäre das nicht genug sieht sich die SOL einer weiteren Bedrohung ausgesetzt. Die NEUBEGINN erscheint. Ein 1126 Kilometer durchmessender Kugelraumer von der Art eines GESETZ-Gebers. Das Schiff beabsichtigt, die Chaotisierung der lokalen Raumzone rückgängig zu machen. Da das nicht gelingt, greift das Kosmokraten-Schiff zu einer drastischeren Maßnahme. Es versetzt das ganze System in einem Zustand, bevor irgendetwas existiert hat. Das Susmalsystem wird initialisiert.
Das Vorhaben würde die Zivilisation der Ksuni auslöschen und auch die SOL vernichten, die der Verbotenen Zone nicht entkommen kann.
 
Raus aus Band 10 und hinein in eine Raumschlacht. So der Beginn des 11. Heftes der Miniserie. Die SOL muss sich trotz überlegener Triebwerke und Technik zwei sich belauernder Ksuni-Flotten erwehren. Autor Dietmar Schmidt beschreibt recht anschaulich, mit welcher Technik sich die Ksuni-Schiffe durch den Raum bewegen. Nicht mehr ganz so anschaulich geraten die Darstellungen, die die Manöver der SOL zum Inhalt hatten. Obwohl das Fernraumschiff den Ksuni-Schiffen an Wendigkeit und Beschleunigung in jeder Hinsicht überlegen ist, tun sich die Solaner schwer. Bevor es zu peinlich für die SOL wird, kippt der Raum in der Verbotenen Zone dann doch wieder ins Chaotische und befreit die Solaner von weiteren misslungenen Manövern. Die Figuren, die nun das Schiff führen, bleiben mit Ausnahme von Fee Kellind, die selbst kaum Auftritte hat, blass. Hier wird ein Manko deutlich, das mit dem grundsätzlichen Aufbau der Miniserie zusammenhängt. Diese Figuren, die nun die SOL retten sollen, waren 10 Hefte lang unsichtbar. Stattdessen bevölkerten die Solaner-Nachkommen mehr schlecht als recht das legendäre Schiff. Und nun, mit einem Fingerschnippen, sind die bekannten und bei mir – ich gebe es zu – nicht gerade beliebten Figuren, durch andere unbekannte Figuren ersetzt worden. Mit den neuen Figuren kann ich mich als Leser kaum noch identifizieren. Am Ende dieser Serie ist das Personal einmal vollständig durchgetauscht worden. Mahlia Meyun und Pravo Ylapp sind als Einzige übriggeblieben.
Im vorletzten Band der Miniserie bietet sich dem Leser nach den Manövern zu Beginn erstmal nichts Neues. Mahlia Meyun stellt sich wie gewohnt ihren Ängsten und ihrem Versagen der letzten Wochen und bekommt mit Roi Danton einen Seelenverwandten an die Seite gestellt, mit dem die „Vereint im Leid“-Variante einen ihrer unzähligen Aufgüsse erlebt. Die inkonsistente Schilderung der Heilerin findet dann auch eine Fortsetzung. Die, die endlich (letzter Roman) ebenfalls zum wiederholten Male nur noch Heilerin sein wollte, meldet sich freiwillig zum Risikoeinsatz. Klar, dass sie ins Kolonnen-Dock mitgenommen wird. Bei der Kompetenz! Glücklicherweise ist ihr SERUN nicht so hochgezüchtet, wie in der EA geschildert. Die Panikattacken, die sie befallen, bleiben daher unbemerkt. Und sie rettet sogar einem Einsatzmitglied das Leben. Und wie fällt die Reaktion ihres Seelenverwandten Roi Danton aus? Er rügt sie für den Einsatz, bei dem sie ein Teammitglied gerettet hat. Und sie möge dies doch bitte den Spezialisten überlassen. Also denen, die gerade das nicht geschafft haben? Ich war verwirrt. Mahlia Meyun ausnahmsweise nicht, denn sie kontert Dantons Zurechtweisung. Doch Psychologe Danton hält dagegen und wirft der Heilerin nun Überkompensation vor. Spätestens da hätte ich die beiden per Fernsteuerung nach Hause geschickt. Dietmar Schmidt hatte jedoch ein Einsehen und schleppte die beiden Streithähne weiter mit. Der unrühmliche Höhepunkt ist sicherlich Meyuns Verlassen der Zentrale des Kolonnen-Docks, das mit Verlusten eingenommen wurde. Und Danton lässt sie ziehen. Oh je! Das hätte man geschickter lösen können, indem man die Figur vorher von der Gruppe getrennt hätte. Aber so?
Die Aufarbeitung der Geschichte der Eoracten durch Colwin Heltamar brachte Licht in die zuletzt nur undeutlich als mächtiges Bewusstsein gehandelte Präsenz in der Chaos-Zelle. Die Dialoge in der Zentrale der SOL, die Heltamars Erzählung begleiten sind insofern ganz erfreulich, als dass Dietmar Schmidt die Rollen von Perry Rhodan und Pravo Ylapp vertauschte. Während der ehemalige Diener Senns mit klugem und kultiviertem Auftreten glänzt und am Ende Reaktionsschnelligkeit beweist, zeigt der erfahrene Unsterbliche und Sofortumschalter das genaue Gegenteil.
Manche Textpassagen wirkten holprig. Beispielsweise als Danton in der Zentrale des Kolonnen-Docks die Oberhand gewinnt und eine Darstellung des umliegenden Raums projiziert. Denn nun muss der Autor nachschieben, dass zwischenzeitlich ein informatives Funkgespräch stattgefunden hat. Wo doch bislang der Funk gestört war.
Was ich überhaupt nicht verstanden habe, ist, wie die Kolonnentechnik, die im Roman anfänglich erwähnt, nicht an die Bedingungen der Hyperimpedanz angepasst wurde und auf den Stand vor 20 Millionen Jahren beruht, nun die SOL so aufwerten kann, dass sie der NEUBEGINN Paroli bieten kann. Abgesehen davon, dass die Aufrüstung nur ein paar Stunden dauert. Das hätte selbst Scotty in einem Trockendock nicht geschafft! Ebenso unklar bleibt manches Detail der Handlung. Die Beteiligten sind innerhalb der Zone mit dem Kolonnen-Dock gefangen. Die Potentialwerfer beispielsweise nutzen die Hyperbarie naher Sonnen. Doch durch die Fraktale Aufriss-Glocke sollte das nicht gehen. Mit der Einführung der Hörstöpsel gelingt Dietmar Schmidt eine Überraschung. Diese Technologie wurde in der Perry Rhodan-Serie bislang nicht eingesetzt. Ach, die guten alten Hörstöpsel!
Der grundsätzliche Rahmen und der Aufbau der Geschichte haben mir gefallen. Der Autor lässt seine Figuren Erfolge erzielen und Rückschläge verzeichnen. Und steigert das Bedrohungspotential während des ganzen Romans. Um am Ende nochmal eins draufzupacken. In den Details zeigen sich jedoch Schwächen. Die Abgrenzung zwischen Verbotener Zone und dem Wirken von NEUBEGINN wird nicht deutlich. Die Problemlösung mit der SOL-Aufrüstung wird die Waffenfanatiker entzücken. Aber auch da ist vieles Hoppla-Hopp geschehen und die Hyperimpedanz blieb unberücksichtigt.
Fazit: Guter Spannungsbogen in diesem Roman, aber die Therapie geht noch bis ins Finale. In den Details zeigen sich Höhen und Tiefen. Zu den Figuren (alte und neue) kann kein Draht aufgebaut werden. Der Austausch der Nebencharaktere kurz vor Ultimo ist ein schwerer handwerklicher Fehler im Aufbau der Miniserie, denn die SOL wird nicht zuletzt über ihre Crew identifiziert. Und die genießt zu wenig Augenmerk im Plot.

Ansichten zu Perry Rhodan Mission SOL Heft 10

Die Höllenfahrt der SOL – von Olaf Brill
In der Proto-Chaotischen Zelle sind das Mittelteil der SOL und die SZ-1 aneinandergekoppelt worden. Doch das Schiff kann die Zone des Chaos nicht verlassen, solange die Parafragmente die Besatzungsmitglieder befallen haben. Roi Danton soll mit Colwin Heltamars Hilfe und einer modifizierten SERT-Haube ein besonders mächtiges Parafragment anlocken und damit die Bewusstseinssplitter aus den Körpern der Solaner vertreiben. Nachdem Danton scheitert, wagt Pravo Ylapp, dessen Geist vom Orakel geheilt wurde, den Versuch. Dem ehemaligen Diener Senns gelingt das Unterfangen und das Schiff kann die Zone des Chaos verlassen. Kaum ist die SZ-2 angekoppelt und die SOL damit erstmals seit langer Zeit als kompletter Verbund unterwegs, fällt die Fraktale Aufriss-Glocke über dem Zugangsschacht zur Unterwelt und schwer bewaffnete Kampfschiffe dringen zu den Eoracten vor und greifen auch die SOL an. Das Schiff flieht unter Fee Kellinds Kommando durch einen Situationstransmitter, den Colwin Heltamar als Notausgang eingerichtet hat.
Im Halo der Galaxis Tare-Scharm begutachten Perry Rhodan und Fee Kellind das Schiff und machen eine beunruhigende Entdeckung. Etwas von der Proto-Chaotischen Zelle hat sich am Mittelteil der SOL angeheftet. Und es wächst. Nach Auskunft Heltamars wird es das Schiff zerstören. Nur in einem chaotischen Raum kann die SOL von der Bedrohung befreit werden. Die SOL setzt Kurs zum Susmalsystem. Dort in der Dunkelzone mit dem Kolonnen-Dock und dem Kolonnen-Fort verspricht Heltamar, kann die SOL gerettet werden. Der Flug gerät zum Albtraum, da das Chaos-Teil Schiff und Besatzung in verschiedene Realitäten stürzt.
 
Im zehnten Roman der Miniserie Mission SOL zeigt sich das legendäre Schiff der Perry Rhodan-Serie endlich wieder vollständig. Autor Olaf Brill schickt die bekannte Paarung Perry Rhodan und Mahlia Meyun auf eine albtraumhafte Reise. Doch bevor es soweit ist, müssen zwei Drittel des Schiffes erst einmal befreit werden, damit es zur Wiedervereinigung der Schiffsteile kommt. In einigen Beschreibungen, die die SOL selbst betreffen und die Hohlwelt der Eoracten, stellt sich bei mir endlich das Gefühl ein, eine Serie rund um das Raumschiff SOL zu lesen. Die Kopplung, bekannte Alt-Solaner, die auf ihre Posten zurückkehren, ein phantastischer Handlungsort und natürlich mehrere Bedrohungen, die Schiff und Besatzung in Atem halten.
Sehr zu meiner Freude macht Olaf Brill dann etwas, auf das ich ebenfalls lange warten musste. Zwischenzeitlich schien es in anderen Romanen davor das eine oder andere mal schon so weit, aber immer wieder kam es dann doch anders. Von was ich spreche? Die Rede ist von Mahlia Meyun. Und davon, wie sich diese Figur selbst sieht und welche Konsequenzen sie aus ihren bisherigen Handlungen zieht. Und die Rede ist davon, dass sich Rhodan und Meyun endlich mal genau darüber unterhalten. Mahlia Meyun hält sich für eine starke Frau, die dennoch Fehler gemacht hat. Sie hat Machtmittel missbraucht und sieht diese Fehler ein. Ihre weitere Bestimmung sieht sie als Heilerin. Und Rhodan bestärkt sie darin.
Alles gut deswegen? Leider nein. Denn plötzlich, als wäre das alles gar nicht geschehen, präsentiert sich der Rest der Geschichte wieder genau so, wie sich die ersten neun Romane der Serie bei mir angefühlt haben. Die Figuren fallen in die alten Darstellungsmuster zurück. Olaf Brill beschreibt insbesondere Mahlia Meyun wieder mit allen bekannten emotionalen Höhen und Tiefen. Sie eckt wieder an, macht mal hier ein freundliches Gesicht und zeigt Qualitäten als Heilerin, wirft dann anderen etwas vor, um es kurze Zeit später zu revidieren, verbietet im groben Ton ihrem Ehemann zum wiederholten Male den Kontakt zu ihren Kindern, mag mal Danton, mal wieder nicht, zeigt sich Perry aufgeschlossen, mal wieder nicht, wirkt betroffen bei verschiedenen Anlässen und unterkühlt in anderen, usw. usw. Die Figur kann bei mir kaum noch zu einem wie auch immer gearteten Image gelangen. Alleine schon deshalb nicht, weil der Autor immer und immer wieder in Rückblicken die schlechten Seiten dieser Figur rekapituliert und seiner Figur deren gescheiterten Führungsentscheidungen permanent vor Augen führt. Selbstredend sind es in den verschiedenen Realitäten dann auch die Figuren, die ihr erscheinen, deren Ableben sie derart destabilisiert haben. Und der Autor macht munter damit weiter. Mahlia Meyun wird an allen Orten mit Leid und Tod und ihrem Versagen konfrontiert. Und der Autor breitet das genüsslich aus, indem er den Leser wieder an diese Situationen erinnert. Welchem Zweck die inzwischen 10-bändige Höllenfahrt der Mahlia Meyun dient, bleibt mir unklar.
Eigentlich sollte durch den Rückstand des Chaos an der Mittelzelle der SOL ein bedrohliches Szenario geschildert werden. Doch der Flug ins Susmalsystem war eine einzige große Familientherapiesitzung mit gelegentlichen Actionelementen. Obwohl, die eine oder andere Kuriosität, die ein wenig dem Comic-Stil von Olaf Brill entsprachen, gab es dann doch zu bestaunen. Beispielsweise das Picknick im Garten Eden im Angesicht der Katastrophe auf einer weiß-rot-karierten Decke. Und die Benutzung von Transmitter A und Transmitter B erinnerte mich entfernt an eine Episode aus dem Schaffenswerk von Stan Laurel und Oliver Hardy.
Fazit: Guter Beginn, hektisches Ende und dazwischen für meinen Geschmack zu viel Familien-, Gruppen-, Paar- Vater-Sohn- und Einzel-Therapie.